Rotwand, Südlicher Söllerkopf, Balschtespitze, Schöneggerkopf  (gelesen 2311 mal)

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Offline Kauk

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Für den zweiten Tag war eine Eingewöhnungsrunde geplant, um sich noch etwas zu akklimatisieren. So bestieg ich Rotwand (2262 m), Südlicher Söllerkopf (2390 m), Balschtespitze (2499 m) und Schöneggerkopf (2322 m). Wettertechnisch war es recht stabil vorhergesagt, doch bereits am Morgen zogen Gewitter in die Lechtaler Alpen, so dass ein ständiges Abschätzen der Entwicklung nötig war. Letztendlich kam ich trocken durch, konnte mein Weizen auf der Hüttenterrasse aber nicht fertig trinken, als der Himmel seine Schleusen öffnete.

Tag 1: Hüttenaufstieg zur Hermann von Barth-Hütte und Plattenspitzen
Tag 3: Nördliche Ilfenspitze, Hermannskarspitze
Tag 4: Östliche Faulewandspitze

Tag 2 (24.07.2014)

Route: H.v.Barth-Hütte - Balschtekar - Balschtesattel - Rotwand - Balschtesattel - Südgrat - Südlicher Söllerkopf - Balschtesattel - Balschtekar - Südwestflanke - Balschtespitze - Balschtekar - Südostflanke - Schöneggerkopf - Balschtekar - H.v.Barth-Hütte

Von der Hermann von Barth-Hütte (2129 m) geht es über den Enzensperger Weg zunächst in Richtung Kaufbeurer Haus. Dazu steigt man über den Ausläufer der Wolfebnerspitzen auf die Ostseite und quert dann ins weitläufige Balschtekar. Man durchquert das Kar in eher sanftem Auf und Ab (tiefster Punkt 2084 m) und kann sich schon über die späteren Aufstiegswege einen Überblick verschaffen. Am Ostrand des Kars steigt der Wanderweg dann über Geröll in den grasigen Balschtesattel (2226 m). Direkt über dem Sattel erheben sich die abweisenden Felswände der Rotwand, sie machen es unmöglich den Gipfel vom Sattel zu besteigen. Deshalb steigt man am Rand der Felsen nach Westen hinab, aus der Ferne sieht das in der Steilflanke heikel aus. Die steile Rinne an sich ist entgegen der daneben verlaufende Steilgrasflanke eher geröllig und überraschend gut zu gehen. An der Felswand sind außerdem Drahtseilversicherungen angebracht. Am Ende der Felswand gelangt man auf den Westrücken und folgt dem Steig hinauf zum Gipfel. Kurz vor dem Gipfel kommt man an eine Rinne, die mit Drahtseilen versichert ist (ohne Drahtseil kurz I). Ich bin in eine parallele Rinne gequert, die wesentlich steiler und schmaler aufwärts führt (II.). Sie ist brüchig und eher nicht zu empfehlen. Am Gipfel wartet ein großes Kreuz und eine verhältnismäßig große Anzahl an Besteigungen laut Gipfelbuch.

Zurück im Balschtesattel geht es direkt auf den Südrücken des Südlichen Söllerkopfs. Im unteren Bereich geht es über Grastritte ganz gut hinauf, hier machen sich Spuren der weidenden Schafe positiv bemerkbar. Danach wird das Gelände deutlich gerölliger, der Grasdurchsatz bleibt in abgeschwächter Form erhalten. Etwas unterhalb des Gratverlaufs ging ich dann in eine Querung auf einem passablen Band (die ich mit Steinmännern markiert habe), um direkter zum grasigen Vorgipfel zu gelangen. Die brüchige Gratkante ist sicher auch problemlos gangbar. Vom Vorgipfel bekommt man dann einen Überblick über den weiteren Aufstieg. Zunächst geht es vom Vorgipfel über eine brüchige Stufe hinab (I). Danach hat man die Wahl: Über die unangenehm brüchige Grathöhe (I+) oder etwas tiefer auf einem Band zur Einschartung vor dem Gipfel. Einen Felszacken nach der Scharte umgeht man sinnvollerweise links um dahinter über die aufgestellten Felsschichten (I) beliebig an das Gipfelwändchen heran. Ich bin recht bald auf die Gratkante ausgewichen und über einen Block (I+) zum steilen, grasigen Schlussabschnitt zu steigen. In Kürze dann zum Gipfel. Die Sicht vom Gipfel ist hervorragend und entschädigt für den etwas heiklen Gipfelaufstieg.

Als nächstes geht es über den bekannten Weg zurück ins Balschtekar bis unter die Südwestflanke der Balschtespitze, dazu geht es in der Westflanke unter den Söllerköpfen entlang und noch um die Ausläufer unter dem Balschteturm herum. Eine mögliche Aufstiegsroute habe ich mir schon am Morgen angeschaut und da ich wegen dem Wetter möglichst keine Zeit verlieren wollte, wählte ich die erste Möglichkeit aus meiner Zustiegsrichtung aufzusteigen. Die Variante aus dem AV-Führer verläuft weiter gegen die Schöneggerscharte und ist wesentlich gerölliger (siehe Bild). Ich stieg über die Verknüpfung von Graszungen die am weitesten hinaufreichende Graszunge hinauf, das Gelände bis dort hin ist unschwierig. Danach geht es über Geröll zu einer steilen, aber recht einfachen (max. I), hellen Rinne, die recht kurz zu den nächsten Graspassagen leitet. Über sie in gut gestuftem Gelände zu einer kleinen Karstufe in der Südwestflanke, hier vereinigen sich die beiden Routen. Über grasiges Gelände geht es nach links/ Norden aus dem Kessel heraus. Oben hält man sich am besten eher geradeaus, bald darauf erblickt man dann die Gipfelflanke der Balschtespitze, die sich aus der steinigen Karwüste erhebt. Ich bin den geröllig-grasigen Aufbau direkt angegangen, man könnnte auch nach rechts auf den Südrücken quren. Weit oben finden sich dann markante Felsaufbauten, an ihnen links vorbei, hier finden sich ein paar Pfadspuren. Dann befindet man sich auf der grasigen Vorgipfelkuppe, im Geröll geht es dann schnell hinüber zum Hauptgipfel. Sollte noch ein Wetterfenster vorhanden sein, dürfte der Abstecher zum Balschteturm lohnend sein.

Auf dem Aufstiegsweg ging es dann die Felsrinne hinab. Nun jedoch nicht zum Weg hinab steigen, sondern die Querung in Richtung des Weges zur Schöneggerscharte in Angriff nehmen. An den Felsausläufern entlang findet man dann eine Pfadspur in der Geröllhalde, die den Aufstieg des AV-Führers darstellt. Sie leitet ohne großen Höhengewinn auf den Wanderweg. Aus der Querung konnte man sich schon Gedanken über den Aufstieg zum Schöneggerkopf machen. Es gilt über eine Graszunge eine kleine Scharte im Südgrat zu erreichen, von dort dann über die grasige, südseitige Gipfelflanke zum Gipfel. Auf dem Wanderweg etwas hinab, bis eine markante Graszunge den Weg kreuzt, sie ist von der Aufstiegsflanke durch eine Geröllrinne getrennt. Es geht gut hinauf, die Querung der Rinne an geeigneter Stelle und empor zur deutlichen Verengung. Im Aufstiegssinn rechts ist die Flanke recht stark erodiert, nur links sind ein paar gute Tritte im Steilgelände vorhanden, darüber dann wieder mit mehr Platz zur Scharte. Die Scharte könnte auch von der Westseite erreicht werden, sieht aber weniger komfortabel aus. Aus der Schartet leitet ein einfaches Band nach rechts hinaus und von dort in der Grasflanke zu den Gipfelfelsen. Hier sind verschiedene Varianten denkbar, am einfachsten dürfte eine etwas versteckte, kurze Rinne sein, die direkt zum Gipfel führt. Dort wartet ein Gipfelsteinmann mit Gipfelbüchlein der FT-Jungs vom Juni diesen Jahres, mein Eintrag war der erste seit der Hinterlegung.

Abgestiegen bin ich auf dem gleichen Weg, nach der markanten Verengung bin ich baldmöglichst unter den Felsen zum grasigen Südrücken gequert, hier wartet eine üppige Vegetation. Von dort schnell zum Enzensperger Weg und zurück zur Hütte.

Fazit: Eine abwechslungsreiche Rundtour über dem Balschtekar, die von einem Wandergipfel bis zur spannenden Kraxelei im absoluten Bruchgelände alles bietet. Die Impressionen dort oben sind trotz der mäßigen Wetterverhältnisse wunderbar, bei schönstem Wetter sicher mit Tendenz zum Atem rauben, hervorzuheben mit Sicherheit der Südl. Söllerkopf und die Balschtespitze hoch über dem Kreuzkar. An der Balschtespitze findet sich außerdem eine surreal anmutende Karlandschaft. Dem absolut trittsicheren Bergersteiger wird keiner der Gipfel große Probleme bereiten, es ist etwas Orientierungssinn im weglosen Gelände nötig.
« Letzte Änderung: 30. Jul 2014 - 22:30 Uhr von Kauk »

Offline Kauk

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Re:Rotwand, Südlicher Söllerkopf, Balschtespitze, Schöneggerkopf
« Antwort #1 am: 30. Jul 2014 - 21:07 Uhr »
Impressionen II.
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Offline Kauk

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Re:Rotwand, Südlicher Söllerkopf, Balschtespitze, Schöneggerkopf
« Antwort #2 am: 30. Jul 2014 - 21:09 Uhr »
Impressionen III.
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Offline Kauk

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Re:Rotwand, Südlicher Söllerkopf, Balschtespitze, Schöneggerkopf
« Antwort #3 am: 30. Jul 2014 - 21:10 Uhr »
Impressionen IV.
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Offline Schorsch_KFB

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Re:Rotwand, Südlicher Söllerkopf, Balschtespitze, Schöneggerkopf
« Antwort #4 am: 06. Aug 2014 - 22:10 Uhr »
Ich bin vor knapp nem Monat Rotewand-Spitze und Balschtespitze gelaufen, schöne Tour. Toller Tourenbericht von dir und tolle Fotos!
 :bravo
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