Notfall-Ausrüstung Winter  (gelesen 864 mal)

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Offline kalle

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Notfall-Ausrüstung Winter
« am: 15. Nov 2015 - 15:50 Uhr »

Notfall-Ausrüstung im Winter


Könntest du mit Recht behaupten, in einem winterlichen Notfall bei einem Lawinenabgang angemessene und fachlich korrekte Hilfe anhand deiner Notfall-Ausrüstung leisten zu können?

Vermutlich werden viele tief in ihrem Innersten eingestehen, dass sie das nicht könnten. Selbst erfahrene Wintersportler, welche häufig abseits der Pisten ihrem Sport frönen, haben oftmals Schwierigkeiten mit der Handhabe der Notfallausrüstung, da eventuell der letzte Lawinenkurs schon Jahre zurückliegt und die in Verwendung stehenden Geräte veraltet und auch nicht auf ihre Funktionalität hin getestet wurden. Eher selten ist bei Tourengehergruppen zum Tourenbeginn beispielsweise ein LVS-Check zu beobachten.

LVS
...oder auch Lawinen-Verschütteten-Suchgerät

...erklärt dir ein Gruppenmitglied, dass ihm die Anschaffung eines solchen aktuellen Gerätes zu teuer ist, dann sagt er dir ins Gesicht, dass ihm dein Leben keine EUR 270,- wert ist...
Bergauf 05-2015 / S. 25 / Peter Plattner und Michael Larcher
Empfohlen werden digitale Geräte mit 3-Antennen-Technologie welche idealerweise mit "Markierfunktion" für die Suche bei Mehrfachverschüttungen ausgestattet sind, sowie ein maximales Gerätealter von 5 Jahren oder solche Geräte die ein Software-Update vom Hersteller erhalten haben.

Lawinensonde

Ein weiteres wichtiges Gerät zur Verschüttetensuche stellt die Lawinensonde dar. Ein im Packformat zusammengeklapptes Instrument aus mehreren Carbon- bzw. Aluminiumelementen, welche durch Zug im Bedarfsfall sehr zügig zusammengebaut und fixiert werden. Mit der Sonde wird dann in dem zuvor mittels LVS-Gerät näher eingekreisten Suchfeld nach dem Vermissten "gestochert". Damit wird auch zeitgleich die Verschüttungstiefe ermittelt und es kann entlang der Sonde mit dem graben begonnen werden.

Empfohlene Sonden-Eigenschaften:
• mindestens 240cm Länge
• mit Handschuhen und bei Kälte gut bedienbar
• aufgedruckte cm-Skala

Lawinenschaufel

Hier sind Aluschaufeln jenen aus Kunststoff klar vorzuziehen, da bei Kälte und einer festen Konsistenz des Schnees die Plastikschaufel schnell brechen kann. Auch das Alter der Schaufel spielt dabei eine Rolle, da das Material im Laufe der Zeit zusehends zur Materialermüdung und damit zum Bruch neigt. Das hätte im Verlauf einer Notsituation fatale Folgen, da sich die Zeitspanne der Schaufelarbeit mit bloßen Händen unverhältnismäßig in die Länge ziehen und somit auch die Überlebenschance für den Verschütteten absinken würde.

Da die Schaufeln aufgrund des Platzmangels meist nicht im Innenraum des Rucksackes untergebracht werden können, besteht häufig die "Gefahr", dass die Funktionalität zugunsten des "stylischen Aussehens" etwas in den Hintergrund rückt. Denn die optimale Lawinenschaufel sollte in der Lage sein ein ordentliches Volumen zu fassen um ein effektives Schaufeln gewährleisten zu können.

Beim Schaufeln selbst sollte darauf geachtet werden, dass das Loch groß genug wird um darin gegebenenfalls den Verunglückten problemlos möglichst sanft und darüber hinaus horizontal herausziehen oder selbst darin weiterarbeiten zu können, aber nicht zu groß um den zeitlichen Aspekt nicht aus den Augen zu verlieren. Ein ideales Übungsfeld für das Erlernen und die nötige Beurteilung solcher Faktoren bieten Lawinensuchübungen, die oft von den jeweiligen Alpenvereins-Sektionen angeboten werden.

Lawinen-Auftriebssysteme (Lawinen-Airbag)

...bei den untersuchten Lawinenopfern reduzierte sich die Sterblichkeit um die Hälfte von 22% auf 11%...
Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF, Schweiz) / 2014
Noch scheiden sich die Geister beim Einsatz der sogenannten Lawinen-Airbags. Immer wieder werden Rufe laut, dass dieses System keinen Nutzen bringen würde. Laut den Unfallstatistiken wird diesem System aber sehr wohl eine gewisse Effizienz bei der Rettung von Verunfallten attestiert, da es die Komplettverschüttung und damit auch die Gefahr des Erstickens verringert oder gar aufhebt.

So soll laut Statistik die Mortalitätsrate bei Nutzung des Lawinen-Airbags um etwa 50% geringer sein, als bei Nichtnutzung des Auftriebssystems.
Vermutlich wird die Diskussion über die Sinnhaftigkeit so schnell nicht abreißen, jedoch sollte man zur Verhinderung des Lawinentodes wohl auch keine Option hin zu mehr Sicherheit ungenutzt lassen.

LVS, Schaufel und Sonde immer und überall? (Autor: Kristian Rath, PDF 2MB)
« Letzte Änderung: 27. Okt 2016 - 19:43 Uhr von kalle »
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Offline Lampi

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Re: Notfall-Ausrüstung Winter
« Antwort #1 am: 16. Nov 2015 - 13:07 Uhr »

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jedoch sollte man zur Verhinderung des Lawinentodes wohl auch keine Option hin zu mehr Sicherheit ungenutzt lassen.
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Dies zuverlässig zu erreichen ist nur durch konsequentes Daheimbleiben zu erreichen. >:(
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Offline Zwack

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Re: Notfall-Ausrüstung Winter
« Antwort #2 am: 07. Dez 2015 - 11:49 Uhr »
zur Ergänzung der "Notfall"ausrüstung im Winter:

- Erste-Hilfe-Set inkl. Rettungsdecke
- Kabelbinder (bei Bindungsbruch oder zum Schienen, lieber zwei zuviel dabei als einen zu wenig)
- Blasenpflaster
- Müsliriegel/Traubenzucker/Energy-Gel
- Wachsblock gegens Stollen
- Taschenmesser
- 3-4 Sturmstreichhölzer (für den Extremfall - brauchen einfach praktisch keinen Platz)
- Ersatzteller für Skistöcke
...

Online oliver

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Re: Notfall-Ausrüstung Winter
« Antwort #3 am: 07. Okt 2016 - 10:55 Uhr »
zur Ergänzung der persönlichen Notfallausrüstung:

Notfall App Bergrettung Tirol
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