Salzstraßen im Außerfern  (gelesen 1765 mal)

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Salzstraßen im Außerfern
« am: 24. Jul 2016 - 15:25 Uhr »

Bildquelle: Transparent im Ortskern von Simmerberg

Erschließung und Entwicklung


Ende des 13. Jahrhunderts wird in einem kleinen Tal im Karwendel ein Salzvorkommen erschlossen, bereits im Jahr 1272 wird ein erster Stollen im Halltal urkundlich vermerkt. Schnell entwickelte sich östlich von Innsbruck, am Ausgang des Tales die rasant prosperierende Stadt Hall. Der Salzhandel beschränkte sich zunächst noch auf das innertirolische Gebiet und das heutige Südtirol. Erst mit ausgehendem 14. Jahrhundert begann sich ein reger Absatz in die Gegend des Bodensees und der östlichen Schweiz zu entwickeln.

Am Ende des 13. Jahrhunderts erlebte die antike Via Claudia Augusta - mit aufkommenden Handelsbeziehungen zwischen Oberitalien und dem süddeutschen Raum - eine Renaissance. Für die damals üblichen Handelsgüter schien die Trasse der alten Römerstraße - bis auf einige wenige Anpassungen und Ausbauten - ausreichend. Mit der einsetzenden Blütezeit des Salzhandels und des Rodfuhrwesens im 15. Jahrhundert wurde jedoch bald ein umfassender Ausbau der Handels- und Salzstraßen im heutigen Außerfern notwendig.

1541 gab Ferdinand I. von Habsburg den Befehl zur Neutrassierung der Salzstraßen in seinem Herrschaftsbereich. Gerade die baulichen Maßnahmen an den Übergängen des Fern-, Gaicht- und Jochpass' wurden bis etwa 1550 abgeschlossen.

Für die Bevölkerung entlang dieser Salzroute entwickelte sich dadurch ein lukrativer Nebenerwerb - das sogenannte Rodfuhrwesen. Der Begriff 'rod' wird von Reihe abgeleitet, also die Reihenfolge im Frachtverkehr entlang der Beförderungsstrecke. Denn seit dem Mittelalter war es nur einheimischen Fuhrwerksbesitzern entlang der Strecke erlaubt Frachten zu transportieren, durch die Kenntnis des Streckenverlaufes wurde der Transport insgesamt sicherer. Selbstredend konnte auch der jeweilige Landesherr mit laufenden Einnahmen - beispielsweise durch Zölle - dadurch rechnen, weshalb diesem Wirtschaftszweig stets besondere Beachtung geschenkt wurde.

Berufe rund um das Salz


Die Salzfaktoren waren selbständige Unternehmer, die für die Lagerung des Salzes in den Salzstädeln (Rodstation) und den Weiterverkauf zuständig waren. Im Bereich Zwischentoren zeigte sich beispielsweise die Familie Sterzinger als bedeutende kaiserlich königliche Salzfaktoren. Was die Sterzinger also für Lermoos, waren die Zeiller für Reutte - auch ein Geschlecht welches über Jahrzehnte hinweg das Amt des Salzfaktors bekleidete.

Auch weitere Berufe verdankten ihre Existenz dem Handel mit Salz:
Die Salzstadel-Schnöller halfen beim Ab- und Beladen der Wagen. Die Wäger überprüften die Ordnungsmäßigkeit des Gewichtes der zu lagernden Fässer und in den Nachtstunden sicherten Salzstadel-Wächter das wertvolle Gut Salz.


Darüber hinaus konnten sich im Einflussbereich der Salzstraße zahlreiche Gewerbe besser entwickeln:

  • Huf- und Nagelschmiede
  • Wirte und deren Personal
  • Müller und Bäcker
  • Sägmüller
  • Schuster
  • Tischler, Maurer und Zimmerleute
  • Seiler


  • Kriegszüge brachten spätestens ab 1546 die Pest mit in das Gericht Ehrenberg. Gerade an den Rodstätten und entlang der Salzstraße grassierte die Seuche am heftigsten, machte aber auch vor dem "Hinterland" nicht halt. Eine regelrechte Sterbewelle brandete in den Jahren zwischen 1566 und 1568 durch die Region. Erst 1569 sah man die Gefahr soweit gebannt, dass die Sterbhut an der Klause abgezogen wurde.
    Doch schon 1583 setzte sich das "große Sterben" fort. Das Rodfuhrwesen musste - wie schon während der ersten Pestperiode - die größten Seuchengebiete umfahren um die Pest in ihrer Ausbreitung tunlichst zu hemmen. Trotzdem blieb die Pestgefahr noch über Jahre hinweg durch stetes Wiederaufflackern aufrecht.

    Die Salzstraße in Bildern


    Die Abschnitte

    von Hall bis zum Fernpass


    zwischen Hall und Telfs

    Von Hall und Innsbruck kommend, gelangte die Salzstraße über Kranebitten nach Zirl. Die heutige Bundesstraße ist weitestgehend identisch mit dem mittelalterlichen Verlauf. Am Fuße der Martinswand wird die alte Zollstation am Martinsbühl passiert, welche schon 180 n. Chr. von den Römern als Lager Teriolis errichtet wurde. In Zirl selbst befand sich dann auch der erste Salzstadel als Niederlagsort an der Strecke. Der nächste Salzstadel befand sich dann in Telfs, jenem Ort vor dem ersten größeren Anstieg hinauf zum Mieminger Plateau.



    von Telfs nach Nassereith

    Bis ins späte 18. Jahrhundert verlief die Trasse der Salzstraße noch vorbei an der Wendelinkapelle im Westen von Telfs. Über den Höhenzug gelangten die schweren Fuhrwerke mit Unterstützung von Vorspännern vorbei an Moritzen zu der Bötlerkapelle und in Folge auf die Höhenstufe des Mieminger Plateaus.

    Erst 1782 verlegt man die Straße weiter gegen Norden hinein in das sogenannte Meaderloch (meader = mühsam), welches über eine kurzzeitig steile Rampe befahren wurde, insgesamt aber doch weniger Steigung beinhaltete als die vormalige Strecke.

    In mäßiger Steigung - mit einigen kurzen steileren Anstiegen - durchfuhren die Salzfuhrwerke die Orte Affenhausen, Barwies und Obsteig. Ab hier folgte der Übergang über den Holzleitensattel, hinab ins Tal des Roßbaches und nach Dormitz und Nassereith. In Nassereith traf die Salzstraße auf den einstigen Verlauf der antiken Via Claudia Augusta.

    In Nassereith befand sich auch ein Pallhaus zur Niederlegung der Waren über Nacht, damit sich die Fuhrleute anderntags ausgeruht auf den Weg über den Fernpass machen konnten.



    über den Fernpass

    Wohl eine der größten Herausforderungen entlang der Salzstraße stellte jener Streckenabschnitt über den Fernpass dar. Die Strecke über den Pass scheint gerade im Winter berüchtigt gewesen zu sein. 1526 - als noch die Trasse der ehemaligen Römerstraße in Verwendung stand - kamen beispielsweise im Bereich Fernstein 3 Menschen, sowie 26 Pferde (!) durch Lawinen zu Tode. Um diesen Weg überhaupt bewältigen zu können war es unbedingt notwendig Vorspannpferde einzusetzen.

    Erst nachdem die Strecke 1543 im Bereich der Klause Fernstein neu trassiert wurde, konnte eine Verbesserung erzielt werden. Gefährlich blieb dieser Streckenabschnitt aber dennoch. Der durch die damals neue Technologie des Sprengens teils aus dem Fels herausgearbeitete und mit meterhohen Stützmauern versehene Straßenverlauf gelangte zum Schanzlsee und in einem weiten Bogen durch das Untere Afrigall hinauf zum Scheitelpunkt des Passes auf 1210 Meter ü.N.N.



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    Zwischentoren


    von der Fernpasshöhe nach Lermoos

    Der Begriff 'Zwischentoren' leitet sich eigentlich von dem Bereich zwischen den beiden Klausen am Fernstein, sowie jener bei Ehrenberg ab - somit würde auch vorgenannter Teilabschnitt in diesen Bereich fallen. Jedoch wurde im 19. Jahrhundert die Bezirksgrenze von dem Sperrwerk am Fernstein auf die Passhöhe herauf verlegt. Aus diesem Grund lasse ich den Sektor Zwischentoren ebenfalls an der Anhöhe des Fernpass' beginnen.

    In weiten Teilen ist der Streckenverlauf zwischen der Anhöhe am Fernpass bis hinab zum Weißensee mit der heutigen neuzeitlichen Straße identisch. Die Geleisspuren östlich des Weißensees sind zwar eindeutig mittelalterlich, jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit in die Zeitspanne der Nutzung der alten Römerstraße - welche ja südöstlich des Sees verlief - also vor dem Jahr 1550 einzuordnen. Möglich ist aber auch, dass ab der sogenannten Blindseegrube mittels einer kurzen Anbindung der ehemalige Verlauf der Via Claudia in Verwendung stand.



    Zur Zeit der Salzstraße war Biberwier schon ein florierender Bergbauort. Am Schachtkopf schürften Bergler der bergmännischen Gewerkschaft 'Silberleithe' sowohl oberflächlich als auch unter Tage vorrangig nach Silber und Blei.
    Im Gegensatz zu der Römerstraße, leitete die Salzstraße durch den Bergbauort hindurch - vorbei an der dem hl. Josef geweihten Pfarrkirche - weiter zum sogenannten 'Scharfen Eck'. 1933 wurden dort während Straßenbauarbeiten Geleisrillen freigelegt, welche später auf das beginnende 16.Jahrhundert datiert werden konnten.

    Die mittelalterliche Route von Biberwier nach Lermoos ist in etwa mit jener der heutigen Bundesstraße identisch. In Lermoos selbst gab es dann den ersten Salzstadel innerhalb des Außerferner Gebietes. Noch heute erinnert das Lermooser Wappen mit dem Rad an die verkehrstechnisch bedeutende Rolle des Ortes von der Römerzeit bis in das Mittelalter hinein. Auch in der Pfarrkirche des Dorfes findet sich im Deckenfresko ein Hinweis dazu. Auf dem Friedhof der Pfarrkirche sind zahlreiche Inschriften nachzulesen, welche auf die Salzfaktoren-Familien Sterzinger, Roßbach und Strele hindeuten.



    über Lähn / Bichlbach nach Heiterwang

    Der einstige Verlauf der Salzstraße führte von Lermoos aus über Unter- und Obergarten zum Rautängerle und nach Lähn. Früher als Mittewald bezeichnet, war Lähn einst - noch bevor Lermoos dieses Recht verliehen bekam - als 1. Niederlagsort nach dem Fernpass genannt worden. Die Blütezeit von Mittewald wurde aber jäh durch eine Lawinenkatastrophe beendet, welche am 30. Januar 1456 über das wirtschaftlich aufstrebende Dörfchen hereinbrach.

    Offenbar lag die ursprüngliche Straßentrasse zwischen Lähn/Wengle und Bichlbach vormals weiter nördlich und wurde erst später gegen Süden - etwa der heutigen Bundesstraße entsprechend - verlegt. Im Anschluss durch das Dorf Bichlbach hindurch. Die weitere Strecke verlief wohl in der Nähe der Eisenbahnlinie - also sich eher südlich haltend - auf Heiterwang zu. Heiterwang war bis 1408 der zweite Niederlagsort im Einzugsgebiet des Außerferns. Erst später gelangte das Niederlagsrecht unter den Tiroler Landesfürsten an Reutte.



    über den Katzenberg

    Von Heiterwang aus war der Anstieg hinauf zum Katzenberg zu bewältigen, die Trasse der Salzstraße dürfte sich in etwa mit jener der alten Bundesstraße decken. Dort wo heute ein Bahnübergang über die Straße leitet, führte der mittelalterliche Verlauf hinab in die ebene Fläche vor der Klause Ehrenberg. Mit dem Passieren des Tordurchlasses verließ man auch die als Zwischentoren bezeichnete Region.



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    im Reuttener Becken


    Die Bezeichnung 'im Reuttener Becken' wäre bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts nicht zutreffend gewesen. Reutte war zu diesem Zeitpunkt noch ein kleines Dorf - eine wenig bedeutsame Ansiedlung westlich von Breitenwang, dem eigentlichen ehemaligen Zentrum der Region. Die Wende brachte 1464 der Bau der Brücke von Reutte aus über den Lech nach 'der Aschau' (wie Lechaschau früher genannt wurde). In den Jahren zuvor diente eine Furt bei Ehenbichl als Übergang in die heute noch als 'Platten' bezeichnete Örtlichkeit bei Höfen.



    Zog also zuvor die Straße vom nördlichen Fuße des Katzenberges gegen Westen nach Ehenbichl, wurde deren Verlauf ab dem Zeitpunkt der Fertigstellung des Brückenbaues abgeändert. Von der Katzenmühle gegen Norden, am Sintwag vorbei grob in Richtung des Wolfsberges - einem Felsrücken am Lauf des Lechs und dem direkt unterhalb gelegenen Dorfkern von Reutte.

    Reutte

    Bereits sieben Jahre nach dem Bau der Lechbrücke erhält Reutte den Status einer 'Rodstation' und schon 1489 verleiht Erzherzog Sigmund 'der Münzreiche' dem Ort das Marktrecht. Im Laufe des Aufstiegs des Marktfleckens zum zentralen Umschlagplatz des Haller Salzes wurden im Ortsgebiet je zwei Salzstädel und Pallhäuser errichtet. Ein solcher Salzstadel befand sich im Obermarkt (Kreuzung Ehrenbergstraße, Innsbrucker Straße und Kaiser-Lothar-Straße). Im Untermarkt befand sich jener am Zeillerplatz, von welchem der historische Straßenzug - nördlich des Wolfsberges - über das "Gstoag" zum Lech und der Brücke hinabführt.



    zwischen Lechaschau und Weißenbach

    Nach dem Brückenbau leitete der Straßenzug durch Lechaschau und über Höfen und dem Ortsteil Hornberg vorüber am sogenannten Gächtle, einer Engstelle am von der Gundenspitze vorspringenden Ostrücken gegen den Lech. Der alte Verlauf der Bundesstraße dürfte dabei zu großen Teilen Deckungsgleich mit der historischen Route sein. Weiter unter den senkrechten Felswänden des Schwarzenbergs (heute als Steinbruch genutzt) hindurch und durch Wald und über die Weißenbacher Weideflächen in den am Lech gelegenen Ort am Fuße des Gaichtpass.

    ...die Straße zieht bald an malerischen Gehöften vorüber, bald biegt sie um vorspringende Felsenecken an denen unten der Lech sich schäumend bricht, oder sie zieht an langen öden Felsenwänden hin...
    aus dem "Handbuch für Reisende im Algäu, Lechthal und Bregenzerwald" von Joseph Buck (1856)

    In Weißenbach stand ein sogenannter Wetterstadel. Häufig machte die Witterung eine Weiterfahrt über den Pass unmöglich und so wurden die Fuhrwerke mit den Handelsgütern in diesem Bau abgestellt, bis eine Wetterbesserung eintrat oder die Schäden an der Straße für eine Weiterfahrt behoben wurden.



    Eisenerzabbau bei Weißenbach

    In jüngster Vergangenheit wurden die Erzstollen bei Untergaicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei steht auf einer Infotafel geschrieben: 'Zur Zeit der Salztransporte von Hall über den Fernpass nach Reutte und durch das Tannheimer Tal nach Lindau wurden die Pferdefuhrwerke bei Ehenbichl per Floß auf die gegenüberliegende Seite nach Höfen überführt. Am Ortseingang von Weißenbach betrieb der alteingesessene Huf- und Nagelschmied Zitt eine Schmiede, in welcher die Pferde neu beschlagen werden konnten.
    Das Rohmaterial dafür wurde aus diesem Stollen und etwas unterhalb sogar frei abgebaut, danach an Ort und Stelle verarbeitet.'



    der alte Ga(i)chtpass

    Vom Weißenbacher Ortskern leitet die Strecke in das enge Tal bis Untergaicht. Die um 1714 erbaute Wegkapelle Mariahilf markiert auch den Beginn des Anstieges am alten Gachtpass. Rund zweihundert Meter nach Beginn der Steigung sind heute noch die Grundmauern des alten 'Gasthaus zur Gacht' erkennbar, welches in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet wurde. 1926 vernichtete ein Feuer die Schankwirtschaft.



    Bald gelangt man in den Grund des Gemstobels, an dessen Engstelle 1632 ein Sperrwerk errichtet wurde. Hier stieg einst der Vorläufer der Salzstraße sehr steil als Saumpfad gegen Norden an. Da diese Route für die immer größer und schwerer werdenden Salzladungen nicht mehr zu bewältigen war, wurde - nachdem Kaiser Ferdinand I. 1531 noch die letzten Rechte im Tannheimer Tal von den Montforter Grafen abgekauft hatte - 1540 mit einer Neutrassierung als Fahrstraße begonnen. Die Fertigstellung dieses Bauprojektes erfolgte 1550. Davon zeugt heute noch das alte Steinfundament der ersten Rundbogenbrücke in den steilen Felsrinnen.

    Textpassage aus dem Werk 'Das Tannheimer Thal' von Dr. August Kübler (1898)
    "...sie zuletzt nur einer Kapelle spärlichen Raum gewähren, die ihren Ursprung dem frommen Sinne der Fuhrleute verflossener Jahrhunderte verdankt und wohl auch den bangen Gefühlen, mit denen sie den Schrecknissen der Gacht sich nahten. So heisst nämlich die Passstrasse, welche eben bei diesem Kirchlein einen scharfen Anstieg nimmt, um nach vier Minuten beim Gachtwirtshause etwas sanfter nach rechts abzubiegen...

    ...auf der andern (rechten) Seite blicken wir in das enge, steinerfüllte Gemsthal hinauf, wo sich unschwer die Spuren eines alten Saumweges erkennen lassen. Wer aber die Bequemlichkeit liebt, der verzichte darauf, dieselben zu verfolgen..."



    Nach Überwindung der Tobel und Brücken führte die Straße über das sogenannte Krumme Ried - eine Ebene mit kleinem Pestfriedhof - steil hinauf zu dem Wegkreuz an der sogenannten "A´sötze" (die Fuhrleute "setzen hier ab", um zu bremsen oder den Radschuh unterzulegen) am Eingang in das Tannheimer Tal, bei dem politisch noch zu Weißenbach gehörenden Weiler Gaicht.

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    Tannheimer Tal


    von Gaicht nach Nesselwängle

    In Gaicht - zu Weißenbach gehörend aber geografisch schon im Tannheimer Tal gelegen - wird an einer Tafel auf das "Älteste Haus des Tannheimer Tals" und einen Salzstadel aus dem 12. Jahrhundert hingewiesen. Jedoch sind beide Behauptungen nicht historisch belegt und erscheinen übertrieben.

    Der weitere Verlauf der Strecke zwischen Gaicht und Nesselwängle ist eher unklar. Es erscheint auf den ersten Blick eher unwahrscheinlich, dass der Straßenzug ursprünglich wieder in die Talniederung zu der Stegmühle hinab geleitet wurde um dann entlang der Strecke zweimal den Warpsbach zu überqueren ehe man in Nesselwängle ankam. Eine Trasse östlich des Baches, dem heutigen Forst- und Radweg folgend erscheint plausibler - ist aber nur eine Vermutung.



    In Nesselwängle entstand nach der Neutrassierung von 1550 ein Salzstadel und der Sitz einer Salzfaktorei. Zu Spitzenzeiten standen allein hier 80 Pferde für den Vorspann zur Verfügung. Bis 1674 befand sich im Ort auch eine Zollstelle, welche in genanntem Jahr allerdings an das Sperrwerk am Gaichtpass hinab verlegt wurde.

    die Straße(n) zwischen Nesselwängle und Tannheim

    Von Nesselwängle aus gelangt man am Gessenbach am sogenannten 'Buck' zu der Wasserscheide des Tals - wobei das Tannheimer Tal im eigentlichen Sinn gar kein Tal ist, vielmehr kann es als eine langgezogene Passlandschaft betrachtet werden. Vorausblickend schließt der Haldensee die gesamte Talenge ab. Nur wenige Häuser des Nesselwängler Weilers Haller ducken sich am steilen, bewaldeten Abhang. Ein schmaler Straßenstreifen am nördlichen Ufer des Sees leitet zu dem Gräner Weiler Haldensee auf der Westseite des Sees.



    Für den Weiterweg bis Tannheim boten sich vermutlich zwei Varianten an. Die erste, direkt gegen Westen laufende Straße über die sogenannte 'Heaché' (Anhöhe) und als zweite Variante - wenn an der schattigen Heaché noch der Schnee lag - der Straßenzug über Grän nach Innergschwend und im Anschluss nach Tannheim.



    von Tannheim bis nach Oberjoch

    Den Ort Tannheim gegen Westen verlassend, durch Kienzen und über die Zöbler Felder bis in die kleine Ansiedlung am Fuße der Halde - Zöblen. Auch hier teilten sich die Straßenstränge auf - einer folgte etwa dem Verlauf der heutigen Bundesstraße über Katzensteig nach Schattwald bis nach Steig, der andere passierte Kappl und gelangte nach Steig. Ab hier galt es wieder eine ordentliche Steigung bis an den Scheitelpunkt am Oberjochpass zu bewältigen.



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    Allgäu


    vom Oberjoch den Jochpass hinab nach Hindelang

    Nachdem das Oberjoch erreicht war, ging es anderseits über den Jochpass steil hinab. Genauso wie das bergauf fahren, hatte auch das Fahren bergab seine Tücken. Speziell die schweren Salzwagen bargen ein hohes Risiko, an der steilen Abfahrtsstrecke außer Kontrolle zu geraten. Oft wurden deshalb schwere Frachtgegenstände in Oberjoch zurückgelassen, weshalb zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Salzstadel in dem Ort am oberen Ende der Passstraße errichtet wurde.

    Bald nachdem man das Dorf Oberjoch verlassen hat, gelangt man an die von den Rodleuten errichtete Kapelle 'Beim Bild' um vor der gefährlichen Abfahrt noch einmal Gottes Beistand zu erbitten. Das Gefälle steigert sich sodann nochmals und über eine kurvenreiche Strecke erreicht man die sogenannte Wacht - diese Zollstelle wurde von den Herren von Montfort an der Grenze zu ihrem Herrschaftsgebiet errichtet.

    Weiter unterhalb der Wacht legt sich das Gelände wieder etwas zurück. Vermutlich hatte es im mittleren Bereich der Passstraße einige Ausweichtrassen gegeben um nötigenfalls dem Gegenverkehr ausweichen zu können. Verschiedene wie Hohlwege anmutende Gräben lassen dies zumindest vermuten. Auch wenig oberhalb von Hindelang scheint es noch einmal mindestens zwei Fahrbahnen gegeben zu haben, was jedoch aufgrund der Überbauung nicht mehr zweifelsfrei zu sagen ist.

    Mit Hindelang im Ostrachtal ist auch die nächste Rodstation erreicht. Für die Abwicklung war wie in anderen Rodstationsorten der Salzfaktor zuständig. Der hatte seinen Sitz im sogenannten Dreikugelhaus, welches im Franzosenkrieg vom Jochberg aus von den Österreichern beschossen und eben mit jenen drei Kugeln getroffen wurde.



    durch das Ostrachtal ins Tal der Iller und nach Immenstadt

    Über Vorderhindelang geht es weiter nach Reckenberg und Staig, vorüber an der Burgruine Fluhenstein. Von Staig nach Berghofen und weiter nach Burgberg. Das Goimoos bei Agathazell nördlich über Greggenhofen umfahrend, gelangte dieser Straßenstrang zu der Unterzollbrücke. 1494 verlegte man die Strecke weiter gegen Süden, wobei man fortan über Liebenstein die Steigung hinauf nach Imberg hinter sich bringen musste. Von dort hinab nach Sonthofen und Rieden an der Iller zu der neu errichteten Oberzollbrücke. Westlich der Iller gelangt man letztlich über Blaichach nach Immenstadt.

    Immenstadt war mit den Burgen Hugofels und Rot(h)enfels ab 1332 der Herrschaftssitz der Montforter. Ab 1360 erlangte das vormalige Immendorf das Stadtrecht. Die Salztransporte sorgten neben zahlreichen anderen Handelsgütern in Immenstadt für eine erfreuliche, wirtschaftliche Entwicklung. Als Salzrodstation hatte es das Niederlagsrecht inne, welches wiederum von einem Salzfaktor verwaltet wurde.



    Konstanzer Tal

    1360 findet sich in Dokumenten ein Beleg für das Interesse an der steten Befahrbarkeit der Strecke durch das Konstanzer Tal durch die Obrigkeit. Ihre größte Bedeutung erlangte diese Straße nach dem Ausbau der Jochstraße. Die vorwiegend als Salzstraße genutzte Strecke diente aber auch als Handelsroute zwischen Tirol und dem Bodenseeraum für andere Güter wie Wein, Getreide, Leinen oder etwa Holz.



    zum Hahnschenkelpass

    Aus dem Konstanzer Tal ansteigend verläuft die Strecke der ehemaligen Salzstraße ab Knechtenhofen über Buflings in Richtung Hahnschenkelpass hinauf. Bei den Fuhrleuten berüchtigt, rang er diesen bei seiner Überwindung doch alles ab. Mensch und Tier war gefordert und immer wieder auch der göttliche Beistand gefragt. Noch heute zieren Votivgaben in Form von Hufeisen die Sakristeitüre der Stephanskapelle in Genhofen, welche direkt an der Salzroute und unweit der gefürchteten Passhöhe gelegen ist.

    Gerade die Innenausstattung der Kapelle ist bemerkenswert. Symbolreich entführt sie in die Zeit ab dem 15. Jahrhundert, jedoch ohne den Sinn und Zweck der meisten Zeichen deuten zu können. Was jedoch sofort ins Auge springt, sind die vielen Darstellungen des Wappens des Adelsgeschlechts der Montforter. Die meist in 'der Nähe' der Wappen stehenden Jahreszahlen dürften somit wohl mit Ereignissen das Herrscherhaus betreffend in Verbindung gebracht werden.



    Simmerberg - die letzte Rodstation vor Lindau

    Über Burkatshofen in stetem Gefälle hinab nach Simmerberg - der letzten Rodstation vor erreichen der Bodenseestadt Lindau. Simmerberg gelangte 1523 aus dem Montforter Besitz an das Haus Habsburg. Der Simmerberger Salzstadel wurde im Laufe des Dreißigjährigen Krieges niedergebrannt. 1639 wurde an der selben Stelle das Haus des Salzfaktors errichtet.



    von Simmerberg nach Lindau

    Von Simmerberg führte die letzte Etappe hinab nach Weiler und weiter nach Scheidegg. In leichtem Auf und Ab über Weienried zum letzten schwierigen Abschnitt - dem Ruckensteig. Von Ruckensteig - hier befand sich eine Zollstation - annähernd 300 Höhenmeter hinab nach Hub und Leutenhofen, von dort über Hörbranz nach Lindau.



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    verwendete Literatur:
    • Die Salzstraße nach Westen, Bernhard Strolz
    • Reutte - 500 Jahre Markt 1489 - 1989, versch. Autoren
    • Außerfern, Richard Lipp
    • Erlebnis Außerfern, Hannes Gasser
    • Der Bezirk Reutte - Das Außerfern, versch. Autoren
    • Heimat Ausserfern, Ferdinand Fuchs
    • diverse in den Kirchen entlang der Strecke aufgelegte Führer (Infohefte, versch. Autoren)
    • Das Tannheimer Thal, August Kübler Dr.
    « Letzte Änderung: 21. Feb 2017 - 11:49 Uhr von kalle »

    Schlagworte: salzstraße | fernpass | zwischentoren | gaichtpass | reutte | tannheim | montfort | rucksteig | hahnschenkel |