Großglockner Nordwand "Aschenbrenner"  (gelesen 564 mal)

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Offline DavidXXXX

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Großglockner Nordwand "Aschenbrenner"
« am: 20. Mai 2017 - 12:35 Uhr »
Mahlzeit,

aus irgendeinem Grund wurde mein alter Account gelöscht. Ich hab dann einfach nen neuen erstellt  8)

Seitdem´s mir den Fuß auf nem Gletscher übel zerlegt hat gehts langsam wieder vorwärts. Viel Zeit bleibt zwar immer noch nicht zum Bergsteigen, aber für das ein oder andere Schmankerl reicht´s dann doch. Mehr Bilder gibt´s später, meine Internetverbindung gibt gerade nicht mehr her...

Großglockner Nordwand „Aschenbrenner“

Die Aschenbrenner-Route durch die Glockner Nordwand entstand eigentlich mehr aus der Not heraus, als dass sie von Anfang an so geplant war: Die Gruppe der Erstbegeher um Peter Aschenbrenner wurde 1930 beim Versuch eine direkte Linie durch die Nordwand zu finden durch einsetzenden Steinschlag in der oberen Wandhälfte nach links in einen steilen Eisschlauch gezwungen, über den sie auf den NO-Grat und über selbigen letztendlich zum Gipfel gelangten. Diese Linie, welche zu den schönsten und abwechslungsreichsten in dieser Wand zählt, wählten auch wir für unseren Aufstieg.

Oft steht und fällt der Erfolg einer schweren Bergtour mit den vorherrschenden Verhältnissen. Wie viel Schnee oder Firn liegt in der Wand? Ist das Eis dick genug um sinnvoll Schrauben setzen zu können? Wie sieht der Bergschrund (= Randspalte) aus? Halten die Schneebrücken über den Gletscherspalten der tageszeitlichen Erwärmung stand? ... All diese Fragen lassen sich, wie auch dieses mal, vor einer Tour nicht immer hinreichend beantworten und man muss sich in gewisser Weise überraschen lassen, was auf einen zukommt.
Der Aufstieg von der Franz-Josefs-Höhe über die Pasterze und das Glocknerkees zur Glockner-Biwakschachtel auf 3205 m gestaltete sich, abgesehen von einer Spalte die mich besonders gern hatte, weitestgehend unproblematisch, beanspruchte mit 6 h aber deutlich mehr Zeit als gedacht. Das Glockner-Biwak ist mit seinen rund 6-8 Schlafplätzen oft chronisch überfüllt. Einst sollen hier gar 20 Personen auf einmal genächtigt haben. Wir hatten diesmal aber Glück und hatten die Schachtel für uns alleine.
Am nächsten Morgen riss uns der Wecker unbarmherzig um 4:30 Uhr aus dem Schlaf. Nach einem kurzen Frühstück, welches bei mir aus einem Wiener Würstchen und einer Dose Red Bull und bei meinem Partner aus einem Energierigel bestand, seilten wir uns an und querten am Fuß der Nordwand zum Einstieg in die Berglerrinne, welche den Durchstieg durch die erste Wandhälfte vermittelt. Der Bergschrund war mit einer dicken Schneebrücke überdeckt und sah zunächst unproblematisch aus. Als mein Kollege dann aber über diese Schneebrücke in die Wand einsteigen wollte, verschwand er mit selbiger in der Randspalte. Einige Schrecksekunden später kam er zum Glück wohlbehalten wieder aus der Randspalte hervor und fand einen anderen Weg über den Bergschrund. Im Anschluss daran stiegen wir in steilem Firn die Berglerrinne empor und querten auf rund 3500 zu einem Eisschlauch der in zwei Seillängen auf den NO-Grat führte. Der NO-Grat bot wunderschöne kombinierte Genusskletterei der man normalerweise direkt zum Gipfel folgt. Wir entschieden uns aber rund 100 m unterhalb des Gipfels für eine andere Ausstiegsvariante durch eine weitere Eisrinne, die uns auf den SO-Grat wenige Meter unterhalb des Gipfels führte. So erreichten wir nach insgesamt 6 h in der Wand und rund 11 Seillängen den 3798 m hohen Gipfel des Großglockner, den wir ganz für uns allein hatten.
Der Abstieg erfolgte, dank der guten Schneelage, unschwierig über den Normalweg zur Adlersruhe und von dort über das Hofmannskees zurück auf die Pasterze. Das Hofmannskees wartet im Sommer mit zahlreichen Spalten auf, die nun Mitte Mai noch alle von gefährlich aufgeweichtem Schnee überdeckt waren. Wir fühlten uns anfangs wie auf einem Minenfeld und hatten ein leicht ungutes Gefühl bei der Sache. Um die punktuelle Belastung der Schneedecke beim Bergabgehen zu verringern, rutschten wir den größten Teil des Gletschers auf dem Hosenboden hinunter, angeseilt versteht sich. Dies war nicht nur eine Mega-Gaudi sondern bescherte uns auch einen Abstieg in Rekordzeit bei minimalem Arbeitsaufwand. Zurück auf der Pasterze liefen wir über Schutt zur Gletscherzunge und von dort die letzten Meter hoch zur Franz-Josefs-Höhe, die wir nach insgesamt 13 h seit Aufbruch vom Glockner-Biwak erreichten.

Eckdaten zur Tour:
Wandhöhe 600 m, TD-, M4, 70°

Cheers!

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