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Alemannen




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Woher kamen die Alemannen?


Den Begriff "Alemannen" prägten im Grunde jene griechischen und römischen Historiker, die in ihren Schriften über diesen Volksstamm berichteten. Man kann zu diesem Zeitpunkt aber aus historischer Sicht noch gar nicht von einem zusammengehörigen Stamm sprechen, so wird die Bezeichnung "Alemanni" in ältester Zeit auch lediglich als "zusammengespülter Haufen aller

die geheimnisvolle Figur des alemannischen Wolfskriegers
oder auch vieler (wehrfähiger) Männer" verstanden worden sein.

Diese zum Teil im Laufe eines lange währenden Prozesses im 3. und 4. Jahrhundert aus Westgermanien ausgewanderten Gruppen von vorwiegend elbgermanischen Sueben (german. sueba, deutsch "frei"), welche sich nachmals mit Teilen anderer Stammessplitter aus dem westgermanischen Kulturkreis zu den Alemannen formierten, sind laut später verfassten Werken im Jahr 213 n. Chr. erstmals in Erscheinung getreten. Ein Bericht über Plünderungszüge germanischer Stämme in der römischen Provinz nennt sie als Täter.

Des weiteren gibt es eine Meldung aus dem Jahr 233 und der Mönch Gregor von Tours lastet den Alemannen an, im Jahr 250 beinahe ganz Gallien verwüstet zu haben. Archäologische Befunde zeigen, dass schon ab 240 die römischen Infrastrukturbauten zumeist einen Rückbau erfuhren. Auch militärische Einrichtungen wurden reduziert oder ganz aufgegeben. Die Raubzüge und Kampfhandlungen setzten sich auch innerhalb Rätiens fort und gipfelten in besonders zerstörerischen Einfällen 254, sodass die Quellen im Jahr 260 berichten die Provinz Rätien sei verlassen.

die Porta Nigra in Trier
260 überqueren alemannische Truppen gar die Alpen, treffen bei Mailand auf römischen Widerstand und werden prompt bei der entbrannten Schlacht geschlagen. In Rom wird um 270 aufgrund der ständigen Bedrohung durch die feindlichen Truppen mit dem Bau einer Stadtmauer begonnen. Bei Augsburg können die Römer zwar einen Sieg gegen die Alemannen, genauer gesagt die Juthungen, für sich verbuchen. Innenpolitische Probleme und bürgerkriegsähnliche Zustände in der Provinz, sowie immer häufiger einfallende germanische Kampfverbände bewegen die römische Militärführung aber dazu, das Dekumatland und den alten Verlauf des Limes endgültig aufzugeben. Erste alemannische Stämme lassen sich daraufhin schon bald in dem vormaligen agri decumates nieder.

Genannt werden in den Schriften als im ehemaligen Dekumatland siedelnde Alemannen die Juthungen (Altmühltal und Gebiete nördlich der Donau), die Bucinobanten (Mainmündungsgebiet), die Brisgavi (Breisgau), die Rätovarier (Nördlinger Ries) und die Lentienser (Linzgau und Raum Bodensee). Auf römischer Seite hingegen geht man daran die Grenzlinie des Limes weiter südlich neu zu definieren. Als Grenzflüsse gelten nun Donau, Iller und Rhein und es folgen ab 278 militärische Ausbauten im Bodenseeraum, bei Isny wird das römische Heerlager Vemania errichtet und die Straße zwischen Brigantium und Cambodunum wird weiter ausgebaut.

Die tatsächlich erste zeitgenössische Nennung der Alemannen geht aus der überlieferten Lobrede des Mamertinus auf Kaiser Maximinianus zurück, welche er am 21. April 289 in Augusta Treverorum (Trier) abhielt. Die Rede bezog sich auf die römische Offensive unter Maximinianus von 288, welche über Rätien nach Germanien führte.

Zu Beginn des 4. Jahrhunderts entflammten immer wieder Kämpfe im Bereich des neu errichteten Donau-Iller-Rhein-Limes, woraufhin dieser massiv verstärkt und ausgebaut wurde. Um 300 entsteht dann eine erste alemannische Ansiedlung in Aalen und schon kurz darauf im Bereich des heutigen Heidenheim. Schon 355 kam es zum Kampf zwischen Römern und den Lentiensern im Bereich des Bodensees und 356 musste sich der Grenzwall als auch dessen Bewacher einer Bewährungsprobe stellen, als die alemannischen Juthungen versuchten in die römische Provinz Rätien einzufallen. Rätien galt dabei stets als "Schutzschild Italiens". 360 überfallen die Brisgavi die Grenzgebiete Rätiens und 369 gelingt dem Theodosius ein erfolgreicher Schlag gegen die Alemannen an der rätischen Grenze. Auch 383 konnte ein Angriff der Juthungen erfolgreich abgewehrt werden, 401 aber fällt für die Römer auch diese für die Kontrolle der Alpenpässe so wichtige Grenze.



Trotz des neu hinzugewonnen Territoriums besiedeln die Alemannen das vormalige Rätien nur zögernd. Erst etwa ab der Mitte des 5. Jahrhunderts bahnt sich eine aufkommende Siedlungstätigkeit an. Offenbar gab es Bündnisse einzelner Gruppierungen der Alemannen mit den Römern, welche den Schutz des Gebietes und der Grenzlinie als Gegenstand der Vereinbarung inne hatte. Das Gebiet unmittelbar am Rand der Alpen wurde aber weiterhin nur sehr langsam bevölkert, was letztlich wohl an dem doch wesentlich raueren Klima in Bergnähe gelegen haben dürfte. Wobei der Landstrich wohl immer noch von einem gewissen Anteil der vormaligen romanischen bzw. gallorömischen Bevölkerung bewohnt wurde, denn anders wäre es nur schwer erklärbar wie sich die überlieferten keltischen Orts,- Fluss- und Flurnamen hätten erhalten können. Letztlich gingen sie wohl in den Alemannen auf.

Die Alemannen unter dem fränkischen Joch


Pippin der Jüngere
Um 500 wird aus den Siedlungsgebieten der unterschiedlichen alemannischen Stämme das Königreich Alemannien. Doch kaum war das Königreich gegründet, unterwarfen die benachbarten Franken unter Chlodwig I. das gerade erst entstandene Reich. Theoderich, König der Ostgoten, stellt 506 die südlichen Teile Alemanniens unter sein Protektorat und nimmt die Flüchtlinge aus den nördlich gelegenen, von den Franken unterworfenen Landesteilen auf. Dreißig Jahre währt die Unterschutzstellung der Ostgoten, als deren neuer König Witigis das Gebiet mitsamt seiner Bewohner für die Gunst der immer stärker werdenden Franken preisgibt. Damit werden die fränkischen Merowinger endgültig zu deren Beherrschern.

Zunächst arrangieren sich die Alemannen mit der Situation. Die Gebiete werden von alemannischen Herzögen als Amtsträger für die fränkische Oberhoheit verwaltet und im 6. Jahrhundert das frühere Alemannien als das nunmehrige Herzogtum Schwaben in das Reich der Franken eingegliedert. Im 8. Jahrhundert gibt es jedoch Unruhen und Aufstände in den Reihen der Alemannen unter der strengen Herrschaft der fränkischen Hausmeier.

Langsam kommen sie näher

Funden zufolge nutzten die Alemannen im Bereich der schwäbischen Alb zahlreiche Höhlen für vermutlich rituelle Zwecke. Die zurückgelassenen römischen Ansiedlungen und Städte hingegen mieden sie, errichteten ihre Holzbauten und Grubenhäuser aber zumeist in der Nähe von römischen Gutshöfen und Straßen um die Infrastruktur für ihre Zwecke nutzen und die bereits von den Römern gerodeten Flächen bebauen zu können. Erste Nachweise der typisch alemannischen Gräberfelder sind für das 5. Jahrhundert im Gebiet von Leutkirch und in der Nähe von Isny (Kastell Vemania) festgestellt worden. Generell scheint das 5. Jahrhundert jene Zeit der größten alemannischen Expansion darzustellen und in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts treten auch erste Handelsbeziehungen der neuen Siedler mit Ländern des Mittelmeerraumes in Erscheinung. Dass dabei die antike Heeresstraße Via Claudia Augusta als einer jener Handelswege genutzt wurde, gilt als wahrscheinlich.

Die Alemannen im Allgäu/Außerfern



germanisch (alemannische?) Pferdeopferung aus der Sicht des Künstlers Friedrich Hottenroth (1875)
"...sie (die Alemannen) verabscheuten die beengenden Mauern der Städte, ließen sich viel lieber an Quellen, Wald oder Anhöhen nieder. Ihre Sitte und Lebensweise war rauh... / ...ihre Waffe war die Streitaxt mit doppelter Schneide und der Speer von mittlerer Länge, zu Wurf und Stoß, mit Eisen beschlagen, an der Spitze mit Widerhaken versehen, an der Lende hing das Schwert, an der linken Seite der Schild... / ...sie lebten in leicht erbauten Hütten, im Winter viele gar in Höhlen, im Krieg und auf der Weide unter Zelten, in angestammter Freiheit, unter ihren eigenen Fürsten, treu den Göttern ihrer Väter... / ...sie verehrten Bäume, Flüsse, Höhen und Täler... / ...sie schlachteten ihnen Pferde und andere Tiere als Opfer..."

...und hoher Wuchs, doch reicht die Kraft ihres Körpers nur zum Angriff. Mühseliger Anstrengung sind die Germannen nicht im gleichen Maße gewachsen und am wenigsten können sie Durst und Hitze aushalten, dagegen sind sie an Kälte und Hunger durch Klima und kargen Boden gewöhnt...
Tacitus - Germania
Schon während der Herrschaft der Römer breiten sich Angehörige alemannischer Stämme in der Region südlich des Limes bis an den Alpenrand aus. Sie bilden in der Endphase des Imperiums jene Bevölkerungsschicht, welche als Auxiliartruppen zur Sicherung der Militärgrenzen bis an die Donau eingesetzt werden. Die Ausbreitung der Alemannen im späten 5. Jahrhundert reicht in seiner Ausdehnung vom heutigen Elsass gegen Osten bis hin zum Lauf des Lechs. Eine alemannische Fibel (Gewandspange) und weitere Artefakte, aufgefunden im Bereich der heutigen Burg Ehrenberg, lässt auf einen ausgebauten Wachposten als allgemein sichtbare fränkische Landmarke mit alemannischer Besatzung oder gar eine einfache Höhensiedlung aus dem Zeitraum etwa des 7. Jahrhunderts schließen. Ein weiterer alemannischer Fund - eine Gürtelschnalle - ist auch für den Lechtaler Ort Elbigenalp belegt.

Auch der römische Historiker Tacitus wusste in seiner Germania über die Alemannen zu berichten, wenn diese Schriften auch nicht als objektive Schilderungen angenommen werden dürfen. Aber auch das mitunter voreingenommene Bild des Römers könnte einen Hinweis auf deren Umgang mit rauen Lebensbedingungen geben, wenn er da schreibt:

Das Heidentum

"...Wuotan - der höchste Gott der Alemannen - ist der Gott des Lebens... / ...Heilig ist ihm darum darum das Licht, der in den Wolken jagende Sturm, das sturmschnelle Roß, der luftbeherrschsende Adler. Als Lebensgott ist Wuotan der weise, alles leitende, die Guten lohnende, die Bösen strafende Gott, aber auch der des Krieges... / ...Er reitet mit breitem Hute oder mit blitzendem Helme bedeckt, von weitem Mantel umwallt, auf weißem Rosse... / ...Wuotans Tag war...[...]...der Mittwoch...[...]...und bei den Engländern noch Wednesday heißt... / ...Eine heilige Stätte Wuotans war der Auerberg, denn beim Bau der Kirche auf diesem Berge hat der hl. Georg nächtlicher Weile mitgeholfen. Hier schildert die Sage diesen Heiligen auf blendend weißem Rosse reitend, mit Purpur angetan, den silberstrahlenden Helm auf dem Haupte, mit Drachen und Ungetümen kämpfend. Züge, die sämtlich von Wuotan entlehnt sind und beweisen, daß hinter der Gestalt dieses heiligen Ritters eigentlich der alte Heidengott steckt... / ...Wuotans Gemahlin hieß Fria, deren heiliger Tag der nach ihr benannte Freitag war...

...Donar, der über Wolken und Regen gebietende, in Blitz und Donner sich ankündigende Gott, dessen Donnerkeile thurmtief in die Erde fahren... / ...Sein Tag ist der Donnerstag...

...Große Verehrung genoß Ostara, die Göttin des wiederkehrenden Himmellichtes, des Frühlings, also des werdenden Lebens. In ihrer Festzeit gibt man deshalb noch heute die Ostereier, denn auch das Ei ist ein Sinnbild des keimenden Lebens...

...Auch Perahta, die leuchtende, bald begabende, bald schreckende Erdgöttin, die in den heiligen Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönigstag alljährlich auf Erden ihren festlichen Umzug hält...
aus: Geschichte des Allgäus - Ludwig Baumann (1881)"


Der fränkische Einfluss in der Religion

Etwa ab dem Jahr 560 erfolgte im Gebiet der Alemannen der Übergang zum Christentum - zumindest aus fränkischer Sicht. Insgeheim blieben auch weiterhin Wotan, Donar und viele weitere germanischen Götter, sowie die heidnischen Opferaltäre im Zentrum des alemannischen Glaubens. Die Abneigung gegen alles fränkische ließ sie auch gegen deren Gott rebellieren. Wäre die Annahme des christlichen Glaubens doch auch einer indirekten Unterwerfung unter die fränkische Herrschaft gleichgekommen. Daran konnten zunächst auch die fränkischen Strafexpeditionen zur Einschüchterung und dem Vorantreiben der Konvertierung zum Christentum im 7. Jahrhundert wenig ändern.

Wahrscheinlich hatte aber in der gallorömischen bzw. romanischen Restbevölkerung in den im Verhältnis größeren Ansiedlungen eine Art kleiner christlicher Gemeinden überdauert. Auf die sich nun ansiedelnden Alemannen hatte dies aber keinen nennenswerten Einfluss. Erst als zu Beginn des 8. Jahrhunderts der iroschottische Mönch Magnus von St. Gallen aus gegen Füssen zog - auch auf Betreiben der Franken hin - konnte im Laufe der Zeit eine Um- und Abkehr von den heidnischen Gebräuchen und Riten beobachtet werden. Zu jener Zeit muss es aber auch schon eine gewisse Anzahl von Siedlern innerhalb des Außerferns gegeben haben, da mit einer Schenkung der Aschau an die Zelle des heiligen Mannes (Urzelle des Klosters St. Mang in Füssen) der Unterhalt dieser mittels des Zehents abgesichert wurde. Allerdings gilt diese Passage in der Vita des Magnus aus historischer Sicht als umstritten.

Siedlungsspuren

Die ersten Siedlungsspuren der Alemannen im Außerfern sind bisher archäologisch nicht genau fassbar. Im vorgenannten Bereich stellen jedoch jene Siedlungen mit den Endungen auf wang (eine baumfreie Fläche) die wohl ältesten durch Alemannen genutzten Fluren dar. Wobei wie erwähnt auch angenommen wird, dass sich entlang der vormaligen Via Claudia Augusta schon vereinzelt kleine Ansiedlungen, Höfe und Menschengruppen - und sei es auch nur als Straßenstation und zur Abstellung zum Erhalt der Straßentrasse - befunden hatten, als die ersten alemannischen Siedler im Ober- und Ostallgäu, als auch dem Außerfern im weiteren Verlauf ankamen.

Im Pfrontener Urbar, welches im Kern auf den Zeitraum des Überganges vom 14. zum 15. Jahrhundert zurückgeht, wird von Kolonistenverbänden berichtet. Diese erweiterten im 11. Jahrhundert die Siedlungsräume und trotzten den "wilden walden" ihren Kulturboden ab. Durch die aufwändigen Rodungsarbeiten wurde auf eine möglichst kompakte Ansiedlung geachtet, so sind speziell im Reuttener Becken wie auch dem Bereich Zwischentoren die geschlossenen Dörfer vorherrschend.

Da das raue Klima nur wenige Bodenerträge zuließ und eine wirtschaftliche Ausrichtung der Siedler speziell auf die Viehwirtschaft erforderte, reichten die gerodeten Nutzflächen bald nicht mehr aus um das Überleben einer anwachsenden Bevölkerung und ihrer Nutztiere sicher zu stellen. Die höher gelegenen und tiefer in die Täler hineinreichenden Gebiete wurden deshalb bald durch das sogenannte Schwenden vom größten Teil des Unterholzes und durch weitere Rodungen von den Waldflächen befreit um Weidegründe für die Tiere zu erschließen.

Mit ausgehendem 12. Jahrhundert tritt eine klimatische Warmphase ein, welche zu einem Anstieg der Bevölkerung führt. Die in den vorangegangenen Jahrzehnten erschlossenen Alpgebiete im mittleren und oberen Lechtal, sowie dem Tannheimer Tal wurden daraufhin zu Dauersiedlungen ausgebaut und winterfest gemacht.







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