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Brentenjoch (2.001m) - Tannheimer Berge

 

Auf Grund des schwülheißen Wetters machen wir es uns heute einmal leichter und Fahren die ersten Höhenmeter mit der Gondelbahn des Füssener Jöchel bergan. Schon morgens macht sich die kommende Hitze des Tages bemerkbar. Im Joch angekommen steigen wir gleich in nordwestlicher Richtung auf den Lumberger Grat hinauf. Momentan ist hier heroben Baustelle, weil gerade die Liftanlage des neuen Sesselliftes "Seben" errichtet wird.

Der Ausblick auf die umliegende Bergwelt wäre schon von hier ein wahrer Genuss, doch leider ist das Wetter heute ziemlich dunstig und die Fernsicht fällt ziemlich spärlich aus. Trotzdem hat dieser Umstand ein ganz eigenes Flair und die Silhouetten der Berge zeichnen sich schön ab.

Ein Drehkreuz führt uns (Joe und mich) in den Kessel des Sebentales, durch welches wir jetzt hinuntersteigen. In den schroffen Felswänden neben dem Weg tummelt sich gerade ein Gamskindergarten und man merkt, dass die Tiere an die Menschen gewohnt sind.

Man braucht sich auch nicht zu wundern, hier "marschieren" an schönen Tagen unzählige Wanderer hindurch und der Weg ist schon beinahe vergleichbar mit einem ausgetretenen Trampelpfad. Der Ruhesuchende wird sich sicherlich gleich nach unten zu den Almhütten der Sebenalpe sehnen, wo er die "alpine Autobahn" verlassen kann um in das Vilser Jöchel aufzusteigen.

Von den schönen Almhüttchen steigen wir in wenigen Minuten in das kleine Joch hinauf und der Blick schweift nun über das Tal der Vilser Alm hinüber zum Vilser Kegel und der Großen Schlicke. Ein Wegweiser zeigt nun direkt zum Gipfelkreuz des Brentenjoch und wir folgen in eben dieser Richtung dem vermeintlichen Steig, der aber sogleich im Dickicht der Latschen endet. Also wieder zurück auf den Weg im Joch. "Hier irgendwo muss doch der Steig auf den Gipfel führen?" Schnell finde ich heraus, dass man noch einige Meter dem Pfad in Richtung Vilser Alm (Daurachalpe) folgen muss um schließlich links bergan dem Steig zu folgen, welcher auf das Brentenjoch führt.

Die Latschenfelder speichern die enorme Wärme des Tages und das Gehen fällt einem zunehmend schwerer. Man merkt förmlich wie man die hohe Luftfeuchtigkeit in seinen Lungen aufnimmt. Am Rücken des Gipfelaufbaues streicht ein kühler Jochwind über die Grasmatte und man kann die erfrischende Kühle für den Aufstieg genießen. Schon nach wenigen Kehren erreicht man das Gipfelkreuz des Brentenjoch, auf welchem ein Thermometer angebracht ist. Ganze 22°C auf einer Höhe von 2.001m und das an einer Stelle, an der stetig Wind weht.

Wir halten uns hier nicht allzu lange auf, da wir noch den Gipfel des nach Nordosten vorgelagerten Roßberges erreichen wollen. Schon von meinen Streifzügen durch das Internet weiß ich, dass es am Grat einige knifflige Stellen zu meistern gibt. Nach dem zweiten bezwungenen Felsturm machen sich diese "Stellen" bemerkbar. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit werden hier verlangt. Links und rechts des messerscharfen Grates blicken wir in die Tiefe. Joe meistert die Probleme anfangs noch gut, doch als wir auf einen Klemmblock treffen, an dessen Unterseite wir durch eine schmale Felsnische zu einem handbreiten Pfad absteigen sollten, streikt Joe.

Der Gipfel des Roßberges wäre zum Greifen nahe, aber es nützt nichts. Wir machen kehrt und steigen wieder zum Gipfel des Brentenjoch hinauf. Ich teile mit Joe meinen Trinkvorrat und wir machen uns gleich auf den Weg über die Westschulter des Berges abzusteigen. Durch schmale Latschengassen geht es immer am Grat entlang. Rechts von uns fällt das Gelände jäh in die Tiefe. Auch hier ist Schwindelfreiheit sicher von Vorteil. Teilweise zieht der Steig durch steile Graslätze hinab, vorbei an schrofigen Abbrüchen die die Erosion dem Berg zufügt. Nach einem viertelstündigen Auf und Ab erreichen wir endlich den Steig der von der Sebenalm zur Bad-Kissinger-Hütte führt.

In wenigen Minuten wandern wir zu der Schutzhütte hinauf und Joe hat erstmal einen gewaltigen Durst. Nachdem er zwei Wassernäpfe geleert hat, kann auch ich mir was zu trinken besorgen. Wenn Joe zwei Wassernäpfe trinkt, gönne ich mir das Radler ebenfalls im Doppelpack ;-).

Auf der Terrasse der Hütte genieße ich die zwar "getrübte", aber trotzdem schöne Aussicht. Joe ist mittlerweile schon sehr müde und döst unter dem Tisch. Leider ist die Ruhe auf der Hütte nicht ungetrübt, da gerade ein Bagger die Rohre und Kabel für Kanalisation, Telefon, etc. verlegt. Eineinhalb Tage hatte der Bagger benötigt um sich den steilen Hang vom Tal herauf hoch zu arbeiten.

Immer wieder erstaunlich, wo man mit diesen so genannten "Hupfbaggern" überall hin kommt. Selbst jetzt, wo er direkt unter der Hütte am baggern ist, klebt die Maschine förmlich im Hang. Ich glaube, der Baggerfahrer braucht hier Nerven aus Stahl?

Über der Hütte weiden die Schafe im steilen Gelände des Aggensteins und man hat das Gefühl, das einem die Schafe auf den Kopf fallen könnten, würden sie in diesem Moment ausrutschen.

Ich wäre auch noch gerne auf den Aggenstein aufgestiegen, aber auch dieser Gipfel ist mit Joe nicht möglich und überhaupt ist das Wetter jetzt viel zu heiß dafür. Ein Mitarbeiter des Hüttenpersonals berichtet mir, dass im Radio schwere Gewitter für die nächsten Stunden vorhergesagt wurden.

Joe und ich machen uns dann auch bald auf den Weg. Kaum im Tal angekommen fallen auch schon die ersten Regentropfen, welche bald von einigen kleineren Hagelkörnern abgelöst werden. Gottlob haben wir einen guten Unterstand unter einer großen Fichte und so kann uns das Wetter nichts anhaben. Den Hagel warten wir ab und marschieren dann schnellen Schrittes zurück zum Auto.

 
   
Talort Höhendifferenz in m
Grän 900
   
Stützpunkt Gebirgsgruppe
Bad-Kissinger-Hütte (1.792m) Tannheimer Berge
   
Zeit in h Charakter
4,5 Anstieg zum Brentenjoch unschwierig mit ordentlichen Wegen; Überschreitung zum vorgelagerten Roßberg verlangt absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
   
 

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