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Johann Anton Falger

Johann Anton Falger
geb. am 9. Juli 1791 in Elbigenalp
Vater: Gregor Falger (Bäckermeister, Fuhrmann und Bauer)
Mutter: Maria Anna geb. Lumpert

Seine schulischen Leistungen beschreibt Falger später folgendermaßen: - "...ein mittelmässiger Schüler, im Schreiben, Rechnen und Lesen alter Briefe nicht schlecht, aber im Auswendiglernen nicht gut..."

Ab dem Sommer 1804 besucht der junge Johann Anton Falger - er selbst bevorzugt offenbar das kürzere Anton Falger - die Schule in Reutte, im Herbst desselben Jahres verlor er jedoch seine Mutter. Die Vorliebe und das schon früh erkennbare Talent für das Zeichnen wird vom Vater gefördert und er schickt ihn zum Maler Karl Selb nach Stockach - einem früheren Schüler des Johann Jakob Zeiller aus Reutte. Der unterrichtet den eifrigen Jungen die nächsten vier Jahre und begibt sich mit ihm 1808 nach [b]München[/b], wo der inzwischen 18-jährige seine Ausbildung als Historienmaler an der [b]königlichen Akademie[/b] beginnt.


Das Kind -
Totentanz Elbigenalp (1840)
1809 wird für Falger ein "trauriges" Jahr, da er sich nach seiner Musterung wieder nach München aufmachen wollte, durch Aufstände im eigenen Land aber bald zur Rückkehr gezwungen wurde: "...es war ungefähr am 9. oder 10. April, als ich in die Rossschläg kam und es stunden schon die Bauern als Rebeller mit den Waffen da. Man liess mich nach Hause und bald musste ich mit dem Landsturme ausrücken. Es wurden dann bald im Lechthale sieben Compagnien errichtet und so ging der blinde Lärm bis November fort. Ich war bereits den ganzen Sommer für mich oder meinen Vater, sogar dem Auslande zur Last, war oft in Pfronten und zweimal in Kempten unter Major Schueller von hier. Wir zogen nicht aus, um zu bringen, sondern um zu holen. Commandant Teimer hat uns weder im Inland noch weniger im Ausland Ehre gemacht. Am meisten war ich auf Wache in Tannheim und auf dem Jöchl..."

Dem nachmalig als Kriegsheld verehrten Passeirer Andreas Hofer attestierte Falger gar "wenig Kenntniss als Befehlender". Generell blickte der Lechtaler mit Abscheu auf die Vorkommnisse und sah in der Reaktion der Tiroler ein großes Unrecht. Die französischen Besatzer mochte er ob ihrem Frohsinn - sie sangen, tanzten und lachten gern, wie er in seinen Aufzeichnungen anmerkt. Solche Gefühlsregungen beobachtete er bei seinen Landsleuten generell eher selten. Im Jahr darauf zog Falger abermals nach München, wo er nach Beendigung seiner Ausbildung an der Akademie bald eine Anstellung als Graveur beim königlichen Steuerkatasteramt antreten konnte.

1813 wird Falger zum Militär eingezogen, er marschiert als Soldat unter den Baiern über Frankfurt und bald wieder rheinabwärts bis Basel. Am 1. April 1814 trifft er mit seinen Mitkämpfern gar in Paris ein, wo sie einen Sieg gegen die Streitmacht Napoleons einfahren können. Nach nur 10 Tagen brechen die Truppen aber ihre Zelte ab um nach etwa zweimonatigem Marsch wieder in München einzutreffen. Anton Falger behält mit Stolz diese Zeit trotz vieler Entbehrungen in guter Erinnerung.

Nach Beendigung der Teilnahme an den Befreiungskriegen widmete er sich wieder seiner Tätigkeit in München, etablierte sich überdies auch bald in einer neuen, speziellen Drucktechnik, der Lithografie. 1819 trat er mit seinem um die Lithografie erworbenen Wissen seine neue Stelle in Weimar an, welche ihm ein außerordentlich gutes Gehalt bot. Überdies gefiel es Falger außerordentlich gut "im deutschen Athen". Auch "Meister Göthe lebte noch in Weimar, als ich dort war, er war oft bei uns im Institut. Von Schiller habe ich noch seine Frau, von Wieland einen Sohn, von Kotzebue einen Bruder gesehen. Bertuch, bekannt durch sein Bilderbuch und die Karte von Deutschland in 204 Blättern; der bekannte Kupferstecher Schwertgeburt, ein guter Freund von mir..."

1821 wird er nach München zurückberufen, der Abschied von Weimar fällt ihm aber schwer - "...viele selige Tage habe ich darin verlebt, noch Dank, Weimar, ich vergesse dich nie!.." Von München aus lässt sich allerdings seine alte Heimat wieder relativ rasch erreichen und so verbringt er regelmäßig die Sommermonate im Lechtal. Bereits 1822 heiratet er nach kurzer Bekanntschaft eine Elbigenalperin, seiner Tätigkeit in München geht er aber noch weitere neun Jahre nach. Erst als sich 1831 eine Cholera-Epidemie seinem Arbeitsort München nähert, nimmt er zunächst Urlaub und reist zurück in seine Heimat. Dort entscheidet er sich schließlich die Stelle in München ganz aufzugeben um im Tal zu bleiben.

Bald des Müßigganges überdrüssig, begann sich Anton Falger im sozialen Bereich zu engagieren. Falger gehörte wohl zu den "unruhigen Köpfen" seiner Zeit - denn eigentlich war er recht wohlhabend, hatte sich während der Jahre im Ausland eine ordentliche Summe zurücklegen können. Er wollte aber "für die Wissenschaft und das öffentliche Wohl" nach Kräften weiter arbeiten. Er bewirkte durch Sammlungen und durch eigenes Kapital ab 1833 den Unterhalt eines Wundarztes im Tal, später ab 1861 gar noch eines Tierarztes. Er selbst führte in seinem Haus eine freie Zeichenschule. Durch dreißig Jahre hindurch unterrichtete er dabei über hundert Schüler in seinen Räumen, wobei es manch einer seiner Zöglinge gar zum anerkannten Künstler brachte.

Über die im Ausland zu Reichtum gekommenen Lechtaler wusste er zu berichten, dass die alten Herren morgens gemächlich aufzustehen pflegten. Nach einem ausgedehnten Frühstück standen Messbesuche, Spaziergänge über die Fluren oder zu nahegelegenen Baustellen anderer wohlbegüterter Bürger auf dem Programm. Manch einer konnte es aber nicht über sich bringen, sich vollends auf das Altenteil zu begeben und packte bei der Feldarbeit selbst noch ordentlich mit an. Ging gar im August hinauf in die steilen Bergmähder, den ganzen Tag in den Fusseisen und abends am Feuer bei Mus und Gaissmilch den Hunger stillend um anschließend das einfache Nachtlager in einer Heuerhütte aufzusuchen - eben so wie es die Lechtaler Bauern schon immer gemacht hatten.

Anton Falger schuf in dieser Zeit die weitum beachteten Totentänze (Elbigenalp, Elmen und Schattwald). Zahlreiche Besucher fanden sich ein um die "seltsamen Bilder" zu bestaunen und wohl manch ein Wirt erlangte durch die Kunstfertigkeit Falgers ein ordentliches Zubrot.
Der Kirchengemeinde zugetan, äußerte er sich über die hohen geistlichen Würdenträger in seiner von ihm verfassten "Lechthaler Chronik" doch eher kritisch: "...man sieht die letzte Zeit die Leute nicht gern lustig, man soll düster sein, das sieht man lieber, als fröhliche Leute, alle Vergnügen sollen verboten sein, nur schläfrige Leute möchte man..."
Mit seiner Chronik versuchte er sich auch als Sammler von Merkwürdigkeiten und Chronist des Lechtals, die volkskundlichen Einträge geben heute einen informativen Einblick in die Verhaltensweisen und moralischen Anschauungen jener Zeit.

Sein soziales Engagement, die Einführung von Fonds für die Bedürftigen und zur Unterstützung von Schulen und Kirchen brachte ihm bald den Beinamen "Vater des Lechtals" ein. Zu den Feierlichkeiten zur Würdigung als Wohltäter für das Tal und seine Einwohner, kamen zu seinem Namenstag am 21. August 1863 auch zahlreiche namhafte Lechtaler Persönlichkeiten dieser Zeit. Unter ihnen auch die Künstlerin Anna Stainer-Knittel, heute wohl besser bekannt unter dem Namen "Geierwally", die er zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn als Lehrer aber auch als Mentor unterstützte und förderte.

Zu seinen Bekanntschaften und Freunden zählte auch die Witwe und Königinmutter Marie von Bayern, die oft und gerne während der Sommermonate in Elbigenalp logierte. Für den alten Mann Anton Falger waren dies, nachdem schon 1870 seine geliebte Frau und 1871 sein Bruder verstorben waren, stets Lichtblicke seines Daseins im fortgeschrittenen Alter. Als Anton Falger dann am 15. Dezember 1876 stirbt, überlässt er ihr sein Haus. Sein beträchtliches Vermögen vermacht er, wie er es ja schon zu seinen Lebzeiten gehandhabt hatte, zum Großteil den Armen und den sozialen Einrichtungen des Tals.

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