Kreuzkopf und Weittalkopf  (gelesen 893 mal)

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Offline Kauk

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Kreuzkopf und Weittalkopf
« am: 14. Aug 2015 - 23:39 Uhr »
Nachdem ich mich am Mittwoch an der Kälbelespitze etc. ausgetobt habe und die Nacht erneut auf dem Hintersteiner Parkplatz verbrachte, ging es am Donnerstag (13. August) auf den Kreuzkopf (2287 m) und den Weittalkopf (2289 m). Eigentlich wollte ich ja gerne noch zum Vorderen Wilden, doch der Weg sah dann weit und eher schwierig aus...und ich war trotz langem Schattenaufstieg am Kreuzkopf schon recht durchgebraten und weichgekocht. So entschied ich mich für den Weg des geringsten Widerstands, verzichtete auf alle Versuche einer anspruchsvollen Gratbegehung in eine der beiden Richtungen (V. Wilder oder Weittalkopf) und machte es mir gemütlich.

Route: Giebelhaus - Untere Bärgundelealpe - Prinz-Luitpold-Haus (PLH) - Oberes Tal - Ostrampe - Sattel P.2238 - Ostrücken - Kreuzkopf - Retour Kar - Südwestrampe - Nordgrat - Weittalkopf - Nordgrat - Oberes Tal - PLH - Giebelhaus

Einen Teil der Route habe ich bereits im Bericht Kesselspitze, Fuchskarspitzen und Weittalkopf beschrieben, unter anderem die Anreise mit dem Bus (4,30€/Strecke) zum Giebelhaus (1065 m) und der Aufstieg zum PLH (1846 m). Bleibt zu erwähnen, dass man mit dem ersten Bus um dieses Jahreszeit nahezu im Schatten zum PLH aufsteigen kann, wenn 2h Aufstieg benötigt werden. Ansonsten ist der Weg auch im Mittelteil fertiggestellt und insgesamt zügig zu begehen.

Am PLH hält man sich dem Wegweiser folgend Richtung Kreuzspitze/Hochvogel, umrundet den See und folgt dem Wanderweg aufwärts ins Obere Tal. Nach der Versorgungswasserfassung bleibt man noch kurz auf dem markierten Weg, auf einer grasigen Matte verlässt man ihn allerdings um sich einen Überblick über den weiteren weglosen Anstieg zu verschaffen. Man quert zunächst eine Geröllhalde unterhalb der auffällig "getigerten" Flanke, dann über Graspolster unter die Wände des Kreuzkopfs. Nun nach eigenem Geschmack über Geröll und wenig Gras aufwärts gegen die Scharte zwischen Weittalkopf und Kreuzkopf. Das Gelände steilt zunehmend auf und die Qualität des Untergrunds nimmt im gleichen Maß ab, sprich es ist ein normaler Geröllschinder. Recht weit oben treffe ich tatsächlich auf einen soliden Steinmann (und bei genauerem Hinschauen die Flanke hinab noch zwei weitere), in dessen Umgebung sich tatsächlich steile Pfadspuren im Gelände ausmachen lassen. Sie führen direkt an die Ostrampe heran, verlaufen sich aber bald. Immer weiter mühsam im Geröll weitertreten, manchmal gehts an den Felsen besser, weiter oben kommen wieder Grastritte, dann ist das schlimmste überstanden und man steht im Sattel P.2238. Nun noch in Kürze ohne nennenswerte Schwierigkeiten über den schrofigen Ostrücken auf den Gipfel des Kreuzkopfs (2287 m). Seit meinem Besuch dort oben befindet sich im Steinmann am Gipfel ein kleines Büchlein.

Nachdem ich mir den langen Grat zum Vorderen Wilden angeschaut und meine Pläne der Begehung verworfen habe, schaute ich nach dem effizientesten Übergang zum Weittalkopf. Der direkte Gratübergang schied nach genauerer Betrachtung auch aus, gegenüber am Nordgrat zeigte sich jedoch eine grasige Rampe, die auch im Zoom der Kamera gangbar aussah. Also stieg ich die Ostrampe wieder hinab ins Kar und versuchte die von oben sichtbaren Wildwechsel zu erreichen. Da sie im Schutt aber kaum zu erkennen waren, bleib die Querung unter den Felsen des Weittalkopfs ein mühseliges Gehen im Geröll unterschiedlichster Beschaffenheit. So gelangte ich nicht schön aber zügig an die südwestexponierte Rampe. Zunächst auf einem guten Band unter den Felsen hindurch, dann in steilem Geröll zu den Grastritten. Sie kurz schmal und etwas exponiert hinausgequert und dann komfortabel auf den Nordgrat des Weittalkopf. Man befindet sich nun an der Stelle, wo der Grat erstmals felsig und schmal wird. Bis zum Gipfel sind es noch gute 100 Höhenmeter. Im Link zu Beginn der Routenbeschreibung ist der Nordgrat bereits beschrieben. Man orientiert sich an der Grathöhe ein Wechsel zwischen kurzen Kletterstellen und Gehgelände, die Felsschwierigkeiten sind deutlich im I. Schwierigkeitsgrad, ich bin weiterhin der Meinung das sie dafür teils recht anspruchsvoll sind, zumal man im Aufstieg nicht unbedingt immer die besten Griff- und Trittmöglichkeiten erwischt. Seltem hart exponiert, aber trotzdem nicht ohne und mit allerlei Geröll garniert (war das beim letzten Mal auch so?!). Mag auch an meiner zunehmenden Erschöpfung gelegen haben. Anschließend wie im Link abgestiegen, im PLH eingestiegen und ein Weizen auf den schönen Tag getrunken :prost: und zurück zum Giebelhaus gelaufen.

Fazit: Zwei eindrucksvolle und stille Aussichtsgipfel, auf der beschriebenen Route vor allem im Kar kein Genuss, aber bei solider Gehtechnik und alpiner Erfahrung in weglosen Geröllflanken problemlos zu erreichen. Vermutlich geht das im Frühsommer auf gutem Altschnee besser, im BayernAtlas ist im Kar sogar noch ein ganzjähriges Schneefeld verzeichnet. Während die Massen auf den Hochvogel strömen genießt man von hier oben einen Logenplatz der Aussicht auf sein beeindruckendes Felskastell.

Bleibt noch zu sagen, dass die Bergwacht Hinterstein immer noch Spender sucht für ihre neue Rettungswache und dass das Konstanzer Jägerhaus momentan auch einen neuen Pächter braucht, die bisherige Pächterin musste aus gesundheitlichen Gründen wohl aufgeben.
« Letzte Änderung: 18. Feb 2016 - 21:37 Uhr von Kauk »

Offline Kauk

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Re: Kreuzkopf, diesmal mit dem Vorderen Wilden
« Antwort #1 am: 28. Aug 2017 - 17:00 Uhr »
Vor zwei Jahren bin ich am Kreuzkopf (2287 m) nicht bis zum Vorderen Wilden weitergegangen, außerdem könnte das Gipfelbuch am Kreuzkopf eine Inspektion vertragen...Gründe genug erneut in die Gegend zu reisen, zumal es dort eben auch richtig schön ist. Der Vordere Wilde (2241 m) ist eine eigenständige Erhebung im Wilden Grat, der vom Großen Wilden nach Nordosten zieht und für erfahrene Alpinisten eine lohnende Überschreitung zum Kreuzkopf bietet. Allerdings ist das Gelände zwischen Großem und Vorderem Wilden recht anspruchsvoll, mir zu anspruchsvoll, weshalb für mich nur der Zugang vom Kreuzkopf her in Frage kommt.

Nach der frühmorgendlichen Busfahrt am 24. August zum Giebelhaus ging es auf gleicher Route wie oben beschrieben hinauf zum Kreuzkopf, neue Erkenntnisse dazu gibt es nicht. Ich habe mich dieses Mal etwas früher zu den nordöstlichen Felsen orientiert, dort ging es in einer seichten Rinne ganz gut. Dem Gipfelbuch dort oben geht es gut, seit dem es dort deponiert ist, hatte es 16 Eintragungen gegeben, einige vom Wildengrat, eine Skitour und sogar ein Ire war hier oben.

Auch an diesem Tag war es wieder ordentlich heiß und ich spürte die 1200 Höhenmeter bis hierauf bereits in den Beinen. Nichtsdestotrotz ging es weiter zum Vorderen Wilden. Zunächst folgt man dem Gratverlauf über einige grasige Kuppen (T3). Vielleicht so ab der Hälfte des Übergangs wird das Gelände dann felsiger und anspruchsvoller (ab hier oft T4), es hat allerdings auch immer wieder Pfadspuren zu Orientierung. Vom letzten Graskopf steigt man in felsdurchsetzt in Gratnähe in die folgende Scharte ab und quert dann auf Pfadspuren auf den Grat zurück und kommt auf diesem zu zwei Felszacken vor der Schlüsselstelle. Die Zacken werden in bröseligen Gelände zunächst südseitig umgangen und man gelangt an ein kleines, fast senkrechtes Felswändchen. Rechts der Kante gehts hier im III. Schwierigkeitsgrad hinauf, links ist es besser gestuft und II. Soweit war es aus Berichten bekannt. Wie befürchtet "verweigere" ich am Hindernis, irgendwie kann ich mich nicht überwinden dort aufzusteigen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich bereits eine wesentlich einfachere Umgehung ausgemacht habe und gar nicht "gezwungen" war dort rüberzusteigen, um auf den Gipfel zu gelangen...

Man umgeht die Schlüsselstelle südseitig, indem man unterhalb der kleinen Felszacken auf guten grasigen Tritten mit Geröllauflage in einer moderaten Steilflanke absteigt, bis man die Felsen direkt am Ansatz auf einem guten Band queren kann. Auch die aus der Ferne ausgemachte "Felsplatte" erweist sich eher als "Felstisch" und perfekt gangbar. Auf guten Pfadspuren bin ich noch weitergequert und in einer schönen, wenig steilen Grasflanke auf den Grat zurückzusteigen. Oben geht es über kurzweilige Felsblöcke hinweg und man steigt etwas unangenehm im Brösel in die nächste Scharte. Immer am Grat haltend, den einen oder anderen Block umgehend erreicht man den Gipfel des Vorderen Wilden (2241 m) mit seinem Grenzstein. Die Aussicht von hier oben ist toll, rechts und links der Gratverlauf vom Wilden bis zum Hochvogel, gegenüber der lange Grasgrat vom Schneck bis zum Giebel! Zurück ging es auf gleichem Weg zum PLH, wo ich die Nacht verbringe.

Fazit: Kurzweiliger und angenehmer, weil bei vorhandenen Voraussetzungen einfacher Gratübergang in wildem und ruhigen Ambiente!
« Letzte Änderung: 28. Aug 2017 - 17:03 Uhr von Kauk »

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