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Muttekopf (2.774m) - Lechtaler Alpen

 

Da der Wetterbericht für das Wochenende wieder einmal schlechtes Wetter vorausgesagt hat, nehme ich gleich am Freitag Urlaub um den noch letzten, schönen Tag für eine Bergtour zu nutzen. Als Ziel wähle ich den Muttekopf bei Imst, welchen ich aber von Norden (Pfafflar) her angehe. Dazu parke ich das Gefährt in einer kleinen Ausweiche im Bereich "Unterhaus" (Pfafflar). Von hier führt ein Fahrweg direkt ins Fundaistal.

 

Zunächst an den alten Häusern des Ortes Pfafflar vorbei und über Wiesen in den nahen Wald zu einer ausgedehnten Wiesenfläche. Unmittelbar davor führt ein schmaler Pfad linker Hand an dem Wiesenzaun vorbei und weiter hinein in das Fundaistal. Hier zieht der Steig jetzt immer direkt über den schotterigen Abbrüchen des Fundaisbaches. Durch Latschengassen wandere ich Richtung Talschluss, über dem sich das Plateau der Fundaisalm befindet.

 

Zunächst aber führt mich jetzt der Weg durch das breite Bachbett des Fundaisbaches. Über grobes Blockwerk und feinere Schotterbänke führt der Steig an der rechten Talseite entlang. Am Talschluss angekommen, quere ich wieder den Bach und nun steigt das Gelände steil in Richtung Plateau an. Auf einer Geländekante über mir ist schon das kleine Hirtenhüttchen zu erkennen, das noch im morgendlichen Schatten schlummert. Der Steig zieht in etlichen Serpentinen in die Höhe und nach etwa eindreiviertel Stunden treffe ich auf den Weg, welcher von der Hanauer Hütte kommend in Richtung Kübelwände und Muttekopf führt.

 

Das hier heroben viele Schafe weiden, bemerkt man spätestens, wenn man den unzähligen Häufchen Schafdung ausweichend im Slalom über den Steig tänzelt ;-) Unter Schrofen hindurch steige ich in östlicher Richtung zu den Kübelwänden auf, welche wie ein wogendes Meer schräg in der Landschaft hängen. Obwohl sich diese Landschaft von ihrer interessantesten Seite zeigt, ist der Aufstieg durch die Kübelwände eher weniger herausfordernd. Immer dem Verlauf des schrägen Bandes folgend, geht es durch eine etwas kniffligere Runse, welche aber leicht unter zu Hilfenahme der Hände durchstiegen werden kann.

 

Im weiteren Verlauf steige ich durch das in einem Bogen verlaufende Gelände auf eine Kante hinaus und über einen Graslatz in Serpentinen hinauf zum nächsten Felsband, dem man dann fast bis zu der Einsattelung kurz unterhalb des Muttekopfes folgt. Lediglich ein paar kettengesicherte Stellen sind mit erhöhter Vorsicht zu durchsteigen, ansonsten gestaltet sich der Steig auch hier heroben unschwierig.

 

Die Markierungen sind sehr gut angelegt und so ist es beinahe unmöglich, den Ausstieg auf den Sattel zu verfehlen. Am Sattel angekommen, eröffnet sich erstmals der herrliche Tief- und Ausblick auf Imst, das Inntal und die im Hintergrund liegenden Berggruppen wie Ötztaler Alpen, Verwall und andere. Ein eisiger Wind fegt über den Grat, dem ich in Richtung Gipfelkreuz folge. Obwohl zum Greifen nahe, dauert der Anstieg doch noch beinahe eine halbe Stunde bevor ich das Kreuz erreiche.

 

Bei einer halbstündigen Gipfelrast werden erstmal einige Fotos geschossen. Ich lasse mir noch einen Wurstsemmel schmecken, bevor ich wegen des eiskalten Windes vom Gipfel vertrieben werde. Bibbernd und mit klammen Händen eile ich den Gipfelrücken hinunter um wieder in wärmere Gefilde abzusteigen. Wieder auf dem Plateau der Fundaisalm angekommen, mache ich erst einmal eine Rast im Warmen, studiere die Karte und gönne meinen Beinen erst einmal eine kurze Erholung.

 

Über Grasmatten steige ich im unteren Bereich des "Hinteren Kar" auf einen Geländerücken auf, an dessen Grat ich bis zum Quergang durch ein Schotterkar folge. In etwa zwanzig Minuten ist das Kar gequert und ich erreiche das Galtseitjoch (2.421m). Ein herrlicher Ausblick in das Parzinngebiet tut sich auf und tief unten ist auch schon das Gebäude der Hanauer Hütte erkennbar. In südlicher Richtung steige ich vom Galtseitjoch ins Schlenkerkar ab. Durch die Erosion und Gerölllawinen ist der Weg teilweise verschüttet und nicht mehr erkennbar, so steige ich die nächsten zwanzig Minuten weglos über steiles Gelände ab und orientiere mich an dem Weg, der durch das Schlenkerkar in den unteren Teil der Wanne hereinführt.

 

Bald nach Erreichen des Weges ist auch schon das breite Kar durchwandert und vor mir liegt noch ein kurzer Aufstieg auf den Geländerücken der "Schlengge". Auf schönen mit Latschen durchsetzten Böden steige ich zuerst in sanftem Gefälle weiter in Richtung Parzinn ab. Erst am Ende der Böden fällt das Gelände steil ab und über einige Kehren erreiche ich den Wegweiser, der unter anderem auch den Pfad zur Hanauer Hütte anzeigt. Der Abstieg zur Hütte ist in einer viertel Stunde absolviert und es steht nun erstmal eine Rast auf der sonnseitigen Hüttenterrasse auf dem Programm.

 

Das Gipfelpanorama von der Hütte aus ist überwältigend. Im Bogen reihen sich die Gipfel der Reichspitze, der Großen und Kleinen Schlenkerspitze, der Dremelspitze, der Schneekarlespitze, der Parzinnspitze mit Parzinnhexe, der Kogelseespitze und der Plattigspitze aneinander. Wildzerklüftete Felstürme ragen eindrucksvoll in den Himmel und sehen von unten uneinnehmbar aus. Dem ist allerdings nicht so, wie ich vom Hüttenwirt erfahre. Die Parzinnspitze beispielsweise "...weist im Gipfelbereich eine Stelle im II. Schwierigkeitsgrad auf, ist aber ansonsten durchaus bezwingbar", erklärt er mir.

 

Es ist nun schon halb fünf Uhr nachmittags und ich muss langsam aufbrechen, da ich ja noch einen zweieinhalbstündigen Weg zum Auto vor mir habe. Über steiles Gelände führt im Zickzack ein gut angelegter Weg hinunter zum Talgrund des Angerletales. Eine wildromantische Landschaft mit kleinen Wasserfällen, einem lichten Latschenbewuchs der mit einigen Fichten und Lärchen sowie mehreren Vogelbeerbäumen durchsetzt ist. Die im Herbst übliche Färbung beginnt soeben und so sind nur einige der Blätter verfärbt, dafür präsentieren sich die Früchte in einem leuchtenden Rot, das weithin sichtbar ist.

 

An der Materialseilbahnstation angekommen, geht es über einen breiten Fahrweg weiter. Durch die Hochwassersituation ist der Weg stellenweise stark in Mitleidenschaft gezogen worden, wurde aber in der Zwischenzeit zur Gänze wieder instand gesetzt. Nur die vielen Baggerspuren und aufgerissenen Gräben neben der Fahrspur zeugen noch von den Ereignissen. In schnellem Schritt wandere ich durch das etwa vier Kilometer lange Angerletal, bevor ich den Ort Boden erreiche.

 

Obwohl sich meine Beine schon ziemlich schwer anfühlen, muss ich nun noch einen Aufstieg von Boden nach Pfafflar in Angriff nehmen. Die etwas mehr als zweihundert Höhenmeter habe ich dann in etwa einer halben Stunde auch schon überwunden und stehe jetzt nach 12 Stunden wieder bei meinem Auto. Somit geht ein langer, aber schöner Tag mit sehr vielen interessanten Eindrücken zu Ende.

 

 
   
Talort Höhendifferenz in m
Pfafflar, Boden 1.210
   
Wegstrecke gesamt in km Höhenmeter gesamt
20,5 1.700
   
Stützpunkt Gebirgsgruppe
Hanauer Hütte (1.920m) Lechtaler Alpen
   
Zeit in h Charakter
10,5 - 11 lange aber technisch unschwierige Tour, einzig im Bereich der Kübelwände sind wenige, kniffligere Stellen die aber meist mit Ketten gesichert sind
   
 

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