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Offline kalle

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weitere Allgäuer Burgen
« am: 20. Sep 2016 - 12:22 Uhr »


weitere Burgen und Burgruinen im Allgäu


Hohes Schloss - Füssen
Nesselburg - Nesselwang
Schloss Hopferau - Hopferau
Burg Kranzegg - Petersthal
Burgberg - Burgberg
Rettenberg - Vorderburg
Hugofels und Rothenfels - Immenstadt
Sulzberg - Sulzberg bei Kempten
Hohenegg - Ebratshofen




Hohes Schloss


Füssen
Gerade die Geschichte des Burghügels auf welchem das Hohe Schloss über Füssen errichtet wurde reicht weit in die Vergangenheit zurück. Fest steht, dass an jener Erhebung bereits in der späten römischen Kaiserzeit das Kastell Foetibus der III. Legion am Verlauf der Via Claudia Augusta errichtet wurde.

Im 8. Jahrhundert folgte der ursprüngliche Bau der Zelle des heutigen Klosters St. Mang im Bereich des Gaisberges, welcher den Ortsansässigen auch unter dem Namen Altwik geläufig sein dürfte.

Vermutlich kurz nach 1313 begannen die Bauarbeiten an diesem Altwik zur Errichtung des Hohen Schlosses. 1322 wird nämlich das Pflegamt von der Höhenburg Hopfen nach Füssen verlegt. Es folgten weitere Ausbauten und die Einbindung der Anlage in die Stadtbefestigung. Heute gilt das Burgschloss als eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burganlagen Bayerns.



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Nesselburg


Nesselwang
Die Nesselburg bei Nesselwang wurde Ende des 13. Jahrhunderts durch die Herren von Rettenberg errichtet. Kurz nach 1300 erlangte das Hochstift Augsburg die Pfandschaft auf die Höhenburg. 1525 brandschatzten Aufständische während des Bauernkrieges die exponiert gelegene Anlage, welche aber im Anschluss wieder instand gesetzt und von den Vögten des Hochstifts Augsburg bewohnt wurde. Im Jahr 1595 wurde der Bau erneut von einem Feuer verwüstet, diesmal aber nicht mehr saniert und in Folge aufgelassen.



Das Burgfräulein und der Schatz auf der Nesselburg


Bei Nesselwang erheben sich auf einem Bergvorsprung die Ruinen der Nesselburg. In der derselben soll, so glaubten die Alten, ein großer Schatz verborgen sein, und die Hirten sollen da auch wenn sie in der Nähe hüteten, des öfteren ein Burgfräulein gesehen haben, wie es an dem Gehänge gegen das Tobel zu Geld in Wannen sonnte. Der Schatz ruhe sonst aber in einer Kiste, auf der ein Pudel mit einem Schlüssel im Rachen sitze.
Man hat schon versucht, den Schatz zu heben, fand aber nichts als einige alte Silbermünzen und einmal einen verrosteten Roßzügel.


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Schloss Hopferau


Hopferau
Das Schloss zu Hopferau wird 1468 durch den Ritter Sigmund Friedrich von Freyberg erbaut. Für den Beginn des 16. Jahrhunderts ist ein Zubau einer Kapelle erwähnt, welche später in die Funktion der Dorfkirche überging. Ab 1830 findet ein umfangreicher Ausbau der Anlage im neugotischen Stil nach Plänen des Domenic Quaglio - welcher auch am Bau von Schloss Hohenschwangau beteiligt war - statt.



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Burg Kranzegg


Petersthal
Die einstige Burg Kranzegg bei Petersthal, an der Unteren Salzstraße gelegen, ist nur noch als Burgstall mit Graben erhalten. Die erstmalige Erwähnung der Burg fällt in das Jahr 1339. Ansonsten finden sich so gut wie keine Informationen mehr zu dieser Burg oder den auf ihr lebenden Menschen.



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Ruine Burgberg


Burgberg bei Sonthofen
Burgberg gilt als eine der ältesten Burgruinen des Allgäus. Bereits 1140 wird ein 'Burkart von Burcperc' als Dienstmann des Hochstifts Augsburg genannt. 1327 gelangte Burgberg - mitsamt den Liegenschaften und Besitzungen im Ostrach- und Tannheimer Tal - dann in den Besitz der Herren von Rettenberg, welche die Anlage großzügig erweiterten. Bereits 1351 waren dann die Heimenhofener die neuen Besitzer. Ab 1563 erlebte die Burg einen regen Besitzerwechsel, 1568 sogar Amtssitz der Herrschaft Rettenberg und zu Beginn des 17. Jahrhunderts nahmen sie aufständische Bauern ein und besetzten diese. Während des Dreißigjährigen Krieges niedergebrannt (1635), folgte der langsame Zerfall der übrig gebliebenen Mauerreste.



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Burg Rettenberg


Vorderburg
Erbaut wurde die ehemalige Höhenburg um 1100 als Stammsitz eines der mächtigsten Geschlechter im Allgäu - der Herren von Rettenberg. Ursprünglich welfische Dienstleute, schlossen sie sich 1185 den Staufern an. Mitte des 14. Jahrhunderts erlosch die Linie der Rettenberger und die auf dem Gipfelkamm des Rottachbergs thronende Spornburg Rettenberg wurde an das Hochstift Augsburg verkauft. 1525 wird das Herrschaftsgebiet, als auch die Burg Rettenberg in den Deutschen Bauernkrieg hineingezogen.

Für 1534 ist die Restaurierung der im Kern aus einem wuchtigen Wohnturm bestehenden Burg überliefert, aber schon 1562 brannte das Turmhaus vollständig aus und wurde in Folge auch nicht wieder instand gesetzt. Auch die Anbauten und die Vorburg scheinen bei dem Brandereignis stark in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein. Schon zum Ende des 18. Jahrhunderts wird die einstige Burg in den Chroniken als Ruine genannt.



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Hugofels und Rothenfels


Immenstadt
Burg Hugofels stellte offenbar zusammen mit der zeitgleich erbauten Burg Rothenfels einen Gesamtkomplex dar. Die erste Erwähnung von Hugofels geht auf jene Zeit zurück, in welcher Graf Hugo III. von Montfort sich 1440 auf der Burg niederließ. Schon 1462 hatte ein Brand Teile der Burg beschädigt. Reparaturmaßnahmen wurden zwar durchgeführt, der Bau wurde aber wohl nicht mehr für Wohnzwecke genutzt.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wird die Burg zwar noch als intakt bezeichnet, doch der Gesamtkomplex inklusive der Burg Rothenfels sind im Niedergang begriffen, da sich der Adel bereits im Stadtgebiet von Immenstadt die jeweiligen Residenzen hatte errichten lassen.

Schon 1332 erfolgt der erste urkundliche Eintrag der Burg Rothenfels. Der Bau dürfte allerdings schon im frühen 13. Jahrhundert erfolgt sein. Für 1354 werden die Grafen von Montfort als neue Besitzer der Anlage erwähnt. 1462 entfachte ein Blitzschlag einen Brand, welcher die Burg Rothenfels gänzlich in Schutt und Asche legte. Schon bald nach diesem Ereignis ging man daran, die Burg wieder zu errichten. Diesmal jedoch in noch größerem Umfang - so wurde etwa auch eine Burgkapelle in den Herrschaftssitz integriert.



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Sulzberg


Sulzberg bei Kempten
Bereits im Jahre 1176 wird das Geschlecht der Sulzberger ersmals urkundlich erwähnt. Sie sind Dienstmannen des Abtes des Stiftes Kempten. Die Sulzberger gewinnen rasch an Einfluss und können schon bald Besitztümer bis in der Bodenseeregion ihr Eigen nennen. Mitte des 14. Jahrhunderts erlischt das Geschlecht der Sulzberger und die verwandten Schellenberger beanspruchen die Besitzungen und können so ihrerseits ihren Herrschaftsbesitz großzügig erweitern.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts baut Marquard von Schellenberg die Burg großzügig aus und lebt auch sonst weit über seine Verhältnisse, der dabei angehäufte Schuldenberg lässt nach seinem Tod 1493 die Erben stöhnen. Der Versuch seiner Witwe die Burg zu halten scheitert langfristig und 1525 übergibt sie diese ihrem Bruder Friedrich von Freyberg. Im selben Jahr erreichen auch die marodierenden aufständischen Bauern die Burg Sulzberg und beschädigen sie. So verkauft Friedrich von Freyberg die Burg bereits im Folgejahr an das Stift Kempten, woraufhin durch dessen Abt das Pflegamt des Bezirkes Wolkenberg-Sulzberg auf der Burg installiert wird.

Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges kommt es an der Burg zu weiteren Beschädigungen und schon zur Mitte des 17. Jahrhunderts wird Sulzberg dem Verfall preisgegeben.



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Burg Hohenegg


Ebratshofen (Eistobel)
Die Entstehung der Burg ist zeitlich nicht klar einzuordnen, ihre erstmalige urkundliche Erwähnung jedoch fällt in das Jahr 1171. Zu diesem Zeitpunkt stand die Burg im Besitz der Herren von Rettenberg, ging aber um 1240 an die Hohenegger über. Ab 1269 werden die edelfreien von Hohenegg mit Vils belehnt. Ab 1359 verlegen sie ihren Stammsitz - mit dem Verkauf von Burg Hohenegg an die Herren von Montfort - auf die Burg Vilsegg, die sie schon seit dem Jahr 1313 als ihren Wohnsitz auserkoren hatten.

Die Burg Hohenegg indes ging am 12. Juli 1451 in den Besitz von Herzog Sigmund von Tirol über. Im Bauernkrieg (1525) wird Hohenegg stark beschädigt und im Dreißigjährigen Krieg letztmalig erwähnt. Anschließend ließ man den Burgbau verfallen und brach 1730 gar die letzten Reste der ehemaligen Burg ab um im Schüttentobel ein Hüttenwerk zu errichten. Heute sind von den einst 750m² bebauter Fläche gerade einmal ein kurzer Abschnitt der Außenmauer erhalten, auf welcher eine Gedenktafel an den früheren Burgbau erinnert.



Die drei Schwestern und der Drache auf Schloss Hohenegg


Auf einem hohen Felsen des Schüttentobels unweit Ebratshofen stand einst das Schloss Hohenegg. Noch vor drei Jahrhunderten war außer den spärlichen Ruinen nur ein uralter Turm zu sehen, der wohlerhalten über den Felsen emporragte.
Auf diesem Schloss wohnten in alten Zeiten drei Schwestern. Fast jeden Tag sah man sie mit einem Korb voll Spindeln am Gitter eines der Schlossfenster sitzen. Oft zu Mittag, dann wieder zur Nachtzeit sah man sie aus dem Schloss herauskommen, wo sie dann an den Bach des Schüttentobels gingen und sich kämmten. Man sah sie auch Leinwand im Sonnen- und Mondschein bleichen und aufhängen. Bei bevorstehender Wetteränderung sahen die Leute öfters auch ein glänzendes Rad sich drehen, welches sie für den goldenen Garnhaspel der Burgfräulein hielten.

Auf dem Schlossfelsen war auch ein "Basilisk", der die Menschen schon durch seinen bloßen Anblick vergiftete. Der Drache hatte Flügel, Goggelersfüße und einen Schlangenschwanz, sowie funkelnde Augen, deren Blick Tod und Verderben brachte.

Eines Abends ging ein frecher Bursche aus Ebratshofen am Schloss Hohenegg vorbei und schrie unflätige und rüde Sprüche in Richtung des Schlossturmes hinauf. Da sprang der ungeheure Drache, laut mit den Schuppen rasselnd, aus dem Gebüsch und stellte sich dem Kerl in den Weg. Das Untier bäumte sich auf und spie Feuer in seine Richtung, woraufhin der Bursche ohnmächtig zusammensank.

Als er wieder erwachte, geschüttelt vom Fieber, war die Geisterstunde schon längst vorbei. Mühsam schleppte er sich nach Hause und wurde dort auf das Krankenlager geworfen. Das hitzige Nervenfieber verstärkte sich und er schwebte lange Zeit in Lebensgefahr. Erst nach vielen Wochen im Bett kam er wieder einmal in die Stube herunter und war aber nur noch ein Schatten seiner selbst. Während seines Fieberwahns hatte er immer wieder von dem Drachen gemurmelt, jetzt da er wieder wach war wollten die Leute mehr über die Bestie erfahren. Der Bursche sprach auch, aber seine Worte ergaben keinen Sinn mehr. Anderthalb Jahre nach diesem Ereignis, im Leben nur noch dahinsiechend, sank er in das kühle Grab.
Reiser 1895



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« Letzte Änderung: 26. Feb 2017 - 19:31 Uhr von kalle »

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