Bergsport und Corona?

Große Vilsalprunde "Spezial"  (gelesen 30683 mal)

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Offline kalle

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Große Vilsalprunde "Spezial"
« am: 02. Jul 2006 - 16:00 Uhr »
war die große vilsalprunde schon als junger spund eine meiner lieblingsstrecken, so bedurfte es nun unbedingt einmal einer auffrischung um den aktuellen stand der dinge zu erkunden :-L)

start der tour beim tannheimer fußballplatz und durch den lichten wald hinauf in richtung "untere roßalpe". dort gab es gleich ein "muh-konzert" der dort weidenden rinder, die wahrscheinlich noch nicht so früh mit einem besucher gerechnet hatten ;)

morgenerwachen an der unteren roßalpe

ohne lange zu rasten und die kühle des morgens ausnutzend, stieg ich gleich weiter auf zur feldalpe und später dann im schatten des geißhorn-deltas über dessen geröllreiche nordwestflanke auf den gipfelgrat und gegen nordosten in wenigen minuten zum gipfelkreuz.

blick von der feldalpe auf das gipfeldelta des geißhornes

ausblick vom gipfel des geißhorn - links des gipfels das rauhhorn und ganz links der grüne kopf des kugelhornes

Nach kurzer Gipfelrast folgt dann der Abstieg über alpinen Rasen und ein paar felsige Tritte hinunter in das Geißeckjoch. Über den Geländerücken weiter auf einen flacheren Sattel, auf welchem meist einige Schafe weiden. Am Ende des Sattels beginnt dann der eigentlich schwierigste Teil der gesamten Tour. Anfangs überklettert man den ersten Felskopf (Stellen I) um dann wieder in eine Einschartung abzusteigen. Dann wieder über felsiges Terrain und zu der drahtseilgesicherten Stelle, direkt am Gipfelstock des Rauhhornes (Stelle II), die auch etwas Schwindelfreiheit erfordert, da man direkt am Rand des Abgrundes der Ostabstürze aufsteigt. Zuletzt über eine Pfadspur rechts um den Kopf herum auf den Gipfel.

schon beim anstieg über den ersten felskopf zogen stetig nebelschwaden von den schotterhalten am fuße der ostwand zum gipfel empor und schlossen diesen bald in eine dichte wolke ein. auch jetzt am gipfel war die sicht äußerst eingeschränkt und so konnte man lediglich im westen das hintersteiner tal und die daumengruppe erkennen. der ausblick zum geißhorn, kugelhorn und dem schrecksee hingegen waren verwehrt.

wenigstens war ein blick auf den weiterweg und die unzähligen felstürme, die zerklüftet wie ein labyrinth wirken, möglich.

über unzählige zacken geht es am zerklüfteten grat in richtung hinterer schafwanne weiter
« Letzte Änderung: 02. Jul 2006 - 18:13 Uhr von kalle »
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Offline kalle

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Große Vilsalprunde "Spezial"
« Antwort #1 am: 02. Jul 2006 - 16:16 Uhr »
war der pfad über das rauhhorn von fels dominiert, so wechselt die landschaft nun gänzlich ins grüne. ab der hinteren schafwanne folgt dann der aufstieg über grüne matten und ein paar schrofenbänder hinauf zum (rundlichen) gipfel des kugelhorns. herrlich auch der nun wieder freigegebene ausblick hinunter zum vilsalpsee und jetzt zum ersten mal auch auf den schrecksee, der wie ein grüner smaragd in einer weiten bergmulde eingebettet daliegt.

immer wieder aufs neue ist es ein erhebender anblick: der see, die mächtigen gipfel der allgäuer im hintergrund, dominiert von der eindrucksvollen gestalt des hochvogels.

schafe weiden an den steilen hängen des kugelhorns; im hintergrund der schrecksee und die allgäuer alpen

beim abstieg vom kugelhorn treffe ich dann am sattel zwischen kugelhorn und knappenkopf auf die kleine alte salzhütte, bei deren errichtung ich damals dabei gewesen bin. mittels eines hubschraubers wurde die hütte vom vilsalpsee hier herauf geflogen und ich als etwa 9 jähriger knirps durfte einen weiteren hubschrauberflug miterleben (hubschrauberfliegen war damals nämlich eines meiner hobbies, bald durften die piloten aber keine ausnahmen mehr machen und nach den transportflügen keine "kinderflüge" mehr absolvieren. wir warteten oft tagelang an den bodenstationen um endlich mitgenommen zu werden ;D)

vom sattel dann hinunter in richtung schrecksee und bald trifft man auch auf den weg, welcher unterhalb des kugelhorns aus der hinteren schafwanne hier herüber zieht. über eine kehre dann hinunter und bald zum schrecksee. nach einigem geknipse dann wieder aufstieg in den kirchendachsattel. das kirchendach hat seinen namen von den steilgrasbewährten flanken, die bei der frontalansicht wie ein gleichschenkeliges dreieck wirken.

im sattel gibt es dann erstmal eine brotzeit. unten am see war es mir doch zu turbulent. scheinbar haben gleich mehrere schulklassen einen ausflug zu dem see unternommen? jedenfalls waren jede menge kinder am wasser um zu planschen. auch sonst herrschte ein reger betrieb an dem hochsee, da war mir die "mäßige überfülltheit" des kirchendachsattels dann doch angenehmer. hier rastete "nur" eine etwa 25köpfige truppe. von stille konnte heute jedenfalls keine rede sein :P

blick vom kirchdachsattel hinüber zum schrecksee und dem grasbergzug des älpelekopfes
« Letzte Änderung: 02. Jul 2006 - 16:29 Uhr von kalle »
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Große Vilsalprunde "Spezial"
« Antwort #2 am: 02. Jul 2006 - 16:47 Uhr »
blick von dem kirchendachsattel hinüber in das gebiet der kastenalpe und des alpelsees (links unten im bild); bildmitte die "gipfelrampe" der roten spitze und rechts davon der gipfel der steinkarspitze

vom kirchendachsattel führt der weg dann in etwa gleichbleibender höhe unterhalb der kälbleggspitze hindurch und in den sattel, welcher das gebiet von schwarzwassertal und kastenalpe miteinander verbindet. einer moränenlandschaft ähnelnd, geht es über unzählige mulden und krater. nach dem sattel umgeht man den ersten kopf auf dessen rechter seite und gelangt in den nächsten sattel aus dem sich der geländerücken der steinkarspitze aufschwingt. über freies gelände und einigen schafgängeln folgend erreiche ich bald den grat und folge diesem bis zum steinkarspitzgipfel.

blick vom quergang unterhalb der kälbleggspitze hinunter zum alplsee (auch wenn man von den karten her und optisch meinen könnte, ein abstieg wäre hier möglich: NEIN! ist er definitiv nicht, dort unten wartet nur eine senkrechte felswand und ein wasserfall)  :no(

blick von der steinkarspitze zurück auf die moränenlandschaft unterhalb der kälbleggspitze (links der bildmitte) und das alpgebiet der kastenalpe

gipfel der steinkarspitze

vom gipfel der steinkarspitze dann abstieg in das steinkarjoch und weiter in die südflanke der lachenspitze. über einen gerölligen steig dann auf den gipfel. von oben dachte ich mir noch, ob ich auch noch den gipfel des schochen mitnehmen sollte? erst einmal war aber der abstieg von der lachenspitze gegen nordosten zu bewältigen. über den doch recht anspruchsvollen pfad meist im I. schwierigkeitsgrad über sehr brüchiges, felsiges terrain hinunter. gerade die brüchigkeit des felses und die unvertrautheit ob die griffe halten, macht den abstieg spannend aber durchaus machbar (zeit lassen!).
« Letzte Änderung: 28. Dez 2013 - 19:49 Uhr von kalle »
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Offline kalle

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Große Vilsalprunde "Spezial"
« Antwort #3 am: 02. Jul 2006 - 17:11 Uhr »
rückblick aus dem lachenjoch: links die lachenspitze, bildmitte steinkarspitze und rechts die rote spitze

schon bald merkte ich, dass ich am saalfelder höhenweg angekommen war. menschen, menschen und nochmal menschen. auch der einstige ausgewaschene steig wurde zu einer halben autobahn umfunktioniert. das war schon beinahe ein fahrweg... auch den entschluss "noch den schochen mitzunehmen" verwarf ich sofort, ich hatte nämlich keine lust im stau auf den gipfel zu gelangen :-X :P so schritt ich eilends hinauf in die scharte unterhalb des schochens und weiter über das alpgebiet der gappenfeld alpe.

der ziegerstein in der nähe des lachenjoches; der pfad wurde fast zu einem fahrweg ausgebaut ::)

lediglich von der schochenscharte hinunter zu der gappenfeld-weide ist noch der ursprüngliche steig erhalten. ansonsten ist hier heroben alles "touristengerecht" aufgearbeitet worden :-X und die touristen danken es, mit einer enormen besucherzahl... wie ich selbst erlebt habe! trotz dem nicht allzu guten wetter ist der ansturm enorm und der weg bis in den sattel oberhalb der usseralpe noch weit :P selbst einige fußballfans tragen ihren patriotismus zur schau, indem sie mit deutschlandfahnen und singend und pfeifend durch die berge ziehen :P

für mich ist soviel trubel jedenfalls nichts und ich sehe zu, dass ich dem ganzen entfliehen kann...

das kreuz in der gappenfeldscharte, dahinter die leilachspitze mit den luchsköpfen
« Letzte Änderung: 02. Jul 2006 - 19:24 Uhr von kalle »
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Große Vilsalprunde "Spezial"
« Antwort #4 am: 02. Jul 2006 - 17:32 Uhr »
über den fahrweg der gappenfeldalpe mehr oder weniger eben weiter und unterhalb der sulzspitze entlang bis zu der strindenscharte. am fahrweg zwei kehren nach unten folgend und dann weiter auf dem steig in nördliche richtung hinüber zu vogelhörnle und neunerköpfle. über weidegebiet gelangt man in den sattel des strindenjoches, wo mich schon bald ein wegweiser zu der usseralpe hinunterleitet. über einen grasrücken auf einen felskopf hinaus und dann nach links an der grasflanke hinunter. von oben ist nun schon das rostige dach der usseralpe zu erkennen.

an der hütte angekommen finde ich eine baustelle vor. der käsraum und der kesselraum werden gerade erneuert, hier heroben wird nämlich noch selbst käse hergestellt. ich begnüge mich aber mit alkoholfreiem weizen und der schönen aussicht auf neunerköpfle, kanzel und hinunter nach tannheim. ich schwelge ein wenig in kindheitserinnerungen (ich war ja als kind mit meiner mutter und meinen geschwistern hier heroben auf der alpe) und unterhalte mich später etwas mit einem gast der jetzt mit dem mountainbike auf die hütte geradelt ist. früher gab es noch keinen fahrweg hier herauf, jetzt gibt es gleich zwei davon :P, was ich irgendwie schade finde... aber die zeit bringt das halt so mit sich :-\

endlich aus dem trubel, jetzt geht es hinunter zur usseralm (im hintergrund das neunerköpfle)

nach der rast geht es dann über den fahrweg hinunter (über den alten steig darf man aus einem mir unerfindlichen grund nämlich nicht gehen?) nach schmieden. durch den tannheimer ortsteil hindurch und über die brücke auf die bogner viehweide und hinauf zum fußballplatz, wo ich ja 12 stunden zuvor meinen roller geparkt hatte.

statistik

höhenunterschied: 1150m
gesamtanstiege: 2250m
höchster punkt: geißhorn (2247m)
niedrigster punkt: tannheim (1097m)
strecke: ca. 25km
stützpunkt: landsberger hütte (1810m), gappenfeldalpe (1812m), usseralpe (1638m)
gehzeit: ca. 12 stunden
charakter: im bereich des rauhhorns und der lachenspitze recht anspruchsvoll (bis II. schwierigkeitsgrad), lange und anstrengende tour die ein gehöriges maß an ausdauer und kondition erfordert
« Letzte Änderung: 14. Nov 2007 - 19:44 Uhr von Kalle »
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Offline usch

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Re: Große Vilsalprunde "Spezial"
« Antwort #5 am: 02. Jul 2006 - 23:28 Uhr »
Glückwunsch!!
Und ganz allein. Ziehe hochachtungsvoll meinen Hut!

Die Bilder sind schön und verführen von Vergangenem zu träumen. Du scheinst eine wahnsinnig gute Form zu haben und das, wo die Saison grad mal erst so richtig los geht! :-)

ciaociao
usch
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Offline kalle

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Re: Große Vilsalprunde "Spezial"
« Antwort #6 am: 03. Jul 2006 - 10:33 Uhr »
@usch

danke für das lob! aber so gut scheint die form dennoch nicht zu sein, mir steckt die tour nämlich noch heute in den knochen :-X ;D

aber schön war es trotzdem :-L) jetzt ist ja grad die schönste zeit... alles blüht, das gras in seinem saftigen grün und überall der duft der zahlreichen blumen... wenn man nicht grad am kugelhorn steht, dass die schafe offenbar als ihr massen-wc auserkoren haben *naserümpf* ;)
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Offline mark

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Re: Große Vilsalprunde "Spezial"
« Antwort #7 am: 03. Jul 2006 - 11:24 Uhr »
Hi Kalle,
wirklich schöne Tour. Vor allem die verschiedenen Ausblicke auf den Schrecksee sind einfach immer wieder herrlich.  :-L)
Übrigens, die Schafe waren im Jahr 2003 auch schon da oben *grins*
Zusätzlich hatten wir dann noch Kühe direkt am Schrecksee...die hatten auch überall "Duftmarken" verteilt.
Gruß Mark
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Offline usch

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Re: Große Vilsalprunde "Spezial"
« Antwort #8 am: 03. Jul 2006 - 13:15 Uhr »
@ kalle

Alles Natur! ;D  ;)

lg usch
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Offline stefan

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Re: Große Vilsalprunde "Spezial"
« Antwort #9 am: 07. Jul 2006 - 14:35 Uhr »
Wirklich eindrucksvolle Tour. Interpretiere ich dein Bild richtig und der Anstieg zum Geißhorn ist inzwischen weitestgehend schneefrei? Dann hätte ich nämlich eine mögliche nächste Tour für mich gefunden...
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