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Sulzspitze (Überschreitung)  (gelesen 4736 mal)

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Offline Kauk

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Sulzspitze (Überschreitung)
« am: 22. Aug 2011 - 01:07 Uhr »
Inspiriert von den Festivaltour-Jungs hab ich vorgestern als Feierabend-Tour die Sulzspitze (2084 m) überschritten: Anfangs etwas arg heiß und schwül, aber mit einem wunderschönen Sonnenuntergang zum Finale.

Route: Parkplatz Haldensee (2,50 € für 5 Stunden) - Strindenscharte - Südsüdwestgrat - Sulzspitze - Nordgrat - Lochgehrenspitze - Parkplatz

Den ersten Teil der Tour kannte ich bisher nur aus dem Winter, aber auch im Sommer ist das Strindental zu empfehlen. Der Fahrweg hinauf zur Strindenscharte (1870 m) ist angenehm zu gehen und zieht sich trotz der Länge gar nicht mal so sehr. Nach der Querung des Strindenbachs vor der Steilstufe am Talende können die Serpentinen auf direktem Steig jeweils abgekürzt werden. Man folgt dem Fahrweg weiter Richtung Obere Strindenalm. Laut Karte gibt es auch hier nochmal einen Steig zum Abkürzen, der mir aber nicht wirklich aufgefallen ist. Aber ich wollte sowieso unter das Gelände der Lochgehrenspitze um mir den späteren Abstieg anzuschauen. Es empfiehlt sich dem Fahrweg bis zu seiner nördlichsten Kehre zu folgen und dann in die Westflanke zu schauen, um zu sich den besten Durchstieg einzuprägen.

Nach der Strindenscharte noch weiter auf dem Weg Richtung Gappenfeldalpe bleiben. Am Abzweig des Normalwegs hinauf zur Sulzspitze den Fahrweg verlassen und einfach geradeaus (westlich) weitergehen. Man trifft dann auf einen breiten Weg der zur Jagdhütte führt. Hinter dieser sieht man einen kurzen Steig hinaufführen, der einen zu einem kleinen Plateau bringt, von dem aus man problemlos den SSW-Grat erreichen kann. Man kann immer der grasigen Gratkante folgen, bis man vor den Felsen des Gipfelaufbaus steht.

Hier hat man nun drei Optionen: Kamin (II laut AVF, dürfte hinkommen), sowie zwei Umgehungen weiter rechts. Der Kamin hat augenscheinlich gute und ausreichend große Griffe, ist allerdings im unteren Drittel mal ziemlich eng und schmal. Hier bin ich leider auch mit dem Rucksack stecken geblieben und fand leider keine Lösung für mein Problem...deshalb hab ich die Umgehung gewählt.

Am Einstieg kann man um zwei Felsbrocken nach rechts rausqueren. Die erste Umgehungsmöglichkeit ist direkt im Anschluss links die Flanke hoch, es muss dann etwas geklettert (um I) werden, befindet sich allerdings auch im steilen, bröseligen und schotterigen Gelände. Es kann auch noch ein weiterer Felsen umgangen werden und über eher grasiges Gelände eine kurze Stufe erklommen werden und danach im anspruchsvolleren Gehgelände zurück zum Grat kommen.

Der Weiterweg zum Gipfel ist logisch und kann direkt am Grat (I) gemacht werden. Auch immer wieder nach  links in die Flanke auszuweichen ist möglich und vermutlich leichter.

Für den Abstieg orientiert man sich nach Norden zum deutlich abgesetzten Graskopf im Grat hinter dem Gipfelplateau. Dieser kann entweder überschritten werden oder aus der Scharte leicht absteigend in der Flanke gequert werden. Ich hab mich für die Besteigung entschieden, da sich hier doch einige interessante Blickwinkel bieten. Nun steigt man hinab bis zu der Stelle von der man den Eindruck hat, dass es nur die steilen Felsfabbrüche ins Strindental oder die Steiltobel nach Westen hinabgeht. Das ganze löst sich aber überraschend leicht auf: eine grasige Mulde mit Tierpfad. Dieser führt ans nördliche Ende der Felsabbrüche der Sulzspitze.

Hier beginnt der Grasgrat, der über die Lochgehrenspitze letztendlich zum Vogelhörnle und Neunerköpfle führt. Bis zur Lochgehrenspitze ist der Grat (ausreichend) schmal, immer wieder ausgesetzt und blumenreich. Teilweise sind Pfadspuren vorhanden, die vermutlich mehr von Tieren stammen (es weiden Schafe und Gämsen). Insgesamt ist der Grat gut zu gehen, Problemstelle ist in meiner Richtung die erste kurze Steilstufe abwärts. Sie ist für mein Empfinden arg ausgesetzt und steil, nahezu senkrecht (im Rückblick sah das dann nach sehr brüchigen Schrofen aus, würde ich im Aufstieg vllt. sogar versuchen). Im Abstieg wollte ich da nicht auf Verdacht runter, hab mich aber bis an die Kante gewagt. Hier bin ich dann direkt in die Ostflanke runter und etwas zurückgequert zu einer kleinen Grasrippe. Auch das war sehr steil und nicht ohne. Deshalb empfiehlt es sich nicht zu weit den Grat entlang zu gehen, sondern gleich die Rippe hinabzusteigen bis zu einer kleinen Nase, von der ein Pfad durch steiles Gelände zurück zum Grat führt. Der Weiterweg zur Lochgehrenspitze ist dann unproblematisch, der Gipfel zum Schluss nochmal ordentlich steil.

Zum Abstieg den Gipfel überschreiten und die Ostflanke durch Gras hinab. Man sieht von oben bereits die angesprochene Kehre des Fahrwegs. Die Flanke ist unproblematisch zu begehen, es gibt verschiedene Varianten, zwei Mal wirds noch steiler. Nach der Querung des Höhenweges vom Neunerköpfle gilt es dann nur die grasige Schneise hinab zum Fahrweg zu treffen.

Fazit: Schöne Feierabendtour, nicht zu lang und im Bereich der Überschreitung wunderbar kurzweilig. Die Sulzspitze lohnt sowohl Sommers wie Winters, am Abend hat man sogar seine Ruhe. Durch das nach Norden geöffnete Strindental hat man Nachmittags bereits etwas Schatten vorallem natürlich in den Waldpassagen. Bereits relativ früh ist das ganze Tal im Schatten.

Falls jemand Lust hat, die Sulzspitze könnte ein neues Gipfelbuch vertragen.

Jetzt noch Impressionen von der Tour.
« Letzte Änderung: 10. Jul 2014 - 14:58 Uhr von Kauk »
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Offline Kauk

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Re: Sulzspitze (Überschreitung)
« Antwort #1 am: 22. Aug 2011 - 01:09 Uhr »
Impressionen Teil II.
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Offline Kauk

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Re: Sulzspitze (Überschreitung)
« Antwort #2 am: 22. Aug 2011 - 01:11 Uhr »
Impressionen Teil III.
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Offline Kauk

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Re: Sulzspitze (Überschreitung)
« Antwort #3 am: 02. Sep 2012 - 21:26 Uhr »
Vor einer knappen Woche gelangen mir an einem wunderbaren Sommertag (27.08.2012) sowohl der Kamin als auch die Fortsetzung des Weges zum Neunerköpfle.

Im Aufstieg zur Strindenscharte habe ich im Bereich der Unteren Strindenalpe den als Abkürzung Strindenalpe markierten Pfad hinauf zur Oberen Strindenalpe (1682 m) genommen. Der in der neuen AV-Karte als Käsweg bezeichneten Steig ist teilweise erdig und feucht, spart dafür aber die weite Schleife des Fahrwegs. Da er durch Wald verläuft, gibt es auch am Nachmittag ausreichend Schatten. Von der Oberen Strindenalpe erreicht man nach kurzem Zwischenabstieg den Fahrweg hinauf zu Strindenscharte.

Der Kamin ist im Prinzip mit etwas Klettergewandheit nicht schwer zu klettern, es gibt genügend Tritte und Griffe. Problematisch sind eher das abdrängende Gelände und die Festigkeit des Gesteins (Griffe prüfen!). Zur Ausgesetztheit: Es geht zwar nicht weit runter, abstürzen wäre vermutlich nicht tödlich, aber im Felsgelände trotzdem doof. Man sollte seinen Rucksack vor dem Einstieg recht schmal packen um unter dem kleinen Felsdach durchzukommen, das ist mir dieses Mal besser gelungen. Oberhalb findet sich sogar noch ein alter rostiger Haken.

Abgestiegen bin ich erneut über die Lochgehrenspitze und weiter übers Vogelhörnle zum Neunerköpfle.

Von der Lochgehrenspitze steigt man über den Nordrücken in den Sattel, bei dem der Rücken zum Lochgehrenkopf nach Westen abzweigt. Wer auf Nummer sicher gehen will, der steigt nun diagonal nach Osten hinab zum Wanderweg. Wer etwas mehr Abenteuergeist hat, versucht die Überschreitung des Kamms am nächsten Kopf fortzusetzen. Dies ist  vom höchsten Punkt aus auf der Nordostseite nicht möglich, da die Flanke fast senkrecht abbricht (höchstens über eine sehr steile Grasrinne, das würd ich aber eher im Aufstieg testen). Damit gings für mich von dort zum Wanderweg. Im Rückblick zeigte sich, dass auf der Nordwestseite eine Gasse durch die Latschen geholzt wurde. Sie setzt in nördlicher Gangrichtung vor dem höchsten Punkt an, ist aber nicht unbedingt augenscheinlich (mir ist sie in dieser Richtung nicht aufgefallen). Inwiefern die Gasse bequem zu begehen ist vermag ich nicht zu sagen.

Bei beiden Varianten landet man im Sattel vor dem Vogelhörnle (1882 m). Über den Südrücken geht es entlang von Kuh-Pfadspuren hinauf zum Gipfel, teilweise sehr matschig und sumpfig. Der Gipfel selbst ist vollständig bewachsen und bietet wenig Aussicht. Man erreicht ihn vom Rücken aus durch ein kurzes Stück Latschen. Vom Gipfel nach Norden hinab erreicht man bald eine freie Fläche, die in den Sattel vor dem Neunerköpfle (1864 m) führt. Von dort auf dem Weg schnell zum Gipfel. Während der Weidezeit nerven hier Elektrozäune.

Fazit: Die Überschreitung der Sulzspitze ist eine lohnende Spritztour, insbesondere zum Sonnenuntergang. Ich hatte perfektes Wetter (nicht zu heiß und tolle Sicht). Leider hatte es dieses Jahr am Grasgrat der Lochgehrenspitze keine so ausgeprägte Blumenpracht. Dafür war das Gras niedriger und die Pfadspur war besser zu erkennen. Die direkte Weiterführung des Weges zum Vogelhörnle und dessen Besteigung sind etwas für Individualisten und Gipfelsammler, die sich gerne etwas durchs Unterholz schlagen. Der Gipfel an sich ist wenig lohnend. Dagegen hat man vom Neunerköpfle eine schöne Sicht, die man zu später Stunde in völliger Ruhe genießen kann.
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Offline Kauk

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Re: Sulzspitze (Überschreitung)
« Antwort #4 am: 02. Sep 2012 - 21:30 Uhr »
Weitere Impressionen.
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Offline Schorsch_KFB

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Re: Sulzspitze (Überschreitung)
« Antwort #5 am: 03. Sep 2012 - 21:12 Uhr »
Geniale Bilder.  :bravo

Mit was fotografierst du? I such au no nach ner passenden Kamera.
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Offline Kauk

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Re: Sulzspitze (Überschreitung)
« Antwort #6 am: 04. Sep 2012 - 20:34 Uhr »
Danke Ben! Ich bin mit einer Canon PowerShot SX20 IS unterwegs. Damit bin ich sehr zufrieden. Man muss halt wissen, ob man eine Kamera für die Hosentasche will oder doch etwas mehr schleppen (in diesem Fall Bridgekamera). Dafür bekommt man mehr Zoom und eine Kamera, die besser in der Hand liegt (besser gegen verwackeln).

Im Forum gibts ansonsten ja noch so den einen oder anderen Thread (Thread 1, Thread 2), außerdem sind im Prinzip die Rezensionen auf amazon.de und Tests auf chip.de recht hilfreich. Vorallem wird hier meist laienverständlich erklärt.
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Offline bergler1962

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Re:Sulzspitze (Überschreitung)
« Antwort #7 am: 23. Jun 2014 - 23:35 Uhr »
Schon lange wollte ich mal die Sulzspitze über den N-u SW-Grat besteigen. 
Zuerst  über die steile Graszunge zur Lochgehrenspitze u weiter am N-Grat zur Sulzspitze.
Auffallend ein sehr langer, teilweise 50 cm breiter Riss, stellenweise richtig tief, zu sehen auf einem Foto.
Ob das net bald wegbricht?
Am Normalweg runter u weiter zum Jagdhüttle. SW Grat wurde von Kauk ja schon sehr gut beschrieben, ich bin auch am Kamin vorbei am nächsten Fels hoch. Dort dann unschwierig zum Gipfel. Tolle Tour !
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Offline oliver

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Re:Sulzspitze (Überschreitung)
« Antwort #8 am: 24. Jun 2014 - 09:48 Uhr »
Tolle Aufnahmen  :-L)
Habe mir erlaubt, das coole Hutbild mit dem Alpic.net-Aufnäher spontan in die Bannerrotation einzubinden (Beschriftung folgt dann noch).
Beste Grüße
Oliver

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Offline bergler1962

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Re: Sulzspitze (Überschreitung)
« Antwort #9 am: 12. Mai 2015 - 11:25 Uhr »
Gestern NW Grat zur Sulzspitze, Abstieg über SW Grat, rüber zum Normalweg, vorher dann weglos zum ?? Ostgrat oder besser Ostpfeiler  ;D?? , in leichter Kraxelei wieder hoch. Abstieg über NO Grat, danach auf der übl. Skiabfahrt, hier teilweise am Hosenboden (Konsequenz ist eine triefend nasse Hose ;D ;D) zügig hinab zum Weg.
Hier dann noch sehr viel Schnee am Weg zurück zur Bergstation, das dauert noch bis der Schnee weg ist.
Wenig los, nur Leichtwanderschuhgeher in unpassender Bekleidung mit grandioser Trittsicherheit bei Begehung der Schneefelder, hab mich köstlich amüsiert wie sie bis zu den Knie eingebrochen sind.
Gekühlte frische Füße garantiert ;D
« Letzte Änderung: 12. Mai 2015 - 21:53 Uhr von bergler1962 »
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