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auf den Spießwänden (13)  (gelesen 15157 mal)

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Offline kalle

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Re: Außerferner Rätsel Nr. 13
« Antwort #50 am: 09. Dez 2005 - 19:09 Uhr »
auf deine Ausführungen zum geschichtlichen Hergang bin ich ja schon mal sehr gespannt ;D von dem Bau dieses chinesischen Sommerpalastes an eben jener Stelle habe ich zuvor noch nie etwas gehört ::)
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livocatra

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Re: Außerferner Rätsel Nr. 13 - Auflösung
« Antwort #51 am: 09. Dez 2005 - 22:27 Uhr »
auf deine Ausführungen zum geschichtlichen Hergang bin ich ja schon mal sehr gespannt ;D von dem Bau dieses chinesischen Sommerpalastes an eben jener Stelle habe ich zuvor noch nie etwas gehört ::)

Das war ein Missverständnis. Ich muss dich enttäuschen. Ludwig wollte keinen Chinesischen Sommerpalast oberhalb der Spießwände errichten. Ich wollte die Mitratenden nur in Richtung Plansee locken. Ludwig hat nur indirekt mit dem Rätsel zu tun. Hier also die Auflösung. Hoffentlich ist sie nicht allzu wirr...

In der Nähe des Hotels Forelle am Ostende des Plansees steht ein Denkmal aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, bei dem sich die umliegenden Tiroler Gemeinden beim bayerischen König Maximilian, dem Vater Ludwigs II, für den Bau der Planseestraße bedanken. Wie kommt ein bayerischer König dazu, in Tirol eine Straße zu bauen?

Man liest immer wieder, dass die Ammergauer Alpen ein Jagdrevier der Wittelsbacher gewesen sind. Maximilian war ein passionierter Jäger, der in den Ammergauern zahlreiche Jagdhütten (z.B. das Tegelberghaus) errichten ließ, in denen er oft mit Jagdgesellschaften einkehrte. Er war es auch, der die Ruine des Schlosses Hohenschwangau wieder instand setzen ließ. Die Schlösser Neuschwanstein und Linderhof gabe es damals noch nicht.

Auch sein Sohn Ludwig verweilte später oft und gern am Plansee. Er soll sich häufig mitten in der Nacht mit dem Schlitten oder mit der Kutsche zum Plansee haben fahren lassen, um dort bei Mondschein mit einem Boot hinauszufahren oder Gedichte zu lesen. In seinem letzten Lebensjahr soll er sogar mit dem Gedanken gespielt haben, am Nordufer auf Höhe des Kaiserbrunnens einen Chinesischen Sommerpalast errichten zu lassen.

Wie aber kommt ein bayerischer König auf die Idee, sich auf Tiroler Boden einen Palast bauen zu lassen? Hätte dies nicht trotz der guten Beziehungen, die Bayern damals zu Österreich pflegte (man war gemeinsam in den Krieg gegen die Preußen gezogen und die berühmte Sisi war Ludwigs Cousine zweiten Grades) zu diplomatischen Verwicklungen geführt?

Seltsamerweise habe ich bislang in keinem Buch über Ludwig eine Antwort auf diese Frage gefunden. Ja, die Frage wird nicht einmal gestellt.

Ich kann nur Vermutungen anstellen. Auf jeden Fall besaßen die bayerischen Wittelsbacher auch in Tirol Jagdreviere. Im 19. Jahrhundert waren diese Gebiete zwar nur noch gepachtet, die Jagdrechte gingen jedoch möglicherweise sehr viel weiter zurück, denn die Herren von Schwangau, deren Gebiete 1670 zu Bayern kamen, besaßen schon im Mittelalter den Wildbann (das Jagdrecht) bis zum Fernpass.

Wer schon bei einem früheren Rätsel mitgeraten hat, horcht bei der Jahreszahl 1670 vielleicht auf. Ja, der Grenzstein am Hotel Ammerwald wurde 1670 aufgestellt, um die damals neue Grenze zwischen Bayern und Tirol zu markieren.

Zurück zum aktuellen Rätsel. Der Plansee war schon seit dem Mittelalter immer eine Grenzregion, an der Schwaben (in Gestalt des Hochstifts Augsburg), Tirol und Bayern aneinander stießen. Auch das Werdenfelser Land war bis in die Zeit Napoleons eine freie Reichsgrafsschaft, Füssen eine freie Reichstadt. Erschwerend kam hinzu, dass einige die Außerferner Gemeinden weiterhin dem Bischof von Augsburg unterstanden. Das änderte sich erst 1816 als auch Vils und Pinswang zum Hochstift Brixen kamen. Die Gegend um Ehrwald gehörte schon vorher dazu.

Leider habe ich nur einmal für kurze Zeit bei einem Vortrag eine Karte gesehen, auf der die Grenze des Hochstifts Brixen von 1816 eingezeichnet war. Darauf war deutlich zu erkennen, dass die Grenze südlich des Plansees verlief.

Daher kommt meine Vermutung, dass es sich bei dem roten Kreuz auf dem Stein am Gipfel oberhalb der Spießwände um eine alte Grenzmarkierung des Hochstifts Brixen handelt. So würde sich auch die Abkürzung HB erklären. Bei der 17 könnte es ich um die abgekürzte Jahreszahl (18)17 handeln. Aber das ist reine Spekulation. Das Brixener Wappen ist übrigens ein Lamm mit einer Osterfahne, d.h. ein rotes Kreuz auf weißem Grund.

Interessanterweise ist auch heute noch auf der aktuellen Österreichkarte in unmittelbarer Nähe eine Gemeindegrenze eingezeichnet. Ich habe auch dort an den Faselbergköpfen alte Grenzsteine gefunden. Dummerweise habe ich damals keine Fotos gemacht und nicht darauf geachtet, ob rote Kreuze darauf waren. Ich werde im nächsten Frühjahr noch mal nachschauen gehen...

Falls irgend jemand noch etwas zu diesem Thema beitragen kann, brenne ich geradezu darauf, mehr zu erfahren.

Ralf




« Letzte Änderung: 12. Dez 2005 - 08:49 Uhr von rps »
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