Bergsport und Corona?

Ruitelspitze  (gelesen 13367 mal)

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Offline kalle

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Ruitelspitze
« am: 06. Aug 2007 - 20:46 Uhr »

Von Bach aus über das Mühlegg und zur Jausenstation Wase. An der Wegegabelung nach rechts und über den langen Forstweg bis zu dessen Ende, von welchem eine Materialseilbahn durch den Wald zu den Heuhütten auf der „Stöck“ hinaufleitet. In ziemlich derselben Richtung verläuft auch ein kleiner Steig durch den Wald bis zu den Hütten und im weiteren Verlauf über Almwiesen und Weiden bis unter die Schrofenwand des Wildebners.

Imposante Erscheinungen auf der Wildebne

Der Steig ist im Bereich der Wildebne manchmal etwas schmierig und somit rutschig und im unteren Bereich bei hohem Graswuchs etwas schwer zu finden. Am Schrofenband angelangt nach links in Richtung Ruitelkar ausholend über eine grasige Flanke empor. Hier heißt es wieder aufpassen, damit man den Zugang zum langen Quergang nicht versäumt. Stark verwitterte Markierungspunkte können nur manchmal ausgemacht werden.

Am Kreuzgipfel der Ruitelspitzen

Die Querung verläuft im leichten Auf und Ab gegen Süden und ist von manch ausgewaschener Rinne durchzogen, leitet dann direkt in einen weiträumigen, schuttgefüllten Kessel. Steil zieht der Pfad in etwa der Mitte des Kessels hinauf und knickt bald nach Norden ab. Über eine grasbewachsene Flanke steigt man hier auf die Wildebnerspitze (2295m) hinaus, welche eigentlich nur die Gratverlängerung der Ruitelspitze darstellt und keinen ausgeprägten Gipfel aufweist.

Blick zurück auf den Westgipfel, im Hintergrund rechts die Holzgauer Wetterspitze

Am Gratrücken entlang zum nun schon sichtbaren Kreuz, geht es zunächst über Gras und später durch schrofiges und schuttreiches Gelände ohne jede Schwierigkeit zum Westgipfel (2580m) hinauf. Wer auf Kletterei im II. Schwierigkeitsgrad, viel Schutt und teils unsicheres Gestein verzichten möchte, lässt es dabei bewenden und genießt die attraktive Gipfelrundsicht die sich von hier heroben absolut sehen lassen kann.

Beim Abstieg vom Kreuzgipfel in die Doppelscharte

Eifrige werden es sich aber nicht nehmen lassen, auch den Kreuzgipfel zu besuchen. Dazu folgt man dem Gipfelkamm noch ein paar Meter, bis eine Markierung nach links in die Flanke weist. Über Schutt und ein paar Schrofen über den Rücken hinunter bis man, schon fast in der Einschartung angelangt, auf die erste Kletterei trifft. Eine etwa mannshohe Stufe wird dabei über recht unsicheres Gestein abgeklettert. Der Zapfen in der Doppelscharte wird südlich umklettert und man gelangt an den Grataufbau welcher zum Kreuzgipfel emporführt.

Blick zur Parseierspitze (Bildmitte) und dem Dawinkopf (re.)

Blick ins Alperschontal mit Freispitze (li.) und dem Hohen Riffler im Verwall

Entweder man nutzt ein locker herunterhängendes Drahtseil für den Aufstieg in einer Steilrinne (II), oder man weicht in die Südwand mit ihren gestuften Platten aus. Hier muss aber über ein recht griffarmes Plattenband (II) zum Grat zurückgeklettert werden. Nach etwa 20 Höhenmetern führt eine nicht mehr allzu steile Rinne in Gratnähe zu dem schuttbedeckten Gipfelrücken und zum Kreuz mit Buch. Der Abstieg erfolgt auf gleichem Weg wie der Aufstieg.

Allgäuer Alpen


Rückblick beim Abstieg von der Wildebnerspitze zur Ruitelspitze

Fazit: im unteren Bereich etwas eintönig, im Wiesen- und Weidegelände oftmals rutschig aber im Ganzen bis zum Westgipfel eine sehr einfache Tour. Erst der Übergang zum Kreuzgipfel wird anspruchsvoller und interessanter. Ein Aufstieg nur zum Westgipfel lohnt aber allein schon wegen der grandiosen Aussicht auf die höchsten Lechtaler Gipfel und die imposanten Allgäuer mit der auffälligen Hornbachkette.

Höhenunterschied: 1700 Meter
Gehzeit: ca. 7,5 bis 8 Stunden (Auf- u. Abstieg mit Übergang zum Kreuzgipfel über die ca. 70 Meter tiefe Einschartung)
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Offline jimbobkeli

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Re: Ruitelspitze
« Antwort #1 am: 14. Okt 2008 - 13:34 Uhr »
Schade, daß ich die obige Beschreibung des Zugangs zum Kreuzgipfel nicht vorher gelesen habe. Vom Westgipfel aus sah mir das eher nach einer IV aus, so daß ich's nicht aus der Nähe angeschaut habe. Stattdessen blieb ich zusammen mit 2 Schneehühnern faul in der Oktobersonne am Westgipfel sitzen. Das lose herabhängende rostige Drahtseil in einer annähernd senkrechten Wand wollte ich ebenfalls nicht als kompetente Steighilfe identifizieren. Es liegen derzeit zwei nagelneue Drahtrollen am Westgipfel. Weiss jemand was damit gebastelt werden soll? Insgesamt ein schöner kombinierter Ausflug, bis auf ca. 1.600 m mit dem Fahrrad auf dem Forstweg (war dann ein sehr entspannter Rückweg).
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Offline obadoba

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Re: Ruitelspitze
« Antwort #2 am: 17. Okt 2008 - 10:20 Uhr »
Insgesamt ein schöner kombinierter Ausflug, bis auf ca. 1.600 m mit dem Fahrrad auf dem Forstweg (war dann ein sehr entspannter Rückweg).
So haben wir das auch gemacht, ich fand das sehr sehr lohnend (zwengs mir könnten die Berge ja eigentlich oben aufhören, das Absteigen brauch ich nicht unbedingt ;)).
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Offline Ecki

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Re: Ruitelspitze
« Antwort #3 am: 22. Okt 2009 - 00:35 Uhr »
Wir waren diesen August in unserem Urlaub auch auf der Ruitelspitze, haben aber – um es etwas spannender zu machen – einen anderen Auf- als Abstieg gewählt. Da für den Nachmittag Gewitter angesagt waren (wonach es dann auch den gesamten Vormittag mit stark diesiger Luft aussah) ging es schon um 5 Uhr aus den Federn und gegen 6 los von Obergiblen über Grünau am Hang entlang zur Straße ins Grießbachtal (Bus fährt um die Zeit ja noch nicht). Anschließend auf der Fahrstraße evtl. unter Abkürzung der Kehren bis man direkt vor der Grießbachalm in der letzten Kehre die letzte Schuttreiße erreicht.

Dieser kann man man nun solange aufwärts folgen, bis nach rechts eine nicht sonderlich auffällige Trittspur abzweigt (die – noch schlechter sichtbar – von links kommt und wohl direkt bei der Alm beginnt). Wir haben die Spur natürlich prompt zuerst übersehen und sind deutlich zu weit in der Geröllreiße aufgestiegen, bis mir der Gedanke kam, dass wir ja doch weder auf Seebleskarspitze und Scheißtalkopf wollen. ;) Kleine Frage am Rande: Zumindest ersteres soll ja laut AV-Führer durchaus ohne allzu schlimmes Gekraxele möglich sein, hat das hier schon jemand ausprobiert? Man sammelt ja immer gerne Ideen für die nächsten Wanderurlaube. ;)

Wie dem auch sei: Es ging also erstmal ein Stück zurück und diesmal haben wir dann auch links die Trittspur entdeckt. Dieser folgt man nun immer ganz ordentlich sichtbar – teils auch mit alten Markierungen -lange einer Geröllreiße folgend und anschließend nach rechts querend bis man an eine weitere Reiße erreicht, an deren linkem Rand man ins Dreisattelkar aufsteigt. Der leichte Pfad wird hier immer undeutlicher, mit etwas Glück habe ich hier bis zur ersten Verflachung noch uralte Markierungen entdeckt, diese danach aber verloren. Das ist aber nicht so schlimm, da man von hier den Weiterweg zur Dreisattelscharte bereits ganz gut sehen kann. Prinzipiell hat man die Möglichkeit, einen quer im Kar liegenden Felsriegel links über Gras oder rechts über Geröll zu umgehen. Da mir Gras zumindest bei trockener immer sympathischer ist, habe ich diese Variante gewählt.

Wer es gemütlicher angehen möchte kann übrigens auch bereits eine empfehlenswerte Wanderung beenden: Das Dreisattelkar ist eine absolut weltabgeschiedene und ruhige Ecke, es gibt genügend Gras für eine gemütliche Rast, der Blick auf die Abstürze von Zwölfer- und Ruitelspitze ist beeindruckend und die im gesamten Kar verstreuten Felsen machen das ganze noch wildromantischer. Nur der Blick nach Süden und Norden fehlt. Wer den genießen will, muss wie wir weiter zur Dreisattelscharte. Oberhalb des Felsriegels schienen sich hier für mich zwei Alternativen anzubieten, einmal von rechts und einmal von links unterhalb der Scharte dann jeweils aufwärts querend. Obwohl rechts gerade ein paar Gämsen hochkletterten sah mir die linke Variante einfacher aus, so dass wir diese gewählt haben: Allzu schlimm war die Wahl wohl nicht, denn tatsächlich fanden sich dort wieder stark verblasste Markierungen und man kraxelt absolut unschwierig (unterer I. Grad) hoch in die Scharte.

Von hier könnte man laut AV-Karte wohl auf alten Spuren bis zum Normalweg queren, wir haben stattdessen den direkt Aufstieg über den Südostgrat genommen. Das ist auch nicht schwierig, erfordert ob des splitterigen Gerölls aber durchaus Vorsicht. Im Prinzip folgt man die gesamten 45-60 Minuten dem Grat, bei Bedarf mit leichtem Ausweichen in die Südwestflanke. Gegen Mittag standen wir dann auf dem Westgipfel und konnten die von Kalle bereits beschriebene Aussicht genießen, nur leider mit sehr viel Dunst. Da Marion ziemlich Angst vor einem möglichen Gewitter hatte, haben wir den Weg zum Kreuzgipfel dann nicht mehr angetreten und uns stattdessen nach einer kurzen Pause direkt an den Abstieg gemacht.

Ab der Materialseilbahn haben wir einen anderen Weg als Kalle genommen und sind den Wanderweg über die Tajen und am Rand des Karlesloches entlang gegangen. Das ist sicher weniger eintönig als die Forststraße, auf den Wiesen und auch immer mal wieder zwischendrin sogar ausgesprochen nett.
Insgesamt kann ich unsere Runde auf jeden Fall empfehlen, das Dreisattelkar bleibt hoffentlich eine Oase der Ruhe (selbst für Lechtaler Verhältnisse) und wesentlich schwieriger als der Normalweg ist das ganze abgesehen von der Orientierung auch nicht. Lohnt sich. :)

Ich hoffe, dass der Bericht ein paar hier zum Nachmachen anregt, wie immer abschließend noch ein Link zum Verlauf der Tour und zu allen Photos, eine kleine Auswahl folgt.

Viele Grüße aus Braunschweig,
Ecki


Blick aus dem Grießbachtal zu Seebleskar- und Zwölferspitze am frühen Morgen.


Blick aus dem Bereich des Dreisattels gen Hornbachkette.


Tiefblick zur Grießbachalm.


West- und Kreuzgipfel der Ruitelspitze aus dem Dreisattelkar.


Blick von der Dreisattelscharte über den Südostgrat zum Gipfel.


Auf der anderen Seite des Grießbachtals zeigen sich Wannen- und Karlesspitze und die Zwickspitzen.


Die Zwölferspitze von der Dreisattelscharte aus.


Blick zum Lechtaler Hauptkamm mit der Parseierspitze, ebenfalls in der Dreisattelscharte aufgenommen.


Blick vom Westgipfel zur Zwölferspitze. Man sieht die große Geröllrinne, durch die der Normalaufstieg verläuft. (Hat das schon jemand gemacht und kann dazu etwas sagen?)


Guten Appetit!


Blick zur Gartenspitze (auch so ein Gipfel, der mich reizen würde ;) ).


Blick ins Karlesloch mit seinen Naturobelisken.
« Letzte Änderung: 22. Okt 2009 - 00:44 Uhr von Ecki »

Offline kalle

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Re: Ruitelspitze
« Antwort #4 am: 22. Okt 2009 - 19:27 Uhr »
Servus Ecki

Schöne Variante! Die Ruitelspitze gibt doch mehr her, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Hab mich auch schon hin und wieder in ihrem Umfeld betätigt.
Die Gartenspitze beispielsweise im Winter mal. Die ist von den klettertechnischen Anforderungen zwar nicht schlimm, aber die abschließende Gipfelflanke ist echt steil.
Aus der Scharte auf die Gipfelabdachung ging es im Winter in etwa im I. Schwierigkeitsgrad ein Felsband quer hinaus. War aber nur wegen der Skischuhe etwas hakeliger, ansonsten wohl kein Problem.

Zwölferspitze würde mich auch mal interessieren.

Gruß
Kalle
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Nic

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Re: Ruitelspitze
« Antwort #5 am: 08. Apr 2016 - 08:32 Uhr »
Wollte vor ein paar Jahren auch mal auf die Gartenspitze. Das Band und das Schrofengelände unterhalb habe ich als ziemlich brüchig in Erinnerung. Bin dann wegen aufkommender Wetterverschlechterung umgedreht. Muss man weiter oben nochmal kraxeln oder führt der Hang direkt zum Gipfel?
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Offline Bergfex33

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Re: Ruitelspitze
« Antwort #6 am: 08. Apr 2016 - 09:56 Uhr »
Tolle Tour Ecki :-L)
War bisher nur über den normalen Weg oben.
Werd aber Deine Variante mal probieren.
Danke für die gute Wegbeschreibung.

LG
Bergfex33
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