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Als Außerferner
habe ich mir für heute vorgenommen, den höchsten Berg auf
Außerferner Boden zu besteigen. Das Aufstehen um halb fünf Uhr
morgens fällt noch gar nicht schwer und so kann ich auch schon
gleich die Anfahrt nach Stockach antreten.
Noch ist es dunkel
und im Wald um mich höre ich immer wieder das dumpfe Röhren
der Hirsche, welche momentan mit ihrem Liebeswerben
beschäftigt sind. Das Mondlicht dient mir als Lichtquelle und
so stapfe ich zügig durch das Sulztal hinein. Den Weg kenne
ich ja mittlerweile sehr gut, da ich ihn schon mehrmals bis
zur Sulzlalm und einmal auch zur Simmshütte gegangen bin (Tourenbeschreibung
auf die Simmshütte).
Das im Bereich der
Ronig-Alpe aber der Weg von den Wassermassen im August
weggerissen wurde, ist mir neu. Die Dämmerung setzt schon ein
und ich mache ein kleines Hinweisschild am Wegrand aus, auf
welchem die neue Wegführung zur Simmshütte angezeigt wird.
Über grobes Blockwerk und feinen Schotter geht es über das
breite Bachbett hinüber. Ab dem Hüttengebäude der Ronig-Alpe
kann ich wieder wie gewohnt auf dem Fahrweg weitermarschieren.
Obwohl es schon
Ende September ist, treffe ich trotzdem noch auf einige
Jungrinder, die in der morgendlichen Kühle zusammenkuschelnd in
einer Wiesenmulde liegen und mich beobachten. Kurz vor
Erreichen des Steilanstieges zur Simmshütte, tauchen die
ersten Sonnenstrahlen die Gipfel der Rotschrofen- und
Guflespitze in ein rötliches Licht. Im Tal herunten ist es
noch recht frisch und mit zunehmender Höhe wird es noch
kühler.
Die Gäste der
Simmshütte sitzen noch beim Frühstück. Nur ein Zweiergespann
ist schon unterwegs und erreicht schon bald den sogenannten
Hocker südlich der Hütte. In leichter Steigung führt der Steig
durch einige ausgewaschene Graben und schon bald erreiche auch
ich die Geländekante des Hockers. Über einen steilen Grashang
geht es hinein in ein geräumiges Kar, welches steil unter die
Schrofenwände der rötlich eingefärbten Feuerspitze
hinaufzieht. Nach Überqueren des Bachlaufes geht es in
unzähligen Serpentinen steil auf dem Schuttkegel bergan.
Etwa eineinhalb
Stunden nach passieren der Simmshütte erreiche ich die
Weggabelung unterhalb der Feuerspitze. Ein kleines Plateau mit
grobem Blockwerk liegt noch im Schatten. Nach rechts würde der
Weg hinauf zum Kälberlahnzugjoch führen und von dort weiter
zur Feuerspitze oder hinunter ins Kaisertal. Nach links zieht
eine Wegspur steil hinauf in die Einsattelung des Fallenbacher
Joches.
Um so näher man dem
Sattel kommt, desto steiler wird das Gelände. Der geröllige
Steig macht das Vorankommen nicht leichter und die
oberste Schicht des Gerölls ist zudem auch noch teilweise
gefroren. Mit schon beinahe krampfenden Wadeln und etwas außer
Atem erreiche ich endlich das Fallenbacher Joch und die ersten
wärmenden Sonnenstrahlen des Tages.
Ich schieße noch
ein paar Fotos von der überwältigenden Aussicht auf die
umliegende Bergwelt und gehe dann weiter in Richtung Einstieg.
Das Gipfelkreuz der Wetterspitze scheint schon zum Greifen
nahe. Über den Grat geht es weiter unterhalb der Abstürze des
Gipfelstockes hindurch und in leichter Kletterei hinauf bis
zum Kammerloch, einem imposanten Felsenfenster, das einen
schon fast beängstigenden Tiefblick auf den rund tausend Meter
tiefer liegenden Grund des Sulztales freigibt.
Nach passieren des
Kammerloches klettere ich über eine Felsnase rund fünf Meter
empor und es ist nicht mehr weit bis zu der
drahtseilgesicherten Stelle um den Felskopf herum. Plötzlich
setzt bei mir heftiges Zittern in den Knien ein, ich muss
mich zwangsläufig an den eiskalten Fels pressen und versuche
mich irgendwo hin zu setzen. Da ich mich aber in einer mehr
oder weniger senkrechten Felspassage befinde, ist das nicht
möglich. Für mich ein Alptraum!
Bis jetzt bin ich
solch ausgesetzten Passagen immer mit großem Respekt begegnet,
aber diese Ausgesetztheit, der eiskalte Fels und das Zittern
der Knie lassen schon beinahe Panik in mir hochsteigen.
Ich überlege, ob ich nun weiter nach oben oder gleich
wieder absteigen soll. Einerseits möchte ich natürlich den
Gipfel erreichen, aber auf der anderen Seite ist die
Anspannung nun doch zu groß und ich entschließe mich
abzusteigen und kein weiteres Risiko einzugehen.
Der Abstieg mit
zitternden Knien ist nervenaufreibend, aber ich bemühe mich
ganz ruhig und bedacht über den Felszacken abzusteigen.
Es gelingt mir auch ganz gut und ich bin froh, endlich wieder
in Höhe des Kammerloches auf leichteres Terrain zu treffen.
Ich blicke wieder nach oben und muss feststellen, dass es
eigentlich nur etwa fünf oder sechs Meter bis zu der
Drahtseilsicherung gewesen wären, die mich von meinem
Gipfelsieg getrennt haben. Für mich aber unüberwindliche
Meter, da ich offenbar Höhenangst habe...
Ich bin früher
schon öfter im II. Schwierigkeitsgrad geklettert und habe
diese Felspassagen immer meistern können, aber die Kombination
von Kletterei im II. Schwierigkeitsgrad, die enorme
Ausgesetztheit und die Eiseskälte im Fels waren wohl zu viel
für mich. Ich stehe noch einige Zeit am Kammerloch und
überlege, ob es wohl gehen würde, nachdem ich eine Weile
gewartet habe? Ich verwerfe den Gedanken aber wieder und
steige weiter ab. Auf einer Felsnase im unmittelbaren Bereich
des Gipfelstockes schaue ich mir das Ganze noch einmal an.
Ich ärgere mich,
weil ich sehe, wie wenig noch nötig gewesen wäre um den Gipfel
zu erreichen. 30 oder 40 Höhenmeter trennten mich noch vom
Gipfelglück. "So nah und doch so fern...", das ist das Einzige
das mir jetzt noch dazu einfällt. Ich fotografiere noch ein
wenig und überlege mir, ob ich dann wenigstens noch auf die
Feuerspitze aufsteigen soll. Meine Motivation ist für diesen
Tag allerdings verflogen und ich steige wieder durch das
Steilgelände in das Kar und zu der Weggabelung ab. Da es mich
interessiert, wie das Gelände hinter der Feuerspitze aussieht,
entschließe ich mich auf das Kälberlahnzugjoch aufzusteigen.
Im Joch angekommen,
genieße ich den Ausblick auf das Kaisertal, den kleinen
Hintersee, welcher von eindrucksvollen Berggipfeln eingerahmt
wird und die nahen Bergmassive von Feuerspitze,
Vorderseespitze und Alplespleisspitze. Die Sonne wärmt jetzt
herrlich und ich verweile über eine Stunde in dem kleinen
Joch, bevor ich wieder über die Simmshütte absteige und in der
Sulzlalm einkehre.
Wie es zu einem
späteren Zeitpunkt mit der Besteigung der Holzgauer
Wetterspitze dann aber doch noch klappte, könnt ihr in dem
hier verlinkten Tourenbericht nachlesen ;-)
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