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Die Eröffnung des
heurigen Wandersommers bildete ein Tannheimer Sonderling: der
Einstein.
Mit dem Physiker hat dieser Berg nichts zu tun, er verdankt
seinen Namen seiner Sonderstellung. Lediglich der flache
Gipfel des Schönkahlers und der nach Nordosten auslaufende
Rücken des Kienberges bei Pfronten leisten ihm in dieser
Gebirgsgruppe Gesellschaft.
Den Anstieg starteten wir (Joe und ich) von dem Zöbler Weiler
"Obere Halde". Von hier führt in sanfter Steigung der Fahrweg
in Richtung Einstein. Bis wir die nach Südwesten abstürzenden
Wände des Einsteins erreichen, würde aber noch einige Zeit
vergehen. Vorerst marschierten wir durch ein Waldstück dem
Forstweg entlang. Über Serpentinen gewinnen wir stetig an
Höhe. Nach etwa einer halben Stunde gelangen wir an eine
Wegegabelung. Nach links führt der Weg zum Schönkahler, wir
jedoch gehen nach rechts und im Blick haben wir auch schon die
oben genannten Abstürze des Einsteins.
Haldenberger Alpe wird dieses Gebiet, welches wir nun
durchschreiten, genannt. Landschaftlich hat dieser Flecken
jedoch schon bessere Zeiten erlebt. Der Orkan des Jahres 1990
hat hier massiv seine Spuren hinterlassen.
Lediglich die übrig gebliebenen Baumstümpfe zieren noch die
Fluren ringsum. Noch kann auch keine Blume diese Kahlheit
mildern, da hier oben noch ziemlich viel Schnee liegt. Dieser
Schnee ist es auch, welcher das Vorankommen etwas erschwert.
Schwer und morsch ist die kalte Masse, welche oft unter den
Schritten nachgibt. Auch Joe hat manchmal seine Mühe und zieht
es deshalb vor, ganz artig dicht hinter Herrchen herzulaufen
und nicht wie sonst üblich im Schnee herumzutollen.
Nach einer weiteren halben Stunde sind wir den Abstürzen schon
beträchtlich näher gekommen. Dicht unter den Wänden geht es
nun durch lichten Wald. Einer älteren Spur folgend steigen wir
wieder einige Meter ab. Lohmoos heißt es hier und es dürfte
wirklich ein recht sumpfiges Gelände sein. Jetzt ist davon
allerdings nicht viel zu sehen, da ja noch der Schnee alles
zudeckt. Links des Weges türmt sich nun der erste "Vorbote"
des Einsteines auf: eine etwa 5 Meter hohe Felsnadel! Diese
steht quasi mitten im Wald und wird von einem kleinen,
schmiedeisernen Kreuz geziert.
Noch einige Meter geht es durch den Wald. Endlich treffen wir
auf den Weg, welcher von Tannheim her heraufzieht. Der Steig
ist gottlob aper und nun können wir auch wieder weitergehen
ohne ständig einzusinken. Allerdings ist dieser Steig ziemlich
steil und ohne Schatten. Der Schatten spielt heute aber
keine Rolle, da das Wetter ohnehin nicht gerade das Beste ist.
Nur selten zeigt sich ein Sonnenstrahl. Ich störe mich aber
nicht daran, da die erste Tour dieses Jahres auch so schon
schweißtreibend genug für mich ist ;-)
In etlichen Serpentinen geht es nun durch den sehr steilen
Latz hinauf. Die Aussicht wird dadurch auch immer besser und
bald kann man einen Überblick über (fast) das ganze Tal
genießen.
In einem schönen türkisgrün leuchtet der Haldensee von Osten
herüber. Die Talsohle ist insgesamt in ein schon recht schönes
Grün getaucht, die Hänge der Berge ringsum hingegen zeigen
sich noch in einem wenig freundlichen Braun. Trotzdem sehe ich
schon einzelne Blumen am Wegesrand stehen. Die südseitige
Ausrichtung des Steilhanges hat für die Vegetation natürlich
seine Vorzüge. Auch die Latschen und Fichten zeigen schon ihre
hellgrünen Jungtriebe und bringen so noch mehr Farbe ins
Spiel.
Eine ganz andere Farbe hingegen macht sich im Westen
bemerkbar! Schon während der Autofahrt ins Tannheimer Tal
hatte ich die dunklen Wolkenformationen über dem Illertal
bemerkt. Jetzt jedoch waren diese schon recht nahe
herangerückt und auch das erste Donnergrollen konnte vernommen
werden. Trotzdem stiegen wir weiter hinauf und kamen auch
schon bald am Grat an. Ein imposanter Aussichtsplatz bot sich
hier heroben. Noch vollkommen weiß zeigte sich der große
Kessel nördlich des Einsteins. Tief unten konnte ich auch die
kleine Einsteinhütte ausmachen. Joe nutzte die schon halb
abgeschmolzene Schneeverwehung als Kühlung. Als ich ihn sofort
wieder auf "sicheren" Boden beorderte, konnte man ihm seine
Enttäuschung ansehen. Mir war jedoch sein "Ruheplatz" zu
unsicher!
Der Gipfel war nicht mehr weit weg, es wären vielleicht noch
200 Meter zu gehen gewesen. Die tiefschwarzen Wolken und das
Grollen des Donners waren jedoch Mahnung genug für mich,
lieber wieder den Rückweg anzutreten.
Auch andere Wanderer drehten vor Erreichen des Gipfels um und
machten sich auf ins Tal.
Das dunkle Gewölk schob sich nun immer weiter in das
Tannheimer Tal hinein. Blitze zuckten schon an der
gegenüberliegenden Talseite. Wir gingen zügig in Richtung
Ortsteil Berg um dem drohenden Gewitter zu entrinnen. Etwa ab
der Hälfte der Strecke fielen dann schon die ersten dicken
Tropfen. Eine weiße Wand, welche sich von Zöblen her heran
schob, ließ darauf schließen, dass auch bald ein paar
Hagelkörner fallen würden.
Natürlich haben wir es nicht mehr rechtzeitig ins Tal
geschafft :-(
In strömendem Regen, welcher bald von niederprasselnden
Hagelkörnern abgelöst wurde, stapften wir durch den Wald und
Blitze zuckten in nächster Nähe. Ein wunderbares
Naturschauspiel, wenn man in einem Auto oder einem Haus sitzt.
Joe und ich fanden es in dem Moment halt weniger prickelnd, da
die Hagelkörner beim Aufprall doch ein wenig Schmerz
verursachten ;-)
Alles in allem war diese erste Tour des Jahres 2004 aber doch
ein Erlebnis. |
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