Scheuenrunde "spezial": Vom Hochschelpen zu den Gauchenwänden  (gelesen 333 mal)

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Offline Kauk

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Nach meinem Tag in Schönenbachvorsäß im Bregenzerwald fuhr ich nach Balderschwang um dort die Nacht im Auto zu verbringen, hatte ich doch noch einen Tag frei im Anschluss. Leider waren die Vorhersagen inzwischen nicht mehr ganz so toll. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (24.05.) sollte es vermehrt Regenschauer geben und diese bis zum Vormittag anhalten. Ich ließ mich davon überraschen, hatte ich doch nichts außergewöhnlich "Großes" geplant. Bei der kartografischen Nachbereitung meiner Tour auf den Siplingerkopf eine gute Woche zuvor waren mir im Dunstkreis von Hochschelpen (1552 m) und Piesenkopf noch zwei kleinere Gipfel aufgefallen, die mein Interesse weckten: Hörnlein (1545 m) und Gauchenwände (1479 m). Irgendwie waren mir diese beiden zwar selbständigen (beide ca. 40 Meter Schartenhöhe), aber dennoch deutlich untergeordneten Gipfel(chen) bislang durch die Lappen gegangen, so dass ich eine Besteigung baldmöglichst nachholen wollte.

Vom angekündigten Regen fiel nicht viel, zwei Mal wurde ich nachts von Regentropfen geweckt, morgens war aber alles trocken. Jedoch war alles grau in grau, ab ca. 1400 Meter waren die Gipfel im Nebel: Weiterschlafen! Die Höhenmeter des Vortags steckten noch in den Beinen. So startete ich recht spät bei ersten Sonnenstrahlen um 10.30 Uhr am Parkplatz Scheuenalpe (1093 m, kostenlos) an der Riedbergpassstraße hinter Balderschwang. Auf der geteerten Forststraße folgt man den Wegweisern Richtung Hochschelpen auf direktestem Weg. Zunächst geht es gemächlich in einem schönen, teilweise skandinavisch anmutenden Wald mit immer wieder freien Blicken zu den Wandabbrüchen um Scheuenwände und Gauchenwände, im Verlauf dann ansteilend bis zum P.1374. Hier etwas fallend dem Wegweiser nach rechts folgen und bevor die Straße kurz darauf endet nach links auf den Wanderweg ab, der über eine freie, feuchte Schneise nach oben zieht. In einer sumpfigen Landschaft geht es auf dem Ostrücken gegen den Gipfel des Hochschelpen (1552 m), den man bald darauf unschwierig erreicht. Dort oben steht seit 2013 ein neues, umzäuntes Gipfelkreuz mit Buch, bei meiner Skitour Februar 2012 stand noch das alte Kreuz. Der Wegweiser am Gipfel weist einen Weg in Richtung "Burglhütte", auf diesem geht es dann im lichten Wald hinab nach Süden gegen das Hörnlein, welches dem Hochschelpen vorgelagert ist. Vor dem Nordrücken des Hörnleins knickt der Wanderweg nach Westen ab, geradeaus führt eine ausgeprägte Wegspur auf den Rücken. Oben weitet sich das Gelände und der Weg verläuft sich, den höchsten Punkt findet man problemlos, ebenso den einen oder andere freien Ausblick vom breiten Gipfelplateau.

Meinen Weg wollte ich recht direkt an der Kammhöhe Richtung Scheuenpass fortsetzen, so dass mich deutliche Pfadspuren auf den Südgipfel des Hörneins führten. Dieser ist laut meinem einfachen Höhenmesser annähernd gleich hoch, stellt in der Wegrichtung aber mehr einen schmalen Kamm dar. Auf der anderen Seite bricht er nach Südosten unvermittelt steil ab. Damit hatte ich nicht gerechnet: Es kommt doch noch etwas Abenteuer auf, an dieser sonst ausgesprochen moderaten Tour :bravo! Auf Anhieb scheint alles oder auch nichts gangbar, das Gestein ist deutlichst brüchig...Stück für Stück steige ich ab, weiche an einer Felsschneide nach links aus und komme so einigermaßen passabel abwärts. Das Gelände ist eigentlich brauchbar gestuft, doch der Untergrund ist dermaßen brüchig, die Tritte abschüssig und mit trockenen Tannennadeln bedeckt, das man sich schon mehr vorkommt wie bei einem Eiertanz. Dies ist kein Gehgelände mehr und die Hände vermitteln mehr als nur Gleichgewicht: kurz und knackig T4+ und I+ mein Bewertungsvorschlag. Von unten gesehen wirkte das ganze etwas zahmer, ändert aber nichts am Anspruch. Steigt man aus den Felsschuppen aus, beginnen bald wieder Pfadspuren, die teilweise sogar freigeschnitten sind, sie winden sich die Grathöhe entlang gegen den Scheuenpass. Wenig später treffe ich auf den alten, aufgelassenen Weg, der vom Scheuenpass zur verfallenen Roßschelpenalpe führt. Manchmal ist es eine richtige Wegspur mit verblassenden Markierungen, manchmal ist für das Auffinden der Spur ein wenig Gespür und Kartenlesen notwendig.

Beim Scheuenpass (1401 m) erreicht man den Wanderweg, der vom Scheuenbachtal zum Piesenkopf führt. Ihm folge ich zunächst in einem flachen Moor, später etwas ansteigend über den Piesenkopf-Nordrücken bis zum renovierten Gebäude der Piesenalpe (ca. 1480 m). Im Nordwesten lässt sich nun der sehr wenig ausgeprägte Gipfel der Scheuenwände erkennen, im Nordosten der offensichtliche Doppelgipfel der Gauchenwände. Ich gehe auf dem Wanderweg bis zum Rand des Weidegeländes und durch einen kurzen Baumgürtel und verlasse ihn dort, wo er über freie Flächen zum Alpweg zur Dinigörgenalpe absteigt. Über den mit lichten Latschen bewachsenen Rücken suche ich mir einen Weg durch teilweise sumpfig-mooriges Gelände gegen die Gauchenwände. In einer freien, weiten Senke vor dem Südgipfel der Gauchenwände kann man dann abschließend einen guten Überblick über den Aufstieg gewinnen. Auf den Südgipfel gelangt man über eine freie Schneise zum völlig bewaldeten höchsten Punkt. Nun weiter nach Norden und mit etwas Höhenverlust vor den erstaunlich ausgeprägten Gipfelaufbau der Gauchenwände (1479 m). Der kurze Ostrücken vermittelt einen einfachen Zugang zum Gipfel, verlangt aber wegen der knapp unterhalb abbrechenden Felswände eine durchaus sicheren Tritt (T3), schiefgehen darf ich nichts. Der Gipfel selbst wirkt recht natürlich, er ist nicht zu dicht bewaldet und bietet teilweise schöne Ausblicke, insbesondere zum Riedberger Horn gegenüber. Zurück ging es zunächst auf gleichem Weg in die Senke, von dort wollte ich etwas direkter zum Wanderweg queren, ein durchaus markant eingeschnittener Tobel verhindert dies jedoch, so dass ich knapp unterhalb der Piesenalpe erst mit meinem Aufstieg zum Wanderweg beginnen kann. Vom Scheuenpass geht es über den Wanderweg hinab zum Alpgelände unterhalb der senkrechten Wände, bald erreicht man den Alpweg und über ihn etwas langwierig zur Scheuenalpe und zum nahem Parkplatz.

Fazit: Eine wunderschöne Runde, oft skandinavisch anmutend mit schönen Moor-Landschaften, die sich vor allem in der Übergangszeit eignet, da Teile im Sommer sicher gut frequentiert sind. Man muss nur aufpassen, dass der Boden schon etwas abtrocknen konnte. Die von mir bestiegenen Gipfelziele lassen sich beliebig erhöhen, wenn man bspw. noch den Piesenkopf mitnimmt oder Richtung Feuerstätter Kopf geht. Mir fehlte wegen dem späten Start dazu leider die Zeit. Will man auf Hörnlein und Gauchenwände benötigt man eine gesunde Portion Trittsicherheit und Orientierungsfähigkeit im weglosen Waldgelände. Meine Runde hatte eine Länge um 16 Kilometer, Höhenmeter lassen sich schwierig erfassen, dürften irgendwo um 700 liegen.
« Letzte Änderung: 27. Mai 2017 - 23:19 Uhr von Kauk »

Offline Kauk

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Re: Scheuenrunde "spezial": Vom Hochschelpen zu den Gauchenwänden
« Antwort #1 am: 27. Mai 2017 - 23:22 Uhr »
Impressionen zweiter Teil.

Offline kalle

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Re: Scheuenrunde "spezial": Vom Hochschelpen zu den Gauchenwänden
« Antwort #2 am: 28. Mai 2017 - 16:39 Uhr »
Die Runde dürfte gerade bei der von dir beschriebenen Witterung ihren ganz besonderen Charme entfalten. Muss ich auch mal ausloten, das Gelände  :-L)

Danke für deinen Bericht und die Bilder  :bravo
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Offline Kauk

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Re: Scheuenrunde "spezial": Vom Hochschelpen zu den Gauchenwänden
« Antwort #3 am: 28. Mai 2017 - 17:09 Uhr »
Die Runde dürfte gerade bei der von dir beschriebenen Witterung ihren ganz besonderen Charme entfalten. Muss ich auch mal ausloten, das Gelände  :-L)

Danke für deinen Bericht und die Bilder  :bravo
Ja, weil sie einfach den Vorteil hat, dass man sehr gut variieren kann. Über die geteerte Straße Richtung Hochschelpen ist ein zügiger Rückzug denkbar, sollte man Zeit übrig haben, lassen sich fast beliebig noch Gipfel einbauen. Bei besserer Sicht hat man trotz der niedrigen Höhe aber immer noch eine gute Aussicht.
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Offline Lampi

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Re: Scheuenrunde "spezial": Vom Hochschelpen zu den Gauchenwänden
« Antwort #4 am: 28. Mai 2017 - 22:00 Uhr »
Die Runde dürfte gerade bei der von dir beschriebenen Witterung ihren ganz besonderen Charme entfalten.
Das kam mir auch so schon bei der Erwähnung Skandinaviens.
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Offline kalle

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Piesenkopf-Runde
« Antwort #5 am: 05. Nov 2017 - 12:40 Uhr »
Habe gestern die Piesenkopf-Runde gemacht, habe mich dabei aber eher auf den östlichen Teil konzentriert. Dabei ist vor allem der Ostgrat bzw. östliche Ausläufer des Piesenkopfs als sehr idyllisch hervor gegangen.

Kennt eigentlich jemand den Namen der urigen Hütte und welche Funktion sie hat bzw. hatte?



Das Datenblatt für den Piesenkopf habe ich inzwischen mal erweitert.
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