Bergsport und Corona?

Es gibt einen Berg für jedes Alter  (gelesen 308 mal)

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Offline Gipfelsammler

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Es gibt einen Berg für jedes Alter
« am: 30. Dez 2020 - 15:21 Uhr »
Wolfgang Schüssel, Sepp Forcher: Es gibt einen Berg für jedes Alter.
Bergwelten Verlag, Elsbethen 2020, € 20,-


978-3-7112-0023-5



Das Buch, zu dem der österreichische Altbundeskanzler Wolfgang Schüssel die Illustrationen und einen persönlichen Beitrag beigesteuert hat, wurde vom Bergwelten-Verlag herausgegeben. Es ist auch als E-Book erhältlich.
Entscheidet man sich aber für Letzteres, entgeht einem wirklich etwas, denn dieses Buch fühlt sich einfach schon vom Material her richtig gut an. Zudem lädt der illustrativ gelungen umgesetzte Titel dazu ein, das Deckblatt unter verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, um herauszufinden, ob denn wirklich alle Zahlen von 1 bis 99 vorkommen.

Zugegeben, zunächst war es auch der Titel, der mich neugierig gemacht hat. Schließlich schien er Ideen zu versprechen, in welchem Alter man welchen Berg angehen könnte. Doch weit gefehlt. Andreas Lesti, der die erste der 16 Kurzgeschichten unter dem Titel „Der sprechende Berg“ verfasst hat, hält sich noch im Rahmen meiner Erwartung, wenn er die Frage stellt ob man mit Mitte 40 noch zu jung für das Matterhorn ist. Eine Frage, die der Berg selbst beantwortet: „Du musst einen Steinbock im vollen Galopp aus der Bahn werfen können.“ Nicht entscheidend ist also das konkrete Alter, sondern die innere Bereitschaft.

Dies leitet über zu den weiteren Geschichten, die mir ein bisschen wie ein Adventskalender vorgekommen sind. Man weiß nie, was sich hinter dem nächsten Türchen verbirgt. Das kann schlicht ein gewöhnlicher Expeditionsbericht sein, wie der von Alexander Huber über die Besteigung des Wolfszahns. Oder die Geschichte von Ursula Strauss, die zwar in den Bergen spielt, aber letztlich den authentischen Bericht eines achtjährigen Mädchens über einen Skiunfall wiedergibt. Dabei hat sie auch ihre Gedanken zur Verantwortung des Berges für den Unfall zu Papier gebracht. Es können Beschreibungen eines Schülers sein, der mit seinen Eltern, in den Bergen Feuer macht und sodann mit Pfeil und Bogen durch die Gegend läuft und dabei – was wenig glaubwürdig erscheint – an das Leid der Soldaten gedacht haben will, die dort im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben.

Die Essays zeigen aber nahezu durchgängig eine große Liebe zu den Bergen auf. Dabei erscheinen immer wieder philosophische Ansätze, über die es sich lohnt, nachzudenken. So der Gedanke von TV-Journalistin Barbara Stöckl, wenn sie schreibt „Der Aufstieg auf einem Berg ist ja immer wieder symbolhaft für das Fortschreiten des eigenen Lebens. Mit jedem Schritt wird es beschwerlicher, aber die Aussicht, der Überblick wird größer, weiter.“ Oder der interessante Gedanke von Expeditionsbergsteigerin Gertrude Reinisch-Indrich: „… Und so mancher weniger berg-affine Partner wurde enttäuscht, weil die Liebe zu den Bergen beständiger sein kann als alles andere.“ Und diese Liebe zu den Bergen gipfelt in der beschriebenen Mammuttour einer Umrundung Österreichs auf den Grenzen zu seinen acht Nachbarländern (143 Tage überwiegend zu Fuß unterwegs über 3800 km und 154.000 Höhenmeter). Trotz eines wirklich tragischen Momentes eine wunderbare und spannende Erzählung.

Umkehren statt weitergehen ist ein Thema in den Beiträgen von Klaus Haselböck und Axel Naglich. In beiden Geschichten siegt die Vernunft. Dabei ist es einmal der Verlust einer Wasserflasche, der eine Durchquerung des Toten Gebirges unmöglich macht. In der anderen Story sind es eher Wegfindungsschwierigkeiten, die ein Scheitern des ersten Besteigungsversuches der Ortler-Nordwand schon zu Beginn der Geschichte vorausahnen lassen. Schön finde ich auch die Geschichte von Johanna Doderer, die sehr plastisch zeigt, wie herrlich Gedanken auf einer Wanderung abschweifen können. Sie unternimmt zweimal die gleiche Tour im Abstand von 25 Jahren, was bei ihr Erinnerungen von sehr prägenden Ereignissen in ihrem Leben zutage fördert. Und fast schon tröstlich ist auch die Erkenntnis am Ende des Beitrags von Hans Gasperl, mit Jahrgang 1944 der älteste Autor, wenn man vom Schreiber des Vorworts absieht. Er beschreibt das Glücksgefühl, in seinem Alter durch paradiesische Landschaften wandern zu können und schließt mit den Worten: „Wenn es im versprochenen himmlischen Paradies auch annähernd so schön ist wie hier in den Tauern, dann sind die Aussichten nicht schlecht.“

Es liegt somit eine bunte Sammlung von lesenswerten Geschichten verschiedener Autoren unterschiedlichen Alters vor. Langweilig ist es mir beim Lesen jedenfalls nicht geworden.


Gipfelsammler Claus
« Letzte Änderung: 05. Jan 2021 - 12:58 Uhr von oliver »

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