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alpiner Bergbau im Außerfern und dem Allgäu


Historischer Bergbau im Forumsgebiet (Außerfern - Allgäu)


• hier können Informationen bereitgestellt und Fragen zum Beitrag erörtert werden

Inhalte

• Geschichte
• Abbauart
• Abbaugebiete
• Flurbezeichnungen
• Sagen
• Bilder
• Literatur







Geschichte

Noch heute finden sich in Karten der Umgebung Hinweise auf teils mittelalterliche Erzabbaustätten in den umliegenden Bergen. Etwa der Erzberg (nahe dem Frauensee bei Lechaschau) oder der Galmeikopf am Pinswanger Schwarzenberg und viele andere Flurbezeichnungen lassen auf einen historischen Bergbau, mindestens schon seit dem frühen Mittelalter, schließen.

Anhand konkreter Spuren und einer bereits laufenden wissenschaftlichen Erforschung der Abbaustätten aber auch Schlackenhalden im Bereich des Allgäus und des Außerferns, kann inzwischen schon auf eine beachtliche Fülle an Erkenntnissen zurückgegriffen werden. So wurden bisher rund 50 verschiedene Fundstellen von Schlacken aufgezeigt.

Die Schlacken bzw. die der Schlacke anhaftenden Holzkohlestücke dienten der Wissenschaft zur Bestimmung der unterschiedlichen Zeitspannen in welchen das Erz in einfachen Rennöfen verhüttet wurde. Dieser Zeitraum der regional verhütteten heimischen Erze reicht vom 7. bis in das 14. Jahrhundert.



schematische Darstellung eines Rennofens -
auf einer Infotafel bei den Pinswanger Erzgruben
Vor allem die Schichten des Wettersteinkalkes beinhalten erzhaltiges Gestein und waren für die ersten Bergbautreibenden von Interesse. Wurden zu Beginn noch oberflächennahe Erzadern abgebaut (Eisenerz), trieb man bald auch kleinräumige Stollen in die Felsen um an die Erzlager entlang der Schichtungen im Inneren des Berges zu gelangen (Silber, Blei und Galmei -> Zink).

Eine der ältesten Erwähnungen steht in Verbindung mit dem Heiligen Magnus von Füssen, welcher seit etwa Mitte des 8. Jahrhunderts im Gebiet um Füssen als Missionar wirkte. (überlieferte Sage)

Im Jahr 1511 schloss sich in Biberwier zur Förderung der Erzvorkommen am Schachtkopf eine bergmännische Gewerkschaft zusammen, welche über dreieinhalb Jahrhunderte lang in privater Hand geführt, das Bergbaugebiet Silberleithe, oder auch Silberleithen, bald zum größten und bedeutendsten Grubengebiet des Gerichtes Ehrenberg erstarken ließ.

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Abbauarten mit regionaler Besonderheit

Eisenerz

Bei der Gewinnung von Eisenerz beschränkt sich die Abbauart zumeist auf das "Sammeln" von an der Oberfläche aufgefundenen vererzten Gesteinen. Nur eher selten wurden Stollen oder Gänge für den Eisenerzabbau angelegt, da die Einschlüsse meist ganz vereinzelt auftraten und so gut wie nie eine zusammenhängende Erzader ausbildeten. Beim Schürfen nach Eisen waren mit großer Wahrscheinlichkeit auch keine ausgebildeten Bergleute beschäftigt. Viel eher kann angenommen werden, dass diese Arbeiten von Waldarbeitern und Bauern im Nebenerwerb getätigt wurden.

Silber, Blei und Zink

Die Förderung von Silber, Blei und Zink wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts speziell im Bereich der Silberleithe bei Biberwier zumeist mittels in den Berg gehauenen Stollen und Schächten im Untertagebau bewerkstelligt. Mit Schlägel und Eisen trieb man diese in den kompakten Fels um an die Erzadern zu gelangen. Das erzhaltige Gestein wurde im Anschluss zunächst nahe der Stollen in kleinen Rennöfen ausgeschmolzen. Der zunehmende Bedarf an Feuerholz machte es um die Mitte des 17. Jahrhunderts aber notwendig, eine Schmelzhütte im talnahen Bereich zu errichten.

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Abbaugebiete

Allgäuer Alpen
  • Altstädten - Sonthofen (Eisenerz)
  • Erzeck / In der Schiene - Hinterstein
  • Fischersäge - Nesselwang (Kohle)
  • Grünten - Burgberg (Verhüttung Sonthofen, möglicherweise seit römischer oder gar vorrömischer Zeit)
  • Imberg (Kohle)
  • Kaisergrube - Bad Hindelang
  • Oberstaufen (Kohle)
  • Roßkopf / Sattelhütte - Hinterstein (Eisenerz)
Ammergauer Alpen
  • Älpeleskopf - Schwangau
  • Altenbergalpe - Schwangau
  • Ammersattel - Ammerwald
  • Erzgruben - Unterpinswang
  • Galmeikopf - Unterpinswang
  • Grüble / Branderschrofen - Schwangau
  • Hennenkopf / Erzgraben - Linderhof
  • Hirschwanghütte? / östlicher Sattel
  • Klemmtal / Säuling - Pflach
    Eisenbergwerk im Lettenbachtal
    ...Kaiser Heinrich IV. bestätigt 1189 den Prämonstratensern von Steingaden "die Eisenadern, die man im Volke Bergrecht nennt..."
    1509 wird von bereits verfallenen Eisenschmieden berichtet
    aus Erlebnis Außerfern - Hannes Gasser
  • Kühbachtal? - nördl. Plansee (Kohle)
  • Niederstraußbergsattel / Erzgrube - Schwangau
  • Sägertal - Linderhof
  • Schlagstein - Schwangau
  • Tortal? - nördl. Plansee (Kohle, Ölschiefer)
  • Zunterkopf - Schwangau
Lechtaler Alpen
  • Almajurtal - Kaisers (in der Karte von Peter Anich - 1774 - wird beim Zusammenfluss des Kaiser- und Almajurbaches eine "Alte Schmölz" genannt)
  • Alpeil - Tarrenz (Blei)
  • Alperschonjoch / Knappenböden - Schnann (bis ins 15. Jahrhundert sollen auf der Knappenbodenalpe mehrere Schmelzhütten und Häuser gestanden haben)
  • Alpleskopf - Nassereith
  • Arzkopf - Imst (Eisenerz)
  • Bleispitze oder Pleisspitze? / Riegeltalalpe - Bichlbach (Blei- und Galmeierz)
  • Brunnwald - St. Wendelin / Nassereith (Blei, Schmelzhütte)
  • Dirstentritt - Nassereith (Blei, Zink, Molybdän)
  • Edelspitz / Roggspitze / Erlach - Kaisers (Eisenerz)
  • Eisenspitze - Flirsch (Eisenerz, Mangan)
  • Erzloch / Untere Grießbachalpe - Häselgehr
  • Gafleintal - Nassereith
  • Grießtal - Elbigenalp
  • Grubig - Schönwies / Starkenbach
  • Grubigjoch / Im Grubig / Südöstl. Namloser Wetterspitze - Imst (Galmei)
  • Heiterwand / nördl. /Schweinsteinjoch - Imst - Nassereith
  • Imst (Abbaugebiet und Schmelzhütte)
  • Imster Ochsenalpe
    "...wurden in der Glanzzeit nach 1550 von mehreren hundert Knappen bearbeitet. Die Erze gingen auf primitiven Karren ins Namlosertal und dann auf Tragtieren über das Grubigjoch und Steinjöchl zur Schmelzhütte Imst..."
    aus Erlebnis Außerfern - Hannes Gasser
  • Knappenloch - Boden / Pfafflar (Galmeierz)
  • Knappenlöcher / Rotwand - Imst
  • Krabachtal - Steeg
  • Kratzer / Kratzersattel - Tarrenz
  • Kromsattel /Tschachaun - Imst
  • Kuchelzeche / Gabelspitz - Imst
  • Laggers - Imst
  • Larsennkar - Imst
  • Loisachquellen - Biberwier (Gold)
  • Loreakopf / Fernpass - Biberwier
  • Mannkopf - Imst (Blei)
  • Needer - Berwang (Blei, Silber, Zink, Arsen, Kadmium)
  • Pazüeltal / Oberalp - Zürs (Eisenerz)
  • Rammlestobel / Schneggenbach - Flirsch (Fahlerz)
  • Reissenschuhjoch / Grubigjoch - Nassereith (Blei)
  • Rosengartenschlucht - Imst
  • St. Jakob / Gand / Stanzertal / Verrucano (Fahlerz)
  • Strohsack / Stanzertal / Verrucano - Pettneu (Fahlerz mit Quecksilberanteil)
  • Tarrenton - Imst - Nassereith
  • Tarrenz / Sparchet?
Tannheimer Berge
  • Daurachalpe / Sebenspitze - Vils
  • Erzstollen - Weißenbach
  • Frauensee / Erzberg - Lechaschau
  • Greng - Musau
  • Hahlealpe / Hahlekopf - Musau
Tschirgant
  • mehrere Grubenbaue an der Tschirgant-Westflanke - Imst
  • Silbertal - Roppen
Wetterstein und Mieminger Berge
  • Arzberg - Telfs
  • Bärlesgrube? - Ehrwald
  • Drachensee - Ehrwald (Blei; vor 1500)
  • Emat - Telfs
  • Feigenstein / Knappenwald - Nassereith (Blei, Galmei)
  • Frohnhausen / nördl. - Barwies
  • Geierkopf - Nassereith (Blei, Silber, Galmei)
  • Grünstein / Arzbödele und Gamswannele - Biberwier
  • Handschuhspitze - Nassereith (Blei)
  • Haverstock - Nassereith (Blei, Galmei, Zink)
  • Hochwart - Nassereith (Blei, Galmei)
  • Igelskopf / östl. im Kar - Ehrwald (Galmei, Blei)
  • Kotbachgraben / Tillfussalm / Gaistal - Leutasch
  • Marienbergjoch - Biberwier (Blei, Galmei, Silber)
  • Muthenaualm / Nassereither Alm - Nassereith (Mangan, Eisenerz)
  • Nassereith / Sigmund- u. Matthias-Grube (Blei, Galmei, Zink)
  • Roßbach - Nassereith (Schmelzhütte)
  • Schachtkopf / Silberleithe - Biberwier (Blei, Silber, Zink)
  • Schnahnggekopf / südl. - Nassereith
  • Seebensee - Ehrwald (Galmei; 1735 eingestellt)
  • Wampeter Schrofen - Biberwier
  • Wannig - Biberwier (Kohle, Mangan, Ichthyol)

Flurbezeichnungen welche einen Hinweis auf ehemalige bergbauliche Aktivitäten geben können:
  • Arz... (Erz)
  • Eisen...
  • Erz...
  • ...grube
  • Grubig(...)
  • Knappen...
  • ...loch
  • Putzen...
  • Rot...
  • Schacht...
  • Silber...

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Sankt Magnus am Säuling

Als der heilige Magnus eines Tages am Fuße des aus altem Seebett gen Himmel ragenden Säuling hinaufstieg, fand er oben an der Seite mehrere gleichsam verwilderte Menschen, die voll Hungers mit den da zahlreich herumirrenden Bären von gemeinschaftlichem Raube lebten. Aber St. Magnus sprach freundlich zu ihnen, und sie verhielten sich ganz zahm. Ja einige gingen, die Gebirgspfade ihm weisend, sehr folgsam wie die Ochsen vor dem Pfluge einher. Da sah und nahm Mangold zu Herzen die große Armut des Volkes in diesem Gaue, und flehend hob er seinen Blick zum Himmel, daß den Dürftigen ein Erwerb beschert werden möchte, wodurch sie sich aus dem Niederlande Lebensmittel anschaffen könnten.

Und sieh - es tritt ein zottiger Bergmann gar zutraulich heran, zeigt auf eine nahe, weit umschattende Tanne, scharrt mit dem Fuße und legt so Spuren von Eisenerz zu Tage. Der Abt befiehlt hierauf dem Bergmanne, die große Tanne auszugraben. Dieser gehorcht. Und als der Baum, bis unter die Wurzeln aus dem Grunde gelöset, umstürzt, tut sich ein leicht zu förderndes Erzlager auf. Darüber innigst erfreut und dem Himmel dankend, zieht der Abt ein Laibchen Brot aus seiner Tasche, reicht es ganz dem hungrigen Waldbewohner hin und spricht: "Im Namen des Herrn, iß dieses Brot und folge mir! Sorge aber auch dafür, daß dem Manne, den ich hieher senden und dir zeigen werde, von den übrigen Waldbewohnern nichts zuleide geschehe! Beobachtet ihr das, vergreift ihr euch nicht mehr an Menschen und Herden, so sollt ihr die umliegenden Berge und Hügel gemeinschaftlich und ungestört benutzen können."

Der Abt kehrte in das Kloster, wohin ihm der Bergmann auf dem Fuß folgte, zurück, rief einen verständigen Diener namens Luito herbei und sendete ihn mit den nötigen Werkzeugen versehen in Geleitschaft des Bergmannes in das Gebirge hinauf. Luito fand dort dienstwillige Menschen, die ihn sorgfältig über Weg und Steg leiteten und auch vor den reißenden Tieren beschützten. Schnell konnte der erhaltene Auftrag vollführt werden; und indem Luito eine beträchtliche Ladung Eisenerz zum Kloster herabbrachte, pries er den Abt im Herrn, weil ihm sogar die Tiere des Waldes gehorchten.

Abt Magnus fand das Erz abbauwürdig und sprach zu Luito: "Die Erzlager der Gegend sollen bearbeitet und sie müssen daher vor allem zugänglich gemacht werden. Das sei deine Sorge, Luito! Und wie der Bergmann dich führte, so geleite nun du, wer da kommt, sicher durchs Gebirge, und bald soll es, so Gott will, die dort anwachsende Bevölkerung mit einem ordentlichen Berg- und Hüttenwerk vermögen, sich Lebensmittel und andere Bedürfnisse in zureichender Menge von außen zu verschaffen!" Und von der Zeit an verlegten sich die Anwohner des Säulings und der benachbarten Gegenden auf den Eisenabbau.

Entdeckung der Erzvorkommen am Schachtkopf (Silberleithe)

Es waren Hirtenjungen aus Biberwier, welche einst auf der Suche nach verlaufenen Ziegen im Bereich des Schachtkopfes nächtigten. Als sie in der Dunkelheit seltsam grünlich schimmernde kleine Flämmchen bemerkten, welche fortwährend ihren Erscheinungsort wechselten und mal hier und mal da aufflammten, hielten sie am folgenden Morgen Nachschau. Dabei entdeckten sie auffällig glänzende Steine, welche sie mit den Händen weiter freilegten und so die Ausbisse, eben jene Stellen an welchen die Erzlagerstätten an die Oberfläche traten, entdeckten.

Die nächtlichen Flammen könnten durch freigesetztes Schwefelwasserstoffgas entstanden sein, dass sich an der Luft mit grünlicher Flamme selbst entzündete.


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Bilder


Erzgrube Pinswang



Silberleithe







Erzstollen Weißenbach



-> Abschrift der Infotafel bei den Erzstollen
Eisenerzabbau in Weißenbach

Zur Zeit der Salztransporte von Hall über den Fernpass nach Reutte und durch das Tannheimer Tal nach Lindau wurden die Pferdefuhrwerke bei Ehenbichl per Floß auf die gegenüberliegende Seite nach Höfen übergeführt. Am Ortseingang von Weißenbach betrieb der alteingesessene Huf- und Nagelschmied Zitt eine Schmiede, wo die Pferde beschlagen werden konnten.
Das Rohmaterial dafür wurde aus diesem Stollen und unterhalb sogar frei abgebaut und an Ort und Stelle verarbeitet.
Zu dieser Zeit sollen sich rund 50 Gewerbebetriebe in Weißenbach angesiedelt haben.




Literatur
• Sagenhaftes Außerfern - Peter Linser
• Die mittelalterliche Eisengewinnung im Füssener Land (Ostallgäu und Außerfern) - Robert Schöner, Herbert Scholz und Hans Krumm
• Wege in die Vergangenheit in Tirol - Christine Zucchelli (2014)
• Heimat Ausserfern - Ferdinand Fuchs (1984)
• Prinz-Luitpoldhaus DAV-Hüttenführer - Kristian Rath
• Die Römer in Bayern - Czysz, Dietz, Fischer, Kellner (1985)
• Die Alpen in Frühzeit und Mittelalter - Ludwig Pauli (1980)
• Erlebnis Außerfern - Hannes Gasser (1978)





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