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Galtjoch - Reuttener Höhenweg (2.112m) - Lechtaler Alpen

 

Startpunkt für meine Tour auf das Galtjoch war Rinnen (1.262m) bei Berwang. Genauer gesagt beim Ortsteil Rauth drunten im Tal des Rotlechs. Über eine breite Holzbrücke geht es über den Bach und dann gleich links in stetiger Steigung durch den Wald hinauf. Die Kühle des heutigen Herbsttages machte ein Vorankommen ohne allzu große Anstrengung möglich.

In einigen Kehren geht es nun wie gesagt hinauf durch den Wald. Der Weg ist in einem guten Zustand und trotz des Regens der letzten Tage nicht sonderlich schmierig. Bald erreichen Joe und ich einen Fahrweg, welchem wir aber nicht folgen dürfen, da dieser sich irgendwo im Wald verliert. Er ist ausschließlich für die Bewirtschaftung des Forstes gedacht und nach etwa 100 Metern zieht auch schon wieder der Fußsteig durch den Wald hinauf.

Bald darauf kommen wir zu einer Wegegabelung, welche die Wahl zwischen der Ehenbichler Alpe und der Reuttener Raazalpe offen lässt. Wir bleiben auf dem Steig, welcher zur Reuttener Hütte führt. Zehn Minuten später sehe ich auch schon ein weißes Gebäude durch die Bäume blitzen, allerdings ist dies die Vereinshütte des Alpenvereins / Sektion Reutte. Wir treten aus dem Wald und sehen schon einen weiten, baumlosen Kessel vor uns. Die Alpenvereinshütte lassen wir zu unserer Rechten und bleiben auf dem Pfad, welcher sich über einen Buckel weiter hinein in den Kessel zieht.

Oben auf dem Geländerücken angelangt, sehen wir auch schon die Dächer der Almgebäude der Reuttener Raazalpe. Vier Hüttentrakte insgesamt, eine ziemlich große Almhütte wie mir scheint. Gleich darauf höre ich schon das Knattern vieler Motoren. Hier heroben scheint ein Treffen der Geländewagen aus dem militärischen Bereich stattzufinden. So sehe ich beispielsweise einige Army-Jeeps aus dem zweiten Weltkrieg und einige Kübelwagen aus der selben Zeit. Auch befinden sich in dem Convoy einige Haflinger (kleine Geländewagen des österreichischen Bundesheeres). Allesamt reihen sich in dem unebenen Gelände vor der Hütte ein.

Mein Weg führt mich weiter über einen Forstweg in Richtung Abendspitze (1.964m), welche in östlicher Richtung als Erste über dem enorm großen Almkessel steht. Nach etwa 10 Minuten auf dem Fahrweg treffen wir auf ein Gatter und einen Wegweiser, welcher den Weg entlang des Zaunes anzeigt. Wir folgen also dem Steig und kommen in stetiger Steigung dem Joch zwischen Abendspitze und Galtjoch (2.112m) schnell nahe. Ohne Schwierigkeiten steigen wir auf und können uns schon bald über eine herrliche Aussicht freuen.

Der Weg verzweigt sich hier: Nach links könnte man in wenigen Minuten zum Gipfel der Abendspitze aufsteigen, wir jedoch halten uns nach rechts und sehen schon in geringer Entfernung das Gipfelkreuz des Galtjoches blitzen. Ein breiter Geländerücken führt direkt hinauf. Auch hier ist der Weg ohne jegliche Schwierigkeit zu begehen. Keine ausgesetzten Stellen und keine Kletterei. Eigentlich ein richtiger Spaziergang.

Auf dem Gipfel (2.112m) machen wir für etwa eine halbe Stunde Rast und lassen den Blick in die umliegende Bergwelt schweifen. In nordwestlicher Richtung kann ich den Gipfelstock des Geißhorns beim Vilsalpsee ausmachen und unmittelbar davor prangt die Leilachspitze. Nach Nordosten hin erhebt sich der massive Klotz des Thanellers (2.341m) über dem kleinen Ort Berwang und im Süden sieht man die Engelspitze und den Kalten Stein und weiter hinten lässt sich der Muttekopf ausmachen.

Über die Berge im Süden schwappt eine gigantische Wolkenwelle über die Kämme um sich kurz unter den Jöchern in Nichts aufzulösen. Lange Zeit beobachte ich dieses Naturschauspiel und bin davon fasziniert. Joe hingegen blickt immer in nördliche Richtung, wobei ich mich frage, was er dort wohl sehen mag? Es ist hier lediglich der 2.020 Meter hohe Rainberg dem Galtjoch vorgelagert und in dessen Hintergrund sind die Häuser von Weißenbach am Lech sichtbar. Vielleicht will er ja wieder runter?

Wir brechen auch bald darauf wieder auf und schreiten über den breiten Wiesenrücken hinunter und haben den steilen Aufschwung der Vorderen Steinkarspitze (2.181m) vor uns. Unser Weg führt allerdings in dem schmalen Sattel zwischen den beiden Gipfeln hinunter in das Kar unter den Steinkarspitzen. Links unten kann ich die Hütte der Raaz-Galtalpe ausmachen, welche über eine sehr schöne Almfläche verfügt. In weitem Bogen wandern wir also durch den Kessel und müssen da und dort auch einige Geröllhalden durchqueren. Doch auch für Joe stellt das keine allzu großen Schwierigkeiten dar und wir kommen zügig voran.

An dem Wegweiser gehen wir nun in Richtung Kelmer Jöchl (1.852m) und nun tauchen wirklich Probleme für Joe auf... Kleine Kälbchen und relativ große Jungrinder, welche sich scheinbar brennend für ihn interessieren. Da sein Respekt gegenüber diesen Tieren sehr groß ist, zieht er es vor, einen großen Bogen um diese zu machen und die "gefährliche" Stelle so schnell wie möglich hinter sich zu lassen :-)

Wir kommen nun auf das Kelmer Jöchl und erstmals auch wieder in dichten Wald. Hier hat der Waldboden von den letzten regnerischen Tagen noch genügend Wasser gespeichert und so ist der kleine Steig auch ziemlich schmierig und in dessen Folge auch ziemlich schwierig zu gehen. Hatten wir bis jetzt noch keinerlei Probleme bei unserer Tour, so mussten wir hier auf dem letzten Teilstück doch mit der nötigen Vorsicht absteigen. Ich war wohl aber nicht vorsichtig genug und kam auf einer glitschigen Wurzel zu Fall. Prompt ging dabei auch einer meiner Trekking-Stöcke zu Bruch und damit noch nicht genug, nutzte nun Joe die für mich missliche Situation schamlos aus und überholte mich dreist, während ich im Schmutz lag!

"Schuft!", rief ich ihm noch nach. Ich rappelte mich wieder auf und sammelte das abgebrochene Ende des Stockes ein. Lachend über die eigene Ungeschicktheit trottete ich meinem Hund hinterher. Bald kamen wir dann auf einen Fahrweg, wir aber hatten es eilig und nahmen auch weiterhin den Fußweg ins Tal. Vom Joch oben hatte ich nämlich Nadja bereits angerufen, sie sollte mich doch von Kelmen abholen.

Schon bald sahen wir auch schon die ersten Häuser von Kelmen und so war die Tour auch schon wieder zu Ende. Eigentlich hatte ich mit einer Gesamtgehzeit von etwa 5 bis 6 Stunden gerechnet. Nun war aber alles schon in 4½ Stunden (samt Pause) geschehen. Aber schön war es auf alle Fälle...

 
   
Talort Höhendifferenz in m
Rinnen, Kelmen 900
   
Stützpunkt Gebirgsgruppe
Reuttener Raazalpe, Ehenbichler Alpe Lechtaler Alpen
   
Zeit in h Charakter
4,5 - 5 ordentliche Wege im gesamten Verlauf, unschwierig
   
 

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