Hochvogel  (gelesen 1718 mal)

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Offline kalle

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Hochvogel
« am: 11. Okt 2015 - 19:26 Uhr »

Der Hochvogel

2592m
Allgäuer Alpen


Inhalt:
• Geschichte
• Anstiege
• Felsstürze
• Sagen
• Literatur und Links
• Bilder
• chronologischer Verlauf der Rissbildung

Aus dem Tal ist er beinahe unsichtbar, lediglich auf einer kurzen Strecke zwischen Stanzach und Elmen kann man einen Blick auf den Felsgiganten werfen. Fährt man jedoch die etwa 7 Kilometer lange Straße von Vorderhornbach ins Hornbachtal zum Ort Hinterhornbach, so thront die eindrucksvolle Berggestalt in nördlicher Richtung über dem kleinen Dörfchen und ist nicht mehr zu übersehen.

Der Hochvogel ist eine der markantesten Gestalten der nördlichen Allgäuer Alpen und, im Gegensatz zu den Tälern, von den meisten Bergen ringsum zu bestaunen. Über 500 Meter hohe Felswände gegen Nordosten und 350 Meter im Süden verleihen dem Hochvogel sein imposantes Aussehen, welches sich allerdings durch die enorme Brüchigkeit des Hauptdolomitgesteins stetig verändert.

Geschichte

"Sein Name deutet klar auf die Gestalt: ein Riesenvogel, der die Schwingen breiten will zum Höhenflug, ein Berg voller Ebenmäßigkeit." Georg Frey, 1966

Tatsächlich gleicht der Berg, gerade von Norden gesehen, einem Riesenvogel, der sich anschickt seine Flügel auszubreiten und abzuheben. Trotzdem hat die klare Form des Berges wenig mit dem zu tun, wie er zu seinem Namen kam. So soll der Berg, genauer gesagt sein direktes Umfeld, in früherer Zeit häufig für die Jagd herrschaftlicher Persönlichkeiten gedient haben.

Der Hochvogel dürfte also der Bereich sein, in welchem sich Adler und Geier (die es damals ja noch gab) aufhielten. So taucht die Bezeichnung Undervogel erstmals in einem Jagdbuch des Kaisers Maximilian um 1500 auf.

Durch die relativ leichte Erreichbarkeit des Berges wird von einer recht frühen Ersteigung durch einheimische Hirten oder Jäger ausgegangen. 1832 soll ein gewisser Trobitius den Gipfel erstiegen haben, eine bekanntere Begebenheit stellt die Übernachtung (Bericht auf wanderpfa.de) des Bergpioniers Hermann von Barth im Jahre 1869 am Gipfel des Hochvogels dar.

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Vom Prinz-Luitpold-Haus zum Gipfel

Von dem über dem kleinen Hochsee gelegenen Prinz-Luitpold-Haus geht es an vielen kleinen Quellen und Bachläufen gegen Süden hinauf in das breite Kar des "Oberen Tals". An

der Hochvogel aus der Vogelperspektive
einer Geländestufe links des auslaufenden Gratrückens des Weitalpkopfes über Schutt durch das obere Kar hin an die Felsen der Kreuzspitze. Drahtseilgesichert durch die Felsen auf dem Klettersteig knapp unterhalb der Kreuzspitze vorüber (I+) und in den Sattel der Kaltwinkelscharte hinab.

Aus der Scharte über teils feuchte und plattige Felsstufen zu einem markanten Felskopf. Rechterhand um diesen herum gelangt man über die sogenannte Schnur, ein waagrechtes überdachtes Felsenband, zum schuttreichen letzten Gipfelaufschwung. Mehrere Felsstufen (I) und sehr viel Geröll führen zum von einem breiten Riss durchzogenen Gipfelplateau.

Von Hinterhornbach über den Bäumenheimer Weg - wegen massiver Felssturzgefahr gesperrt!

Von Hinterhornbach hinauf zu den kleinen, nicht bewirtschafteten Schwabegg-Hütten (1.696m). An den Hütten vorüber, führt der Steig durch Latschengassen hinauf zum Ausläufer der Ostflanke des Berges. Hier gabelt sich der Weg. Nach rechts würde man über den Fuchsensattel (2.039m) in den sogenannten "Kalten Winkel" und die Kaltwinkelscharte (2.283m) gelangen. Nach links zieht der "Bäumenheimer Weg" unter den Südostabstürzen des Hochvogels durch das Roßkar hindurch.

Nach der Querung des breiten Geröllfeldes zieht der Steig in einigen Serpentinen steil über Schutt zu den ersten Schrofen hinauf. Hier erfolgt dann quasi der eigentliche "Einstieg". Die Schwierigkeit hält sich im unteren Bereich in moderatem Rahmen. Immer direkt am Südgrat entlang steigt man bis unter eine senkrechte Felswand und in einen Kamin ein (Steinschlaggefahr!).

Durch die Schichtung des Berges sind viele Rippen und Felsstufen zu ersteigen. Immer wieder wird eine Stufe genommen um dann beinahe waagrecht zur nächsten Aufstiegsmöglichkeit zu klettern. Drahtseilsicherungen sind nur selten angebracht und der Wegverlauf ist teils luftig, überschreitet aber den Schwierigkeitsgrad I+ nicht.

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Felsstürze

- aus der Hüttenchronik des Prinz-Luitpold-Hauses vom 27. Mai 1935:
"Die südwestliche Gipfelkante des Hochvogels wies von alters her in der westlichen Flanke einen senkrechten Riß auf. Die Ursache dieser Spaltung liegt wohl in der überhängenden Schwere eines Teiles der oberen Südwand, die ihre gelben Felsen über den Wandsockel hinaus ins Weittal reckt.

Eine innere Bewegung der etwa 80m hohen abgetrennten Wand konnte ich bereits früher, gelegentlich eines

gewaltiger Felssturz am Hochvogel
am 14. Juni 2007 - © Josch und Sasa
Durchstiegsversuchs dieser Wand feststellen. Ferner im oberen Teil des Hauptspaltes frisch gebrochene eingeklemmte Blöcke, an denen zu erkennen war, dass sie ihre Lage erst in jüngster Zeit eingenommen hatten. Bei einem allfalsigen Niedergang der Gesteinsmassen waren jedoch weder Leben noch Gut oder Wege gefährdet, deshalb wurde nichts weiter unternommen.

Die erste Kalbung erfolgte bereits im September 1934, während ich mit einer Partie auf dem Gipfel des Hochvogels war. Wir bemerkten nichts weiter als entfernten Donner und darauf eine gelbe, nach Schwefel stinkende Wolke, die sich um den ganzen Gipfel legte. Ich ahnte sofort, was los war, und verfolgte, nachdem sich die Staubwolke verzogen hatte, von oben den Verlauf der Steinlawine. Sie nahm den erwarteten Weg, ohne zu schädigen, wie auch die am 27. 6. 1935 erfolgte große Kalbung, bei der tausende von Kubikmetern Fels abgingen und in die riesigen Bachschluchten des Weittals hinabstürzten."


Am 14. Juni 2007 werden unsere beiden Grenzgänger von der gegenüberliegenden Jochspitze aus Augenzeugen eines weiteren massiven Felssturzes an der Südwestkante des Berges. (Bild "Felssturz" © Josch und Sasa)

Auch aktuell wird ein Felssturz größeren Ausmaßes erwartet. Die Tiroler Landesgeologen und Mitarbeiter der TU München beobachten die Bewegungen und Rissbildungen im Bereich der Süd- und Südwestwand in Gipfelnähe.

Eine Video-Aufnahme von einem Felssturz-Ereignis am Hochvogel hat unser User Chris am 17. Juli 2016 festgehalten.

Eine chronologisch geordnete Bilderreihe des Verlaufes der Wandsetzung in der Südflanke kann hier im Anschluss betrachtet werden.

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Der Berggeist am Hochvogel

Seit jeher war ein gewaltiges Klopfen und Hämmern im Bergesinneren zu vernehmen und ließ die Leute ein emsiges Venedigermännle vermuten, welches die Schätze des Berges ausbeutet. Aber der Berggeist ist für das Hornbachtal kein Glück. Mutwillig und boshaft sei er, sodass man ihm nicht wohlgesonnen sein könne. Erfahrene Lechtaler Wanderarbeiter gaben ihm den Namen "Kobold", andere hielten ihn für ein "Klopferle" - einen schwarzen Zwerg, oft auch in rauer Wurmgestalt - der durch sein Klopfen die Menschen ängstigte.

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Literatur und Links
• Allgäuer Bergnamen - Thaddäus Steiner
• Alpenvereinsführer Allgäuer Alpen - Ernst Zettler (1962)
• Gipfelziele Allgäuer Alpen - Helmut Dumler (1987)
• Ostgrat vom Fuchsensattel von Kristian Rath
• Portrait des Hochvogels auf Wanderpfa.de von Oliver
• Skitour auf den Hochvogel (Kristian Rath)
• Tour über den Bäumenheimer Weg auf den Hochvogel bei spätherbstlichen Bedingungen (Max)
• DAV Donauwörth - Infos zum Bäumenheimer Weg und dessen Sperrung





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« Letzte Änderung: 23. Nov 2016 - 23:32 Uhr von kalle »
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Verlauf Wandabsenkung Hochvogel
« Antwort #1 am: 19. Nov 2015 - 18:39 Uhr »
Chronologischer Verlauf der Wandabsenkung der Hochvogel Südflanke in Bildern

Wer ein Bild zu dieser Sammlung beisteuern kann/möchte, sendet dies bitte versehen mit Name, Datum und möglichst in Originalgröße an foto@alpic.net


Herzlichen Dank an alle die das Bildmaterial beisteuern bzw. beigesteuert haben!

« Letzte Änderung: 16. Apr 2017 - 21:23 Uhr von kalle »
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