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Bergwerkskopf, Lechtaler Alpen  (gelesen 15167 mal)

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Offline bergamigo

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Bergwerkskopf, Lechtaler Alpen
« am: 15. Aug 2011 - 17:15 Uhr »
Beim Bergwerkskopf handelt es sich ohne Zweifel um einen imponierenden Lechtaler Gipfel, viele haben ihn schon bewundert, oft wurde er in posts erwähnt aber außer den AV-Führern ist eigentlich keine Beschreibung zu finden.
Da auch im Alpicnet nicht viel darüber zu lesen ist versuch ich`s mal.
So stand bei mir dieser von allen Seiten abweisende Gipfel ziemlich weit oben auf der todo-Liste.
Gestern war es dann soweit, der Wetterbericht hatte für Sonntag nochmal gutes Bergwetter angekündigt und so bin ich am Samstag abend noch auf den Parkplatz der Steinseehütte gefahren, wo ich meinen Schlafsck auf die Isomatte schmiess.... Mit der Nachtruhe war es nicht so weit her, die Grillen veranstalteten ein Konzert und auch das Licht in Form des Vollmonds wollte auch niemand ausknipsen.

Mit dem Morgengrauen dann aufgestanden und erst mal Espresso gekocht, das wirkt wunder. Nach einem gemütlichen Hüttenaufstieg zur steinseehätte bin ich dort gerade recht für einen weiteren Kaffee gekommen, die Übernachtungsgäste waren gerade mit dem Frühstück fertig.

Weiter dann über den Steinsee zum beginn der unvermeindlichen Schutthalde, wenn man sich tendenziell mehr nach rechts hält (in Aufstiegsrichtung) ist das Zeug recht grob und damit recht gut zu gehen (auf jedenfall besser als an der Leiterspitze). Vom Steinsee bis zum beginn der Rampe war ich etwa eine Stunde unterwegs, ohne richtig Gas zu geben. Ab der Rampe sind dann immer wieder Steinmandl zu finden und auch Begehungsspuren, das Gelände ist immer noch das selbe, immer noch Schutt. Auch würd ich ab hier dann einen Helm empfehlen, es treiben sich dort vierbeinige Steinewerfer rum, überhaupt ist eine begehung des Bergwerkkopfes mit mehreren Partien nicht unbedingt ratsam,  einen getesteten und für schlecht befundenen Griff weiß man schon mal nicht anderst loszuwerden als in in die tiefe zu befördern.

Die Rampe leitet einen direkt auf den Gratabsatz, hier bereits tolle Ausichten. Weiter geht es ein paar einfache Klettermeter auf bzw. rechts vom Grat bis man eine kleine Einschartung erreicht. Dazwischen ist auch immer wieder (anspruchvolles) Gehgelände anzutreffen, die Wegfindung ist weiterhin einfach, im Gehgelände Steinmandl, in felsigen Abschnitten sind jetzt vereinzelt rote Farbtupfer anzutreffen.

Über Bänder geht es weiter in die Südwand, eines dieser Bänder (durchaus als Reibungskletterei zu verstehen) ist dann der Abzweig hoch in den Kamin (lt. AV-Führer Lechtal alpin) (siehe Foto) hier geht es dann links rauf, ein Farbpunkt ist fast auf Augenhöhe, der nächst allerdings nicht sofort ersichtlich so das ich zuerst flux dem Plattenschuß gefolgt bin, welcher dann allerding in Klettererei jeneits der III endet. Was im Führer als Kamin beschrieben wird ist in meinen Augen eher eine anspruchsvolle Wandstelle in einer Rinne, die dann nach rechts, ausgesetzt und etwas abdrängend, dafür an fetten Griffen, verlassen wird. Im Anschluss kommt wieder eine einfache plattige Rinne welche wieder nach rechts über einen erneuten Plattenschuß (gute Griffe an der abdrängenden Wand) auf den Grat mit blauer Köpflschlinge. Jezt sind es nur noch ein paar Meter nach links zum Gipfelkreuz.

Für den Gipfelaufstieg ab ende der Rampe benötigte ich inkl. kleinem Verhauer rund eine Stunde.

Vom Gipfel dann super Aussicht in die nähere (dank südlich vorgestzter Lage) und weiter Umgebung. Besonders wieder mal die Königspitze und Ortler, das sind für mich immer Indikatoren für einen tollen Bergtag in den Lechtalern. Natürlich muß bei so einem Gipfel auch das Gipfelbuch noch etwas näher inspiziert werden, außerdem bestand je kein Grund zum beeilen, im Westen alles ruhig... und ärmellos gerade angenehm. Das Buch stammt aus dem Jahr 1997 anlässlich des neuen Gipfelkreuzes, so überschlagsmäßig kommen pro Jahr gerade mal 10 begehungen zusammen, 2 oder 3 mal war Kristian dabei, ansonsten die meisten aus dem Stanzer Tal und Dieter Elsner schaut fast jeden März mal rauf, das wars... Das Buch dürfte noch 30 oder 40 Jahre reichen. Dieses Jahr war ich gerade mal der siebte.
Nach einer Stunde auf dem Gipfel, eigentlich hätte ich noch länger bleiben sollen, gings dann wieder auf gleichem Weg runter, wobei mir die Sache runterwärts leichter gefallen ist, wahrscheinlich weil die Wegfindung dann kein Problem mehr war.

Nach einer Einkehr auf der Steinseehütte dann vollends runter zum Auto und bevor der Regen kamm war ich wieder daheim. Hätte de Wetterbericht nicht für Montag schlecht gemeldet wäre ich am gleichen Tag noch auf die Dremel, hätte dann allerdings auf der Steinseehütte übernachtet.
Zeitbedarf von mir: 11h von Auto zu Auto, davon reine Gehzeit gut 8h.

Noch ein paar Worte zur Kletterei:
Die näher beschriebenen Kletterstellen bewegen sich alle im oberen zweiten bzw. im III- Bereich und mußen natürlich auch im Abstieg beherscht werden. Insgesamt hab ich 3 oder 4 Normalhacken geshen, die rein äußerlich solide auschauten, Hammer hatte ich keinen dabei. Zusätzlich könnte mit größeren Stoppern und Schlingen gesichert werden. Allerdings muß man auch bedenken das man mit einem Seil die ganze Gegend unter Steinschlagdauerfeuer nimmt.
Die Felsqualität wechselt an diesem Berg teilweise von einem Griff zum nächsten, von Bombenfest und rauh bis zur "verschwindet unter den Fingernägeln"ist alles dabei.

Insgesamt einer der lohnendsten Tourentage dieses Jahres, am Bergwerkskopf waren es dann über 50000 Hm. Hier hat alles gepasst, eine Tour die für mich das klassische Bergsteigen was alles beinhaltet vom Wandern über Klettern über Orientierung um dann alleine auf einem der schönsten Lechtaler zu stehen.
Zu den Fotos ist natürlich zu sagen das mir da mal wieder ein Hauptdarsteller(in) gefehlt hat, gerade die klettertechnischen Schwierigkeiten liesen sich so viel besser darstellen.

gruß bergamigo

P.S. hab gerade erfahren das ich das halb fertige Teil schon reingestellt habe, bin da noch nicht so routiniert.
« Letzte Änderung: 09. Mai 2014 - 22:05 Uhr von kalle »
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Offline Grimpeur

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Re: Bergwerkskopf, Lechtaler Alpen
« Antwort #1 am: 15. Aug 2011 - 20:15 Uhr »
Hi Bergamigo,

sehr schöne Tour  :-L)

Wir hätten uns dann gestern sogar fast begegnen können ;D. Hatte nämlich gestern den Bergwerkskopf auch so im HInterkopf, da ich - seit ich ihn von der Dremelspitze vor 8 Wochen bestaunt habe - auf der Agenda habe. Da wir allerdings nicht soweit mit dem Auto aus dem Raum Bergwang anfahren wollten, wärs ab Boden ne superlange Hatscherrunde geworden.......somit sind wir dann doch nicht gegangen. Haben uns stattdessen ganz in der Nähe im Parzinn die Zähne ausgebissen  8)

VG
Grimpeur
« Letzte Änderung: 15. Aug 2011 - 20:26 Uhr von Grimpeur »
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Offline Max

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Re: Bergwerkskopf, Lechtaler Alpen
« Antwort #2 am: 15. Aug 2011 - 20:40 Uhr »
Klasse Beschreibung und sehr schöne Bilder, da hasts mit dem Wetter ja nochmal goldrichtig erwischt. Samstag wars nicht so schön...

  Haben uns stattdessen ganz in der Nähe im Parzinn die Zähne ausgebissen

Erzähl mehr  ;D

Gruß, Max
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Offline Grimpeur

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Re: Bergwerkskopf, Lechtaler Alpen
« Antwort #3 am: 15. Aug 2011 - 20:48 Uhr »
Hr. DavidXXXX bitte übernehmen Sie  ;D ;D ;D 8) 8) 8)

Klasse Beschreibung und sehr schöne Bilder, da hasts mit dem Wetter ja nochmal goldrichtig erwischt. Samstag wars nicht so schön...

  Haben uns stattdessen ganz in der Nähe im Parzinn die Zähne ausgebissen

Erzähl mehr  ;D

Gruß, Max
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DavidXXXX

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Re: Bergwerkskopf, Lechtaler Alpen
« Antwort #4 am: 15. Aug 2011 - 21:08 Uhr »
Haha, von mir aus…
Also, wir haben am Sonntag die kl. Schlenkerspitze über die Westflanke versucht. Wir sind nach dem Klettergarten Mittel- und Südmassiv über Schutt und Grasbänder bis zum Beginn der Wand aufgestiegen und dann  zunächst einige Meter über ein Schuttband nach rechts empor. Danach tut sich vor einem ein Wirrwar aus Rinnen und Fels auf wie ich es so noch nie gesehen habe. Genau zu beschreiben wo wir überall rumgeirrt sind ist quasi unmöglich…
Ich schreibe später vlt. noch einen extra Bericht mit etwas mehr Bildern

Gruß
David
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Offline bergamigo

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Re: Bergwerkskopf, Lechtaler Alpen
« Antwort #5 am: 15. Aug 2011 - 21:21 Uhr »
Hi ihr zwei,

hab mir das gerade auf meinen Fotos angeschaut, das Gelände schaut echt zum fürchten aus. Vom Bergwerkskopf sieht man die volle Breitseite. Da eine Route zu finden die nicht über den IIIer-berich raus gehen soll dürfte gar nicht so einfach sein und brauchbare Beschreibungen existieren meines wissens nicht.

gruß bergamigo
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Offline Chris

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Re: Bergwerkskopf, Lechtaler Alpen
« Antwort #6 am: 16. Aug 2011 - 10:17 Uhr »
Schöner persönlicher Bericht mit vielen wichtigen Infos zu einem ganz großen Lechtaler Gipfel. Super!
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Offline Kristian

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Re: Bergwerkskopf, Lechtaler Alpen
« Antwort #7 am: 18. Aug 2011 - 17:51 Uhr »
Nach dem ich nun schon den x-ten Bericht lese, der den Aufstieg über die Südwestseite beschreibt, glaube ich es langsam , dass dies die einfachste Route zum Gipfel ist.  Bisher kannte ich nur den Normalweg über die Ostwand.
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Offline bergamigo

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Re: Bergwerkskopf, Lechtaler Alpen
« Antwort #8 am: 20. Aug 2011 - 09:20 Uhr »
Ich hab voriges Jahr mal mit dem Wirt der Steinseehütte über den Bergwerkskopf gesprochen, von im wurde mir der Südwestanstieg empfohlen.

Als schwierigkeitsvergleich von mir noch ganz aktuell da direkt hintereinander begangen der Marchspitze Südgrat: Das abklettern des Grat zackens vor der markanten Scharte an der Marchspitze ist ziemlich gut vergleichbar (von den Bewegungsformen) mit der schwierigsten Stelle am Bergwerkskopf. Hier ist der Bergwerkskopf eindeutig schwieriger, ob das eine jetzt II+ und das andere III- ist will ich nicht beurteilen.

Ich hab übrigens noch einen Bericht http://www.hikr.org/tour/post29436.html gefunden in dem die darauffolgende Platte als zweite Schlüsselstelle beschrieben wird, die war nach meinem empfinden easy going wenn man das ganze als Reibungskletterei verteht.

P:S: hab gerade meinen eigenen Mist nochmal durchgelesen, das strotzt ja nur so von Tip- und Grammatikfehlern, ist aber auch furchtbar unübersichtlich in diesem kleinen Fenster. Oft lese ich hier lange, perfekt geschriebene und formatierte Texte, wie mach ihr das, oder ist auch das nur Können und Übung?

Hab den Hikr.org-Artikel gerade genauer angeschaut, hier gibt`s jede Menge informativer Foto`s.
« Letzte Änderung: 20. Aug 2011 - 11:36 Uhr von bergamigo »
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Offline Chris

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Re: Bergwerkskopf, Lechtaler Alpen
« Antwort #9 am: 20. Aug 2011 - 13:09 Uhr »
P:S: hab gerade meinen eigenen Mist nochmal durchgelesen, das strotzt ja nur so von Tip- und Grammatikfehlern, ist aber auch furchtbar unübersichtlich in diesem kleinen Fenster. Oft lese ich hier lange, perfekt geschriebene und formatierte Texte, wie mach ihr das, oder ist auch das nur Können und Übung?

Nutze doch einfach die Vorschau, bevor Du Deinen Eintrag endgültig speicherst. Wenn Du darin Fehler entdeckst, kannst Du sie noch korrigieren. Meine Buchbesprechungen schreibe ich immer in Word vor, drucke sie dann aus, lese sie mehrmals selbst durch und lasse sie auch Korrektur lesen, und erst dann kopiere ich sie hier ins Forum. Ansonsten finde ich Deine Fehler jetzt auch nicht so gravierend. Ich weiß immerhin, was Du uns sagen möchtest.  ;) ;D
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