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Forum für Lechtaler, Allgäuer, Tannheimer, Ammergauer Alpen und Wettersteingebirge  |  Alpin  |  Sommer/Herbst in den Bergen (Moderatoren: Kalle, oliver)  |  Thema: Greitjochspitze (2319m) 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
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Autor Thema: Greitjochspitze (2319m)  (Gelesen 1490 mal)
Ecki
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« am: 09, Okt, 2009, 23:28:11 »

Manchmal spielt der Zufall mit bei der Tourenplanung: Am 6.8. sollte es eigentlich auf die Oberlahmsspitze gehen, aber da sich ob des schönen Wetters wahre Menschenmassen (für Lechtaler Dimensionen natürlich Wink ) mit dem Bus ins Madautal aufmachen wollten und wir mindestens drei Busse hätten warten müssen, kamen wir unten am Bacher Dorfplatz ins Grübeln über Alternativziele. Ruitelspitzen? Waren wir schon. Sonnenkogel? Das dauert nicht so lang, machen wir lieber morgen, wenn Gewitter angekündigt sind. Aber da war doch noch was, wo man direkt hier loslaufen kann und zudem ziemlich sicher einen einsamen Tag hat? Genau: Ab auf die Greitjochspitze!

Dazu geht’s erst einmal einige Zeit – mit der bekannten möglichen Abkürzung über den Kreuzweg – ins Madautal, bis man die Abzweigung der Forststraße zur Baumgartalm erreicht. Dieser folgt man bis zu der Stelle, wo sie ins Grießltal einschwenkt und links eine weitere Straße abbiegt, die kurze Zeit später den Grießlbach auf einer Holzbrücke und anschließend die Südhänge des Madautals quert. Nach einiger Zeit vollführt die Straße zwei Serpentinen, nach der letzten gilt es aufmerksam zu sein und den nicht sehr markanten, aber doch deutlichen Pfad zu erwischen, der rechts abzweigt und durch den dichten Wald und teilweise rutschig zur Hütte am Gfäll-Egg führt, die mit Solarkollektoren, Satellitenschüssel und idyllischem Klohäuschen schon zu den Luxusausgaben ihrer Art gehört (hierhin dürfte man gemäß AV-Karte auch direkt von.Madau aus kommen können).

Oberhalb führen schwache Wegspuren teils im Wald, teils auf freier Fläche – im Zweifel hält man sich einfach auf dem wenig ausgeprägten Rücken – hinauf zu einer weiteren Hütte, bei der man endgültig den Wald verlässt. Von hier aus geht es immer weiter dem meist sehr breiten, grasigen Nordostrücken der Greitjochspitze folgend unschwierig und mit schönen Blicken v.a. auf die Freispitze und ihre Satelliten bis zum Gipfel. Respekt abnötigend fand ich es im nachhinein auch, als unsere Wirtin abends erzählte, dass ihre Mutter in den steilen und abgelegenen Hängen noch Heu gemacht hatte. Größtenteils finden sich schwache Wegspuren in Form plattgetretenen Grases, aber auch sonst kann man sich zumindest bei schönem Wetter kaum verlaufen. Am Gipfel dann sieht man den Vorteil daran, auch einmal auf einen etwas kleineren Berg gestiegen zu sein: Im Süden und Osten reihen sich beeindruckend Freispitze, Fallenbacher Spitze, Feuerspitze und Wetterspitze auf und auch im Norden geben Ruitelspitzen und Zwölferspitze noch ein imposantes Bild ab. Das einzige Manko, das uns von einer ausgiebigen Gipfelrast abhält, ist die Tatsache, dass auch die Lechtaler Fliegen das örtliche Panorama schätzen und ihre Jahresversammlung an der Greitjochspitze abhalten. Na gut, machen wir halt später an der Baumgartalm Pause.

Also nach kurzer Photopause weiter dem sich nun häufiger etwas zusammenschnürenden Grat folgend in Richtung Schafjöchl und Fallenbacher See. Nach einigen hundert Metern findet sich hier am Punkt 2262 die schwierigste Stelle der Wanderung. An einem kleinem Felsabbruch kommt man direkt dem Grat folgend nicht weiter und muss wenige Meter in ziemlich steilem Gras nach links absteigen und dann zurück zum Grat queren. Bei dem trockenen Wetter, das wir hatten, war das auch ohne Hilfsmittel noch mit etwas Vorsicht möglich, bei Nässe allerdings würde zumindest ich mich hier definitiv nur mit Pickel oder Eisen runtertrauen, da man bei Ausrutschen nicht gerade auf frühes Anhalten hoffen darf. Anschließend nur einen kurzen grasigen Felsaufschwung hoch und es geht wieder gemütlich auf breitem Grasrücken dahin.

Das einzige, worauf man jetzt noch achten muss, ist das Schafjöchl zu erkennen und hier (an der meiner Meinung allerdings auch das erste Mal wirklich sinnvoll aussehenden Stelle) mit dem querenden Abstieg zum Fallenbacher See zu beginnen. Als wir unterwegs waren, gab es zwei mutmaßlich von mindestens genausoviel Gemsen wie Menschen benutzte Trittspuren, die nach kurzer Zeit zusammenlaufen und ein paar Rinnen einfach querend zur Ebene des Fallenbacher Sees führen (hier auch ein Steinmann, falls jemand die umgekehrte Richtung testen will), wo sich die Spuren verlaufen. Das ist aber kein Problem, da man von hier weglos durch Geröll, Disteln und Gras problemlos und flach zum Anfang August noch nicht ausgetrockneten See führt, der ob seiner äußerst schönen Lage auch für sich genommen ein lohnendes Ziel ist.

Nach einer kurzen Kühlpause für die Knie ging es dann den markierten Wanderweg entlang  über den steilen Absatz – mit mehr störendem als helfendem Drahtseil an vielen Stellen – hinab ins Grießltal und weiter zur Baumgartalm, wo wir uns vor dem weiteren Abstieg über die Forststraße mit einem leckeren Kaiserschmarrn erst einmal die wohlverdiente Pause gegönnt haben.

Fazit: Die Greitjochspitze ist ein Ziel, das für sich genommen eher unspektakulär ist, aber mit einem sehr schönen Panorama und Einsamkeit punkten kann. Der Aufstieg über den Nordostrücken ist unschwierig, der Abstieg zum Fallenbacher See weist eine Stelle auf, an der Vorsicht geboten ist. Ein Tipp für die „Großkampftage“ in den Bergen.

Bevor ein paar Photos kommen, hier ein Link zum Verlauf der Tour:
http://www.math.tu-bs.de/~degbers/privat/alpic/20090806/20090806.html

Alle Photos gibt es hier hier


Blick zur Tajaspitze aus dem Grießltal


Blick von der oberen Hütte zur Leiterspitze


Fallenbacher Spitze und Greitjochspitze


Die letzten Meter vor dem Gipfel


Sonnenbad


Blick zum höchsten Allgäuer


Medriol zwischen Zwölfer- und Leiterspitze


Freispitze


Weiterer Gratverlauf mit Fallenbacher Spitze, Feuer- und Wetterspitze


Direkt vor dem Schafjöchl, man erkennt ganz leicht die rechts querend abfallenden Trittspuren


Fallenbacher See


Nochmal die Freispitze


Kurz vor dem See






Am Fallenbacher See


Bild gen Talschluss von der Baumgartalm

Ich hoffe, der Bericht hat Euch gefallen.

Viele Grüße,
Ecki  (und Marion, die gerade neben mir auf dem Sofa liegt)

PS: Wie man sieht habe ich nach ein paar Überlegungen dazu entschlossen, die Berichte für die Wanderungen aus dem Sommerurlaub von Marion und mir nicht chronologisch, sondern nach Lust und Laune einzustellen bzw. in den entsprechenden Threads zu ergänzen. Ich vermute, dass das keinen stört (sonst bitte - wie auch sonst bei Kritik - meckern Wink ).
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Mimo
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« Antworten #1 am: 10, Okt, 2009, 08:05:29 »

Hey Ecki!

Da hast Du uns einen tollen Tourenbericht gebastelt mit sehr schöner Bebilderung. Es müssen nicht immer die höchsten Berge sein, wie man sieht um eine tolle Aussicht zu haben! Die Greitjochspitze bietet aufgrund ihrer zentralen Lage aufschlußreiche Blicke auf einige tolle Teilmassive der Lechtaler! Bravo

Liebe Grüße
Mimo
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Max
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Aufm Noppaspitz


« Antworten #2 am: 10, Okt, 2009, 12:02:17 »

Sehr detaillierter und ausführlicher Tourenbericht! Und dann erst die Bilder! Super klasse, hoffe wir sehen noch mehr von deinen Touren hier im Netz.

Gruß, Max
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"Weise ist nicht, wer viele Erfahrungen macht, sondern wer aus wenigen lernt, viele nicht machen zu müssen."
Karlheinz Deschner
Rene6768
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« Antworten #3 am: 14, Okt, 2009, 11:55:51 »

...................da sieht man mal wieder. Die Lechtaler Alpen sind einfach wunderschön, auch wenn ich von Rosenheim aus andere Berge vor der Nase habe  Oh Mann!

Eine Tour dort ist für mich auch jährliche Pflicht.  Daumen

2010 soll es die Tajaspitze werden, bin schon gespannt...........
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