Langer Ostgrat: Bugschrofen - Karretschrofen - Große Schlicke  (gelesen 1583 mal)

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Offline Kauk

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Für den Samstag (19. September) versprach der Wetterbericht einen brauchbaren Übergangstag zwischen zwei Kaltfronten, somit musste vor einer kleinen Familienfeier auf der Musauer Alm eine anständige Bergtour rausspringen! Und was liegt dann näher, als den bislang von mir ignorierten Ostgrat der Großen Schlicke (2059 m) in Augenschein zu nehmen und dabei noch den Bugschrofen (1974 m) und den Karretschrofen (2036 m) zu überschreiten.

Route: Hüttenparkplatz Raintaler Hütten - Musauer Alm - Fahrweg - Ostrücken - Plattjochkreuz - Nordrücken - Bugschrofen - Westrücken - Ostgrat - Karretschrofen - Westgrat - Ostgrat - Große Schlicke - Südflanke - Füssener Hütte - Musauer Alm / Nächster Tag: Fahrweg - Westrücken - Musauer Berg - Retour über Fahrweg zum Parkplatz

Ausgangspunkt der Tour ist der kostenlose Hüttenparkplatz (ca. 850 m) für die Hütten im Raintal, er liegt im Wald hinter dem Gasthaus Bärenfalle zwischen Roßschläg (Musau) und Wiesbichl. In der Folge geht es auf dem Versorgungsweg ins Raintal. Eigentlich wird die Überschreitung des Ostgrats an der Achsel gestartet, welche sich von genanntem Alpweg oder direkt von Musau erreichen lässt. Da die vorangegangenen Tage aber regenreich waren, entschied ich mich für die sicherere, abgespeckte Variante, um unnötiges Risiko am weglosen Ostgrat zu vermeiden. So blieb ich auf dem Fahrweg bis kurz vor die Musauer Alm (1290 m). Hier zweigt ein Forstweg nach rechts ab, ein Schild Sackgasse weist zuverlässig auf die richtige Wegwahl hin und hält uneingeweihte Wanderer fern ;). Der Hatsch über langweilige Fahrwege setzt sich dann bis zum Wendeplatz am Ostgrat fort. Zwischendurch könnte man am Kulminationspunkt des Fahrwegs einem markierten, nicht verzeichneten Weg nach links in die steile, bewaldete Südflanke folgen (Hätte sich der Autor darüber hier im Forum informiert, er wäre diesen Steig gegangen ;D Sorry Kalle, dass ich deinen Hinweisen nicht gefolgt bin, bei der Tourenvorbereitung hab ich immer nur Berichte im Netz gelesen, die die gesamte Überschreitung hergeben und dabei die Recherche im Heimatforum vergessen :no( :ohmann: unverzeihlich ;D). Vom kleinen Sattel vor dem Musauer Berg (den ich erstmal rechts liegen ließ, da ich noch mit einer Rückkehr rechnete), geht es weglos über den zunächst breiten, sich dann aber auch zusammenschnürenden und steilen Ostgrat weglos empor nach Westen. Die Routenwahl ist nicht ganz einfach, in der Nähe der Grathöhe liegen teilweise unangenehme Bäume, deren Überwindung bei Nässe im Steilgelände nicht unproblematisch ist. Es ist wahrscheinlich angenehmer, eher etwas weiter in die Südflanke auszuweichen und sich dann wenn das Gelände sich etwas zurücklegt wieder zum Grat zu orientieren. Für den Weiterweg hält man sich am besten immer in der Nähe der Gratkante. Das Gelände ist recht gut gestuft, bei Nässe jedoch mit Wurzeln etc. nicht zu unterschätzen, an der Gratkante gibt es immer wieder spannende Tiefblicke. Auf ca. 1700 Meter stieß ich dann (wie erwartet, da bei Hikr erwähnt) auf den markierten Steig, der hier oben sehr ausgeprägt zum Plattjochkreuz (1855 m) führt. Das Kreuz mit Buch aus dem Jahr 2008 ist schön, hat seit diesem Jahr eine neue Spitze mit Blitzableiter, da der Blitz eingeschlagen hatte.

Anschließend geht weiter nach Westen, es gilt einige Wannen zu überwinden, das geht am Besten an der Grathöhe, kurz durch eine Latschengasse und weiter in der schönen Mulde unter dem Plattjoch-Gipfel (1895 m). An der linken Begrenzung leitet eine gute Spur am Fuß der Felsen auf die Grathöhe zurück. Dort oben schließt man dann im weiteren Verlauf Bekanntschaft mit dem überaus brüchigen Gestein. Es geht an einen Gratturm heran, der von Weitem eher abweisend aussieht. Man kann ihn auf der Südseite wohl umgehen. Ich bin direkt aufgestiegen, sehr brüchig und steil, den Aufschwung ganz oben umgeht man mit einem kurzen Schwenk nach rechts. Oben geht es dann wieder einfacher weiter, die Route wird von den Durchlässen in den Latschen vorgegeben. Zum Schluss hangelt man sich etwas durch Latschen auf den Kopf über der Scharte vor dem Bugschrofen. Nun kurz nach Süden durch die Latschen zur erkennbaren freien Fläche und der schmalen Spur an deren Ende folgend, bis man auf schwach ausgeprägten Spurbändern zurück zum Grat queren kann. Der Weg in die Scharte wird immer wieder von Latschen unterbrochen, man umgeht sie in der Westflanke. Hinter der Scharte beginnt der schwierigste Teil der Tour, der Nordgrat zum Bugschrofen. Zunächst noch einfach geht es sich an der Grathöhe orientierend aufwärts, an den brüchigen Aufschwüngen mal rechts oder mal links vorbei, Trittspuren helfen dabei. Unter dem finalen Gipfelaufschwung bin ich nach links hinausgequert, um die zum Gipfel ziehende Grasmulde zu erreichen. Diese Querung ist die Schlüsselstelle (I+), ganz nett ausgesetzt und das Gestein eben nicht zuverlässig. Anschließend noch durch die Latschengasse und man kann die etwas weniger steile Grasmulde Richtung Grathöhe aufsteigen. In Kürze ist dann der Bugschrofen (1974 m) erreicht, den ein Steinmann ziert. Seit diesem Sommer ist ein Gipfelbuch oben, die Dose in dem es liegt ist jedoch schon kaputt. Ich hatte glücklicherweise ausreichend Verpackungsmaterial dabei um das Buch (Din A6) etwas besser zu schützen, falls jemand aber noch vor dem Winter hochgeht könnte sie/er noch was mit zum Reinlegen mitnehmen.

Vom Bugschrofen steigt man am besten etwas nach Süden ab (und ignoriert die Gratkante Richtung Karretschrofen), bis man eine diesen Sommer ausgeholzte Latschengasse findet. Diese leitet bequem in die Scharte hinab und noch weiter bis vor die turmartigen Aufschwünge im Ostgrat des Karretschrofens. Nach links queren Pfadspuren eine Geröllfläche. Wie es dann mit der Latschengasse weitergeht ist nicht ersichtlich. Erst knapp unter dem Gipfel sah ich eine heraufziehende, ausgeholzte Latschengasse, wäre mal interessant die in umgekehrter Runde zu gehen. Jedenfalls kam ich nicht weiter bzw. fand schnell heikles Steilgelände vor. Es ist wohl am besten, man orientiert sich sobald und einfach wie möglich zur Grathöhe zurück, folgt ihr und hangelt sich zum Schluss durch Latschen auf den breiten Ostgrat. Diesen geht es dann durch meist passabel gangbaren Latschenbewuchs streng hinauf, an der Grathöhe lässt es sich zumeist besser gehen bzw. es finden sich ganz kurz latschenfreie Flächen. Obwohl der Abschnitt nicht lang ist, kostet er nach der bereits zurückgelegten Tour Kraft. Am Gipfel des Karretschrofens (2036 m) wartet ein windschiefes Kreuzchen.

Der Übergang zur Großen Schlicke direkt am Grat ist kurzweilig, an zwei kurzen Stellen wird es etwas schmaler und etwas ausgesetzter (I). Den Latschen nach der Scharte weicht man rechts, also westseitig aus, der Grat zum Gipfel ist direkt an der Kante gut gangbar und anspruchsvolles Gehgelände. Auf der Großen Schlicke (2059 m) warten dann die Menschenmassen, die vornehmlich mit Bergbahnunterstützung ihren Weg hinauf finden. Abgestiegen wird auf der Südseite, der Wanderweg ist oben raus deutlich ausgelatscht und bei Nässe schmierig, man folgt der Beschilderung Richtung Füssener Hütte. Will man nicht zu ihr, nimmt man an der zweiten Weggabelung den Direktabstieg zur Musauer Alm. Von der Füssener Hütte (1540 m) über den Fahrweg vorbei an der Otto-Mayr-Hütte zur Musauer Alm (1290 m). Hier gibts ein nettes, junges Trio, das die Hütte sehr aufmerksam umtreibt. Das Essen ist lecker, es gibt selbstgemachte Käseprodukte, die Übernachtungsräume sind nicht besser oder schlechter als auf anderen Berghütten. Der kleine Waschraum hat fließend Warmwasser.

In der Nacht hatte es begonnen zu regnen, es trommelte die ganze Nacht recht kräftig auf das Dach. Auch am Sonntag Morgen fiel das Nass noch vom Himmel. Deshalb ging es nur ganz zügig nachmal über den Fahrweg hinauf und über den kurzen Westrücken meist auf deutlichem Wildwechsel auf den Gipfel des Musauer Bergs (1510 m) und dann wieder auf bekanntem Weg zurück zum Parkplatz.

Fazit: Schöne Grattour, im bewaldeten Bereich etwas Fleißarbeit. Oben dann tolle Ausblicke ins Vorland und auf die beeindruckenden Nordflanken der Tannheimer Hauptgipfel. Die Runde an sich ist recht lang und anspruchsvoll (am Ostgrat oft T4, der Aufstieg über den Nordgrat zum Bugschrofen anspruchsvoller, subjektiv irgendwo zwischen T4+ und T5-), an den interessanten Stellen ist das Gestein meist unzuverlässig, was die Freude daran wesentlich mindert, den Gesamtgenuss jedoch nicht schmälert. Die Hirschbrunft ist im Raintal in vollem Gange, es röhrt aus beiden Talseiten.
« Letzte Änderung: 18. Feb 2016 - 20:45 Uhr von Kauk »

Offline Bergfex33

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Re: Langer Ostgrat: Bugschrofen - Karretschrofen - Große Schlicke
« Antwort #1 am: 01. Nov 2015 - 23:49 Uhr »
Letztes Jahr hatte ich mir schon die Tour auf ein paar Seiten im Internet angekuckt.
Jetzt im Herbst durch Kauk inspiriert, haben wir heute die Tour gemacht.
Von der Bärenfalle hoch zur Achsel und da hoch zum Musauer Berg. Ihn erst gar nicht als solchen erkannt, vermutet ja, da er nicht die höchste Stelle ist. Deshalb auch nicht fotografiert.
Weiter zum Plattjoch, da gönnten wir uns erst mal in dem windgeschütztem Loch neben dem Kreuz eine Pause.
Im Gipfelbuch konnten wir Kalle, Andi84 und Kauk ausmachen.
Dann ging es in einer schönen Felsenrinne, im Net wird auch von Hochtal gesprochen, weiter Richtung Grat zum Bugschrofen.
Wir sind leicht nach links und dann direkt in leichter Kletterei zum nächsten Absatz hoch der etwas leichter erscheint.
Schwierig ist es nicht, nur das Gestein ist sehr brüchig. Fast alles was man in die Hand nimmt gibt nach.
Dann war doch der Gipfel erreicht.
Das Gipfelbuch war schwer verpackt. Erst eine große Tüte, dann eine kleine Tüte, dann die Box, dann nochmal 2 weitere Tüten.
Aber nach Kauks Aufruf hatten wir noch eine Plastikbox mit gebracht.
Kauks Eintrag war der Letzte.
Das Büchlein wird nun den Winter wohl überstehen.
Dann weinge Meter unter dem Gipfel führt eine sehr komfortable ausgesägte Latschengasse weiter rüber zum Karretschrofen.
Man quert eine kleine Geröllhalde abwärts und taucht dann gleich wieder in die ausgesägte Latschengasse ein, die leicht ansteigend nun zu einer recht breiten Latschengasse unter dem Karretschrofen führt. Da geht es nun im Grashang steil bergauf bis zum Grat, von da nur wenige Meter zum windschiefen kleinen Kreuz und dem Pfahl am höchsten Punkt des Karretschrofen.
Dann kommt der "Zieleinlauf" zur Schlicke. Dort saß der Einzige, dem wir auf unserer Tour seit der Achsel begegnet sind.
Die Rast haben wir erst weiter unten beim Abzweig eingelegt, dort wars windstill.
Dann weiter runter zur Musauer Alm und zum Parkplatz oberhalb der Bärenfalle.
Fazit: Wunderschöne abwechslungsreiche aber lange Tour.
Nicht zu unterschätzen wegen der Wegfindung.
Leichte Kletterei, aber sehr brüchig, und steiles Gehgelände.

LG
Bergfex33
« Letzte Änderung: 02. Nov 2015 - 23:59 Uhr von Bergfex33 »

Offline Kauk

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Re: Langer Ostgrat: Bugschrofen - Karretschrofen - Große Schlicke
« Antwort #2 am: 02. Nov 2015 - 00:19 Uhr »
Danke für die Schönwetterimpressionen!

Ich wusste ja nicht, wann wieder jemand da hochgeht und hätts schad um das Buch gefunden, drum gleich mal richtig verpackt ;D. Schön das ihr das Büchlein frisch beherbergt habt!

Gut das mit der Latschengasse zu wissen, ich bin eher aufwärts gequert und wohl etwas zu hoch rausgekommen.

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Offline Linus

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Re: Langer Ostgrat: Bugschrofen - Karretschrofen - Große Schlicke
« Antwort #3 am: 02. Nov 2015 - 20:32 Uhr »
 :-L) Sehr schöne Bilder. Die Tour kommt auf meine Liste für nächstes Jahr.
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