Via Claudia Augusta  (gelesen 5764 mal)

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Via Claudia Augusta
« am: 25. Dez 2015 - 21:10 Uhr »

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• Warum dieser Beitrag?
• Vorgeschichte und Geschichte der Via Claudia
• die Via Claudia in Bildern
• verwendete Literatur




Warum dieser Beitrag?


Die Via Claudia wird zwar in einer Vielzahl von touristischen Schriften (Radweg, vermeintliche kulinarische Spezialitäten aus dieser Zeit in ausgesuchten Gasthöfen) erwähnt und hat in vielen modernen Karten Einzug gehalten.

Allerdings wird dabei eher weniger auf die historisch interessanten Details der Via Claudia Augusta eingegangen und auch die Routenführungen in den genannten Karten halten sich meist nicht an die Historie.

Inzwischen (09.01.16) bin ich zwar im Netz auf die wirklich umfassende Abhandlung von Elisabeth Walde und Gerald Grabherr "Via Claudia Augusta und Römerstraßenforschung im östlichen Alpenraum" gestoßen, werde dieses Projekt für mich aber trotzdem fortsetzen.

Eine Spurensuche (in Etappen) möchte ich hier als kleine Foto-Dokumentation wiedergeben.

Entstehung des Fernpasses und erste transalpine Verbindungen im Alpenraum


Vor etwa 4200 Jahren, so nimmt eine Gruppe von Wissenschaftlern an, ereignete sich im Bereich des Loreakopfes und des östlichen Kreuzjoches ein gewaltiger Felssturz, welcher den Boden einer gegen das Gurgltal abfallenden Talsohle aufschüttete.

Wissenschaftliche Erkenntnisse einer anderen Gruppe sollen jedoch bewiesen haben, dass den Fernpass eigentlich ein Riegel aus Gipskarst bildet, welcher im Laufe der Zeit durch Dolinenbildung und Ausschwemmung langsam ab erodiert.

Welche Theorie nun wirklich zutreffend ist, scheint dennoch offen.

Jedenfalls besteht mindestens seit dem 18. Jahrhundert vor Christus ein Saumpfad über die Passhöhe.

Keltische Provokationen in Rom


Im 4. Jahrhundert vor Christus wurde möglicherweise auch die Strecke durch das heutige Außerfern für kriegerische Zwecke genutzt, als die Kelten als ganze Volksgruppen unter ihrem Anführer Brennus im Zuge der gallischen Invasion und der einsetzenden Keltenwanderung in den Jahren 390 bis 386 v. Chr. auch in der Schlacht an der Allia römische Verbände schlugen und in Folge für sieben Monate Rom besetzten, plünderten und teilweise in Schutt und Asche legten.

In Rom wurde dadurch die Macht der bis dahin herrschenden adeligen Patrizier immens geschwächt, als 367 v. Chr. die Plebejer (das Volk) immer mehr an politischer Macht gewinnen und von nun an die Geschicke Roms in die Hand nehmen. Schon 13 Jahre später erwirken sie mit den Samniten ein Bündnis gegen die Gallier (Kelten) und andere feindliche Nachbarn. Allerdings hält diese Allianz nicht lange an, als bereits ab 343 v. Chr. die vormaligen Bündnispartner sich auf Grund eines Territorialstreits auf dem Schlachtfeld gegenüber stehen.

Der Aufstieg Roms


Trotz dieser unruhigen Zeiten schafft es Rom weiter zu expandieren und seinen Machteinfluss immer weiter auszudehnen. Aber auch die Kelten bleiben weiterhin gefährlich. 279 v. Chr. fallen sie in Griechenland ein und zerstören dabei unter anderem das Heiligtum von Delphi, während die römischen Heerscharen sich in den Punischen Kriegen gegen die Karthager behaupten müssen.

225 v. Chr. rufen die Kelten erneut in Oberitalien zum Kampf gegen die Römische Republik auf und werden in einem drei Jahre währenden Krieg letztlich von den Römern geschlagen, woraufhin auch der keltische Expansionswille im oberitalischen Raum erlischt. Für die Römischen Truppen steht aber ab 218 v. Chr. im zweiten Punischen Krieg schon der nächste Gegner bereit: Hannibal zieht über die Alpen und besiegt in zahlreichen Schlachten römische Heeresverbände. Letztlich kann Rom aber doch die Oberhand gewinnen und schlägt die Invasoren im Jahr 201.

Römische Expansion


Die inzwischen weiter erstarkte Republik Rom streckt nun auch die Hand gegen Osten aus und schlägt etwa die Makedonier (197 v. Chr.), die Seleukiden (191 v. Chr.) und andere. Innenpolitisch hingegen birgt die Expansionspolitik und der Unterhalt der Truppen gehörigen Unmut in dem Vielvölkerstaat. Diese Unruhen gipfeln ab 133 v. Chr. in einem römischen Bürgerkrieg. Eine weitere Bedrohung rückt bereits 113 v. Chr. aus dem Norden heran, die germanischen Volksstämme der Kimbern und Teutonen greifen auf ihrem Zug durch Europa keltische Siedlungen an und zerstören diese, sechs Jahre später schlagen sie römische Legionen vernichtend. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen die bis in das Jahr 101 v. Chr. andauern, erst dann kann Rom durch einen entscheidenden Sieg die Germanengefahr im eigenen Land bannen.

In den Jahren 58 bis 50 v. Chr. machte sich ein gewisser Gaius Iulius Caesar daran, im sogenannten "Gallischen Krieg" die in Gallien eingedrungenen Truppen unter Ariovist, einem Heerführer der Sueben, zu stellen. Als "Retter Galliens" bezwang er zwar Ariovist, plünderte dann aber selbst keltische Siedlungen um die eigene Kriegskasse zu füllen. Von Tributzahlungen und der römischen Unterdrückung gebeutelt formierte sich unter Vercingetorix ein Aufstand, den Iulius Cesar aber durch schonungslose militärische Härte niederschlagen konnte. Die gallischen Völker westlich des Alpenbogens unterwarfen sich Caesars Macht.

Der erste römische Kaiser - Augustus


Im Januar 27 v. Chr. verleiht der römische Senat dem Großneffen Gaius Iulius Caesars den Titel Augustus ("der Erhabene"), er geht als Gaius Octavius Augustus und somit erster römischer Kaiser in die Geschichte ein. Nachdem sein berühmter Vorfahre Caesar bereits das Territorium westlich des Rheins erobern konnte, setzte sich Augustus die Einnahme des nördlichen Alpenvorlandes und aller Alpenpässe zum Ziel.



Döttenbichl und Ambronenstein bei Oberammergau


Dolche, Pfeilspitzen, Münzen und Katapultpfeilspitzen der 19. Legion - keltische Gewandfibeln, Schlüssel und landwirtschaftliche Werkzeuge


die Felksklüfte auf dem Döttenbichl verbargen die Opfergaben
Über 700 Metallgegenstände verbargen sich seit 15. v. Chr. auf dem Hügel südlich von Oberammergau. Zahlreiche Felsritzungen im Umfeld des Döttenbichls, am weiter westlich gelegenen Ambronenstein und dem Malenstein reichen bis in das Mittelalter zurück. Einige der Ritzungen könnten sogar in römischer Zeit entstanden sein.

Die archäologische Wissenschaft hat hier insgesamt noch einige "Probleme" zu lösen. Die derzeitigen Erkenntnisse deuten auf einen zunächst keltischen Brandopferplatz hin, welcher schon seit 100 v. Chr. genutzt wurde und mit dem nordöstlich gegenüberliegenden keltischen Siedlungsplatz am heutigen Rainenbichl in Zusammenhang steht.
15 v. Chr. kommt es dann zu einer Schlacht zwischen Römern und Kelten (in manchen Quellen werden auch Räter genannt?).

Im Nahbereich des Brandopferplatzes werden die (häufig auch vorsätzlich unbrauchbar gemachten) Waffen zeremoniell in Felsspalten deponiert (siehe auch Kult- und Opferplätze entlang der Kaiserstraße).


Vorstoß über die Alpen


Als erste Maßnahme dringen um 15 v. Chr. zahlreiche römische Kampfabteilungen, federführend von Mitgliedern des Kaiserhauses (Drusus und Tiberius - die Stiefsöhne des Augustus), gegen die feindlichen Germanen, Kelten und Räter vor. Sie durchstreifen dafür systematisch die Alpentäler und unterwerfen die Bewohner ihrem Machtapparat: die Isarci (rätisch, Eisacktal), die Venosten (keltisch oder rätisch?, Vinschgau), die Breuni (rätisch, Innsbrucker Raum), die Genaunen (rätisch, Unterinntal und Achensee), im Bereich nördlich des Fernpasses bei Füssen, bei Oberammergau, bei Partenkirchen und des Seefelder Beckens die keltischen Vindeliker (Cosuanates, [Vi]Rucinates, Licates und Catenates). Beweise dafür zeigen sich beispielsweise in den Funden am Döttenbichl bei Oberammergau.(siehe Infokasten oberhalb)

zivile Entwicklung und der Straßenbau


Nach der erfolgreichen Zerschlagung der keltischen Kampfverbände gingen die Römer rasch dazu über, die Gefahr vor weiteren Widerstandskämpfen zu eliminieren. Dafür bedienten sie sich einer altbewährten Vorgehensweise, bei welcher die feindlichen jungen Krieger zum größten Teil aus der Heimat fort geführt wurden. Dieser Umstand würde
auch das generelle Fehlen von Spuren eines Fortbestandes der keltischen Kultur im nunmehr römischen Einflussbereich erklären.
Die Besiegten dienten fortan in den Legionen der Römer und wurden in der Kriegskunst ausgebildet. Darüber hinaus wurden sie zur Sicherung des inneren Friedens der eroberten Gebiete als eine Art Faustpfand oder auch Geiseln zurückbehalten.

Um das neu hinzu gewonnene Gebiet sichern zu können und den militärischen Nachschub zu gewährleisten, entstand die Notwendigkeit eine Heerstraße anzulegen. Dazu wurden zunächst Erkundungstrupps und die Vermessungsingenieure (agrimensores) ausgesandt um die bestmögliche Trassierung der neuen Straße festzulegen. Mit der militärischen hat sich bald darauf auch eine zivile bzw. wirtschaftliche Nutzung eingestellt. Entlang des Streckenverlaufes wurden Raststätten (mansiones) errichtet, welche für den Pferdewechsel (mutationes) und zur Erholung der Reisenden genutzt werden konnten.

Zudem konnten sich römische Staatsbedienstete an den Einrichtungen des cursus publicus erfreuen, jenem staatlich organisierten System zur Übermittlung von Nachrichten oder Gütern innerhalb des römischen Einzugsgebiets. Im flachen Land betrug der Abstand zwischen den Rast- oder Wechselstationen etwa 40 km. Eben jener Strecke, welche der durchschnittliche Nutzer innerhalb eines Tagesmarsches bewältigen konnte. Im inneralpinen Bereich verkürzte sich diese Wegstrecke entsprechend den zu absolvierenden Steigungen oder technisch schwierigeren Passagen. Für die Strecke Imst - Biberwier, Orte in welchen solche Raststationen bestanden, verkürzt sich beispielsweise die Strecke auf rund 25 km, da hier die Anhöhe des Fernpass dazwischen liegt.

An strategisch wichtigen Orten wurden später auch zumeist kleinere Militärstationen eingerichtet, wie jene am sogenannten Lorenzberg bei Epfach (Abodiacum). Deren Wichtigkeit ergab sich aus dem Zusammentreffen zweier bedeutender Römerstrassen - der Via Claudia Augusta als Nord-Süd-Verbindung und der West-Ost-Route von Brigantium (Bregenz) nach Iuvavum (Salzburg) und einem günstigen Übergang über den Lech. Das Militärlager war im ständigen Wechsel mit ca. 150 Einheiten besetzt, welche sich aus Soldaten der Legionsinfanterie wie auch aus Auxiliarreitern gemischt ergab.

Erste zivile Ansiedlungen durch die Römer finden sich in Cambodunum (Kempten) und Brigantium (Bregenz), welche ursprünglich von den Kelten als Siedlungsraum beansprucht wurden, da es sich hierbei um keltische Ortsnamen handelt. Jedenfalls wurde der vorangegangene Holzbau der römischen Stadtanlage Cambodunums etwa um die Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus durch einen steinernen Stadtbau ersetzt. Dabei waren die baulichen Dimensionen bemerkenswert und die Art der Gebäude untermauert die Annahme, dass es sich hierbei im 1. Jhd. n. Chr. um die Hauptstadt der Provinz Raetia gehandelt hat.

Im ländlichen Raum entlang der Via Claudia wurden zur Erweiterung der Infrastruktur Gutshöfe (villa rusticae) erbaut. Spuren der vorrömisch einheimischen Bevölkerung sind dagegen nur schwer nachweisbar, da deren Behausungen in den allermeisten Fällen aus Holzbauten bestanden, von denen in heutiger Zeit so gut wie keine Spuren mehr auffindbar sind. Trotzdem ist die keltische Bevölkerung mit ihren kulturellen Gebräuchen und ethnischen Merkmalen noch bis in die frühe Kaiserzeit präsent, geht aber dann bald in dem sich neu entwickelnden, multikulturellen Bevölkerungsgemisch auf. Diese Mischung setzt sich aus der lokalen keltischen Bevölkerungsschicht, als auch aus sich hier ansiedelnden Romanen, Italikern, romanisierten Kelten aus Gallien und der heute als Heimstettener Gruppe bezeichneten Immigranten zusammen. Wobei die Wurzeln dieser Heimstettener Gruppe ebenfalls keltischen Ursprungs zu sein scheinen.

Kult- und Opferplätze entlang der Kaiserstraße


Bereits 1977 fanden im Bereich des Forggensees archäologische Grabungen statt, bei welchen Relikte mehrerer Brandopferplätze aus dem Zeitraum von der Spätlatènezeit bis in die frühe römische Kaiserzeit geborgen wurden. Den auffälligsten Fundgegenstand stellt der in seiner Grundfläche 6 x 4 Meter große Opferaltar selbst dar. Auf diesem Altar wurden während seiner Nutzungsdauer offenbar vorwiegend die Schädel und Füße von über 200 jungen Schafen oder Ziegen, sowie 171 Rindern verbrannt. Dabei fand die Schlachtung der Opfertiere im direkten Umfeld der jeweiligen Brandopferplätze statt.

Neben dem zentralen Opferplatz dürften noch weitere, kleinere Opferfeuer abgebrannt worden sein. Dabei wurden weitere Speiseopfer dargebracht, wie etwa Gerstenkörner und Ackerbohnen. Darüber hinaus wurden als weitere Facette des Opferritus Gaben in Form von Schmuck, landwirtschaftlichen Geräten und Waffen niedergelegt - großteils vorsätzlich beschädigt, wie dies bei den meisten im nördlichen Alpenvorland untersuchten Kultplätzen zu beobachten ist. Mit großer Wahrscheinlichkeit erstreckte sich das Spektrum der den Opferplatz nutzenden Volksgruppen von den Kelten, über die Römer bis zu germanischen Individuen sowie der sogenannten Heimstettener Gruppe (siehe auch bei Ehrwald).

Niedergang Roms und die Festigung des Christentums



Aufmarsch einer 'römischen Legion' an der Klause Ehrenberg
Ist die Reschenverbindung seit ihrem Ausbau bis um 46 n. Chr. aufgrund ihrer lokalen Alleinstellung die übliche Verbindung zwischen Rom und Raetien, beginnt etwa um 200 n. Chr. mit der Erschließung der Brennerstrecke der Niedergang der älteren Straße durch das Tal der Etsch. Trotz ihres Bedeutungsverlustes in militärischer Hinsicht, blieb sie doch für den Warenverkehr innerhalb der Provinz Rätien und als Anbindung bzw. Bindeglied für die üblichen Fernverkehrsrouten bei Händlern und Fuhrleuten beliebt.

Zum Beginn des 2. Jahrhunderts erstreckt sich das römische Straßennetz auf etwa 70.000 Kilometer und gewährleistet so die Möglichkeit einer schnellen Truppenbewegung und stützt die Infrastruktur innerhalb des Reiches. Die Kehrseite der Medaille ist aber jener Umstand, dass solche hervorragend erschlossenen Verkehrswege auch die Verbreitung von Krankheitserregern begünstigen. So wie etwa im Jahr 166, als die sogenannte Antoninische Pest (wohl eine Pockenepidemie) beinahe in den gesamten Römischen Gebieten wütet und unzählige Opfer fordert.

Im darauf folgenden Jahr überrennen bereits die Markomannen und andere germanische Stämme die Reichsgrenze. Sie können zwar zurückgedrängt werden, die Unruhen und Kampfhandlungen entlang der Grenze reißen aber bis 180 nicht mehr ab. Diese Vorgänge stellten zwar keine unmittelbare Gefahr für das umliegende Alpenvorland dar, dezimierte aber die hier stationierte Anzahl an römischen Soldaten und Auxiliartruppen. Auch 233 kommt es zu erneuten Einfällen der Germanen, diesmal aber direkt in Raetien. Kaiser Aurelius Severus Alexander bricht daraufhin eilends seinen Persienfeldzug ab und marschiert an die raetische und obergermanische Grenze.

Der Druck an den Außengrenzen nimmt stetig zu und die Limites sind durch innenpolitische Querelen unterbesetzt. Dieses für die römische Seite nachteilige Gemisch wird immer häufiger von den feindlichen Nachbarn genutzt um auf Raubzug in die Grenzprovinzen (Alamannen 259) oder gar bis nach Oberitalien (Alamannen 270) vorzustoßen. Die expansive Entwicklung der Germanenstämme muss zwischen 270 und 275 von Kaiser Aurelian zurückgedrängt werden. Unter Kaiser Probus gelang die Bekämpfung der Vandalen am Lech (278). Mit dem Jahr 303 beginnt auch die brutale Verfolgung der Christen unter Diokletian. Während der nächsten acht Jahre wird diese mehr oder weniger unvermindert fortgeführt, endet aber letztendlich 311 mit der Anerkennung des christlichen Glaubens - da die römischen Machthaber einsehen mussten, dass diese Glaubensgemeinschaft einen enormen Zustrom genoss und sich inzwischen gar schon aus den eigenen Reihen viele zum Christentum bekannten. Unter der Herrschaftszeit Konstantin des Großen stieg die Christuslehre gar in den Rang der primären Staatsreligion auf.

Diese Entwicklung innerhalb des gesamten Imperium Romanum spiegelt sich auch darin wider, das man 318 daran ging den zuvor heidnischen Tempel in Cambodunum als christliche Kapelle zu weihen. Dennoch gelingt es dem neuen Glauben vorerst noch nicht richtig Fuß zu fassen, zu stark toben die immer wieder einfallenden germanischen Gruppen in der Provinz Rätien und verheeren auch oft die Kultplätze und neu in Erscheinung getretenen Kapellen und Kirchen.

352 werden die Alamannen wieder aktiv. Zusammen mit den Franken zerstören sie im Gebiet des heutigen Elsass und der Pfalz etwa 40 römische Städte. Den Anfang vom Ende läutet dann 375/76 der Sturm der Vandalen in Mitteleuropa ein, als beinahe sämtliche betroffene Völkergruppen auf ihrem Weg der Zerstörung in eine Fluchtbewegung geraten und so die Völkerwanderung auslösen. Mit dem Tod Kaiser Theodosius I. zerbricht das Römische Imperium in zwei Teile, in ein oströmisches und weströmisches Reich. 401 erstürmen die Goten unter ihrem Heerführer Alarich Mailand und verwüsten Norditalien. Wieder werden die römischen Truppen eilends von den Grenzen abberufen. Gerade rechtzeitig, denn 405 tun es ihnen die Germanen und Ostgoten gleich. Sie können 406 von den Römern nahe Florenz vernichtend geschlagen werden.

Andere germanische Gruppen nutzen die Gunst der Stunde, passieren die verwaisten Grenzen und fallen so in die von den römischen Truppen verlassenen gallorömischen Gebiete ein. 410 erobert Alarich Rom und plündert die Stadt, im selben Zeitraum verlassen die Römer Britannien. 451 überfällt Attila und seine Hunnen zahlreiche Städte entlang der Donau und in Gallien. Römische Streitkräfte und die Westgoten können sie aufhalten, im darauf folgenden Jahr rückt Attila aber mit einem gewaltigen Heer raubend und brandschatzend in Italien ein. Das geschwächte Rom wird 455 von den Vandalen geplündert und verwüstet. Bis zum Jahr 476 versinkt der klägliche Rest der einstigen römischen Herrschaft im Chaos. Der Germanenkönig Odoaker wird durch die Regierung im oströmischen Konstantinopel zum Statthalter Roms ernannt, womit das Ende des Weströmischen Reiches besiegelt ist.

Ein halbes Jahrtausend im Dunkel der Geschichte


Eine kurze "Reise" durch die weiterführende Geschichte der einstigen römischen Heeresstraße kann hier nachgelesen werden!



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Die Straße zwischen Meran und Augsburg


Die Strecke von Süd nach Nord in Bildern (Die Bilderreihe wird im Zuge eines kleinen Projektes stetig erweitert)



im Vinschgau


Die Bezeichnung der heute als Vinschgau bekannten Talschaft als westlicher Teil Südtirols wird von dem keltischen Volksstamm der Venosten abgeleitet (italienisch Val Venosta), welche zeitlich schon vor der römischen Heerstraße hier siedelten. Etwa am Tartscher Bichl bei Mals oder am Ganglegg oberhalb von Schluderns wurden Siedlungsspuren entdeckt und freigelegt, welche in ihren Anfängen bis in die Jungsteinzeit zurückreichen. Das am Tartscher Bichl ausgegrabene rätische Haus ist vermutlich Teil einer Stadtsiedlung aus der Zeit von etwa 400 v. Chr. welche aus mindestens 80 Gebäuden bestand.



von Nauders nach Landeck


Etwa im 4. und 5. Jahrhundert setzt entlang des Straßenzuges auch in Landeck die Christianisierung ein. Ein Taufbecken aus der Zeit um 430 nach Christi Geburt in der heutigen Pfarrkirche Unserer Lieben Frau Himmelfahrt belegt dies anschaulich.




der Brandopferplatz am Piller Sattel

die Pillerhöhe


Schon in der Bronzezeit führten die Wege und Saumpfade über den Piller Sattel als Abkürzung über Wenns im Pitztal, da das Inntal bei Fließ nur schwer passierbar war. Erst mit dem römischen Ausbau der Pfade zur Kaiserstraße Via Claudia Augusta wurde der Straßenverlauf in Richtung Tal verlegt.

Der Brandopferritus am Opferplatz sah vorwiegend die Opferung von Schafen, Ziegen und Rindern vor. Dabei wurden jedoch nur die fleischarmen Teile der Tiere verbrannt, der fleischreiche Rest wurde wohl von den Festteilnehmern verzehrt. Offenbar herrschte die Vorstellung vor, dass das Feuer die Weihegaben entmaterialisieren und als Rauch zu den Göttern getragen würde. Dabei hat sich der Ritus über die 2000-jährige Nutzung des Opferplatzes mehrfach geändert.

Lagen zu Beginn noch Tiere auf dem Opferaltar, wandelte sich die Opfergabe später hin zu Schmuck, Trachtenbestandteilen oder Waffen. Teilweise wurden Keramiken oder Waffen auch rituell zerstört und in flachen Gruben im Bereich des Festplatzes deponiert. Viele Sachopfer wurden in die um den Opferplatz verstreut existierenden Felsspalten geworfen. Während der Römerzeit wurden bald nur noch Wertopfer in Form von Münzen in die Felsspalten eingebracht. Auch Votivschilde oder Trankopfer in Keramikschälchen wurden Göttern als Opfer dargebracht.

Gegen Ende des 4. Jahrhunderts wurde mit der Ausbreitung des Christentums der Opferplatz am Piller aufgelassen und geriet daraufhin in Vergessenheit. Erst im Jahr 1991 hatten Kassian Erhart und Franz Neururer die alte Kultstätte wiederentdeckt.



zwischen Imst und Nassereith


Seit 2010 werden auch archäologische Forschungen im Strader Wald betrieben. Die freigelegten Funde lassen den Schluss zu, dass es sich bei den direkt an der Via Claudia Augusta angrenzenden baulichen Überresten einst um eine Gaststätte (tabernae) gehandelt hat. Die Münzfunde lassen eine zeitliche Einordnung der Nutzung des Gasthauses zu und verlegen diese in das 2. bis in das 3. Jahrhundert nach Christi Geburt. Vorwiegend wurden an der 80m² umfassenden Fläche Öfen (sehr wahrscheinlich zum Backen des Brotes), viele Scherben von hochwertigem Gebrauchsgeschirr (Terra Sigillata-Gefäße sowie einzelne Exemplare von Terra Nigra-Schalen) und eine Vielzahl an Pfostenlöchern aufgefunden.



vom Fernsteinsee zum Weißensee (Fernpass)


Der von Nassereith herleitende Straßenverlauf schwenkt unterhalb der mittelalterlichen Burg Fernstein orografisch rechts gegen Nordost und zieht am Ufer des Fernsteinsees knapp oberhalb des heutigen Forstweges in Richtung Samerangersee. In einem weiten Bogen leitet die Trasse um den See und in mäßiger Steigung als Hangweg hinauf zu der heutigen Fahrbahn. Bei der Ausweiche bzw. dem Parkplatz
Abbildung einer Hipposandale wie sie im Gemeindegebiet von Biberwier aufgefunden wurde
an der Brücke über den vom Schanzlsee herabstürzenden Bach ist die Trasse eigentlich nicht mehr auszumachen. Erst weiter oben, im südexponierten bewaldeten Hang tritt sie als Hohlweg wieder in Erscheinung. Abermals die neuzeitliche Fahrbahntrasse querend zieht die Altstraße gegen Osten in Richtung dem alten Fern hinauf.

Geleisrillen werden an einer Felsplatte sichtbar, welche aber auf Grund des Radabstandes von 90 cm in die Zeit der mittelalterlichen Nutzung fallen. Mit zunehmender Höhe geht der Hangweg in einen Hohlweg über, einige Meter oberhalb ist eine schwächer ausgeprägte, zweite Trasse zu erkennen. Diese zweite Trasse fällt allerdings auch in den Zeitraum der Nutzung als Salzstraße. Kurz vor Erreichen der römerzeitlichen Passhöhe gräbt sich der Hohlweg immer tiefer in den Hang. Teilweise sind hangseitige Stützmauern sichtbar und kurzzeitig verlaufen recht steile Kehren über eine Geländekante.

Von der Anhöhe des sogenannten 'Alten Fern' hinab sind im Grunde keine offensichtlichen Spuren der Altstraße mehr erkennbar. Jedoch wurde im Jahr 2003 eine Hipposandale (Pferdehufeisen) aus römischer Zeit aufgefunden und gibt so indirekt einen Hinweis auf deren Existenz.

Abschrift der Infotafel am "alten Fern"
Auch heute noch lauern auf den Alpenpässen Gefahren. Denken wir nur an Lawinenabgänge im Winter. Es ist auch einiges an Kraftanstrengung notwendig, wenn man sie sich aus eigener Kraft erarbeitet. In der Römerzeit waren die Strapazen und Gefahren noch größer und zahlreicher. Die Reisenden mussten mit Felsstürzen, überraschenden Gewittern, Muren, ... rechnen. Ein Reisebericht erzählt von herabstürzenden Eismassen, die ganze Reisegesellschaften in jähe Schluchten stürzten. Die Reisenden waren sich der Gefahren bewusst und waren dementsprechend froh, wenn sie oben angekommen waren. Sie dankten den Göttern und baten gleichzeitig um einen unfallfreien Abstieg - Merkur, den wendigen und listenreichen Gott des Handels, Herkules, der auf langen Wanderungen durch seine stetige Hilfeleistungen zum Beschützer der Passanten auf allen Straßen wurde und Epona, einer keltischen Göttin, die immer zu Pferd dargestellt wird. Den Christopheruskapellen an unseren Straßen vergleichbar entstanden auf allen Passhöhen Heiligtümer, an den Votivgaben wie Münzen, kleine Statuetten, Votivtafeln, ... zurückgelassen wurden. Auch am Fernpass hat sich mit ziemlicher Sicherheit ein Heiligtum befunden, Archäologen haben danach gesucht, sind bisher aber nur an einigen Orten auf Münzen gestossen...



vom Weißensee nach Biberwier


Heute sind lediglich noch im Bereich des Weißensees eindeutige Spuren (wenigstens einer mittelalterlichen Nutzung) zu erkennen. Im Bereich Kohlstatt und entlang des heutigen Lärchenwegs finden sich keine offensichtliche Hinweise mehr, die auf die alte Römerstraße oder die Salzstraße hindeuten würden. Ebenfalls sind im Siedlungsgebiet von Biberwier diesbezüglich keine Zeugnisse mehr ersichtlich.
Auch die durch Ausgrabungen belegte römische Straßenstation bei Biberwier ist heute für den Laien nicht mehr auszumachen.

Geleisstraßen im Außerfern


An manchen Stellen der Via Claudia finden sich Geleisstrassen. Allerdings sind diese Geleisprofile oft nicht mit den römischen Wagen in Verbindung zu bringen, da der Spurbreitenabstand zu gering ausfällt. Klaus Wankmiller schreibt dazu in seinem Beitrag "Römische Straßenspuren im Außerfern": "..., die im Gegensatz zum mittelalterlichen Rillenabstand von genau 1 m eine Spurweite von 107 cm aufweisen...".Somit ist die in Biberwier aufgefundene Geleisstrasse am sogenannten "scharfen Eck", wie auch weiter unten erwähnt, nicht auf das Zeitalter der Römer zurückzuführen. Vielmehr wird diese Wagenspurvertiefung im Fels ein Hinweis auf die mittelalterliche Nutzung bedeuten.

Im Bereich Katzenmühle / Waldrast (bei Ehenbichl) habe es ebenfalls Spurrillen gegeben. Jedoch dürften auch diese heute nicht mehr sichtbaren Spuren viel eher mit der mittelalterlichen Nutzung in Verbindung zu bringen sein.

Mehrere Holzgebäude einer römischen Straßenstation (Rast- und Pferdewechselstation), eine sogenannte mansiones, wurden im Laufe archäologischer Grabungen im Bereich zwischen dem Ortsteil Schmitte und dem Ortszentrum von Biberwier (Baubeginn wohl um 14 bis 37 n. Chr.), direkt am Verlauf der Via Claudia Augusta gelegen, freigelegt. Anhand der dort aufgefundenen Waren und Gebrauchsgegenstände konnten sich Handelsbeziehungen zu Oberitalien, Südfrankreich, dem Rheinland und sogar bis in den Raum der Ägäis nachweisen lassen.

Durch das Lermooser Moos


Der Prügelweg durch das Lermooser Moos veranschaulicht deutlich, dass die Straßenbauer aus römischer Zeit nicht versuchten eine Moorfläche zu umgehen, sondern mit großem bautechnischen Wissen eine Trasse schnurgerade durch das Moos anzulegen vermochten. Mit einer Trassenbreite von bis zu 8 Metern und einem etwa 1,7 Meter tiefen Fundament konnte auf ihr eine Legion problemlos durch die Moorlandschaft ziehen.

Bis zum heutigen Tag ist dieses Straßendenkmal über die Grenzen Tirols hinaus einzigartig. In mehreren Grabungsabschnitten wurde die Trasse seit 1993 genauer erforscht und feldarchäologisch untersucht. Die früher für römischen Ursprungs gehaltene Geleisstrasse am sogenannten "Scharfen Eck" bei Biberwier konnte aufgrund ihrer Spurbreite von 1 Meter in das Spätmittelalter bzw. die frühe Neuzeit eingestuft werden.



Ehrwald vor 2000 Jahren


teilweise übernommen von der Infotafel "die römerzeitlichen Funde" in Ehrwald
Seit 1954 wurden beim Bau von Privathäusern mehrere römerzeitliche Gräber entdeckt. Den archäologischen Untersuchungen zufolge, handelt es bei den Bestattungen um jene der sogenannten Heimstettener Gruppe. Als Grabbeigaben dominieren bei dieser Gruppe gerade in den Frauengräbern massive Halsreifen, Armreifen, Sprossen-Gürtelhaken, große und kleinere Fibeln. Gerade die zeitlich begrenzte Siedlungstätigkeit dieser Heimstettener Gruppe entlang der römischen Hauptverkehrsachse in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus lässt ein kurzes Wiederaufflammen keltischer Gebräuche und Riten erkennen.

Im angenommenen Siedlungsbereich in Ehrwald konnte sich diese Gruppe nach aktuellem Forschungsstand jedoch nur eine oder maximal zwei Generationen halten. Danach fehlen Hinweise auf eine Siedlungskontinuität in diesem Gebiet.


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Katzenmühle bis Breitenwang


Der ursprüngliche Verlauf der Via Claudia Augusta im Bereich der Katzenmühle verläuft als auffällige Rampe am Nordosthang oberhalb der Gebäude der "neuen" Katzenmühle durch den Hang. Eine Begehung der Rampentrasse zeigte einen mehr oder weniger durchgehenden Verlauf zwischen der Ehrenberger Klause bis hinaus in den Bereich des Reuttener Drei-Tannen-Stadions. Lediglich einige kurze Teilstücke im Steilhang sind im Laufe der Jahrzehnte? bzw. Jahrhunderte? abgerutscht.

Ein auffälliger Damm leitet von der Katzenmühle gegen das nördlich liegende Reutte und dem Drei-Tannen-Stadion, welcher möglicherweise dem Verlauf der Via Claudia entsprechen könnte. Durch die baulichen Maßnahmen im Umfeld des Alpenbades, gerade in den letzten Jahren, wurden sämtliche antike Spuren überbaut oder verwischt. Auch im Gemeindegebiet von Breitenwang ist der Verlauf durch Überbauung nicht mehr auszumachen. Zahlreiche Münzfunde deuten, gerade aufgrund der massiven Häufigkeit an dieser Stelle, auf eine römische Straßenstation im Bereich der Breitenwanger Kirche hin.




zwischen Kniepass und Kratzer


Im Bereich des Kniepasses soll früher laut einschlägiger Literatur eine etwa 100 Meter lange Geleisstrasse sichtbar gewesen sein. Eine erste Erkundung im Herbst 2015 brachte keine Ergebnisse bzw. Erkenntnisse über deren genauen Verlauf. Aus dem Werk von Walde und Grabherr "Via Claudia Augusta und Römerstraßenforschung im östlichen Alpenraum" konnte ich zwischenzeitlich aber entnehmen, dass dieser Abschnitt heute gar nicht mehr sichtbar ist. Der historische Übergang über den Felsriegel des heutigen Kniepass verlief meines Erachtens in römischer Zeit dort, wo noch heute die baulichen Überreste der sogenannten "Kniepass-Sternschanz", also nordöstlich des heutigen Straßenverlaufes, zu finden sind. Im Werk von Walde und Grabherr wird davon ausgegangen, dass der Verlauf knapp oberhalb der neuzeitlichen Straßentrasse noch in das Auental schwenkt.



Direkt unterhalb der ruinösen Reste quert ein ausgetretener Weg leicht gegen Westen fallend den Hang. Kurz vor dem Damm des heutigen Straßenverlaufes erreicht er die Ebene und verläuft nördlich von Oberpinswang, wobei er sich hier teilweise mit dem Straßenkörper der Gegenwart deckt. Weiter gegen Nordwesten, hindurch zwischen dem Pinswanger Judenbichl und dem südwestlichen Ausläufer des Höllentalschrofens, am heutigen Gasthof Schluxen vorüber. Am nördlichen Hang entlang bis unter die auffällig rote Wand des Burgschrofens bei Unterpinswang. Direkt unter den Felsen versteckt sich die ehemalige Höhlenburg Schloss Loch, von der auch angenommen wird, dass sie bereits in der Steinzeit genutzt wurde.

In der Ebene unter der Felswand findet sich direkt neben dem mutmaßlichen Verlauf der Via Claudia auch eine längst überwachsene Einfriedung(?) in Rechteckform. Lange wurde diese für eine keltische Viereckschanze gehalten, jedoch haben dendrochronologische Untersuchungen eine zeitliche Zuordnung in das Mittelalter festgestellt. Allerdings, so wird auch vermutet, könnten ältere, darunterliegende Befunde auf eine römische Straßenstation, eine mansio, hindeuten.



Als weiteres, natürliches Hindernis stellte sich bei Unterpinswang der Kratzer bzw. der Stiglberg in den Weg. Eine wegähnliche Trasse führt direkt unter den Felsen des Burgschrofens in den Sattel zwischen die zuvor genannten Erhebungen.
Dort wo der Sattel sich wieder absenkt, verläuft eine heute verwachsene Spur hinunter zu einer Kluft, welche auf einem relativ alt anmutenden Steiglein nördlich des Kratzers zum Lech hinab führt. Dieser Steig scheint aber, zumindest seinem heutigen Charakter nach, lediglich für Fußtruppen und darüber hinaus maximal noch für sehr geländegängige Pferde geeignet.
Selbst mit einem leichten einachsigen Wagen, wäre diese Passage wohl kaum zu bewältigen gewesen, ohne sich und die Ladung dabei ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Eine mögliche Ausweichstrecke könnte sich über den Stiglberg geboten haben. Es lassen sich an der Scheitelhöhe Fahrrillen ausmachen, welche jedoch zum Teil von Baggerarbeiten der letzten Zeit beschädigt oder gar zerstört wurden. Jedenfalls führt diese Trasse in einer wesentlich angenehmeren Steigung hinauf bzw. wieder hinab. Allerdings, so scheint es, mussten zur Erschließung dieser Passage schon in römischer Zeit größere Fels- und Materialabtragungen getätigt werden um eine fahrbare Lücke an der Passhöhe zu erreichen.

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Füssen


Als die Römer erstmals in das Land um Füssen kamen, gab es in der heutigen Stadtnähe mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schon eine Siedlung.
Manche vertreten sogar die Meinung, dass sich das legendäre Damasia nicht wie bis noch vor kurzem angenommen auf dem Auerberg befand. Vielmehr wird in diesen Kreisen das Ur-Füssen selbst für die sagenumwobene Keltenmetropole der Likatier gehalten.

Rätselhaft bleibt aber das völlige Verschwinden der Bezeichnung Damasia. So blieben die von Strabo weiters genannten Städte Brigantium (Bregenz) und Kambodunum (Kempten) bis in die Gegenwart erhalten. Als eine Möglichkeit für das völlige Erlöschen des vorrömischen Damasia sehen einige die komplette Zerstörung durch die Römer. Ein Wiederaufbau wäre dann vermutlich unter einem römischen Namen erfolgt. Für Füssen wäre das fauces oder nachmalig foetibus, was so viel wie Schlund bedeutet. Als Schlund wurde die Schlucht des Lechfalles gesehen.



Forggensee


Einst eine ausgedehnte Wildflusslandschaft, wurde 1950 mit dem Bau eines Wasserkraftwerkes begonnen. 1952 wurde die Stauung gestartet und 1954 war das Bauprojekt fertig gestellt. Dabei wurden dutzende Wohnhäuser und Bauernhöfe aufgelassen und zumeist in den umliegenden Orten wieder aufgebaut. Ganze Ortsteile wurden geflutet, darunter auch der namengebende Weiler Forggen. Mit auf den Grund des neuen Sees gesunken sind aber auch große Abschnitte der römischen Via Claudia und mehrere römerzeitliche Bauten wie die römische Siedlung Dietringen, ein Depotfund im Umfeld einer möglichen Rast- (mansiones), und Pferdewechselstation (mutationes) am Ausgang des Tiefentals, sowie ein Brandopferplatz aus jener Zeit am östlichen Ur-Lechufer.
Dabei hat sich herausgestellt, dass in diesem Bereich kurzzeitig auch eine frühkaiserzeitliche Handelsstation bestanden hatte. Bei den hier zum Verkauf stehenden Gütern dürfte es sich allem Anschein nach um Textilwaren gehandelt haben. Der Handelsposten überdauerte allerdings höchstens eine Zeitspanne von einer oder zwei Generationen.



zwischen Roßhaupten und Schongau




Epfach (Abodiacum)


Abodiacum war spätestens seit 14 v. Chr. eine römische Straßenstation und im späteren Verlauf ein bedeutender Straßenkreuzungspunkt der Via Claudia selbst (Nord-Süd-Achse) und der Querverbindungsstraße zwischen Brigantium (Bregenz) und Iuvavum (Salzburg) welche über Cambodunum (Kempten) führte. Etwa 80 römische Soldaten und Beamte waren ständig zum Schutz des Lechüberganges auf dem heutigen Lorenzberg postiert. Unter ihnen befand sich auch ein gewisser Claudius Paternus Clementianus, ein Nachfolger des Pontius Pilatus, tätig als höchster Amtsträger und Prokurator in Judäa aber auch als römischer Statthalter im Noricum des Jahres 125.



Augsburg (Augusta Vindelicorum)


Der Augustusbrunnen ist dem Kaiser Augustus gewidmet, der als Gründer und Wohltäter der Stadt Augsburg gilt.
Tatsächlich entstand der Ort aus einem römischen Militärlager (castra), in dem Truppen für die Grenzsicherung des Limes und des Limes-Hinterlandes im Kampf gegen die Germanen seit 15. v. Chr. stationiert waren. Als Nachschubdepot wurde es über die Via Claudia versorgt.
Als militärisches Lager gegründet, entwickelte sich Augusta Vindelicorum rasch zu einer der größten Siedlungen nördlich der Alpen. Schon 95 n. Chr. wurde der Statthalter von Cambodunum (Kempten) nach Augusta Vindelicorum verlegt und steigt damit zum Hauptort der Provinz Raetien auf. Das Stadtrecht selbst erhielt es aber erst im Jahr 121 durch Kaiser Hadrian.



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Quellen:

  • Wege in die Vergangenheit in Tirol, Christine Zucchelli (ISBN 978-3-7022-3339-6) Tyrolia Verlag TIPP!
  • Via Claudia Augusta, Christoph Tschaikner (Project Via Claudia Augusta, vorwiegend touristische Vermarktung aber auch hilfreiche Hinweise zum historischen Verlauf)
  • Untersuchungen am Lermooser Prügelweg und dem Geleisestraßenrest von Biberwier, Johannes Pöll
  • Außerfern, Richard Lipp
  • EXTRA VERREN 2006 - Römische Straßenspuren im Außerfern, Klaus Wankmiller
  • EXTRA VERREN 2006 - Vom Werden des Außerferns, Richard Lipp
  • Der Bezirk Reutte - Das Außerfern, verschiedene Autoren
  • Der Auerberg / Band I, Günter Ulbert
  • Der Lech, Eberhard Pfeuffer
  • Die Römer in Bayern, Czysz - Dietz - Fischer - Kellner
  • De Bello Gallico v. Gaius Iulius Caesar, Übersetzung und Erklärung von Friedrich Kraner
  • EXTRA VERREN 2012 - Ehrwald vor 2000 Jahren, Robert Leitner
  • Via Claudia Augusta und Römerstraßenforschung im östlichen Alpenraum, Walde - Grabherr (IKARUS)
  • Die Alpen in Frühzeit und Mittelalter, Ludwig Pauli
  • Ehrwald - Chronik des Zugspitzdorfes, Otto Haudek
  • St. Magnus - Apostel des Allgäus, Stefan Vatter
  • Infotafel in Ehrwald - Robert Leitner
  • Geschichte der Stadt und der gefürsteten Grafschaft Kempten, Johann Baptist Haggenmüller (1840)
« Letzte Änderung: 12. Feb 2017 - 20:41 Uhr von kalle »