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Freispitze (Überschreitung von der Rotspitze zu den Dreischarteln)  (gelesen 11748 mal)

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Offline Max

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Spätestens seit dem gelungenen Film "Freispitzsommer" hat mich die Freispitze immer mehr fasziniert. Es ist der eigenartige Aufbau, die vielen verschiedenen Gesteinsformen und das markante Aussehen, welche diesen Berg zu dem "lechtalerischsten" überhaupt stempeln.

Im Juli 2010 war die Zeit dann endlich gekommen und es sollte für drei Tage in die Lechtaler Berge gehen.

Tag 1:

Bei recht lausigem Wetter stand nur der Hüttenaufstieg von Bach zur Ansbacher Hütte bevor. Dank dem Drahtesel ging das ganze auch recht schnell von statten, wobei man das Rad im Alperschontal beim Abzweig zur Saxeralm zurück lässt. Da noch etwas Zeit war, bot sich die 2624 Meter hohe Samspitze als Zeitvertreib förmlich an. Oben dann leider Null Sicht und leichter Schneefall - na super, dass kann ja nur besser werden. Also schnell hinab in die warme Hüttenstube.

Tag 2:
Der Tag kündigte sich mit einem herrlichen Sonnenaufgang über dem wolkenverhangenen Stanzer Tal an. Über den Gipfeln von Riffler und Co. herrschte hingegen schon ungetrübtes Blau. Nach einem spärlichen Frühstück wanderten wir gemütlich hinauf zur Kopfscharte und folgten danach dem Höhenweg in Richtung Memminger Hütte. Diesen verlässt man jedoch bald und gewinnt im abschüssigen Geröll den Ansatzpunkt der großen Überschreitung - Rotspitzsattel (2660 Meter).
Die erste Stufe des Grats wird links gehalten über unangenehme Platten überwunden, bevor man ein steiles Geröllfeld erreicht. Über dieses geht es schließlich an die senkrechten Abbrüche der Rotspitze heran. Wie im AVF beschrieben links durch eine Rinne hinauf (II) auf einen kleinen Absatz. Alternativ zu der unter gipfelsuechtig.de beschriebenen Variante hielten wir uns nun schräg rechts aufwärts. Nach wenigen Meter trifft man auf eine helle Felsplatte, die man ausgesetzt umklettert (II+). Gleich dahinter durch eine Steilrinne (II) hinauf zum Grat und problemlos in wenigen Minuten zum Gipfel der Rotspitze (2837 m). Insgesamt gesehen stellt der Anstieg zur Rotspitze ganz klar die Schlüsselstelle der kompletten Überschreitung dar. Ganz gleich welche Variante man wählt, es ist und bleibt ein anspruchsvoller Gang im weglosen und ausgesetzten Steilgelände!
Herrlich ist die Rundsicht von hier oben und wir können uns nur schwer zum Weiterweg zur Rotplatte (2831 m) aufraffen. Dieser gehört zu den angenehmsten Passagen der Überschreitung und nimmt eine gute halbe Stunde in Anspruch, wobei man einen Turm links umgeht. In voller Wucht und herausragender Schönheit stand uns nun die Freispitze gegenüber. Rechts fällt ihre helle Südwand atemberaubend in die Tiefe, während linkerhand schon der Durchstieg durch den Rätkalkgürtel unserer Normalroute zu erkennen ist.
Auf das Geschiebe und Gerutsche durch die 200 Meter hohe Mergelflanke zu den Freispitzscharten hätten wir gerne verzichtet, aber was tut man nicht alles für ein bisschen Gipfelglück. Aus der Nördlichen Scharte wendet man sich nach links hinab, wobei man nach 40 Höhenmetern zu einem Rasenfleck hinan steigt. Ein dünnes Drahtseil sorgt bei dem Quergang durch die griffarme Rätkalkplatte für ein wenig moralische Unterstützung (verlassen würde ich mich auf das Ding nicht), bevor wir die herrlich feste Rippe luftig hinauf kletterten (II). Es ist eine neue Welt, die man nun betritt: Steil schwingt sich vor uns die gelb verwitterte Mergelwüste auf. In der tiefsten Senke des kleinen Bachlaufs geht es ganz gut hinauf und schneller als gedacht gewinnt man eine Rippe, die uns an die finale Gipfelrinne leitet. Wer nun denkt, gleich ists geschafft, dem wird es ähnlich gehen wie mir: Diese Schutt-Rinne zieht sich ewig und fordert abermals einiges an Kraft - ein echter Wadenzwicker eben.
6 Stunden nach Verlassen der Ansbacher Hütte war es endlich so weit: Wir standen am Gipfel der Freispitze (2884 m) und waren von der grandiosen Aussicht schlichtweg sprachlos. Die ganze Pracht der Lechtaler breitet sich um einen herum aus, angeführt von der Prominenz wie Parseier und Wetterspitze. Gefallen fanden wir auch an den jähen Tiefblicken in die Freispitze-Nordwand und hinüber zum schauderhaft niederbrechenden Freispitz-Trapez. Wer da hinüber geht, der hat wohl sonst keine Probleme...
Im Gipfelbuch fand ich schließlich einen sehr ehrlichen Eintrag, der das Gefühl auf dieser Spitze zu stehen ganz gut wider gibt:
"Warum die Freispitze den Namen Freispitze trägt, dass weiß wohl niemand so genau. Ich glaube, man muss einmal hier oben stehen, hinüber zur Wetterspitze schauen und tief Luft holen, um wirklich zu spüren, wie es ist, frei zu sein
Gegen 16 Uhr sagten wir dann leise "servus" und stiegen über den Nordwestgrat zu den Dreischateln ab. Kristian hat hier mal treffend formuliert, dass es sich um extremes Gehgelände handle. Schnell habe ich gemerkt, was er damit meint. Es ist bis auf den Abbruch über der obersten Scharte (II) wirklich nicht sonderlich schwierig, vielleicht eine I+. Ich werde dennoch kein Freund von dem spitzig-brüchigen Mergelzeugs an diesem Grat, das äußerst vorsichtiges Gehen verlangt. Zudem ist das Gelände hier sehr steil und erlaubt wirklich keine Fehler.
Der geröllreiche Abstieg hinab zum Weg und hinaus ins Alperschontal war dann nur noch reine Formsache, bevor wir im Bergheim Hermine auf diesen gelungenen Bergtag anstießen.

Tag 3:
Wenig motiviert und lustlos (woher das nur kommt) trotteten wir in guten 3 Stunden auf die Greitjochspitze hinauf. Je höher wir kamen, desto mehr hielt sich die Lustlosigkeit in Grenzen und legte sich schließlich komplett, denn dieser Gipfel bietet wirklich einmalig schöne und neue Einblicke in die Madauer Bergumrahmung und hinüber zur Hornbachkette - sehr zu empfehlen.

Fazit:
Einmalig schöne Runde in der wohl eindrucksvollsten Ecke der Lechtaler. Teilweise recht anspruchsvoll und in jeder Hinsicht ein anstrengendes Bergunternehmen. Viel Schutt und brüchiges Gestein mit wenigen wirklich festen Kletterpassagen. Die geniale Gipfelrundumsicht wiegt das alles jedoch mehr als zur Genüge auf und man wird sich noch lange Zeit positiv an die Freispitze zurück erinnern...

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Bild1: Hoher Riffler am Morgen mit traumhaften Nebelteppich
Bild2: Am Gipfel der Rotspitze
« Letzte Änderung: 24. Dez 2010 - 11:36 Uhr von Max »
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Offline Max

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Re: Freispitze (Überschreitung von der Rotspitze zu den Dreischarteln)
« Antwort #1 am: 02. Aug 2010 - 14:12 Uhr »
Bild3: Farbenpracht am Wegesrand
Bild4: Freispitz in voller Wucht mit der berühmten Südwand
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Offline Max

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Re: Freispitze (Überschreitung von der Rotspitze zu den Dreischarteln)
« Antwort #2 am: 02. Aug 2010 - 14:14 Uhr »
Bild5: Auch der Blick hinüber zur Wetterspitzgruppe vermag zu begeistern
Bild6: Die Schlüsselstelle an der Freispitze
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Offline Max

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Re: Freispitze (Überschreitung von der Rotspitze zu den Dreischarteln)
« Antwort #3 am: 02. Aug 2010 - 14:16 Uhr »
Bild7: Gleich ists geschafft: Vorderseespitze bis Wetterspitze im Hintergrund
Bild8: Endlich oben!
« Letzte Änderung: 02. Aug 2010 - 14:32 Uhr von Max »
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Offline Max

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Re: Freispitze (Überschreitung von der Rotspitze zu den Dreischarteln)
« Antwort #4 am: 02. Aug 2010 - 14:17 Uhr »
Bild9: Gipfelblick Richtung östliche Lechtaler
Bild10: Am nächsten Tag pausierten wir an einer kleinen Jagdhütte mit herrlichem Blick hinauf zum Freispitz
« Letzte Änderung: 02. Aug 2010 - 14:36 Uhr von Max »
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Offline Max

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Re: Freispitze (Überschreitung von der Rotspitze zu den Dreischarteln)
« Antwort #5 am: 02. Aug 2010 - 14:23 Uhr »
Bild11: Super Aussicht von der Greitjochspitze zur nahen Wetterspitze
Bild12: Abschiedsblick zur Madauer Bergumrahmung

Offline berto

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Re: Freispitze (Überschreitung von der Rotspitze zu den Dreischarteln)
« Antwort #6 am: 02. Aug 2010 - 18:13 Uhr »
Da kann ich nur sagen: Ich beneide Euch!!!!!!!!!
Gruß Berto
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alex

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Re: Freispitze (Überschreitung von der Rotspitze zu den Dreischarteln)
« Antwort #7 am: 02. Aug 2010 - 18:24 Uhr »
brutal geil!!

hut ab - kann ich da nur noch sagen...

höchste anerkennung von meiner seite!

gruß,
alex


ps: die aufnahmen sind im wahrsten sinne des wortes "SchwindelErregend"!!



 :mount:  <--- max auf der freispitze ;)
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Offline Allgaier

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Re: Freispitze (Überschreitung von der Rotspitze zu den Dreischarteln)
« Antwort #8 am: 02. Aug 2010 - 20:53 Uhr »
Hey Max,
meine Hochachtung eine mega Tour habt Ihr da gemacht, ein bischen Wetterglück war auch dabei, ich denke Ihr habt es verdient - Klasse. :-L)
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Offline mark

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Re: Freispitze (Überschreitung von der Rotspitze zu den Dreischarteln)
« Antwort #9 am: 02. Aug 2010 - 21:33 Uhr »
Respekt ! :bravo
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