B179 - Fahrverbote Winter 2019/20

Hoch über Berwang: Roter Stein, Steinmandlspitze, Suwaldspitzen und Hönig  (gelesen 3680 mal)

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Offline Max

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Der Winter ist da, Zeit also in Gedanken zu schwelgen oder Tourenberichte zu schreiben.

Eine besonders schöne Runde im langsam verblassenden Herbst war ohne Zweifel die Überschreitung vom Roten Stein bei Berwang über die Steinmandlspitze zu den beiden Suwaldspitzen und weiter zum langen Hönigkamm. Besondere Touren stammen wie so oft aus der Feder von Günther Laudahn und ich möchte hier die Möglichkeit nutzen sie nochmals vorzustellen.

Startpunkt ist Berwang. Parken unterhalb der Kriche und gemütlich in das urwüchsige Älplesbachtal hinein. Der zeitweise Arg in Mitleidenschaft gezogene AV-Steig gewinnt schnell die sanften Böden unterhalb der Steinmandl-Nordwand und schwenkt dann nach Südosten, wo er sich in zahlreichen steinigen Kehren hinauf zum wunderschönen Gipfelkreuz des Roten Steins auf 2366 Metern Höhe windet. Die Aussicht ist wunderschön, beeindruckend die wilden Zacken der Loreagruppe und die wuchtige Wettersteinwand der Zugspitze.

Der direkte Übergang zur Steinmandlspitze ist wohl ein satter II in luftigem Ambiente, für mich im Alleingang dann doch zu viel. Also hinab über den seilversicherten Südostsporn des Roten Steins (I), bis das Gelände wieder grüner wird und man über Steigspuren in die kleine Scharte vor dem unbedeutenden Stierkopf (2181 m) wechseln kann. Das sich dahinter öffenende Lackekar gilt es mit möglichst wenig Höhenverlust zu queren, um so den grasigen Ansatz des Steinmandl-Südostsporns zu erreichen. Der gratartige Aufschwung wird von brüchigen Steilschrofen dominiert und zieht sich zeitweise ganz nett zusammen. Im wieder einfachen Gelände steht man bald auf der ruhigen Steinmandlspitze (2345 m). GK + Buch sind vorhanden, sehr beliebtes Winterziel. Hier halte ich mich ewig auf, genieße die warme Oktobersonne und die herrlichen herbstlichen Eindrücke um mich herum.

Nun wartet die Königsetappe der Tour, der Übergang zu den beiden Suwaldspitzen. Zunächst gehts am breiten Südwestgrat hinab, bis zu einem Abbruch am Grat. Hier setzt ein gut zu begehendes Band an, auf welchen man den Abbruch in seiner Nordseite vorsichtig umgeht. Der Wiederanstieg zu den Suwaldspitzen ist meist eine schmale Angelegenheit, wobei oft die direkt am Grat stehenden Latschen ein wenig Boschenkriecherei verlangen. Insgesamt aber gut zu begehen, Kletterschwierigkeiten warten hier nicht auf einen.

Die Suwaldspitzen sind ebenso nette Aussichtswarten mit schönen Nahblicken auf die bereits erklommenen Gipfel. Von der nördlichen Spitze steigt man im Grasgelände zu einer gut sichtbaren Pfadspur ab und folgt dieser bis in den Sonnbergsattel.

Es folgt eine sehr schöne, wenn auch nur kurze Gratwanderung hoch über den Tälern, bis am Hönig der Endpunkt der Tour erreicht wird. Jetzt gilt es nur noch den gutartigen, breiten Rücken direkt nach Berwang abzusteigen. Man sollte sich hier immer am Kamm halten und sich nicht dazu verleiten lassen, nach links oder rechts (Übeltal) abzusteigen.

Fazit: Genusstour 1. Güte. Schöne, ständige wechselnde Eindrücke mit klasse Aussichten. Dennoch eine längere, tagesfüllende Tour mit vielen Gegenanstiegen, sodass die Höhenmeterbilanz am Ende 1600 Höhenmeter verbucht. Das Gelände ist überwiegend weglos und verlangt Kletterei im I. Grad, von der Orientierung aber gut machbar.

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Bild 1: Blick vom Roten Stein-Normalweg hinüber zum Thaneller und Säuling rechts
Bild 2: Im Tal Nebel, auf den Bergen Sonne satt - wie so oft im Oktober. Hier der Blick vom Roten Stein zum Danielkamm
Bild 3: Auf der Steinmandlspitze
Bild 4: Der spannende Gratübergang zu den Suwaldspitzenl
Bild 5: Auf der Südlichen Suwaldspitze. Der Rote Stein zeigt sich hier aus einer ungewöhnlichen Perspektive und wird von der Steinmandlspitze (Mitte) und der mächtigen Galtbergspitze (rechts) komplettiert
« Letzte Änderung: 03. Jan 2015 - 02:37 Uhr von kalle »
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Offline Max

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Bild 6: Herbststrukturen
Bild 7: Die Zugspitze ein letztes Mal im Blick. Herrlich ist der Kontrast zu den braunen Matten der Pleisspitze
Bild 8: Die Gipfel der Tour sagen servus: Roter Stein, Steinmandl und Suwaldspitzen (v. l. n. r.)
« Letzte Änderung: 11. Nov 2012 - 13:09 Uhr von Max »
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Offline Lampi

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    • Touren by Lamл[tm]
Hallo Max,

schöne Bilder hast Du da.

Tourenberichte schreiben steht bei mir auch noch aus. Der ganze Sommer ist noch nicht verarbeitet. Das hat auch Vorteile - immerhin bringt man so nur das zu "Papier", was wirklich erinnernswert ist. Aber

Der Winter ist da, Zeit also in Gedanken zu schwelgen oder Tourenberichte zu schreiben.

DAS kann doch nicht Dein Ernst sein. Du als Mensch, der von Kind an in die Berge geht, findest doch sicher auch en Winterziel.

Die geht ja das halbe Jahr verloren - und nach Ansicht vieler die schönere Hälfte.

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Offline Max

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DAS kann doch nicht Dein Ernst sein. Du als Mensch, der von Kind an in die Berge geht, findest doch sicher auch en Winterziel.


So war das nicht gemeint  ;D Die Zeit der großen Touren im Jahr ist aber vorbei, zumindest bei mir  8)
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Offline Schorsch_KFB

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Ich hab eine Frage zum vorletzten Foto: Dort ist die Bleispitze (Pleisspitze) zu sehen. Unterhalb des Gipfels verläuft kerzengerade ein Strich und man sieht, dass das Grad darunter und drüber anderst gefärbt ist. Woran liegt das?

Wir waren Mitte Oktober auf der Vord. Suwaldspitze und wir konnten uns das nicht erklären.
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Offline sven86

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Das mit der Bleispitze ist mir auch schon aufgefallen, es kann ja eigentlich nur ein Weidezaun sein?
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Offline Graddler

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sven86 hat Recht: dort verläuft waagrecht ein Weidezaun.

Unterhalb des Zaunes wird die Fläche beweidet, das Gras also kurz gehalten. Der untere Teil der Gräser ist länger grün.

Oberhalb des Zaunes wird die Fläche nicht beweidet, d.h. das Gras ist länger. Weil das Gras mittlerweile - zumindest in den oberen Teilen der Grashalme) trocken ist, erscheint die Fläche brauner oder gold-farbener als die untere (grünere) Fläche.

Dieser Effekt lässt sich überall beobachten, wo beweidete und unbeweidete Flächen nebeneinander liegen.
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Offline Max

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So sehe ich das auch. Als wir 2009 über den Nordwestgrat hoch sind, musste man in diesem Bereich auch mal über einen Weidezaun steigen...
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Offline Schorsch_KFB

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Vielen Dank!
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Offline Alpenspezi

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Wir haben gestern auch die oben von Max beschriebene Gratüberschreitung gemacht: Berwang - Roter Stein - Steinmannl - Suwaldspitzen - Hönig - Berwang.

Die ganze Runde ist sehr einsam, außerordentlich abwechslungsreich und landschaftlich großartig. Wir haben den ganzen Tag keinen einzigen Menschen getroffen, abgesehen von einem Jäger a.D. am Hönig.

Den Ausführungen von Max ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Nur am direkten Abstieg vom Hönig nach Berwang, der Pfad war bisher ja stellenweisen nur noch schwer zu erkennen, ergibt sich eine gravierende Änderung. Im Zuge der Errichtung von, längst überfälligen, Lawinenverbauungen wird dieser als Zugangsweg zur Baustelle nun breit ausgebaggert. Aktuell hat sich der Minibagger vom Gipfel aus bis etwa 1600 m hinunter vorgearbeitet.

Die Bauarbeiten für die Lawinenverbauungen werden sich etwa über 5 Jahre hinziehen. Währenddessen ist dieser An- oder Abstieg an den Arbeitstagen nur eingeschränkt nutzbar.

 





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