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Biberwier


Region: Zwischentoren


erste urkundliche Erwähnung: 1288 - Piperwure
Fläche: 29,42km²
Höhe: 989m
Ortsteile: Rauth, Schmitte


Bergsturz oder Gipskarst - das ist hier die Frage


Forschungen haben ergeben, dass der Fernpass allem Anschein nach vor etwa 4200 Jahren durch einen enormen Bergsturz entstand. Wissenschaftliche Diskussionen haben aber auch die Möglichkeit von der Erosion eines umfangreichen Gipskarstgebietes in den Raum gestellt. Allerdings hält die Mehrheit der Wissenschaftler die Bergsturz-Theorie für wesentlich wahrscheinlicher und schlüssiger.

Diese Theorie besagt, dass vermutlich in Folge des Abschmelzens der Eismassen nach der letzten Eiszeit ein mächtiger Bergstock im Bereich von Loreakopf und dem östlichen Kreuzjoch isoliert stehen blieb. Durch die Fließbewegung des Gletschers abgeschliffen und der stützenden Wirkung der Eismassen beraubt, konnte der Wandfuß seinem eigenen Gewicht nicht mehr standhalten und brach berstend gegen Osten hin in die Tiefe. Die Gesteinslawine breitete sich in dem vormaligen Talgrund aus, füllte diesen auf und nachkommende Massen flossen, bis hin nach dem Gebiet des heutigen Nassereith im Süden und Biberwier im Nordosten, ab.

Dolinenartige Eintiefungen charakterisieren das Terrain am Fernpass. Einige dieser Vertiefungen füllten sich mit Wasser an und wurden zu den heute bekannten Seen: Mittersee, Weißensee, Blindsee, Sameranger See und Fernsteinsee. Im Auslaufbereich des Schuttkegels bei Biberwier haben sich mehrere bis zu 40 m hohe, frei stehende Hügel erhalten. Auch diese sind mit großer Wahrscheinlichkeit auf den größten bekannten Bergsturz der Ostalpen zurückzuführen.

Namensgebung


Der Ortsnamen deutet auf die bis 1800 hier nachweislich lebenden Biber hin (Piperwure = Biberdamm).
Auch heute haben sich hier wieder vereinzelt Biber angesiedelt.

Pfarrkirche hl. Josef in Biberwier
Wahrscheinlich ist auch, dass sich vor diesem Ereignis die Talsohle von Nordost nach Südwest absenkte. Also vom heutigen Moos ein relativ schmales Tal im Bogen gegen Südwesten, in das Gebiet des heutigen Nassereith, führte. So müssten auch sämtliche Wasserläufe aus dem heutigen Becken unterhalb der Zugspitze einst in das Gurgltal entwässert haben. Offenbar flossen auch die glazialen Eisströme während der letzten Eiszeit aus dem heutigen Zwischentoren nicht gegen Norden ab. Vielmehr schob sich dieser Gletscherarm gegen Süden, wo er sich letztendlich mit dem Inntalgletscher vereinigte.

Der Bergsturz verlegte also durch das Aufschütten einer etwa 350 bis 400 Meter (an seiner höchsten Stelle) mächtigen Schicht aus Bergsturzmasse innerhalb kürzester Zeit die ursprüngliche Wasserscheide weit gegen Südwesten, woraufhin sich das Gebiet des Lermooser Mooses zu einem flachen See ausbildete beziehungsweise aufstaute. Erst als sich das Wasser einen Durchlass bei der Engstelle bei Ehrwald frei gefräst hatte, fiel der See wieder trocken und übrig blieb eine etwa 28 ha große Moorlandschaft.


Bronzezeitliche Spuren


Ein im Gemeindegebiet von Biberwier aufgefundenes Randleistenbeil aus dem 17./18. Jahrhundert vor Christus ist eines der bisher ältesten im Außerfern aufgefundenen Artefakte.

Die Axt scheint Gegenstand einer Opfergabe gewesen zu sein, mit welcher man sich die Gunst der Götter sichern wollte. Sie wurde wohl im Zuge einer Zeremonie dem Feuer übergeben (die Analyse ergab unter anderem eine Schicht aus Brandpatina).

Eisenzeitliche Spuren


Ein für die Geschichte des Fernpasses wichtiger Fund ergab sich 1952 im Zuge von Wegbauarbeiten im Bereich des Römerweges. Fünf Eisenbarren, welche für Schmiede bereits seit der Eisenzeit (ab 800 v. Chr.) als Rohmaterial für ihre Arbeit dienten. Ganz in der Nähe wurde auch eine bronzene Fibelgarnitur entdeckt, welche eine Datierung des Fundes ermöglichte. Das war der Beleg, dass der Passübergang auch in der Latènezeit (480 - 15 v. Chr.) in Verwendung stand.


Via Claudia Augusta


Mehrere Holzgebäude einer römischen Straßenstation (Rast- und Pferdewechselstation), eine sogenannte mansio, wurden im Laufe archäologischer Grabungen im Bereich zwischen dem Ortsteil Schmitte und dem Ortszentrum von Biberwier (Baubeginn wohl um 14 bis 37 n. Chr.), direkt am Verlauf der Via Claudia Augusta gelegen, freigelegt. Zum Vorschein kam hier auch der mit 140 Exemplaren bisher größte römische Münzfund innerhalb des Außerferns. Die Datierung der Münzen ergab eine Zeitspanne zwischen dem 2. Jahrhundert vor Christus bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts nach Christi Geburt. Die Wissenschaft leitet daraus den Beweis einer Nutzung der Straße durch die Römer wohl über etwa 400 Jahre hinweg ab.

Die Route der römischen Kaiserstraße führte vom Fernpass kommend weiter gegen Nordwesten in das Lermooser Moos, welches mittels eines Prügelweges passiert wurde. Dieser kerzengerade durch das Moos verlaufende Prügelweg ist aus archäologischer Sicht einzigartig und beweist die architektonische Leistung der damaligen Landvermesser und Straßenbauer.

Erste "echte" Siedler


Die ersten "echten" Siedler dürften im 10. Jahrhundert aus dem Inntal kommende bayerische Gruppierungen gewesen sein, welche sich in sogenannten Schwaighöfen niederließen. Zuvor wurden diese Siedlungsgebiete häufig schon als Alpgebiete genutzt. Der Anstieg der Bevölkerungszahlen und die daraus resultierende Verknappung an bebaubarem Land und Weideflächen in den ursprünglichen Gebieten wird die damaligen Menschen veranlasst haben, ihr Glück in solch höher gelegenen aber im Grunde sehr dünn besiedelten Gebieten zu suchen.

Kirchengeschichte


Ursprünglich gehörte Biberwier kirchlich zur Urpfarre Imst. Für 1423 ist eine Abspaltung als Filialkirche von Lermoos bekundet und 1690 schließlich zur Kaplanei erhoben. Erst 1891 gelangt die Kirche hl. Josef in den Stand einer eigenständigen Pfarre.
Die Kapelle "auf der Geißel" - den Pestheiligen Rochus und Sebastian geweiht - wurde nach dem Rückgang der Seuche errichtet und angrenzend ein Pestfriedhof angelegt.

Bergbau Silberleithe


Als größtes Außerferner Bergbauareal hat sich das Abbaugebiet Silberleithe am Schachtkopf und dem Wamperten Schrofen schon damals einen Namen gemacht. Ein beinahe 60 km langes Netzwerk aus Stollen schlugen die Knappen und Bergmänner der Gewerkschaft "Silberleithen" ab 1511 in den massiven Wettersteinkalk um an das Blei-, Silber- und Zinkerz zu gelangen. Die Silberleithener Bergbaugesellschaft bestand zu seiner Blütezeit um 1840 aus 145 Bergleuten bei einer Gesamtbevölkerung von 712 Biberwierern. Das heißt jeder 5. Einwohner fand Arbeit in dem Bergbaubetrieb in den Bergen südöstlich des Ortes. Mehr zu diesem Thema hier: Bergbau im Außerfern

Salzstraße


Nach den Strapazen der Überfahrt über den Fernpass gelangten die Salzfuhrwerke in den Bergbauort. Um 1756 waren etwa 26 Rodfuhrleute aus Biberwier an den Salztransporten beteiligt, welche damit ein ansehnliches Zubrot verdienten.
Mehr zum Thema im Beitrag Salzstraße(n) im Außerfern

Bergbau am Wannig


Um 1875 wird von einem Abbau von Kohle und Mangan im Bereich des Wannig berichtet.

Brandkatastrophe


Ein Großfeuer ist für das Jahr 1928 belegt, welches 9 Häuser in Schutt und Asche legte. 16 Familien wurden dadurch obdachlos.

Nächstgelegene Orte


LermoosEhrwald
Nassereith

Bilder









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