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"BOULDERN" von Bernd Zangerl  (gelesen 72 mal)

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"BOULDERN" von Bernd Zangerl
« am: 08. Sep 2019 - 22:22 Uhr »


Zum Autor:
Bernd Zangerl wurde 1978 in Flirsch im Arlberg (Tirol) geboren. Von Geburt an von Bergen umgeben, dauerte es nicht lange, bis er von dieser großartigen und scheinbar endlosen Welt aus Gletschern, Schluchten und Gipfeln angezogen wurde. Nach großen Erfolgen im alpinen Klettern, wandte sich Bernd Zangerl schließlich dem Bouldern zu und fand hier seine wahre Leidenschaft.

Zum Inhalt:
John Gill, der Vater des heutigen Boulderns, reflektiert im Vorwort kurz die Entstehung des Boulderns und skizziert dabei wichtige historische Boulder, z.B. Fontainebleaus in den französischen Alpen. Er spannt einen Bogen von seiner eigenen Entwicklung und dem Ende seiner ernsthaften Boulderphase in 1987 bis zur heutigen Popularität, mit der erstmaligen Aufnahme des Bouldern in das Programm der Olympischen Spiele in 2020. Abschließend stellt er Bernd Zangerl als herausragendsten Vertreter dieses Sports gemeinsam mit seinem ersten Boulder-Buch in den Vordergrund.

Bernd Zangerl beschreibt seine Inspiration im gleichnamigen Kapitel und schildert seine Faszination bereits im Jugendalter zu den Büchern von Reinhard Karl. Schnell war klar, dass er die Welt entdecken wollte. Als Schüler nutzte er die Wochenenden umd dem Alltag zu entfliehen, und lernte durch seinen Freund und Bergführer Peter Grissemann das Klettern. Marmolada-Südwand, Grand Capucin und im heimatlichen Wilden Kaiser sind dabei nur einige Stationen wilder Abenteuer.
 
Seinen ersten "unfreiwilligen" Boulder kletterte Bernd Zangerl 1995, wobei das Wort "Bouldern" noch nicht den heutigen Stellenwert bzw. Bekanntheitsgrad hatte. Das Ereignis fand im Klettergarten Schnann mit der Bewältigung der fünf Meter hohen und stark überhängenden Route "Flatline" statt. Von da an vollzog sich der eigentlich Wandel weg vom reinen alpinen Klettern hin zum Bouldern, was Ihn jedoch nicht daran hinderte weiterhin in der ganzen Welt unterwegs zu sein.

Mit bewegenden Worten schildert Bernd Zangerl im Kapitel "Projekte und die Kunst des Scheiterns" sein persönlichstes Projekt: Die Rückkehr ins Leben nach einem schweren Sturz. Entgegen der Meinigung der Schulmedizin einer irreparablen Verletzung kämpfte sich Bernd Zangerl - auch mit Hilfe des Bouldern - zurück in den Alltag.

Bernd Zangerl beschreibt in seinem Buch die Faszination, die das Bouldern auf Ihn ausübt. Im Einklang mit der Natur das Problem oder die Herausforderungen eines Boulder zu lesen, dem sogenannten "Decoding", um manchmal bis zur Erschöpfung in unzähligen Anläufen und gescheiterten Versuchen die Lösung zu finden.

Zitat: "Wenn alles im Fluss ist, Körper und Geist in absoluter Balance, wenn das Denken wegfällt, dann wird Bouldern zum Tanzen. Der Kletterer verschmilzt mit der Materie Fels, alles wird ganz leicht und einfach. Ob der Geist zum Körper wird oder der Körper zum Geist, bleibt schlussendlich auch nur eine Anschauungssache, die jeder für sich selbst finden muss." Zitat Ende.

Bernd Zangerl greift neben aller Schwärmerei aber auch das Thema Nachhaltigkeit auf und macht auf die Schattenseiten des anhaltenden Kletter- Boulderbooms aufmerksam. Weltweit erhöht sich die Anzahl der Frequenz an Outdoor-Sportlern die sich die schrumpfende Fläche in der Natur teilen wollen, was den Druck auf die Umwelt enorm erhöht. Kritisch und ohne rosa Brille beschreibt Bernd Zangerl diese Entwicklung. Hierzu versucht er dem Leser seine Vorstellung und seine Prinzipien von Nachhaltigkeit nahe zu bringen. In einem spannenden beispielhaften Projekt berät Bernd Zangerl die Bewohner im indischen Rakchham, den Bouldertourismus von Anfang an in geregelte Bahnen zu lenken.

In einem weiteren Kapitel porträtiert Bernd Zangerl wichtige Begleiter und Stars der Szene. Angefangen mit John Gill, dem Vater des Bouldern aus den USA. Weiter über Wolfgang "Flipper" Fietz, dem maßgeblichen Boulderpionier aus Deutschland. Erwähnung finden Jacky Godoffe, einer der weltbesten Freikletterer seiner Zeit und die beiden Briten Ben Moon und Jerry Moffatt, mit denen er eine langjährige Freundschaft pflegt. Der Schweizer Fred Nicole, der das Bouldern maßgeblich mit geprägt hat, der unscheinbare aber nicht weniger erfolgreiche Klem Loskot aus Salzburg, die Amerikanerin Lisa Rands als eine der stärksten Boulderinnen der Jahrtausendwende, Dai Koyamada vom japanischen Bouldern, Dave Graham mit unerschöpflichem Enthusiasmus. Die Liste der Portäts vervollständigen Kilian Fischhuber, Nalle Hukkataival, Jimmy Webb, Anna Stöhr, Shauna Coxsey und Ned Feehally, Adam Ondra, Charles Albert, Giuliano Cameroni, Shawn und Brooke Raboutou und zum Abschluss Ashima Shiraishi, bekannt als amerikanisches Wunderkind im Bouldern.

Fazit:
Bernd Zangerl verarbeitet in seinem Werk sehr persönliche Erlebnisse und skizziert dabei seinen eigenen Weg vom alpinen Klettern hin zum Bouldern. Dabei finden viele Wegbegleiter und Stars der Szene ihren entsprechenden Platz in seinen Erzählungen. Man liest viel über den Umgang mit Herausforderungen, von Motivation, Verletzungen und Scheitern. Das alles ist anwendbar auf viele Sportarten, ist in seinem Buch aber ganz besonders auf das Bouldern anwendbar. Gleich mehrere Kapitel sind dem Einstieg ins Bouldern beginnend im Kindesalter bis hin zum Erwachsenen, dem richtigen Trainieren bis zur möglichen Teilnahme an Wettkämpfen gewidmet. Ein weiterer Schwerpunkt ist ein Überblick über die aktuell wichtigsten und bekanntesten Bouldergebieten der Welt.
Mit zahlreichen traumhaften Bildern in Hochglanzoptik ist dieses Buch ein Erlebnis für Boulderer, Neueinsteiger und Freunde des Alpinismus gleichermaßen. Empfehlenswerte Lektüre.

Bezugsquellen:
ISBN: 9783711200082, 232 Seiten
weitere Infos: 2019 Bergwelten
Preis: € 24,00

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