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Alemannen


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• alemannische Lebensweise
Religion, Recht und Politik
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Literatur und Quellen



Leben im frühmittelalterlichen Alemannien


Gebäude

Der frühmittelalterliche Hof der Alemannen setzte sich zumeist aus einem Haupthaus und mehreren Nebengebäuden (Backhaus, Webhaus, usw.) zusammen. Für die ersten Höfe im Gebiet des Außerferns wird diese Bauweise nicht gebräuchlich gewesen sein. Ackerbau gab es wegen des Klimas nur in bescheidenem Umfang, was große Getreidespeicher ausschloss. Die Viehwirtschaft stand maßgeblich im Vordergrund, weshalb das Augenmerk mehr auf einer großzügig ausgebauten Tenne (Heuboden) zur Aufbewahrung des Heus im Obergeschoss und ausreichend Platz für das Vieh in einem direkt an das Wohnhaus angebauten Stall im Erdgeschoss lag.

Ob die ersten Haustypen alemannischer Machart im Außerfern schon über einen steinernen Unterbau (Sockel) verfügten ist nicht überliefert. Die hölzernen Bauelemente können archäologisch in den seltensten Fällen nachgewiesen werden, waren aber zweifellos vorherrschend. Gerade hierzulande war der Baustoff Holz stets in mindestens ausreichendem Maße vorhanden. Die ersten Häuser dürften also als Einzelhöfe errichtet worden sein.

Kleidung


zeitgenössische alemannische Frauentracht
Die Kleidung der Alemannen wurde meist aus Leinwand und Twill auf sogenannten Gewichtswebstühlen in einfachen Grubenhäusern hergestellt. Beides sind Grundbindungsarten für gewebte Stoffe und schon seit dem Mittelpaläolithikum bekannt. Die etwa einen Meter in das Erdreich eingetieften Webhäuser boten für den Vorgang des Webens ideale Voraussetzungen, da das kühlfeuchte Raumklima dafür sorgt, dass das Leingarn nicht austrocknet und in Folge reißt. Für das Färben der Stoffe wurde beispielsweise für Blautöne der Färberwaid (Isatis tinctoria) genutzt, zumeist dürften die Textilien aus Kostengründen allerdings als Alltagskleidung in ihrer typischen Färbung der Rohmaterialien belassen worden sein.

Die Frauentracht bestand aus einem langärmeligen Unterkleid über das man ein röhrenförmiges Stoffstück trug, welches an den Schultern mit Fibeln zusammengehalten wurde. Um die Hüfte war stets ein Gürtel geschnallt, an welchem einige Utensilien des täglichen Gebrauches an Kordeln befestigt waren. Etwa eine Pinzette, Schere und fast in jedem Fall ein geschnitzter Knochenkamm. Schuhe und umgeschlagene, mit Leder- oder Stoffbändern umwickelte Strümpfe kamen wohl lediglich bei entsprechender Witterung zum Einsatz. Die meiste Zeit dürften die Frauen barfuß gelaufen sein.

Der Alemannen-Mann hingegen kleidete sich vorwiegend mit einem langen leinenen Hemd mit großer Kragenöffnung. Als Beinkleider trug er Hosen und jene der Frauentracht ähnelnden geschnürten Wadenbinden. Darüber hinaus einen etwas breiteren Gürtel mit zumeist reich verzierter Schnalle und Beschlägen und den daran befestigten Scheiden für die Waffen wie das lange Hiebschwert und der kürzere, einschneidige sogenannte Sax (das althochdeutsche sahs bedeutete so viel wie Schwert oder Messer). Sowohl Frau als auch Mann trugen witterungsbedingt auch Mäntel und Umhänge.

Medizin und Heilung

Für die rauen Lebensumstände spricht die Erkenntnis, dass bei rund 10% der anthropologisch untersuchten Skelette jener Zeit Verletzungen aus tätlichen Auseinandersetzungen festgestellt wurden. Als therapeutische Mittel war den Alemannen dafür beispielsweise das Schienen von Knochenbrüchen bekannt. Auch wurden Wunden mit Tiersehnen vernäht oder gar Schädelöffnungen für Heilzwecke angewandt.

In der allgemeinen Volksmedizin spielten natürlich die vielfältigen Heilpflanzen eine große Rolle, aus welchen Tinkturen und Salben bereitet wurden.

Recht und Politik der Alemannen


Ähnlich den Kelten fehlte auch den Alemannen offenbar die Fähigkeit staatliche Strukturen und eine zentrale, allgemein anerkannte Herrschaft auszubilden. Schon während der Zeit der Römer fielen sie immer wieder als unzuverlässige Bündnispartner auf, wohingegen die Franken und Burgunden dieses Unvermögen stets zu ihren Gunsten geschickt auszunutzen wussten. So gut wie immer wurden die Ämter und Posten durch die römische Obrigkeit an die Franken vergeben, die Alemannen gerieten dadurch zusehends ins Hintertreffen und spielten schon bald in politischer Hinsicht keine Rolle mehr. Der oströmische Historiker und Dichter Agathias schrieb: "Sie haben zwar von den Vätern überkommene Sitten, aber in Belangen der Staatsverwaltung und in Beziehung zu der Obrigkeit richten sie sich nach der fränkischen Staatsform."

Literatur und Quellen


Literatur
• Alamannen zwischen Bodensee und Main; Christoph Morrissey
• St. Magnus / Apostel des Allgäus; Stefan Vatter
• Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg; Dr. jur. K. Haff (1903)

Weblinks
Adalar-Sippe
ASK-Alamannen TIPP!


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