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Der Lech




Der Lech gilt in seinem Lauf innerhalb des Tiroler Bezirkes Reutte als einer der letzten Wildflüsse Europas. Tatsächlich erfährt der Fluss von der Quelle bis hinab zu dem Ort Weißenbach so gut wie keine größeren, künstlichen Eingriffe und ist weitgehend naturbelassen.

Der Verlauf

Übergeordnet ist der Lech nach Inn und Isar der drittlängste rechte Nebenfluss der Donau. Der Quellbach entspringt als Formarinbach einem unterirdischen Zulauf des Formarinsees im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Zunächst fließt er von der Formarinalpe gegen Osten und verbindet sich rund 5 Kilometer von der Quelle entfernt mit dem Spullerbach. Ab dem Zusammenfluss trägt das Gewässer künftig den Namen Lech und strömt weiter durch das Zuger Tal hinaus nach Lech am Arlberg, wo er sich mit dem Zürsbach vereinigt. Bereits zu einem stattlichen Bach angewachsen, setzt der Lech seinen Weg in Richtung Nordosten fort und gräbt sich dabei immer tiefer in die Lechschlucht ein. Er passiert dabei in einiger Entfernung die Walsersiedlung Warth und verlässt sein enges Bett und auch das Bundesland Vorarlberg etwas oberhalb der heutigen Burgstallbrücke westlich des Steeger Weilers Prenten.

Bereits auf diesen ersten, etwas mehr als 25 Kilometern hat der Lech einen Höhenunterschied von knapp 700 Metern überwunden. Der Lauf verlangsamt sich im Tiroler Bezirk Reutte angekommen etwas, wenn es durch das eigentliche Lechtal hinunter geht und der Fluss die zumeist auf den Schwemmkegeln der Seitentäler befindlichen Talgemeinden passiert. Die ein oder andere Begradigung wurde hier behutsam vorgenommen und fällt dem Betrachter, wenn überhaupt, nur selten auf. Vor allem in seinem Unterlauf im Bereich von Forchach wird dem Fluss viel Raum geboten, so nimmt der Lech kurz nach dem Zusammenfluss mit dem Schwarzwasserbach beinahe den gesamten Talboden ein. Das Platzangebot bleibt bis hinab nach Weißenbach nahezu unverändert, erst am sogenannten Gächtle zwischen Weißenbach und Höfen wird der Lech in einem relativ schmalen Kanal abgeführt und so an Höfen, Ehenbichl, Reutte und Lechaschau vorbeigeführt. Unterhalb von Lechaschau vereinnahmt der Lech mit seinen Nebenarmen und dem Zufluss des Archbachs großflächig ein Augebiet, welches explizit als Vogelschutzgebiet ausgewiesen wurde und mit einem rund 20 Meter hohen Vogelbeobachtungsturm versehen wurde.

Unterhalb von Pflach verengt sich der Ablauf des Lechs um sich im Bereich des Kniepass durch eine einst enge Klamm seinen Weg zu bahnen. Unterhalb dieser Engstelle bietet sich dem Gewässer wieder wesentlich mehr Platz und so mäandert der Fluss in seinem weiten Bett vorüber an zahllosen Sandbänken und durch ausgedehnte Flussauen vorbei an Musau links und Pinswang an der rechten Flussseite. An den Abhängen des Stiglbergs und des Ranzen muss sich der Lech beim Vilser Ortsteil Stegen ein weiteres Mal durch eine enge Rinne zwängen um sich gleich darauf im Bereich des Zusammenfluss mit der Vils wieder entfalten zu können. Bis hinaus zu der Staatsgrenze bleibt ihm viel Raum, ab dem Grenzpunkt am Entenstein trifft der Lech dann jedoch abermals auf eine geologische Barriere. Der Lechfall oberhalb von Füssen zwingt den Fluss noch ein letztes Mal durch ein natürliches, schmales Gerinne. Kaum auf bayerischem Boden angelangt endet jedoch der wilde Charakter dieses Fließgewässers und der Lech wird fortan intensiv für die Energiegewinnung genutzt.

Nicht weniger als 30 Staustufen und 24 (26?) Stauseen bilden den früheren Wildfluss inzwischen auf bayerischer Seite zu einer Art "nassen Treppe" aus. Nur wenige naturbelassene Flussstrecken wie etwa jener bei der Litzauer Schleife bieten noch ein mehr oder weniger natürliches Gepräge. Ansonsten zieht sich eine relativ ununterbrochene Seenkette durch Südbayern gegen Norden hin zu der von den Römern gegründeten Stadt Augsburg. Dort nimmt der Lech die Wertach auf und verläuft massiv begradigt und in Kanalsystemen gebündelt um in verstärktem Maße für die Energiegewinnung herangezogen werden zu können. Letztlich mündet der Lech bei Marxheim in die Donau, welche später in das Schwarze Meer entwässert. Durch weitreichende Veränderungen im Mündungsgebiet wurde in den letzten Jahrhunderten der tatsächliche Zufluss vom bezeichnenden Dorf Lechsend etwa eineinhalb Kilometer flussabwärts verlegt, sodass diese Ansiedlung heute nicht mehr der Mündung genau gegenüber liegt.

Wie schon in seiner namentlichen Übersetzung als der "Steinige" bzw. "Steinreiche" zu erkennen, trägt der Lech eine gehörige Menge an Geschiebe mit sich, dass zwar einerseits die Flusseintiefung verhindert, andererseits aber an den Stauseen auf bayerischer Seite zu einer unverhältnismäßig schnellen Verfüllung mit den genannten Flussschottern führt. Gerade am Beispiel des Forggensees zeigt sich, dass sich in gerade einmal einem halben Jahrhundert das Speichervolumen des Sees um mehr als 30.000m³ verringerte.

Bis heute bildet der Lauf des außeralpinen Lech auch die Sprachgrenze zwischen dem alemannischen, sowie den bayerischen Dialekt. Von großer historischer Bedeutung war jene Begegnung der Ungarn mit den von König Otto I. und dem Bischof Ulrich von Augsburg geführten Heerscharen, welche sich am 10. August 955 auf dem Lechfeld formierten. Die vormaligen Plünderungszüge der ungarischen Reiter quer durch Mitteleuropa fand in dieser kriegerischen Auseinandersetzung ihren Endpunkt und ging als "Schlacht auf dem Lechfeld" in die Geschichtsbücher ein.

Sein wirtschaftlicher Nutzen lag lange Zeit in der Trift von Holz oder der Flösserei an seinem Unterlauf ab etwa Füssen als schneller Handelsweg. Heute besitzt der Lech in Hinblick auf die Nutzung zum Warentransport keinerlei Bedeutung mehr. Der gegenwärtige Nutzen wird wie bereits angesprochen aus der Wasserkraft zum Zweck der Energieerzeugung geschöpft. Im weiteren Sinne spielt der Lech auch als touristische Attraktion eine Rolle. Steht dies im alpinen Bereich, also dem Tiroler Lechtal, außer Zweifel, kann diese Funktion auf deutscher Seite lediglich jenen unter Naturschutz gestellten Zonen zukommen.

Literatur und Links








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