European Outdoor Film Tour 2019/20

Simeleskopf 2804 m. Normalweg von Osten  (gelesen 6248 mal)

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Offline Kristian

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Simeleskopf 2804 m. Normalweg von Osten
« am: 02. Nov 2011 - 22:59 Uhr »
Da es über den Simeleskopf, mit seinen 2804 m immerhin einer der ganz Großen in den Lechtalern, keine wirklich brauchbare Beschreibung gibt, habe ich mich entschlossen, zu diesem Berg etwas in Netz zu stellen.

Ausgangspunkt: Parkplatz Augsburger Hütte in Grins.



Zugang Man steuert den Lärchikopf, P2368 m. an. Entweder über den Hüttenweg zur Augsburger Hütte, den man bei der Muesmannsruhe verlässt oder über den Oschenlieger, Gampenboden, Äußerer Ochsenberg.
Anders als im AV Führer beschrieben steigt man auf markierten Steigspuren bis knapp unter den Gipfel des Blankahorns auf, bis man horizontal nach Westen in die Scharte vor dem Simeleskopf queren kann.  Knapp südlich des Grates quert man die Scharte und steigt über steile, leichte Schrofen und Geröll bis unter die Ostwand auf.

 Route Ostwand und Südostkante:
Mittig ca. 30 m durch die Wand hinauf, bis man unschwierig nach links  in eine kleine Scharte queren kann. Wenige Meter oberhalb Stand an einer Drahtseilschlinge mit Abseilring.
Ein kurzes Fixseil, an zwei alten Schlaghaken befestigt leitet über eine kleine abdrängende Stufe zur Südostkannte empor. Über diese zum breiten Gipfelgrat. Dort Stand an einer Drahtseilschlinge.

Schwierigkeit: III/A0 an altem Fixseil ca. 5 m (oder IV), sonst I-III auf ca. 60 m.
Rest ab Scharte exponiertes Gehgelände und I, bis dorthin angenehmes, häufig pfadloses Gehgelände T3-4


Ausrüstungsempfehlung:
Die Frage die sich stellt ist: mit oder ohne Seil. Ohne wird für die meisten die Verwendung des labbrigen Fixseiles an der Schlüsselstelle zur Folge haben. Geht man ohne, wird man in der Regel über den Westgrat und die Südwestflanke absteigen. Wir hatten einen Strang eines 60 m Halbseiles dabei und konnten somit die Schlüsselstelle sichern und 2 x 30 m abseilen. Letzteres war sehr angenehm.
« Letzte Änderung: 03. Nov 2011 - 15:20 Uhr von Kristian »
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Offline Kristian

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Re: Simeleskopf 2804 m. Normalweg von Osten
« Antwort #1 am: 02. Nov 2011 - 23:22 Uhr »
Lt. Gipfelbuch wird der Berg von ca. 10 bis 20 Partien im Jahr besucht. Meist wird die Ost-West-Überschreitung durchgeführt. Oft auch bis zum Gatschkopf.
Neben einigen Südwandbegehern findet man meist die selben Namen im Buch, aber auch "alte Lechtalkletterprominez".

Falls mit "direkter Nordwand" etwas anderes gemeint sein sollte, als mit "rechter Nordwand", hat Wolfis Route lt. Buch keine einzige Wiederholung. Dies obwohl sie in gängigen Führerwerken erscheint.

Bei den spätherbstlichen Bedingungen, die wir angetroffen haben, erschien uns die weitgehend trockene Ostwand als der sinnvollere Anstieg, als der Westgrat, der auch ein kurzes Ausweichen in die mit Grießlpulver dedeckte Nordflanke erfordert hätte.
Auch wenn das Blankahorn von der Geländeform her eher ein Ski-, als ein Sommergipfel ist, lohnt es sich dieses im Zustieg mitzunehmen.

Der Übergang zum Gatschkopf scheint bei sommerlichen Verhältnissen unter nordseitiger Umgehung der Schartentürme möglich. Vermutlich II-III.

Damit ergäbe sich  eine eindrucksvolle Überschreitung:


Vom Blankahorn bis zur Parseierspitze

Eine Tour, die auf jeden Fall ein Wiederkommen lohnt und die Überschreitung der Freispitzgruppe oder der Heitwand noch toppen dürfte.

« Letzte Änderung: 03. Nov 2011 - 15:22 Uhr von Kristian »
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Offline stefanbc

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Re: Simeleskopf 2804 m. Normalweg von Osten
« Antwort #2 am: 03. Nov 2011 - 15:23 Uhr »
Respekt! Dafür liebe ich dieses Forum, nicht der 98. Bericht von irgendeinem Modegipfel sondern echte alpine Highlights!
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Offline Andi

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Re: Simeleskopf 2804 m. Normalweg von Osten
« Antwort #3 am: 03. Nov 2011 - 20:44 Uhr »
Schweinegeil!!!  :-L)

Ein super Bericht. Danke dafür!
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Offline Andi

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Re: Simeleskopf 2804 m. Normalweg von Osten
« Antwort #4 am: 05. Nov 2011 - 19:50 Uhr »
Weil`s so schön war hab ich heute gleich noch den Wannenkopf und den Ober Rauhekopf drangehängt.

Vom Äußerem Ochsenboden auf direkt auf den Wannenkopf. Bis etwas weiter als P.2555 AV-Karte über einen grasigen, unproblematischen Rücken im schwach ausgeprägten Südgrat.
Danach ausweichen in die Südflanke des Berges. Eine sehr geröllige und brüchige Angelegenheit. Unter`m Gipfel wird`s nochmal etwas steiler, dafür kann man hier in etwas besserem und gestufterem Gestein etwas klettern II- oder mehr Richtung Bruch die Route etwas variieren I+.

Der Übergang Richtung Ober Rauhekopf hat zunächst ähnlichen Charakter wie der Aufstieg zum Wannenkopf. Nach etwas Kraxelei um einige Grattürme herum auch problemlose Gehpassagen. Die Aussicht an so einem föhnigen Novembertag ist der Wahnsinn.

Der Verbindungsgrat kann auch direkt von "Der Wanne" aus - wenn auch wohl nur wenig leichter - erreicht werden.

Der Abstieg vom Ober Rauhekopf führt zunächst unproblematisch gelb markiert über den kaum ausgeprägten Unter Rauhekopf hinab. Danach zunehmend steiler über eine Geröll - Grasflanke I+ ins flache Gelände beim Ober Hochegg - einem tollen, etwas nach Süden vorgelagertem Aussichtspunkt, der auf jeden Fall eine Pause lohnt. Trotz Markierung gibt`s hier keinen Weg und man sollte trittsicher in so einem Gelände sein.
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Offline zapfenwolfi

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Re: Simeleskopf 2804 m. Normalweg von Osten
« Antwort #5 am: 07. Nov 2011 - 12:30 Uhr »
der Zacken hinterm Blankahorn bzw vor der Silberspitz - ist das da im Bereich auf der Scharte   ??
http://www.austrianmap.at/amap/index.php?setTo=1%7E185297%7E368708%7E187594%7E367678%7E%40186647%7C367800%7E19%7ELAM_ETRS89%7E868%7E389


Damals 1983 waren wir am nächsten Tag einem recht spitzigen Zacken auf´s Haupt gestiegen, 2 kurze Seillängen in gutem Fels, so um 5+ rum.

Hatten den allerdings deutlich schlanker in Erinnerung als den Zacken auf den Bildern vom Kristian.
Könnte in dem Gratrücken (unterhalb der Scharte) gestanden haben, der die Nordhänge ins Lochbachtal und das Teufelskar trennt.
Wahrscheinlich kann man sich da noch eine 2.te Besteigung holen. Wäre auch ein Kandidat für den (klettertechnisch) schwersten Gipfel der Lechtaler (wenn man´s denn als Gipfel bezeichnen will).
Manch wilden Grasberge sind allerdings m.E im Gesamtanspruch deutlich heftiger als ein guter 5er in brauchbarem fels (ist ja heute schon der Anfängerbereich).
Die Nordwand vom Simeleskopf war eigentlich auch recht schön, ein paar schwerere Seillängen , dazwischen gutmutige, leichtere Plattenschüsse. Allerdings war es mit dem Sichern recht problematisch, Klemmkeilen und Normalhaken war der Fels nur selten hold.

Dann gibt es noch zwischen Ost- und Nordwand eine rechte markante, klassische Kante, war auch in alten Groth Führern erwähnt. Wäre sicher auch mal eine interessante Expedition.

Wolfi
« Letzte Änderung: 15. Nov 2011 - 10:21 Uhr von zapfenwolfi »
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Offline Andi

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Re: Simeleskopf 2804 m. Normalweg von Osten
« Antwort #6 am: 07. Nov 2011 - 22:58 Uhr »
Der Zacken in der Scharte ist irgendwo - entweder in der AV-Karte oder bei Groth - erwähnt und mit Schartenkopf 2693m bezeichnet. Das Ding hat mich auch angesprochen.
Vom Wannenkopf aus sind mir in der Nordflanke des Blankahorns noch einige weitere markante Zacken aufgefallen. Einer hatte in Gestalt und Größe ne verblüffende Ähnlichkeit mit dem Großen Freispitzturm. Schon eine super wilde Gegend.
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Offline Kristian

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Überschreitung Blankahorn-Parseier
« Antwort #7 am: 25. Aug 2013 - 15:53 Uhr »
Was damals im November nicht geklappt hat, konnten wir im Juli 2013 verwirklichen. Die Überschreitung vom Blankahorn zur Parseierspitze. Über das Blankahorn muss man nicht viel schreiben. Dort findet jeder hinauf, der eine Karte lesen kann. Zum Simeleskopf wurde auch schon alles gesagt. Aber noch eine kleine Änderung. Das Fixseil wurde entfernt, dafür ein Steinhaufen aufgeschichtet.  Bei sommerlichen Verhältnissen zieht es einen oben eh nicht so an die Kante hinaus. Nach einer kurzen IIIer Stelle geht es direkt vom Stand hinauf zum Gipfel. Wir verwendeten kein Seil. Im Abstieg wäre dort abseilen angenehm.

Der Übergang zum Gatschkopf

Die Beschreibung im AV Führer ist lückenhaft und erwähnt nur harte Kletterarbveit im Bereich der Rücklen genannten Grattürme. Wir hatten das Glück zwei "locals" zu beobachten, die diese Rücklen südseitig umgingen, was mühsames Suchen ersparte.

Diese Zacken werden auf dem anderen Normalweg absteigend deutlich unter der Grathöhe südseitig umgangen. Das Gelände dort ist nicht wirklich schwierig, jedoch stets heikel mit abwärtsgeschichteten geröllbedeckten Kalkplatten. Über gutartige Steilgrasschrofen wird die Grathöhe nach den Zacken wieder reicht.  Der Ostgrat zum Gatschkopf bietet im Anschluss eine nette nicht besonders schwierige Mergelkletterei. 

Die Parseierspitze

Diese ersteigen wir über den Ostgrat. Auch dazu gibt es genügend Fundstellen.


Gesamtanspruch:


Einzelne Kletterstellen bis III. Schlüsselstellen im oberen Bereich der Ostwand des Simeleskopf. (Standplätze vorhanden, wenn man sichern möchte), dann das Abklettern vom Simeleskopf nach Südwesten (wenige Meter im oberen Bereich), sowie im Ostgrat der Parseier. Vom Schwimmbad Grins gesamt 2400 Höhemeter.

Fazit

Eine der ganz großen Grattouren der Lechtaler Alpen.  Steht dem Freispitzkamm nicht nach, ist jedoch etwas anspruchsvoller als dieser. Überwiegend Gehgelände. Die kurzen Kletterstellen sind nicht zu unterschätzen.
« Letzte Änderung: 02. Jan 2015 - 21:48 Uhr von kalle »
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Tags: simeleskopf | blankahorn | 
 





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