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Kienjoch (1953m)  (gelesen 2181 mal)

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Offline Ecki

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Kienjoch (1953m)
« am: 09. Jul 2009 - 22:46 Uhr »
Graswang - Kieneckspitz (1943m) - Kienjoch (1953m) - Kuhalm - Graswang.

Eine weitere Wanderung in den Ammergauer Alpen im Rahmen meiner „Vergangenheitsbewältigung“. Die Wanderung über den Nordkamm zum Kienjoch habe in der letzten Septemberwoche '08 gemacht, einige erinnern sich vielleicht an das eher suboptimale Wetter, das auch an diesem Tag zuverlässig in seiner Unzuverlässigkeit war.

Los ging es aber noch bei Sonnenschein am Parkplatz mit Toiletten- und Umkleidehäuschen (v.a. für Langläufer im Winter), der von Oberammergau kommend direkt vor dem Graswanger Ortseingang linkerhand liegt. Von dort zunächst über die Brücke und die Fahrstraße zum Gut Dickelschwaig und weiter zum Wald, wo man an der ersten Kreuzung die rechte Forststraße wählt. Nach einigen Metern nicht auf den ersten (dort geht es zur Hütte) sondern den zweiten Pfad rechts abbiegen (hier sollte ein Schild „zur Kuhalmstraße“ stehen) und auf dem teils recht rutschigen Weg direkt mit ordentlichen Steigungsprozenten fast in Falllinie zur Kuhalmstraße hinauf.

Diese überquert man direkt und geht auf einem ab hier unbezeichneten schmalen Pfad weiter hinauf. Der Weg windet sich in teils langen Serpentinen stetig (und meist recht ordentlich) ansteigend durch den Wald hinauf, wobei man immer wieder Ausblicke auf das Graswangtal und die gegenüberliegende Berge im Bereich des Pürschling hat. Schließlich erreicht man auf etwa 1400m im Bereich der Mittageck-Alm das erste Mal freiere Flächen, nur um direkt wieder im Wald zu verschwinden. Erst ab bei etwa 1700m Höhe verlässt man endgültig den Wald und die Steigung des nun meist dem Grat folgenden Steigs nimmt eine Zeit lang deutlich ab.

Man sieht nun direkt vor sich Kotierungspunkt 1855m, zudem man nach dem Flachstück steil auf recht unangenehmen, da völlig festgepresstem und ganz feinem Geröll ansteigt. Die Hänge auf beiden Seiten des Grates sehen zwar nicht so aus, als würde man zwangsläufig direkt ganz durchrauschen, aber auf den Bart legen will man sich ja trotzdem nicht. Alles in allem ein guter Profiltest, der dank hilfreicher Latschenäste aber doch „nur“ nervig ist.

Anschließend wird es dafür aber richtig nett: Immer auf der Grathöhe, meist auf schmalem Steig und ab und an über kleine Felsstufen (sicher aber nicht mal im I. Grad) und immer wieder auf steile Geröllrinnen achtend geht es zunächst zum Kieneckspitz und anschließend weiter auf dem Grat Richtung Kienjoch. Bei schönem Wetter dürfte man hier eine grandiose Aussicht auf Ammergauer Alpen und Wetterstein haben, an diesem Tag zog es sich aber mehr und mehr und zu. Was einerseits  teilweise durchaus mythisch und wildromantisch aussah, wollte mir angesichts der herrschenden Temperaturen und dem nicht immer völlig ungefährlichen Grat nicht so recht munden.

Bis zum Kienjoch sollte es allerdings noch trocken bleiben, wobei man kurz vor dem Gipfel noch eine ganz kurze Klettereinlage meistern muss, wenn man den Grat beibehalten will. Man kann das sicher auch rein im Gehen machen, ich habe mich trotzdem lieber im „Affengang“ mit Handunterstützung hochbewegt. Diese (wohl schwierigste) Stelle dürfte man aber auch links des Grates über Gras umgehen können. Da just in diesem Moment, direkt unter dem Gipfel, Schneegrieseln begann, schien mir etwas Fels aber deutlich sympathischer.

Durch den stärker werdenden Schneegriesel und die hereinziehenden Wolken war es natürlich Essig mit der Gipfelrast und nach einem kurzen Eintrag ins Gipfelbuch ging es auf dem Normalweg über den Südostgrat bergab. Dieser ist Gott sei Dank deutlich einfacher als die Überschreitung und bereitete mir, zumindest solange der Schnee nicht liegenblieb, keine Sorge, da ich ihn auch schon aus früheren Jahren kannte. Man folgt nun dem Rücken (Grat wäre der Breite wegen zuviel gesagt) bis zur tiefsten Einschartung vor dem Windstierlkopf, wo man links abbiegt und in Richtung Kuhalm absteigt. Man kann auch etwas früher nach rechts abbiegen und erreicht nach einem wahren Serpentinenmarathon die Forststraße im Elmautal absteigen und dieser zurück nach Graswang folgen. Das hatte ich einige Jahre vorher gemacht und mir dabei eine Übersäuerung des Kniegelenks zugezogen. Im Gegensatz zur Muskelübersäuerung eine schön schmerzhafte Sache, von der man länger was hat.

Der diesmal gewählte Abstieg verläuft aber deutlich knieschonender. Nur die ersten 200-300 Höhenmeter sind steiler, anschließend geht es über die sanften Böden der Kuhalm, an einem Tümpel vorbei und durch Wald zu einer Forststraße, auf der man nach wenigen Metern die Almhütte erreicht. Inzwischen war es wieder trocken, so dass wir statt der langweiligen Straße weiter zu folgen, an der Hütte rechts auf den Steig durch das Tal des Kuhalmbaches einbogen. Dieser führt zunächst relativ einfach direkt im Talboden dahin. Nach einiger Zeit verengt sich das Tal aber soweit, dass der Weg auf die links des Baches gelegen Steilhänge aufweicht. Auch wenn einen hier technisch keine Schwierigkeiten erwarten, würde ich nicht mit Leuten entlanggehen, die nicht trittsicher sind, da ein falscher Schritt oft ziemlich sicher erst im Bachbett viele Meter tiefer sein Ende findet.

Durch die Enge und Steilheit des Tals ergibt sich hier aber auch ein wildromantischer Abschluss der Wanderung, bei dem man immer wieder Blicke auf Wasserfälle an den Talflanken und die Kaskaden des Baches hat. Sobald das Tal wieder breiter wird, zieht sich der Steig ziemlich schnell wieder gen Talboden und trifft nach einem Holzsteg auf eine Forststraße, die (wenn man an der ersten Kreuzung links geht) genau die vom Beginn der Tour ist. Gerade bei hohen Wasserstand kann man auch noch kurz die Straße bergauf bis zu ihrem Ende gehen, um die größten Wasserfälle des Tales zu sehen (auf die man auch vom Steig einen etwas weiter entfernten Blick hatte). Da man hierhin nur auf Forststraßen gelangt, lohnt sich auch dieser Weg alleine bei Schlechtwetter.

Fazit: Mittelschwere Bergwanderung, die zwar kaum technische Schwierigkeiten aufweist, aber in jedem Falle Trittsicherheit und auch etwas Schwindelfreiheit verlangt. Highlights sind sicher die Gratüberschreitung zum Kienjoch und das wildromantische Tal des Kuhalmbaches. Insgesamt sollte man mindestens 6 Stunden für die Wanderung einplanen.


Hennenkopf, Laubeneck und Pürschling.


Hasentalkopf, Bäckenalmsattel, Feigenkopf, Große und Kleine Klammspitze, Brunnenkopf und Dreisäulerkopf.


Scheinbergspitze.


Westflanke des Kieneckspitzes.


Tümpel am Fuß der Westflanke.


Punkt 1855.


Wolkenschwaden.


Kreuzspitzl, Kreuzpitze und Kuchelberggrat.



Eindrücke vom Gratverlauf.


Im Tal des Kuhalmbaches.


Wasserfall im Tal des Kuhalmbaches.
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