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Mahdlochalpe (Zürs)  (gelesen 2270 mal)

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Offline kalle

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Mahdlochalpe (Zürs)
« am: 08. Aug 2013 - 19:15 Uhr »
Aufgrund der eindrucksvollen Bilder der Hasenfluhtour, wollten Nadja und Pia nun auch das Gebiet um Zürs kennenlernen. Da es eine kleine und landschaftlich reizvolle Variante zur Mahdlochalpe gibt, haben wir diese in Angriff genommen.


Im Sommer gibt es in ganz Zürs ausreichend Parkmöglichkeiten (kostenlos). Gleich von Lech kommend stellen wir unser Gefährt am Ortseingang ab. Es geht ein Stück die Straße zurück bis zur Talstation der Seekopfbahn, dort links am Gebäude vorbei und in wenigen Minuten über ein asphaltiertes Sträßchen hinauf zur urigen (zumindest wirkt sie so) Schröflialp. Oberhalb der Hütte nach rechts bis unter ein mächtiges Felsenband. Hier nun entweder über einen kleinen Steig nach links über die Weidefläche oder nach rechts weiter dem Pistengelände folgend. Beide Varianten treffen oberhalb der Felsfluh wieder zusammen.

Die kleine Mahdlochalpe, rechts im Hintergrund der Widderstein und das Wetter wurde auch interessant

Nun immer der Pistenspur folgend, teils durch gröberen Schotter die Trasse hinauf und bald in Kehren um einen verbuschten Kopf. Dann legt sich das Gelände immer mehr und gegen Ende fast eben zurück, zum schon von weitem sichtbaren kleinen Hüttengebäude der Mahdlochalpe (1.942m). Schöne Ausblicke auf Oberlech, Lech, Omeshorn, Roggspitze und Hasenfluh.

Wind und Regen peitscht um die Hütte, die Brotzeit fällt recht kurz aus - im Hintergrund die Rüfispitze

Meine kleine Assistentin und ich beim Blumen bestimmen  ;D

Fazit: Schöne Almwanderung in imposanter Landschaft, für Kinder interessant wegen der wirklich vielen Blumen am Wegesrand und der zahlreichen Murmeltiere
Höhendifferenz: ca. 250 Höhenmeter
Strecke: etwa 5 km (hin und retour)
« Letzte Änderung: 08. Aug 2013 - 20:35 Uhr von kalle »
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Offline eganahl

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Re:Mahdlochalpe (Zürs)
« Antwort #1 am: 08. Aug 2013 - 22:22 Uhr »
Hallo Kalle, was treibt Dich den zur Zeit ständig durchs ganze Lechtal in meine Heimat, mir reicht es wenn ich zu Familienfeierlichkeiten dort hinauf muss. Dein Wandergelände kenne ich sehr, sehr gut. Habe auf der Wieselealpe, der Trittkopfalpe, Spuleralpe, Tannlägeralpe, Schütz und im Pazuel einige Sommerferien als Kleinhirt und dann hochgearbeitet bis zum Mittelhirt, gearbeitet. Waren schöne, aber auch harte Zeiten die es heute in dieser Art nicht mehr gibt und wahrscheinlich auch nicht mehr geben wird.
Die Fotos rufen so einige Erlebnisse und Errinerungen wach.....!

Gruß
Egon
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Offline Max

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Re:Mahdlochalpe (Zürs)
« Antwort #2 am: 09. Aug 2013 - 16:48 Uhr »
Super Bilder und tolle Eindrücke!

@ Egon: Worin bestand der Unterschied zwischen Klein- und Mittelhirt?

Gruß, Max
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Offline eganahl

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Re:Mahdlochalpe (Zürs)
« Antwort #3 am: 09. Aug 2013 - 18:38 Uhr »
Hallo Max,
als Kleinhirt fängt man an, man hatt nicht all zu viel Ahnung was die Hüterei betrifft, vom Vieh je nach dem ob man aus einem Bauernhof kommt oder nicht, auch nicht all zu viel. Der Kleinhirt muss viel, viel laufen. Elektozäune oder so was ähniches gab es dort oben nicht. Auf der Trittalpe hatten wir 260 Rinder, etwa 60 Pferde und etwas Galtvieh. Die Hirten gehen in der Früh so um 6:00 Uhr oder früher, ausgerüstet mit Stock, Hut, Regenmantel und etwas zu Essen im Rucksack zum Vieh, spät abends wenn die Dämmerung einsetzt geht es wieder zurück. In der Zwischenzeit bist du Wind und Wetter ausgesetzt, auf Hochalpen wie der Tritt- oder Pazuelalpe schneit es im Sommer einge male, dann muss das Vieh in tiefere Lagen getrieben werden. Reichte der Schnee bis nach Zürs hinunter musste das Vieh in eine Schonung getrieben werden. In dem mit einer Steinmauer umgebenen Pferch durfte man die Tiere 3 Tage halten, war der Schnee bis dahin nicht wieder weg musste Abgetrieben werden. Die Hirten sitzten die ganze Nacht meist frierend in dem fensterlosen Steinhäuschen und sollten bei Panik das Vieh beruhigen, wie das wussten wir selber nicht. Der Mittelhirt kümmert sich jeden Morgen um die Vollständigkeit der Herde, er gibt Anweisungen wie weit das Jungvieh hoch darf und auch die seitliche Begrenzung wird von ihm festgeslegt. Krankeiten sollte er erkennen und Hufpflege gehören zu seiner täglichen Arbeit. Wenn ein Galtvieh verworfen hat muss er sich um das Kalb, ob lebend oder Tot kümmern, vor allem um die Kuh und deren Nachgeburt. Bei größeren Problemen wurde der Meisterhirt geholt, was meistens einen stundenlangen Fußmarsch bedeutete. Auf der Kuhalpe wie z.B. Spullers musste man täglich kräftig beim Melken mit anpacken. Die Melkmaschine waren 2 Arme mit jeweils 10 Finger. Kleinhirten mussten mindestens 8 Kühe, Mittekhirten das Doppelte und Meisterhirten mindestens 20 Stück melken. Mit 14-15 Jahren sind dir nach der 10. Kuh die Arme abgefallen oder die Augen zugefallen. Der Meisterhirt hat das sofort bemerkt und hat im Vorbeigehen einfach deinem Melkschemel eine Tritt verpasst und schon lagst du neben der Kuh. Bei schönem Wetter hast du viel Zeit und Muse, das Laufen macht in diesem Alter nichts aus. Als Zubrot haben wir den Touristen die mit dem Auto von Lech hereingekommen sind die Gatter aufgemacht und ihnen für 3 Schilling einen Alpenrosenstrauß und für 5 Schilling einen Edelweissstrauß verkauft. Wir sind auch öfters zum Klettern, die Touris mit ihrer riesigen Ausrüstung haben es uns ja vorgemacht. So bin ich mit 13 Jahren in aller Herrgottsfrüh mit Gummistiefel die Roggalnordkante hoch und im Laufschritt hinten wieder hinunter, der Mittelhirt sollte das ja nicht mitbekommen das ich nicht beim Vieh war. ;)))  Es gab in all den Jahren so viel zu erleben und es war eine uralte Familientratition das man als Hirte auf einer Alpe gearbeitet hat. Die Eltern haben wir den ganzen Sommer nicht gesehen, bis auf einen einzigen Tag, wenn der Vater mit der Handschermaschine zum Haareschneiden gekommen ist. Von der Schule durften wir 14 Tage früher gehen und 14 Tage später kommen, ein Privileg der Hirten.
Hochalpen waren hart und nicht erstrebenswert, Alpen wie Spullers, oder Formarin waren Spitze. Im ersten Sommer verdiente ich mir einen Gummimantel, der Lodenmantel hatte dann ausgedient, im zweiten Sommer ein gebrauchtes Fahrrad. Später wurde die Arbeit dann schon etwas besser bezahlt.
Ja, so war es damals auf den Alpen im Lechquellgebiet.

Gruß
Egon
« Letzte Änderung: 09. Aug 2013 - 18:54 Uhr von eganahl »
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Offline kalle

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Re:Mahdlochalpe (Zürs)
« Antwort #4 am: 10. Aug 2013 - 09:56 Uhr »
@Egon

Super, deine Eindrücke von damals. Ich selbst war ja auch jahrelang Hirte auf Almen, aber bei mir ging es nicht mehr so hart zu wie bei dir. Hast schon mal überlegt ein Buch über deine Erlebnisse zu schreiben?
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Offline Max

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Re:Mahdlochalpe (Zürs)
« Antwort #5 am: 10. Aug 2013 - 12:02 Uhr »
Klasse Egon! Vielen Dank für deine Einblicke! So im groben hab ich mir das auch vorgestellt, aber ich denke es ist für Außenstehende nur zu schwer nachzuvollziehen, wie hart das Leben da oben wirklich war. Von der viel zitierten Alpromantik wird da nicht viel geblieben sein...

Viele Grüße, Max
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Offline kleimber

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Re:Mahdlochalpe (Zürs)
« Antwort #6 am: 11. Aug 2013 - 08:19 Uhr »
es ist für Außenstehende nur zu schwer nachzuvollziehen, wie hart das Leben da oben wirklich war. Von der viel zitierten Alpromantik wird da nicht viel geblieben sein...
Überraschend ist wie lange das noch so war - Kasse ist gem. Bild max. 40, d.h. selbst in den 90-ern muss es das noch gegeben haben. Dass man dann keinen Hass auf die Berge bekommt ist aus dem schwäbischen "Flachland" kaum vorstellbar.
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Offline kalle

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Re:Mahdlochalpe (Zürs)
« Antwort #7 am: 11. Aug 2013 - 10:22 Uhr »
es ist für Außenstehende nur zu schwer nachzuvollziehen, wie hart das Leben da oben wirklich war. Von der viel zitierten Alpromantik wird da nicht viel geblieben sein...
Überraschend ist wie lange das noch so war - Kasse ist gem. Bild max. 40, d.h. selbst in den 90-ern muss es das noch gegeben haben. Dass man dann keinen Hass auf die Berge bekommt ist aus dem schwäbischen "Flachland" kaum vorstellbar.

Auf die Berge bezieht man den Groll, falls man denn einen hat, m. E. nach auch nicht. Wenn man in irgendeiner Form drangsaliert wird, dann bezieht sich der Zorn wohl eher auf die Person, die einem eben beispielsweise den Melkschemel unter dem Hintern wegtritt  :-\
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