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Da der
Wetterbericht für das Wochenende wieder einmal schlechtes
Wetter vorausgesagt hat, nehme ich gleich am Freitag Urlaub um
den noch letzten, schönen Tag für eine Bergtour zu nutzen. Als
Ziel wähle ich den Muttekopf bei Imst, welchen ich aber von
Norden (Pfafflar) her angehe. Dazu parke ich das Gefährt in
einer kleinen Ausweiche im Bereich "Unterhaus" (Pfafflar). Von
hier führt ein Fahrweg direkt ins Fundaistal.
Zunächst an den
alten Häusern des Ortes Pfafflar vorbei und über Wiesen in den
nahen Wald zu einer ausgedehnten Wiesenfläche. Unmittelbar davor
führt ein schmaler Pfad linker Hand an dem
Wiesenzaun vorbei und weiter hinein in das Fundaistal. Hier
zieht der Steig jetzt immer direkt über den schotterigen
Abbrüchen des Fundaisbaches. Durch Latschengassen wandere ich
Richtung Talschluss, über dem sich das Plateau der Fundaisalm
befindet.
Zunächst aber führt
mich jetzt der Weg durch das breite Bachbett des
Fundaisbaches. Über grobes Blockwerk und feinere Schotterbänke
führt der Steig an der rechten Talseite entlang. Am Talschluss angekommen, quere ich wieder den Bach und nun
steigt das Gelände steil in Richtung Plateau an. Auf einer
Geländekante über mir ist schon das kleine Hirtenhüttchen zu
erkennen, das noch im morgendlichen Schatten schlummert. Der
Steig zieht in etlichen Serpentinen in die Höhe und nach etwa
eindreiviertel Stunden treffe ich auf den Weg, welcher von der
Hanauer Hütte kommend in Richtung Kübelwände und Muttekopf
führt.
Das hier heroben
viele Schafe weiden, bemerkt man spätestens, wenn man den
unzähligen Häufchen Schafdung ausweichend im Slalom über den
Steig tänzelt ;-) Unter Schrofen hindurch steige ich in
östlicher Richtung zu den Kübelwänden auf, welche wie ein
wogendes Meer schräg in der Landschaft hängen. Obwohl sich
diese Landschaft von ihrer interessantesten Seite zeigt, ist
der Aufstieg durch die Kübelwände eher weniger herausfordernd.
Immer dem Verlauf des schrägen Bandes folgend, geht es
durch eine etwas kniffligere Runse, welche aber leicht unter
zu Hilfenahme der Hände durchstiegen werden kann.
Im weiteren Verlauf
steige ich durch das in einem Bogen verlaufende Gelände auf
eine Kante hinaus und über einen Graslatz in Serpentinen
hinauf zum nächsten Felsband, dem man dann fast bis zu der
Einsattelung kurz unterhalb des Muttekopfes folgt. Lediglich
ein paar kettengesicherte Stellen sind mit erhöhter Vorsicht
zu durchsteigen, ansonsten gestaltet sich der Steig auch hier
heroben unschwierig.
Die Markierungen
sind sehr gut angelegt und so ist es beinahe unmöglich, den
Ausstieg auf den Sattel zu verfehlen. Am Sattel angekommen,
eröffnet sich erstmals der herrliche Tief- und Ausblick auf
Imst, das Inntal und die im Hintergrund liegenden Berggruppen
wie Ötztaler Alpen, Verwall und andere. Ein eisiger Wind
fegt über den Grat, dem ich in Richtung Gipfelkreuz folge.
Obwohl zum Greifen nahe, dauert der Anstieg doch noch beinahe
eine halbe Stunde bevor ich das Kreuz erreiche.
Bei einer
halbstündigen Gipfelrast werden erstmal einige Fotos
geschossen. Ich lasse mir noch einen Wurstsemmel schmecken,
bevor ich wegen des eiskalten Windes vom Gipfel vertrieben
werde. Bibbernd und mit klammen Händen eile ich den
Gipfelrücken hinunter um wieder in wärmere Gefilde
abzusteigen. Wieder auf dem Plateau der Fundaisalm angekommen,
mache ich erst einmal eine Rast im Warmen, studiere die Karte
und gönne meinen Beinen erst einmal eine kurze Erholung.
Über Grasmatten
steige ich im unteren Bereich des "Hinteren Kar" auf einen
Geländerücken auf, an dessen Grat ich bis zum
Quergang durch ein Schotterkar folge. In etwa zwanzig Minuten
ist das Kar gequert und ich erreiche das Galtseitjoch
(2.421m). Ein herrlicher Ausblick in das Parzinngebiet tut
sich auf und tief unten ist auch schon das Gebäude der Hanauer
Hütte erkennbar. In südlicher Richtung steige ich vom
Galtseitjoch ins Schlenkerkar ab. Durch die Erosion und
Gerölllawinen ist der Weg teilweise verschüttet und nicht mehr
erkennbar, so steige ich die nächsten zwanzig Minuten weglos
über steiles Gelände ab und orientiere mich an dem Weg, der
durch das Schlenkerkar in den unteren Teil der Wanne
hereinführt.
Bald nach Erreichen
des Weges ist auch schon das breite Kar durchwandert und vor
mir liegt noch ein kurzer Aufstieg auf den Geländerücken der "Schlengge".
Auf schönen mit Latschen durchsetzten Böden steige ich zuerst
in sanftem Gefälle weiter in Richtung Parzinn ab. Erst am Ende
der Böden fällt das Gelände steil ab und über einige Kehren
erreiche ich den Wegweiser, der unter anderem auch den Pfad
zur Hanauer Hütte anzeigt. Der Abstieg zur Hütte ist in einer
viertel Stunde absolviert und es steht nun erstmal eine Rast
auf der sonnseitigen Hüttenterrasse auf dem Programm.
Das Gipfelpanorama
von der Hütte aus ist überwältigend. Im Bogen reihen sich die
Gipfel der Reichspitze, der Großen und Kleinen
Schlenkerspitze, der Dremelspitze, der Schneekarlespitze, der
Parzinnspitze mit Parzinnhexe, der Kogelseespitze und der
Plattigspitze aneinander. Wildzerklüftete Felstürme ragen
eindrucksvoll in den Himmel und sehen von unten uneinnehmbar
aus. Dem ist allerdings nicht so, wie ich vom Hüttenwirt
erfahre. Die Parzinnspitze beispielsweise "...weist im
Gipfelbereich eine Stelle im II. Schwierigkeitsgrad auf, ist
aber ansonsten durchaus bezwingbar", erklärt er mir.
Es ist nun schon
halb fünf Uhr nachmittags und ich muss langsam aufbrechen, da
ich ja noch einen zweieinhalbstündigen Weg zum Auto vor mir
habe. Über steiles Gelände führt im Zickzack ein gut
angelegter Weg hinunter zum Talgrund des Angerletales. Eine
wildromantische Landschaft mit kleinen Wasserfällen, einem
lichten Latschenbewuchs der mit einigen Fichten und Lärchen
sowie mehreren Vogelbeerbäumen durchsetzt ist. Die im Herbst
übliche Färbung beginnt soeben und so sind nur einige der
Blätter verfärbt, dafür präsentieren sich die Früchte in einem
leuchtenden Rot, das weithin sichtbar ist.
An der
Materialseilbahnstation angekommen, geht es über einen breiten
Fahrweg weiter. Durch die Hochwassersituation ist der Weg
stellenweise stark in Mitleidenschaft gezogen worden, wurde
aber in der Zwischenzeit zur Gänze wieder instand gesetzt. Nur
die vielen Baggerspuren und aufgerissenen Gräben neben der
Fahrspur zeugen noch von den Ereignissen. In schnellem Schritt
wandere ich durch das etwa vier Kilometer lange
Angerletal, bevor ich den Ort Boden erreiche.
Obwohl sich meine
Beine schon ziemlich schwer anfühlen, muss ich nun noch einen
Aufstieg von Boden nach Pfafflar in Angriff nehmen. Die etwas
mehr als zweihundert Höhenmeter habe ich dann in etwa einer
halben Stunde auch schon überwunden und stehe jetzt nach 12
Stunden wieder bei meinem Auto. Somit geht ein langer, aber
schöner Tag mit sehr vielen interessanten Eindrücken zu Ende.
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