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Rund um die Fiderepasshütte (Alpgundkopf, Schüsser, Mindelheimer Klettersteig)  (gelesen 11986 mal)

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Offline Kauk

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Hier ein kleiner Bericht über drei Tage in den Allgäuer Alpen, die ich dort letzte Woche verbracht habe.

Den Aufenthalt hab ich schon lange im Auge gehabt und auch meine Urlaub daraufhin geplant...und dann sowas: Winter-Rückkehr im Juni...zum Glück besserte sich das Wetter zum Mittwoch hin, so dass ich drei Tage gehen konnte.

Zunächst ging es morgens vom Parkplatz der Fellhornbahn über das Kanzelwandhaus auf das Fellhorn (2038 m)...was für ein Kulturschock an der Mittelstation der Fellhornbahn, hätte am früheren Morgen nicht mit so Menschenmassen gerechnet :o. Nach einer Pause auf dem relativ ruhigen Gipfel mit schönen Ausblicken (ein Großteil der Touristen hastet doch tatsächlich nur vorbei in Richtung Schlappoltkopf). Danach Abstieg auf der "Autobahn" und hinüber zur Kanzelwand (Warmatsgundkopf, 2058 m). Es folgte der Abstieg hinab ins Warmatsgundtal und auf den Krumbacher Höhenweg. Am ausgetrockneten Warmatsgundbach entlang hinauf zur Fiderepasshütte (2067 m).

Bild 1:
Verschneiter Hauptkamm am Mittwoch Morgen

Bild 2:
Umrahmung des Warmatsgundtals
« Letzte Änderung: 25. Nov 2010 - 12:20 Uhr von oliver »
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Offline Kauk

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Bild 3:
Alpgundkopf aus dem Warmatsgundtal
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Offline Kauk

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Der zweite Tag brachte dann eine schöne, teilweise weglose Tour auf den Alpgundkopf (2177 m). Um den Tag gut auszuschöpfen, ging es zunächst in die Fiderescharte. Von hier bietet sich ein herrlicher Blick hinüber zum Hauptkamm. Nun hinab zum Höhenweg und über die landschaftlich tollen Saubuckel wieder hinauf zur Rossgundscharte. (Hier würde sich die kletternde Überschreitung im II. Grad des Rossgundkopfes (2139 m) zum Alpgundkopf hin anbieten, diese Variante erschien mir persönlich aus der Ferne aber etwas zu heikel). Nun auf dem Krumbacher Höhenweg hinunter ins Warmatsgundtal.

Nach etwa zwei Dritteln des Abstiegs zweigt nach rechts (Richtung Osten) ein nicht markierter Pfad ab, der unter den Flanken des Rossgundkopfs zu den Flanken des Alpgundkopfs quert. Diesem lässt sich gut folgen, bis zu einer tief und steil einerodierten Fluss-/Lawinenrinne. Sie stellt bei dieser Wegvariante wohl das größte Hindernis dar. Im Frühsommer hilft der Altschnee durch die im oberen Bereich auch flacheren Rinnenflanken. Nach der Rinne müssen nun immer schwächer werdende Pfadspuren gefunden werden, die helfen ein breitetes Schotterfeld zu queren. Dabei gilt es auf einen Felsriegel am linken Rand des Schotterfeldes zu zielen. Dieser trennt eine steile Grasflanke ab, die zu einem Kar hinaufführt.

Am besten zwischen Felsriegel und Schotter hinauf, bis sich nach links die Möglichkeit bietet, den Felsriegel auf Grastritten zu erklimmen und in die Grasflanke zu gelangen und aufzusteigen. Im Karboden angekommen sieht man schon das Ziel: die Scharte zwischen Rossgund- und Alpgundkopf. Über Blockgelände und Schotter nun hinauf, ich habe den Weg durch die linke Flanke gewählt, hier befinden sich auch teilweise schwache Pfadspuren. Zur Scharte hin wird das Gelände wieder recht steil, im Frühsommer ist hier auch noch einiges an Schnee drin. Als Ausstieg bieten sich in den linken Teil der Scharte steile Felsplatten an. Ich habe den Weg über das Altschneefeld in den rechten Teil der Scharte genommen, hier zeigen sich auch wieder deutliche Pfadspuren.

Nun auf dem Südwestgrat in Richtung Gipfel. Es gibt mehr oder weniger deutliche Pfadspuren, die Felsaufschwünge werden immer rechts umgangen. Letzte Schwierigkeiten bietet eine sehr steile Grasrinne unterhalb des Gipfels. Am Gipfel erwartete mich ein Steinadler, den ich leider nicht vor die Linse bekam, weil er nicht warten wollte und zu schnell weg war ;).

Der Abstieg vom Alpgundkopf erfolgte auf dem Abstiegsweg und dem langen Schneefeld und weiter in den Talboden des Warmatsgunds. Erneut dann hinauf Richtung Kanzelwand, allerdings nicht ganz bis zur Scharte zum Schüsser hin, sondern knapp davor nach links auf deutliche Pfadspuren. Das zweite Ziel des Tages sollte der Schüsser (österreichisch: Hammerspitze, 2170 m) sein. Er lässt sich über den Nordostgrat auf nicht markierten Pfaden und mit Kletter-Schwierigkeiten im I. Grad besteigen.

Nach der Überschreitung eines unbenannten Kopfes geht es hinab in die Scharte (1972 m) und danach durch schrofiges Gelände Richtung Gipfel. Es wird empfohlen, sich immer am Grat zu halten (auf Trittspuren und speckigen Fels achten) und auf keinen Fall den teilweise deutlicheren Pfadspuren nach rechts in die Flanke zu folgen. Nach ungefähr der Hälfte weicht der "richtige" Weg eine Weile nach links in die Flanke aus, um aber nach kurzer Zeit auf den Grat zurückzukehren. Danach trifft von Nordwesten ein Normalweg auf die unmarkierte Variante und der Gipfel wird einfach erreicht.

Abgestiegen bin ich danach über den markierten Weg am Südgrat, der hinab Richtung Wildental und der verfallenen Wannenalpe führt. Von hier führt ein schöner Höhenweg zurück zur Fiderepasshütte.

Bild 4:
Lawinen im Vorderen Bockkar unter Hochfrott- und Bockkarspitze

Bild 5:
Blick zum Schneck, Höfats, Großer Wilder und die weiße Haube des Hochvogels, Kleiner Wilder, Höllhörner
« Letzte Änderung: 25. Nov 2010 - 12:22 Uhr von oliver »
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Offline Kauk

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Bild 6:
Abendstimmung an der Hütte: Von der Üntschenspitze zum Hohen Ifen

Bild 7:
Übers Walmendinger Horn zum Diedamskopf
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Offline Kauk

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Bild 8:
Nochmal Üntschenspitze zum Ifen
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Offline Kauk

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Als "Highlight" sollte der Mindelheimer Klettersteig über die Schafalpenköpfe am dritten Tag dienen. Er wurde 2007 renoviert und ist somit in einem guten Zustand. Die sonstigen Verhältnisse am Steig waren traumhaft: Von der Fiderepasshütte starteten keine 20 Bergsteiger, entgegen kamen mir gerademal zwei Klettersteiggeher. Also war es wunderbar möglich, sein Tempo zu gehen und den Steig voll zu genießen, dazu dann noch ein wunderbares Wetter.

Der Zustieg führt von der Hütte zunächst in die Scharte hinauf und verläuft am Grat hin zum Dritten Schafalpenkopf (2320 m). Meiner Meinung nach bieten sich zwei Plätze an, um die Klettersteigausrüstung anzulegen: An der Abzweigung vom Wanderweg und dort, wo man das erste Mal auf Stahlseile trifft. Beim "offiziellen" Einstieg ist der Platz nicht ganz so perfekt.

Der Steig ist nicht all zu schwer, es sind aber immer wieder höhere Felswände mit Hilfsmitteln (Leitern, Klammern) im Auf- und Abstieg zu überwinden, was Überwindung kosten kann. Zwischendurch sind auch längere Passagen zu begehen, die nicht gesichert, aber dafür ausgesetzt sind und damit Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordern. Am Ende muss man beim Abstieg vom Ersten Schafalpenkopf (2272 m) aufpassen und auf Pfeile achten, damit man den richtigen Ausstieg nach links in eine senkrechte Schrofenrinne nicht verpasst. Am Fuße angekommen kann man sich seiner Ausrüstung entledigen. Auf dem Weg zur Mindelheimer Hütte liegt jetzt noch das Kemptner Köpfle (2192 m), das vom Weg aus bestiegen werden kann. Danach ist der Weg zur Hütte (2013 m) klar zu erkennen.

Mein Rückweg erfolgte über den Krumbacher Höhenweg zur Taufersbergalpe und danach zum malerischen Guggersee (1709 m). Danach folgt der steile Abstieg nach Birgsau und von dort zum Parkplatz an der Fellhornbahn zurück. Für den Weg zwischen Hütte und Parkplatz muss man jedoch noch genug Zeit einplanen, das zieht sich länger als man denkt.

Bild 9:
Morgenstimmung mit Blick zur Höfats, dahinter Daumengruppe mit Schneck, hinten links Gaishorn und Rauhhorn

Bild 10:
Einstieg Mindelheimer Klettersteig
« Letzte Änderung: 25. Nov 2010 - 12:22 Uhr von oliver »
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Offline Kauk

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Bild 11:
Klammer-Passage am Dritten Schafalpenkopf

Bild 12:
Blick vom Dritten Schafalpenkopf mit dem Schatten-Fotograf  ;D zum Zweiten Schafalpenkopf, dahinter Geißhorn, Liechel- und Elferkopf
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Offline Kauk

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Bild 13:
Die berühmte, aber eigentlich unspektakuläre Leiterbrücke am Dritten Schafalpenkopf

Bild 14:
Solche Abschnitte sorgen für Nervenkitzel ;D
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Offline Kauk

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Bild 15:
Erster Schafalpenkopf

Bild 16:
Ende des Klettersteigs, längste Leiter, recht knifflige Abkletter-Passage
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Offline Kauk

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Bild 17:
Liechel- und Elferkopf

Bild 18:
Mindelheimer Hütte
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