Bretterspitze-Westgrat (mit Gliegerkarspitze-Kreuzgipfel und Steinspitze)  (gelesen 3523 mal)

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Offline Kauk

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Nachdem ich am Feiertag noch gearbeitet hab, ging es am Tag danach (Samstag 4. Oktober) auf den Kreuzgipfel der Gliegerkarspitze (2551 m), die Bretterspitze (2608 m) und zum Abschluss noch der Abstecher auf die Steinspitze (2349 m)

Route: Häselgehr - Haglertalhütte - Rastegg - Gliegerkar - Gliegerscharte - Ostrücken - Gliegerkarspitze-Kreuzgipfel - Gliegerscharte - Westgrat - Bretterspitze - Schwärzer Scharte - Griesscharte - Steinspitze - Retour Haglertal

Ausgangspunkt der Tour ist Häselgehr (1006 m) im Lechtal, kostenlos geparkt wird entweder am Friedhof oberhalb der Kirche (über kleine Sträßchen erreichbar) oder bei der Tourismusinformation beim Feuerwehrhaus (hier ausgeschilderte Parkplätze). Parkt man an letzterer Möglichkeit, muss man in ein paar wenigen Minuten zum Friedhof gehen, da ab hier der ausgeschilderte Weg ins Haglertal beginnt. Zunächst auf der Teerstraße, bald dann auf einem Forstweg über Wiesen und durch Wald geht es hinauf zum Talbeginn, dann steil weiter, bis sich der breite Weg in einer Schneise verliert und in zunächst undeutliche Pfadspuren übergeht. Recht schnell wird daraus aber ein brauchbarer Wanderweg. Insgesamt ist der Aufstieg bis hierher unangenehm steil, teilweise hat man das Gefühl auf einer sommerlichen Skipiste zu steigen, zudem ist es meist feucht. Die Feuchtigkeit setzt sich auf dem erdigen Pfad hinauf zur Haglertal-Jagdhütte (1391 m) fort. Bei der Hütte eröffnet sich einem ein schöner Blick ins sehenswerte Haglertal. Nun geht es über freie Weideflächen immer den Markierungen folgend weiter, im Gras verläuft sich der Steig sogar teilweise, immer wieder wechselt er auch die Hangseite. Nach einer Wasserstelle noch etwas auf der Nordseite aufwärts, bis man zu einem Wegweiser (knapp unterhalb 1700 m) kommt. Hier geht es nach rechts ab in den Latschenhang unterhalb des Gliegerkars.

Nach kurzem Aufstieg in die Latschen kommt man an eine freie Fläche mit relativ neuer Hütte (vermutlich ist die Jagdhütte bei AMap und Kompass falsch eingezeichnet oder nicht mehr richtig). Auch hier verliert ist der Weg fast, an der Hütte links vorbei und über kleine, aufgestellte Felsplatten zurück zum richtigen Weg. Nun geht es durch einen Lechtal typischen Latschenhang aufwärts, allerdings ist dieser hier bei weitem nicht so dicht. Relativ zügig beginnt sich das Gelände zu öffnen und es sind erste freie Blicke in eine beeindruckende Kulisse zu erhaschen. Direkt in der Fallline des Steinspitz-Gipfels trifft man auf einen kleinen Bachlauf, der zumindest nach dem relativ feuchten Sommer recht munter sprudelte, hier könnte man seine Flüssigkeitsreserven unabhängig von weidenden Tieren wieder auffüllen. Der Blick ist nun frei auf das Tal unterhalb der Griesscharte, linkerhand finden sich die weiten Hänge unterhalb des Gliegerkars. Man folgt nun dem Wanderweg auf die Griesscharte zu, bis man eine eher unscheinbare Abzweigung gelangt. Hier weisen ein Pfeil und die Buchstaben "HBH" (Hermann von Barth-Hütte) an einem Felsen auf einen Abzweig hin, der links über einen schwachen Pfad mit verblichenen alten Markierungen weiterführt.

Diesem aufgelassenen, gut sichtbaren Pfad folgt man, bis man auf den Enzensperger Weg trifft, der hier von der Griesscharte herab kommt. Direkt gegenüber, quasi in Verlängerung des Aufstiegspfades auf die Woleckleskarspitze zu, erkennt man schwache Pfadspuren, die ins hintere Gliegerkar führen (Situation in Kartenwerken etwas anders). Man gelangt auf einen grasigen Rücken, nach rechts oben führen die deutlichen Spuren, die Trasse im Schotter verläuft dann unterhalb der Bretterspitze-Südwestflanke. Mit Hilfe dieser Trasse kommt man zu einer deutlichen Graszunge, etwas vor der Falllinie der Gliegerscharte. Über diese Graszunge nun aufwärts, hier verlieren sich die Spuren allmählich, sie sind mit Phantasie und Auge noch etwas als schwach ausgeprägte Trasse zu erahnen, jedoch nicht durchgehend. Auf der gesamten Graszunge stand ein Steinmann, der jedoch recht gute Orientierung bot (oder zumindest die Gewissheit, richtig zu sein ;D). Immer der Graszunge aufwärts Richtung Scharte folgend quert man zwei geröllige Rinnen um nochmal kurz auf Gras ins steile Geröllgelände unterhalb der Scharte zu gelangen. Über schotterige Bänder und Rinnen muss man aufsteigen, Ziel bleibt die Falllinie der Scharte. Eine Aufstiegsbeschreibung ist hier schwierig, eigentlich unvermittelt steht man dann unterhalb von ersten Stahlstiften. Nun ist der Weg klar, über den alten Steig auf in den Fels getriebenen Bändern geht es hinauf zur Scharte. Die Orientierung ist durch die Drahtseil-Relikte vorgegeben. Die Bänder sind nicht besonders breit herausgearbeitet, zudem mit viel Geröll bedeckt, eine vorsichtige Begehung ist dennoch recht einfach. In Kürze ist man dann auch schon in der Gliegerscharte (2486 m). Nun auf Pfadspuren nach Westen, bald darauf vereinigt sich der Wegverlauf mit der nordseitigen Variante vom Kaufbeurer Haus herauf und über den gerölligen Ostrücken geht es zum Gliegerkarspitze-Kreuzgipfel (2551 m). Von hier oben hat man eine traumhafte Aussicht, nur der höhere Hauptgipfel (2575 m) verdeckt Rauh- und Kreuzeck. Der Übergang hinüber sieht nicht einladend aus, das Gestein ist mürbe. Wie in den Beschreibungen gehe ich ein Stück vom Ostgipfel zurück, um in die Nordflanke zu queren, ein Steinmann lotst mich auf ein gut gangbares Band, welches sich bald enorm ansteilt und mit völlig losem Geröll bedeckt ist. Ich versuche über die das Band begrenzenden Felsen diese Stelle zu umklettern, befinde mich aber irgendwie noch unterhalb des Gipfelkreuzes, ein Weiterweg erscheint nicht logisch. Nun ist mir die Lust am Übergang für den Moment gänzlich vergangen, irgendwie war ich wohl nicht richtig, oder doch ???. Trotzdem bleibt im Nachhinein der Wunsch, doch irgendwie weiterprobiert zu haben ;D.

Nun wieder zurück in die Gliegerscharte an den Fuß des Bretterspitze-Westgrats. Diesem Grat folgt man überwiegend an der Gratkante, kleinere Ausweichungen in der Süd- aber auch Nordflanke in Gratnähe denkbar. Geht man in Gratnähe, warten einige kurze Aufschwünge im II. Schwierigkeitsgrad, dazwischen oft wesentlich leichteres Gelände, Gehgelände über teils schmalen Grat, dabei ist der gesamte Grat subjektiv selten exponiert. Ein Aufschwung am Ende des mittleren Drittels (siehe Bild) lässt sich am bauchigen Einstieg mit beherztem Antritt und kräftigem Armzug komfortabel überwinden, eine Gruppe vor versuchte die südseite Umgehung, hier ist das Gelände aber augenscheinlich schwieriger. Den letzten, schwersten Aufschwung kann  man nach rechts durch eine Rinne umgehen, danach geht es über grobes Geröll in Kürze auf den Gipfel der Bretterspitze (2608 m).

Nach einer ausgiebigen Gipfelrast im kalten Herbstwind geht es über den Normalweg hinab zur Schwärzerscharte (2433 m). Hierbei wird ein mannshohes Felswändchen unangenehm abgeklettert (gerade noch I). Ansonsten ist der steile Steig gut begehbar. Am Wegweiser oberhalb der Scharte biegt man nach rechts in die Ostflanke der Bretterspitze ab. Auf einem feinsplittrigen Band geht es unangenehm abwärts, hier sind eigentlich Drahtseile angebracht, die aber wohl winterfest abgenommen wurden, oben ist lediglich ein dickeres Seil vorhanden (Ausstieg zum Grat). Ohne Kletterschwierigkeiten führt das Band mit kleinem Gegenanstieg zur Griesscharte (der P. 2419 in der AV-Karte bezieht sich wohl auf den Felskopf oberhalb der Scharte), hier zweigt der Südostkamm ab, dessen letzter Erhebung die Steinspitze darstellt. Weiter auf dem abschüssigen, plattigen und grieseligen Wanderweg abwärts, bis erneut recht unscheinbar die markierten Wegspuren zur Steinspitze abzweigen. Der offizielle, gelbe Wegweiser ist dabei noch ein gutes Stück unterhalb, Anhaltspunkte sind ein roter Pfeil und eine verbogene, rot angemalte Markierungsstange. Die manchmal schwach ausgepräten, etwas ausgesetzten Pfadspuren führen in der Südwestflanke entlang, weichen an der folgenden "Schlucht" zum Grat hinauf aus, bleiben aber deutlich unterhalb der Grathöhe. Diese wird erst in der tiefsten Scharte vor dem Gipfel erreicht. Nun über den zerborstenen Nordwestgrat erstaunlich einfach (max. I) aufwärts, das schöne Gipfelkreuz ist etwas nach Süden vorgeschoben.

Auf gleichem Weg geht es zurück zum Wanderweg und über ihn bald angenehmer zurück durchs Haglertal nach Häselgehr. Nachmittags wird auch klar, warum der Steig im Haglertal so unangenehm feucht ist: bereits früh liegt das Tal komplett im Schatten des Häselgehrbergs.

Fazit: Über den "schönsten Gratanstieg der Allgäuer Alpen im II. Schwierigkeitsgrad" (K. Rath: Alpine Bergtouren Allgäu. (2013), S.43) auf die Bretterspitze zu steigen ist ein Genuss, ob dort oben dann Hundertschaften warten ist recht egal, um es etwas überspitzt auszudrücken. An sich ist die Bretterspitze wohl meist gut besucht, vom Kaufbeurer Haus tröpfelten den ganzen Tag immer wieder Begeher nach oben. Ruhiger ist es dagegen an den aufgelassenen Steigen zur Gliegerspitze und am Westgrat selbst. Während sich über den Nordanstieg noch recht viele hinauf in die Gliegerscharte bewegen, sollte es über den Südanstieg selten Begehungen geben. Insgesamt hat man auf der Haglertalrunde auch weniger Andrang zu erwarten, mir persönlich gefiel dieser Anstieg besser als die wesentlich direktere Nordvariante von Hinterhornbach. Wer die nötige alpinistische Basis mit absoluter Trittsicherheit und entsprechender Kletterfähigkeit hat, wird die beschriebene Runde inklusive Westgrat und Steinspitze völlig genießen. Wer den Normalweg von Häselgehr auf die Bretterspitze wählt, braucht eine solide Gehtechnik, um heil in die Schwärzerscharte und zurück zu gelangen. Landschaftlich ist das Gliegerkar wesentlich schöner als das Urbeleskar, die Nah- und Fernblicke sind hervorzuheben und werden in der Ecke wohl nur von der Urbeleskarspitze übertroffen.
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Offline Kauk

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Impressionen II.
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Offline Kauk

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Impressionen III.
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Offline Kauk

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Und noch ein 180°-Panorama von der Steinspitze.
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Offline oliver

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Hi Kauk,

danke für den tollen Bericht und die eindrucksvollen Bilder.  :-L)
Hab die Tour bei den Lechtalern im Tourenarchiv aufgenommen.

Gruß Oliver
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Offline Kauk

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Eigentlich sind es ja Allgäuer Alpen-Gipfel ;).
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Offline oliver

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Eigentlich sind es ja Allgäuer Alpen-Gipfel ;).

Klar, wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht  :ohmann:  ;)
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