Lechtaler Exoten am Wegesrand  (gelesen 7783 mal)

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Offline Kristian

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Lechtaler Exoten am Wegesrand
« am: 07. Aug 2014 - 11:13 Uhr »
Lechtaler Exotengipfel.

Hüttenwandern habe ich noch nie gemacht.  Der dilettantische alpine Wahnsinn am E 5 wirkte für mich immer abschreckend. Bei sommerlichen Tagestouren oder winterlichen Skidurchquerungen in den Lechtalern, erwachte irgendwann mal der Wunsch, dieses Gebirge mal im Sommer zu durchqueren. Der Sommer 2014 brachte bisher kaum stabiles Wetter, dafür mehr oder weniger ständig  Regen und Neuschnee. Also denkbar ungeeignet für lange Hochtouren, lange Grate oder Klettertouren.  Für eine Hüttentour jedoch ideal. Ziel war es die zentralen Lechtaler zu durchqueren und dabei die Gipfelsammlung zu vervollständigen.

Als Ausgangspunkt wählten wir die Ansbacher Hütte. Von dort aus ging es über den Augsburger Höhenweg zum Württemberger Haus. Dieser hochgelegene Steig erlaubt es, den einen oder anderen Gipfel am Wegesrand mitzunehmen. Wobei es bewusst nicht Parseier und Gatschkopf sein sollten, sondern genau jene Spitzen, die in der Gipfelsammlung noch fehlten.

Zum Augsburger Weg muss man nicht viel sagen. Dass er anspruchsvoller ist, wie ein durchschnittlicher Höhenweg, dürfte hinreichend bekannt sein. Dass die Wegfindung und die Arbeit der Pioniere, die diesen Steig angelegt haben, Respekt verdient, dürfte auch jedem aufmerksamen Besucher klar sein. Respekt auch vor jenen, die hier alljährlich die Winter- und Unwetterschäden reparieren.

 Die Feuerköpfe zählen mit 2827 zu den ganz großen Lechtalern. Mit seiner markanten Ostkante beherrscht er das Parseiertal, zumindest so lange, bis sich die Freispitze in Szene setzt. Lt. Alpenvereinsführer muss ein senkrechter Abbruch schwierig überwunden werden, sodann folgt ein Grat mit zahlreichen Türmen im III Grad. Den senkrechten Abbruch wird man wohl nur durch Abseilen überwinden können. Im Aufstieg vermutlich um die V. Er lässt sich jedoch vom Normalweg zur Eisenspitze völlig unschwierig nordseitig umgehen.  Der weitere Gratverlauf wartet mit einer ganzen Reihe messerscharfen Zacken und Türmchen auf, die meist ungemein exponiert direkt überklettert werden.Nur zu Beginn zog ich es einmal vor, kurz in die Südflanke auszuweichen. Den III. Grad halte ich für zutreffend, auch wenn es sich nur um ganz kurze Passagen handelt. Die zu überkletternden Zacken machen einen recht fragilen Eindruck sind aber oft erstaunlich fest. Am Gipfel gabs neben einem verfallenen Steinmann noch eine alte Dose die wohl zum „Bergfeuern“ verwendet wurde. Da danach meist im dunkeln und selten mit weniger als ein Promille abgestiegen wird, lässt dies auf einen einfacheren Aufstieg schließen. Vermutlich führt dieser über den schwach ausgeprägten Südgrat von der Dawinalm. Richtig leicht schaut aber auch dieses Gelände nicht aus.  Vom Zeitbedarf her nicht zu unterschätzen. War rund 1 ½ std. von der Parseierscharte und zurück unterwegs.
 Wesentlich schneller lässt sich die Bockgartenspitze ersteigen. Mit 2939 m ist sie der fünft höchste Gipfel der Lechtaler Alpen. Auch hier gibt der Führer den III Grad an. Das IIIer Gelände beschränkt sich aber auf eine knapp fünf Meter hohe Stufe. Ansonsten ist nur „extremes Gehgelände“ im  unglaublich labilen, lehmigen Fels zu überwinden. Der Berg wird über den Südgrat erreicht.

Das Württemberger Haus wird zumindest vom E5 Wahnsinn gestreift. Bergsteiger sind hier eher seltene Exoten. Die Bewirtung ist gut organisiert und freundlich. Als Gipfel am Wegesrand habe ich die Berge im Kreuzjochkamm auserkoren. Die Kreuzjochspitze selbst ist ein recht unnahbarer Geselle, der es seinen Besuchern nicht leicht macht.
Das liegt weniger an den technischen Schwierigkeiten. Diese gehen bei Auffinden der leichtesten Route nicht über den II Grad hinaus, sondern an seiner Abgelegenheit  und seinen Mühsamen Zustiegen. Wer sich nicht über endlos mühsame Geröllhalden hinaufquälen will, der kann mit weniger oder mehr Ausweichen in die Flanken auch den Schönpleisgart und die Vileidspitze überschreiten. Lt. Alpenvereinsführer soll die Überschreitung der Schönpleisköpfe IV+ sein, im unglaublich brüchigen Fels. Die Beschreibung wurde offensichtlich aus dem Alpenvereinsjahrbuch 1927 abgeschrieben und vom Autor nie begangen.  Was verständlich ist, denn das ganze sieht einfach nur nach einem Selbstmordgelände aus.  Man kann jedoch östlich unterm Grat hindurch queren und die einzelnen Köpfe besteigen. Der Übergang zur Vileidspitze soll angeblich II sein. Zunächst geht es durch eine erdige Rinne ohne Schwierigkeiten auf deren Nordgipfel. Der Übergang zum Hauptgipfel wartet mit einer exponierten ungemein brüchigen, Schneide auf. Die Umgehung in der Westflanke ist echtes T6-Gelände nach der Trekkingskala. Den Gipfel der Vileidspitze erreicht man ohne jede Schwierigkeit aus dem Obergebäud. Die Routenführung ergibt sich von selbst. Es dürfte eine geniale Skitour sein.

Der weitere Übergang zur Kreuzjochspitze führt durch typisches Hauptdolomitgelände, das zahlreiche Varianten zulässt. Stellen zu II sind zwingend. Der Fels wechselt zwischen brüchig und ganz ordentlich. Den Übergang zum Südgipfel und den Abstieg zum Silberjöchl habe ich nicht versucht. Er soll mindestens III sein und schaut sehr ungemütlich aus. Der Rückweg führte also wieder zur Vileidspitze.  Beim weiteren Abstieg zum Höhenweg ermöglichen die feinen Geröllfelder einen raschen und knieschonenden Abstieg.

Fazit: Drei schöne Tage in den Lechtaler Alpen, teils mit Begleitung, teils alleine
« Letzte Änderung: 07. Aug 2014 - 11:16 Uhr von Kristian »
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Offline Kristian

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Re:Lechtaler Exoten am Wegesrand
« Antwort #1 am: 07. Aug 2014 - 11:19 Uhr »
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« Letzte Änderung: 07. Aug 2014 - 11:22 Uhr von Kristian »
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Offline Andi

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Re:Lechtaler Exoten am Wegesrand
« Antwort #2 am: 07. Aug 2014 - 11:37 Uhr »
Geil.  ;D  :o  :o  :o  :bravo
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Offline andy84

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Re:Lechtaler Exoten am Wegesrand
« Antwort #3 am: 07. Aug 2014 - 11:44 Uhr »
Klasse Unternehmung Kristian.   :bravo
Schaut schon teilweise sehr wild aus.
Mich ärgert es wirklich richtig das ich keine Zeit hatte.
VG Andy
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Offline Chris

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Re:Lechtaler Exoten am Wegesrand
« Antwort #4 am: 07. Aug 2014 - 13:13 Uhr »
Geil.  ;D  :o  :o  :o  :bravo

Dem kann ich mich nur anschließen. Eindrucksvolle Tour, super Fotos, alles tip top!!!
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Offline Lampi

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Re:Lechtaler Exoten am Wegesrand
« Antwort #5 am: 09. Aug 2014 - 09:47 Uhr »
... IV+...ungemein brüchig...
Danke für die Warnung(en)

Werde mich bei meiner erste Tour nach den beiden Knie- OPs doch auf den Wanderweg beschränken. Immerhin konnte ich mich vor 25 Jahren, mit 62 kg Lebendgewicht, noch damit beruhigen, dass an den losen Schuppen schon mal fettere Leute gehangen haben und folglich die Beschreibung "Der Politur folgend zum Gipfel" eine für mich sichere Route ergibt. Aber heute bin ich selbst einer von den "Fetteren".
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Offline Geröllschleicher

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Re: Lechtaler Exoten am Wegesrand
« Antwort #6 am: 01. Sep 2015 - 21:57 Uhr »
Neulich auch mal einen dieser Exoten besucht. Lange wollt die Kreuzjochspitze mal machen, fand aber nie die rechte Motivation dafür. Letztendlich wurde aber doch noch eine sehr lohnende Tour daraus. Dank der etwas vorgeschobenen Lage bietet der Gipfel auch noch hervorragende Aussicht nach Süden und zurück auf den zentralen Teil der Lechtaler zwischen Schlenker und Parseier.
Start mit dem MTB vom Steinbruch vor Zams über den Kiesweg hoch zum Parkplatz der Steinseehütte bei der Alfuzhütte.
Sehr bald danach nach links bei der Einmündung des Vileidbachs über einen versteckten Latschensteig ins Vileidkar und zu den Vileidköpfen. Über den landschaftlich sehr schönen Grat zu den Vileidspitzen und über den Nordwestgrat auf die Kreuzjochspitze. Abstieg übers Vileidjoch ins Obergebäud und durchs Starkenbachtal auf dem Steinseehüttenweg wieder zum Bike.
Gruß Geröllschleicher
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Offline Geröllschleicher

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Re: Lechtaler Exoten am Wegesrand
« Antwort #7 am: 01. Sep 2015 - 22:00 Uhr »
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Offline Bergfex33

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Re: Lechtaler Exoten am Wegesrand
« Antwort #8 am: 01. Sep 2015 - 22:32 Uhr »
Einfach nur super, Tour wie Bilder, genial :bravo
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Offline Geröllschleicher

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Re: Lechtaler Exoten am Wegesrand
« Antwort #9 am: 15. Sep 2015 - 22:00 Uhr »
Samstag eine Tour zur Kridlon, Aperies- und Furglerspitze. Von Kaisers mit dem Bike ins hintere Kaisertal und übers Klämmle bis zur Kridlonscharte. Aufstieg zur Kridlonspitze durch eine steile Rinne in der Westflanke. Anschließend über den Westgrat zur Aperiesspitze, die hier schon beschrieben wurde
http://www.alpic.net/forum/bergsommer/aperries-u-kridlonspitze/msg19358/#msg19358
Zurück in die Faselfadscharte und hinunter zum Hüttenweg. Weiter über Hinterseejöchle zum Vordersee und im Bereich des Ostrückens und obersten Pleistal zur äußerst umständlich erreichbaren Furglerspitze. Zurück zum Vordersee und übers Klämmle wieder zum Bike.
Sicherlich wegen der Nahblicke ins Verwall und umliegende höhere Lechtaler drei sehr lohnende Bergle, wenn auch teilweise recht bröslig und schlecht erreichbar.Beim Aufstieg zur Furglerspitze über den Ostrücken muss eine sperrende Räthkalkstufe mit knapp 100Hm Verlust südlich übers oberste Pleistal umgangen werden. Möglicherweise lässt sich die Stufe aber auch überklettern.
Idealerweise hätte eigentlich auch der tolle Südostgrat der Aperiespitze mit ins Programm gehört. Von der Furglerspitze lässt sich dieser mit ca. 450 Hm Abstieg durchs Pleistal erreichen. Auf gut 2100m ziehen leicht ansteigende deutliche Gamsspuren in den Bereich des Geierkopfs zwischen P.2182  und P.2227 am Ansatz des SO Grats.
http://www.alpic.net/forum/bergsommer/aperiesspitze-2588m/msg35065/#msg35065
Gruß Geröllschleicher
« Letzte Änderung: 15. Sep 2015 - 22:08 Uhr von Geröllschleicher »

 





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