Alpgeschichte  (gelesen 1207 mal)

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Alpgeschichte
« am: 30. Nov 2015 - 19:16 Uhr »

Geschichte und Geschichten von der Alpe und den Almen


Inhalte:
• Geschichte allgemein
• Alpen, Almen und Hütten (Datenbank)

Man bezeichnet sie als Alpe (alemannisch) oder auch als Alm (bayerisch), beides ist gültig im Sprachgrenzraum des Außerferns. Denn auch die Urform der ersten Ansiedlungen, in allen Teilen des Außerferns, wurden als Alpen bzw. Almen genutzt.

Alpwirtschaft und Besiedelungswelle (die Alemannen)

Zuvor oft als Sömmerungsgebiet in Verwendung, kamen bald die ersten Dauersiedler mit ihrem spärlichen Hausrat über die Jöcher und erbauten sogenannte Schwaighöfe (mhdt. sweige, was soviel bedeutet wie Viehhof, Sennerei oder Herde) an den zumeist sonnseitigen Berghängen oder in den klimatisch begünstigten Tallagen. Möglicherweise führte eine Wärmeperiode am Übergang vom Früh- in das Hochmittelalter zu vermehrter Siedlungstätigkeit in zuvor weniger ertragreiche Höhenlagen. Die gestiegenen Temperaturen hätten eine landwirtschaftliche Expansion mit sich gebracht und, wie von wissenschaftlicher Seite angenommen wird, in Folge auch zu einer Bevölkerungsexplosion geführt.

Die Menschen wichen also sehr wahrscheinlich in die zuvor als Alpungsgebiete genutzten Weidegründe aus und konnten während der Warmzeit sich und ihre Familien in gewissem Maße von den Erträgen des Bodens, vorrangig aber von der Viehwirtschaft ernähren. So erreichten die ersten Siedler des Lechtals ihre Siedlungsräume über die höchsten Jöcher hinweg:


Gruppe

Gebiet

Übergang

alemannischoberes LechtalMähdelejoch (von Oberstdorf)
HinterhornbachHornbachjoch (von Oberstdorf)
Tannheimer Tal (bis Haldensee)Oberjoch (von Sonthofen, Burgberg)
bayerisch
teilweise (räto)romanische Einflüsse
BerwangTarrenton/Schweinsteinjoch (vom Gurgltal)
NamlosHahntennjoch (vom Inntal und von Imst aus)
Bschlabs/PfafflarHahntennjoch (vom Inntal und von Imst aus)
GramaisHahntennjoch über Pfafflar/Boden und Sattele (vom Inntal und von Imst aus)
MadauGroßbergjoch und Alperschonjoch (vom Stanzertal)
KaisersAlmajurjoch (vom Stanzertal)


Rätoromanen und Bayern

Speziell die Besiedelung der rätoromanisch gefärbten Bayern hat ihren ganz speziellen "Abdruck" etwa in der Bergwelt der Lechtaler Alpen hinterlassen. Die romanische Alpenbevölkerung war auf die Almwirtschaft spezialisiert und brachte das nötige "Know-How" quasi im Gepäck mit um in solch abgeschiedenen Gebirgsregionen leben, ja überleben zu können. Noch heute geben Ortsnamen, welche auf die letzte Silbe betont werden, einen Hinweis auf die (räto)romanische Besiedelung: Bschlabs, Pfafflar, Gramais, Almajur, Alperschon.

Selbst die Vorfahren der Rätoromanen, die Räter hatten in diesem Gebirgszug schon ihre Spuren hinterlassen, wie eine an der Parzinnspitze aufgefundene Votivfigur aus dem 5. Jahrhundert vor Christus beweist. Allerdings dürfte dieser Fund wohl kaum mit einer Siedlungstätigkeit in dieser Zeit in Verbindung stehen. Wohl aber ein Hinweis dafür sein, dass diese Jöcher schon seit Jahrhunderten als Übergänge dienten.

Walser

Die wesentlich später auftretenden Walser hingegen ließen sich an den Randgebieten des Außerferns nieder. Etwa am Tannberg oder den heutigen Steeger Fraktionen Lechleiten und Gehren. Auch von ihnen ist bekannt, dass sie dem kargen Boden in einer rauen Gebirgslandschaft soviel Ertrag abzutrotzen in der Lage waren um davon auch Leben zu können.

Um in den neu erschlossenen Gebieten Fuß zu fassen, mussten alle Bauern jener Zeit aber tatsächlich sämtliche zur Verfügung stehende Flächen bewirtschaften, das Vieh über den Sommer auf die Hochweiden treiben und die steilen Wiesenflanken in den Gipfelregionen mähen.

Ludwig Steub berichtet davon in seinem Buch 3 Sommer in Tirol
...er erklimmt mit seinen Fußeisen die höchsten Spitzen der Berge und bleibt Tag und Nacht auf seinen Mähdern das Futter zu sammeln, das ihm während dieser Zeit auch als erwärmende Liegerstätte dient. Dabei nährt er sich mit einem Brei von Ziegenmilch oder noch einfacher mit Käse und Brod, und trinkt frisches Bergwasser dazu...

Auch Joseph Rohrer schildert das Schaffen eines Bergheuers in seinem Werk - Uiber die Tiroler von 1796
...klettert mit drückenden Fußeisen umgeben über die furchtbarsten Gaiswege bis auf die höchsten Gebirge, von denen ihm ein schmaler grüner Teppich in das Auge fällt. Nachdem er die wenigen Pfunde Wildheu vom beschornen Gipfel herabgeworfen, muß er erst Pfähle in den Boden einschlagen, und um der augenscheinlichen Lebensgefahr auszuweichen, sich mittels eines um dieselben gewundenen Strickes in die beynahe senkrechte Tiefe hinablassen...

Es war also notwendig, für die Zeit der Hut auf den Bergweiden und zur Unterbringung des Bergheus, Behausungen und Städel in den Höhenlagen zu errichten. Was zuvor als Alpe genutzt, wurde zur Siedlung und die Hochlagen wiederum zu Almen und Bergmähdern erweitert.

Jöcher verbinden und Schluchten trennen

Dass der Eindruck einer unwirtlichen Landschaft am eigentlichen Eingang in das Untere Lechtal selbst noch vor beinahe zwei Jahrhunderten vorherrschte, skizziert der 1831 in Holzgau geborene Volkskundler Christian Schneller so:

"...der Eingang in das Lechthal von Weissenbach hinauf ist fast abschreckend. Eine Meile weit ist der Thalboden zwischen den düster bewaldeten rauhen Bergen fast nur eine wüste Sand- und Geröllfläche. Da finden wir zuerst, eine Wegstunde ober Weissenbach, am rechten Lechufer das kleine Dorf Forchach und eine Stunde weiter das Dorf Stanzach am rechten und Vorderhornbach am linken Lechufer.

Im Hintergrunde enger Seitenthäler liegen dort Namlos mit Kelmen, hier Hinterhornbach. Das Thal fängt an freundlicher zu werden; dem eingeengten Lechflusse ist jetzt nirgends mehr ein allzu weiter Spielraum für seine Sandflächen und Weidenauen geboten. Eine Stunde ober Stanzach betreten wir das eng zusammengebaute Dorf Elmen, ober welchem sich ein Seitenthal öffnet, in welchem die Dörfchen Bschlabs, Boden und Pfafflar liegen. Dann folgt an beiden Ufern das Dorf Häselgehr, bei welchem in einem engen Seitenthale nach Süden hin das Dörflein Gramais liegt.

Das Thal sieht nun schon so freundlich aus, dass der Wanderer nicht mehr bereut, es betreten zu haben. Er hatte geglaubt, da oben nur mehr armselige Alpendörfer mit hölzernen Hütten und vom Viehe ausgetretenen unsaubern Wegen zu finden, und sieht nun Dörfer mit stattlichen Häusern..."


So bestätigt sich auch hier die Annahme, dass in früheren Zeiten die Jöcher als erste Verbindungen zu neuen Siedlungsplätzen wahrgenommen wurden. Wogegen Schluchten ein besiedelungstechnisches Hemmnis darstellten.

Käseerzeugung

Gerade am Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr die Käseherstellung im Allgäu, als auch im angrenzenden Tiroler Außerfern, eine Blütezeit. Viele der alten Sennhütten wurden neu erbaut bzw. dem damaligen Standard des Sennereiwesens angepasst. Die Erzeugung von Käse stellte einen enorm wichtigen wirtschaftlichen Faktor für die betreibenden Gemeinden dar und in den Kesseln der mit bis zu 100 Milchkühen bestossenen Alpen entstanden dabei meist Fett- oder Schweizerkäse.
« Letzte Änderung: 20. Dez 2016 - 01:23 Uhr von kalle »
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