European Outdoor Film Tour 2019/20

Daumenrunde von Hinterstein  (gelesen 20124 mal)

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Offline kalle

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Daumenrunde von Hinterstein
« am: 01. Aug 2007 - 21:29 Uhr »
Hinterstein (E-Werk) - Rotspitze - Kleiner Daumen - Großer Daumen - Nickenalpen - Hinterstein

Vom E-Werk (Parkplatz) zwischen Bruck und Hinterstein hinein in das Retterschwangtal und bald über einen Steig in den Häblesgund, wo sich unweit der verfallenen Hütte der Weg gabelt. Nach links würde der Weg zum Breitenberg und den Hohen Gängen verlaufen. Rechts über einen Schutthang geht es in zahlreichen Kehren in einen Sattel und auf einem stellenweise drahtseilgesicherten Steig hinauf zum Rotspitz (2034m).

Blick auf die Rotspitze aus dem Häblesgund

Vom Gipfel der Rotspitze folgt ein kurzer Abstieg gegen Süden in eine Einsattelung. Hier gabelt sich der Weg und man verfolgt den rechten Steig, der sich südlich unterhalb des Gemsbollenkopfes zur "Schneid" hinüberzieht. Auf der vegetationsreichen Schneide  dann an den Gipfelaufbau des Kleinen Daumens heran. Bald wird die Szenerie felsiger und in ganz leichter Kletterei werden einige Felsköpfe um- oder übergangen. Luftig geht es teilweise zur Sache und über einen schmalen Grat an den Gipfelstock heran. Fast waagerecht zieht ein Band nach rechts unter dem Stock in die Wand hinaus und nach etwa 50 Metern leitet auch schon ein Stahlseil in die Wand hinauf. In anregender Kletterei im Schwierigkeitsgrad I+, schafft man schnell die letzten Höhenmeter und erreicht bald den schmalen Grat, welchem man nach links zum Gipfelkreuz des Kleinen Daumens (2191m) folgt.

Von der Rotspitze auf Kleinen Daumen (links der Bildmitte) und großen Daumen (rechts)

Rotspitze

Steil über die gestufte und gutgriffige Felswand hinauf zum Kleinen Daumen

Etwas luftig geht es vom Kleinen Daumen auf schmalem Grat hinüber in die Daumenscharte und von dort über einen schuttreichen Hang zum breiten Verbindungsrücken hinauf. Karstähnlich breitet sich das Blockwerk vor einem aus und linkerhand sieht man im Hintergrund die meisten Vertreter der nördlichen Allgäuer Alpen, wie etwa den Hochvogel, Urbeleskarspitze, die Wildengruppe, Höfats, Schneck und viele mehr.

Gipfel des Kleinen Daumens, links im Vordergrund der Breitenberg

Blick vom Verbindungsrücken zum Engeratsgundsee

Ausblick vom Großen zum Kleinen Daumen

Nur selten gibt der Nebel den Blick auf die Allgäuer Gipfel frei, wie hier auf den Hochvogel (li.) und die Urbeleskarspitze

Nach dem Gipfelbesuch auf dem Großen Daumen geht es zurück in die Daumenscharte und von dort steil gegen Osten hinab und in einer Querung hinüber zum sogenannten Türle, einer eindrucksvollen Grasgratschneide oberhalb des Engeratsgundsees. Gestuftes Gelände erwartet einen dann im Bereich der Nickenalpen und ein langer Abstieg führt an den kleinen Almgebäuden (unbewirtschaftet) vorbei. Im weiten Bogen umrundet man die Mittagspitze halb und gelangt dann bei der Möslealpe auf einen sehr steilen Fahrweg, der direkt zu den Wiesen und Feldern von Hinterstein hinunterführt. Hat man diese erreicht, steht einem aber noch ein elendsweiter Talhatscher bis zum Parkplatz zurück bevor.

Wollgras auf einer Feuchtwiese oberhalb des Engeratsgundsees

Blick vom Türle zum Engeratsgundsee

Ab der Möslealpe geht es auf einem Fahrweg weiter

Fazit: lange, anstrengende Rundtour, die aber durch ihren interessanten Wegverlauf und die faszinierende Aussicht besticht. Den anspruchsvollsten und interessantesten Wegabschnitt stellt die Ersteigung des Kleinen Daumens dar (I+) und verlangt vom Begeher Trittsicherheit, absolute Schwindelfreiheit und ein wenig Klettergewandtheit. Eindrucksvolle Landschaft und schöner Bergsee im Höhenbereich der Tour. Von der Rotspitze bis zur Daumenscharte eher wenig begangen. Zeitaufwand für die gesamte Strecke ca. 9,5 bis 11 Stunden.
« Letzte Änderung: 19. Dez 2014 - 19:17 Uhr von kalle »
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Offline usch

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Re: Daumenrunde von Hinterstein
« Antwort #1 am: 02. Aug 2007 - 08:27 Uhr »
Super Bericht und Tourenbeschreibung!!

Am schönsten finde ich das Bild mit dem Wollgras. Wäre ein wunderschönes Sommer-Kalenderbild ...

lg usch
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Offline Die_Grenzgaenger

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Re: Daumenrunde von Hinterstein
« Antwort #2 am: 02. Aug 2007 - 20:34 Uhr »
Die Tour beweist mal wieder, dass es bei uns in den Bergen ein Haufen schöner Flecken gibt, an denen man die Natur noch ausgiebig geniessen kann.  :-L)
Bei all den schönen Touren von dir Kalle stellt sich die Frage, wie lange dieses Fleckchen Erde (allgemein auf die hiesige Bergwelt bezogen) noch so unberührt bleibt.  ??? Aber wir haben das Thema ja schon letztens mal angeschnitten...
Trotzdem weiter so!

Die_Grenzgaenger
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Offline oliver

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Re: Daumenrunde von Hinterstein
« Antwort #3 am: 02. Aug 2007 - 21:52 Uhr »
@Kalle
wieder eine tolle tour, mit herrlichen bildern festgehalten *glückwunsch*.
das bild mit dem wollgras finde ich einfach nur sensationell  :-L)

nachdem ihr den seilgesicherten gratanstieg zum kleinen daumen ohne probleme gemeistert habt, dürfte euch die überschreitung der hohen gänge sicher auch interessieren. vom parkplatz beim e-werk bruck wählt man den aufstieg zum breitenberg und macht dann die unschwere kammwanderung über die hohen gänge (nicht zu verwechseln mit den "hohen gängen" am schneck)...dabei hat man dann das häbelesgund unter sich und die rotspitze gegenüber   ;)
kurz unterhalb der heubatspitze kreuzt sich dann der weg mit eurem weg von der rotspitze...der weitere routenverlauf ist dann wieder identisch mit eurer tour.
das schwierigste stück befindet sich wirklich erst im schlussanstieg zum kleinen daumen - von daher sicher auch ne interessante tourenvariante ab dem parkplatz beim e-werk bruck.

in diesem sinne beste grüße
oliver

« Letzte Änderung: 02. Aug 2007 - 23:03 Uhr von oliver »
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Offline kalle

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Re: Daumenrunde von Hinterstein
« Antwort #4 am: 02. Aug 2007 - 21:58 Uhr »
Servus Oliver

Die Runde über den Breitenberg und die Hohen Gänge hätte mich natürlich auch interessiert. Vielleicht hole ich diese Runde im Herbst nochmal nach.

Danke jedenfalls für deinen Tipp :-L)

Gruß
Kalle
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Offline Banni

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Re: Daumenrunde von Hinterstein
« Antwort #5 am: 03. Aug 2007 - 17:10 Uhr »

Echt super Tour und einwandfreie Bilder  :-L)

Wir sind damals vom hinteren Parkplatz in Hinterstein los (dort wo die Bushaltestelle zum Giebelhaus ist) und von dort dann auf den Breitenberg und über die Hohen Gänge zum Gemsbollenkopf. Dann den gleichen Weg wie du gegangen bist.
Die Hohen Gänge sind auf jeden Fall nochmal einen Ausflug wert.

Gruß Patrick.
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Offline Kauk

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Re: Daumenrunde von Hinterstein
« Antwort #6 am: 25. Jul 2012 - 12:24 Uhr »
In etwas abgewandelter Form ging es für mich gestern auch von Hinterstein auf den Großen Daumen, womit für mich der Hindelanger Klettersteig komplettiert wäre, nachdem mich letztes Jahr am Großen Daumen noch ein Gewitter davon abgehalten hat.

Route: Hinterstein (Parkplatz "Auf der Höh") - Elpenalpe - Breitenberg - Hohe Gänge - Kleiner Daumen - Großer Daumen - Nickenalpen - Parkplatz

Insgesamt ist in beiden Beiträgen bereits alles wesentliche beschrieben.

Bei meiner Aufstiegsvariante über die Elpenalpe sollte man beachten, dass man früh in der Sonne steigt, routentaktisch wäre wohl eine Variante über über den Häbelesgund vorzuziehen. Kurz vor der Gipfelflanke des Breitenbergs muss noch eine drahtseilversicherte Rinne durchstiegen werden.

Die Seilsicherungen sind komplett erneuert, sowohl an den Hohen Gängen als auch am Kleinen Daumen. Wenn ich sie mit den bisherigen Bildern davon vergleiche denke ich, dass sie sich nun viel besser für den Einsatz eines Klettersteigsets eignen. Klettersteigänfanger können hier durchaus mal das Klettersteig gehen testen, sofern sie trittsicher und schwindelfrei sind, da es auch einige ungesicherte Passagen zu meistern gilt.

Beim Abstieg über die Nickenalpen ist zu beachten, dass zwischen Unterer Nickenalpe und Möslealpe ein Wildschutzgebiet mit Betretungsverbot zwischen 15. November und 30. Mai liegt.

Noch wie immer ein paar Impressionen.
« Letzte Änderung: 15. Sep 2013 - 15:11 Uhr von Kauk »
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Offline Kauk

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Re: Daumenrunde von Hinterstein
« Antwort #7 am: 25. Jul 2012 - 12:26 Uhr »
Impressionen Nr. 2
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Offline Kauk

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Re: Daumenrunde von Hinterstein
« Antwort #8 am: 25. Jul 2012 - 12:28 Uhr »
Impressionen Nr. 3
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Offline Kristian

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Re: Daumenrunde von Hinterstein
« Antwort #9 am: 25. Jul 2012 - 23:12 Uhr »
Zitat
Beim Abstieg über die Nickenalpen ist zu beachten, dass zwischen Unterer Nickenalpe und Möslealpe ein Wildschutzgebiet mit Betretungsverbot zwischen 15. November und 30. Mai liegt.


Da ist gar nichts zu beachten. Mag ja sein, dass da ein Flintenbürscherl Schilder hat aufstellen lassen, die den Eindruck erwecken, die Route Hinterstein-Mösle-Türle wäre zu bestimmten Zeiten illegal.

Ein in Hinterstein zugezogener Großkapitalist hat Teile des Ostrachtales käuflich erworben. Um bei seinem Hobby, der Jagd nicht gestört zu werden beantragte er unter dem Vorwand des Wild- und Naturschutzes einen großen Bereich  inkl. eines wichtigen Weges zu sperren.
Unten stehend ein Auszug der Bauausschußsitzung des Marktgemeinderates Hindelang.

Sollte vereinbarungswidrig der Weg im Spätherbst nicht begehbar sein, oder die Umgehung mit unzumutbaren Gegenanstiegen  verbunden sein, bzw. schwierig oder gefährlich zu begehen sein, dann  bitte einen Brief an den Gemeinderat Hindelang.  

Einen Seitenschneider im Rucksack........... ;D.......... ;D


Zitat
Punkt 6 Verschiedenes
a) Antrag Gutsverwaltung - Hubert Stärker, Talstr. 48, Hinterstein, 87541 Bad Hindelang
Errichtung und Betrieb eines Wintergatters für Rotwild im Bereich Mösle auf den
Grundstücken Fl.Nr. 4544, 4545 und 4546
Das Landratsamt Oberallgäu -Jagd- und Fischereirecht- bittet um Stellungnahme bis zum
06.08.2007 zur Errichtung eines 22,10 ha großen Wintergatters im Bereich Mösle/Ortwanger.
Beschluss:
7 : 0 Stimmen
Der Bauausschuss stimmt der Errichtung und dem Betrieb eines Wintergatters für Rotwild in
v.g. Bereich zu unter folgenden Voraussetzungen:
1. Der Wanderweg von der Mösle- zur Niggenalpe muss frei bleiben und ganzjährig begehbar
bleiben.
2. Im Zaun sind Tore einzubauen, die eine Begehung des ehem. Reitwegs in diesem
Bereich außerhalb des Fütterungszeitraumes ermöglichen.
b) Ausweisung eines Wildschutzgebietes im Umgriff des geplanten Rotwildwintergatters im
Bereich Mösle (Jagdrevier Hindelang I)
Das Landratsamt Oberallgäu -Jagd- und Fischereirecht- bittet um Stellungnahme bis zum
15.08.2007 zur Ausweisung des Wildschutzgebietes sowie um öffentliche Auslegung des
Verordnungsentwurfs.
Im Umgriff des geplanten Wintergatters ist geplant ein 70 ha großes Wildschutzgebiet auszuweisen,
dass hauptsächlich ein Betretungsverbot von 15.11. bis 30.05. des Folgejahres
beinhaltet.
Beschluss:
91
7 : 0 Stimmen
Der Bauausschuss stimmt der Ausweisung des Wildschutzgebietes Mösle nur unter der
Maßgabe zu, dass in der Verordnung eine Ausnahme aufgenommen wird, die gewährleistet,
dass der Weg von der Mösle- zur Niggenalpe ganzjährig begangen werden darf
.
Anstelle des Betretungsverbots wird in diesem Zusammenhang ein Wege-Gebot angeregt.
Der Weg, der zum Engeratsgundsee, Daumen etc. führt, ist markiert und in den Wanderkarten
verzeichnet.


Zitat
Zitat
Zitat
« Letzte Änderung: 25. Jul 2012 - 23:25 Uhr von Kristian »
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