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Holzgauer Wetterspitze - Kälberlahnzugjoch (2.895m) - Lechtaler Alpen

 

Als Außerferner habe ich mir für heute vorgenommen, den höchsten Berg auf Außerferner Boden zu besteigen. Das Aufstehen um halb fünf Uhr morgens fällt noch gar nicht schwer und so kann ich auch schon gleich die Anfahrt nach Stockach antreten.

 

Noch ist es dunkel und im Wald um mich höre ich immer wieder das dumpfe Röhren der Hirsche, welche momentan mit ihrem Liebeswerben beschäftigt sind. Das Mondlicht dient mir als Lichtquelle und so stapfe ich zügig durch das Sulztal hinein. Den Weg kenne ich ja mittlerweile sehr gut, da ich ihn schon mehrmals bis zur Sulzlalm und einmal auch zur Simmshütte gegangen bin (Tourenbeschreibung auf die Simmshütte).

 

Das im Bereich der Ronig-Alpe aber der Weg von den Wassermassen im August weggerissen wurde, ist mir neu. Die Dämmerung setzt schon ein und ich mache ein kleines Hinweisschild am Wegrand aus, auf welchem die neue Wegführung zur Simmshütte angezeigt wird. Über grobes Blockwerk und feinen Schotter geht es über das breite Bachbett hinüber. Ab dem Hüttengebäude der Ronig-Alpe kann ich wieder wie gewohnt auf dem Fahrweg weitermarschieren.

 

Obwohl es schon Ende September ist, treffe ich trotzdem noch auf einige Jungrinder, die in der morgendlichen Kühle zusammenkuschelnd in einer Wiesenmulde liegen und mich beobachten. Kurz vor Erreichen des Steilanstieges zur Simmshütte, tauchen die ersten Sonnenstrahlen die Gipfel der Rotschrofen- und Guflespitze in ein rötliches Licht. Im Tal herunten ist es noch recht frisch und mit zunehmender Höhe wird es noch kühler.

 

Die Gäste der Simmshütte sitzen noch beim Frühstück. Nur ein Zweiergespann ist schon unterwegs und erreicht schon bald den sogenannten Hocker südlich der Hütte. In leichter Steigung führt der Steig durch einige ausgewaschene Graben und schon bald erreiche auch ich die Geländekante des Hockers. Über einen steilen Grashang geht es hinein in ein geräumiges Kar, welches steil unter die Schrofenwände der rötlich eingefärbten Feuerspitze hinaufzieht. Nach Überqueren des Bachlaufes geht es in unzähligen Serpentinen steil auf dem Schuttkegel bergan.

 

Etwa eineinhalb Stunden nach passieren der Simmshütte erreiche ich die Weggabelung unterhalb der Feuerspitze. Ein kleines Plateau mit grobem Blockwerk liegt noch im Schatten. Nach rechts würde der Weg hinauf zum Kälberlahnzugjoch führen und von dort weiter zur Feuerspitze oder hinunter ins Kaisertal. Nach links zieht eine Wegspur steil hinauf in die Einsattelung des Fallenbacher Joches.

 

Um so näher man dem Sattel kommt, desto steiler wird das Gelände. Der geröllige Steig macht das Vorankommen nicht leichter und die oberste Schicht des Gerölls ist zudem auch noch teilweise gefroren. Mit schon beinahe krampfenden Wadeln und etwas außer Atem erreiche ich endlich das Fallenbacher Joch und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages.

 

Ich schieße noch ein paar Fotos von der überwältigenden Aussicht auf die umliegende Bergwelt und gehe dann weiter in Richtung Einstieg. Das Gipfelkreuz der Wetterspitze scheint schon zum Greifen nahe. Über den Grat geht es weiter unterhalb der Abstürze des Gipfelstockes hindurch und in leichter Kletterei hinauf bis zum Kammerloch, einem imposanten Felsenfenster, das einen schon fast beängstigenden Tiefblick auf den rund tausend Meter tiefer liegenden Grund des Sulztales freigibt.

 

Nach passieren des Kammerloches klettere ich über eine Felsnase rund fünf Meter empor und es ist nicht mehr weit bis zu der drahtseilgesicherten Stelle um den Felskopf herum. Plötzlich setzt bei mir heftiges Zittern in den Knien ein, ich muss mich zwangsläufig an den eiskalten Fels pressen und versuche mich irgendwo hin zu setzen. Da ich mich aber in einer mehr oder weniger senkrechten Felspassage befinde, ist das nicht möglich. Für mich ein Alptraum!

 

Bis jetzt bin ich solch ausgesetzten Passagen immer mit großem Respekt begegnet, aber diese Ausgesetztheit, der eiskalte Fels und das Zittern der Knie lassen schon beinahe Panik in mir hochsteigen.  Ich überlege, ob ich nun weiter nach oben oder gleich wieder absteigen soll. Einerseits möchte ich natürlich den Gipfel erreichen, aber auf der anderen Seite ist die Anspannung nun doch zu groß und ich entschließe mich abzusteigen und kein weiteres Risiko einzugehen.

 

Der Abstieg mit zitternden Knien ist nervenaufreibend, aber ich bemühe mich ganz ruhig und bedacht über den Felszacken abzusteigen.  Es gelingt mir auch ganz gut und ich bin froh, endlich wieder in Höhe des Kammerloches auf leichteres Terrain zu treffen. Ich blicke wieder nach oben und muss feststellen, dass es eigentlich nur etwa fünf oder sechs Meter bis zu der Drahtseilsicherung gewesen wären, die mich von meinem Gipfelsieg getrennt haben. Für mich aber unüberwindliche Meter, da ich offenbar Höhenangst habe...

 

Ich bin früher schon öfter im II. Schwierigkeitsgrad geklettert und habe diese Felspassagen immer meistern können, aber die Kombination von Kletterei im II. Schwierigkeitsgrad, die enorme Ausgesetztheit und die Eiseskälte im Fels waren wohl zu viel für mich. Ich stehe noch einige Zeit am Kammerloch und überlege, ob es wohl gehen würde, nachdem ich eine Weile gewartet habe? Ich verwerfe den Gedanken aber wieder und steige weiter ab. Auf einer Felsnase im unmittelbaren Bereich des Gipfelstockes schaue ich mir das Ganze noch einmal an.

 

Ich ärgere mich, weil ich sehe, wie wenig noch nötig gewesen wäre um den Gipfel zu erreichen. 30 oder 40 Höhenmeter trennten mich noch vom Gipfelglück. "So nah und doch so fern...", das ist das Einzige das mir jetzt noch dazu einfällt. Ich fotografiere noch ein wenig und überlege mir, ob ich dann wenigstens noch auf die Feuerspitze aufsteigen soll. Meine Motivation ist für diesen Tag allerdings verflogen und ich steige wieder durch das Steilgelände in das Kar und zu der Weggabelung ab. Da es mich interessiert, wie das Gelände hinter der Feuerspitze aussieht, entschließe ich mich auf das Kälberlahnzugjoch aufzusteigen.

 

Im Joch angekommen, genieße ich den Ausblick auf das Kaisertal, den kleinen Hintersee, welcher von eindrucksvollen Berggipfeln eingerahmt wird und die nahen Bergmassive von Feuerspitze, Vorderseespitze und Alplespleisspitze. Die Sonne wärmt jetzt herrlich und ich verweile über eine Stunde in dem kleinen Joch, bevor ich wieder über die Simmshütte absteige und in der Sulzlalm einkehre.

 

Wie es zu einem späteren Zeitpunkt mit der Besteigung der Holzgauer Wetterspitze dann aber doch noch klappte, könnt ihr in dem hier verlinkten Tourenbericht nachlesen ;-)

 

 
   
Talort Höhendifferenz in m
Stockach 1.825
   
Wegstrecke gesamt in km Höhenmeter gesamt
22,6 1.880
   
Stützpunkt Gebirgsgruppe
Frederic-Simms-Hütte (2.003m), Sulzlalm (1.466m) Lechtaler Alpen
   
Zeit in h Charakter
10 - 10,5

Aufstieg durch das Sulztal unschwierig aber lang, am Talende steiler Anstieg zur Simmshütte; ebenfalls sehr steiler Anstieg von der Simmshütte zum Fallenbacher Joch;

Gipfelanstieg der Wetterspitze im II. Schierigkeitsgrad und ab dem Kammerloch sehr ausgesetzt

   
 

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