nach getaner arbeit braucht der mensch auch einen ausgleich und darum machte ich mich auf, eine sonnenuntergangswanderung zu unternehmen. mit dem auto nach oberjoch und am parkplatz unweit der iseler-bergbahn-talstation stellte ich dieses ab. zunächst auf einem fahrweg über wiesen und weiden hinauf zur gundalpe. weiterhin auf weidegelände emporsteigend geht es hinauf und rechts an der vorderen wiedhagalpe vorbei. weit ausholend nach rechts in einen kessel unterhalb der iselerabstürze und in kurzen kehren auf eine geländekante.
blick hinunter auf den palmenberg (im vordergrund) und nach hindelang
nach wenigen minuten erreicht man die bergstation der iseler-bergbahn und hält sich den wegweisern folgend zunächst in westlicher richtung zur iseler-platz-hütte, von wo aus ein steig in langen serpentinen durch latschengassen am nordwesthang des gipfelrückens hinaufzieht und bald den grat erreicht. eine herrliche aussicht auf die südlichen allgäuer alpen, ins ostrachtal und hinunter nach hindelang tut sich auf. nach links führt der steig in wenigen minuten zum bereits sichtbaren gipfelkreuz des iseler-ostgipfels (1811m).
ankunft am gipfel des iseler-ostgipfels
nach einer kurzen rast verfolge ich den pfad, welcher direkt am grat in östliche richtung führt. zunächst tief hinab in eine einsattelung, steigt der weg im weiteren verlauf wieder gemächlich an und zieht in stetem auf und ab hinauf zu der höchsten erhebung des gesamten bergrückens: dem kühgundkopf (1909m). lediglich ein grenzstein ziert sein haupt, da ja hier ab nun die deutsch-österreichische grenze stets am grat verläuft.
ausblick vom iseler hinein ins tannheimer tal, am linken bildrand ist schon der weitere wegverlauf entlang des grates erkennbar
weiter geht es über den recht breiten rücken, hinunter zum gipfelkreuz auf dem wannenjoch. eine herrliche aussichtskanzel hoch über oberjoch und schattwald, die einen interessanten ausblick auf die allgäuer vorberge wie grünten, reuter wanne oder den edelsberg inne hat. es beginnt bereits zu dämmern und die schatten der berge ziehen sich schon lang durch die täler, ein wunderbarer herbsttag in den bergen und das obwohl es "nur" eine abendliche wanderung ist. am schönsten ist die ruhe, die man unter tags so sicherlich nicht genießen könnte. ich mag es um diese uhrzeit unterwegs zu sein.
blick vom grat hinunter auf den wasserspeicher (beschneiungsanlage) bei der vorderen wiedhagalpe
ab dem wannenjoch beginnt dann auch das anspruchsvollste wegstück der tour: der kühgundrücken. schon kurz unter dem gipfel sind drahtseile an dem weg angebracht, weiter unten läuft der grat dann immer schärfer zu und man schreitet direkt an der gratschneide entlang auch schon mal über höhere stufen hinab. immer wieder trifft man auf seilsicherungen, trittbleche und eisenklammern und fühlt sich dadurch manchmal wie auf einem klettersteig, aber so schlimm ist es natürlich nicht. diese "maßnahmen" wurden wahrscheinlich nur durchgeführt, damit auch wirklich
jeder in den genuß dieser schönen tour kommen kann.
am gipfel des wannenjoches (1852m), im hintergrund die allgäuer vorberge
der steig über den kühgundrücken verläuft auf einem teilweise recht schmalen grat
kurz unterhalb der gratköpfe, am sogenannten wiedhag, verlässt man den rücken gegen westen und steigt in richtung hintere wiedhagalpe ab. stetig leitet uns der schmale steig in etwa der höhenmarke von 1400 metern am hang entlang bis wir die bergstation der grenzwieslifte erreichen. wenige minuten später steigt man auch schon in einen weiträumigen tobel ab, an dessen unterem ende gar eine leiter in die talsohle hinabführt. die leiter ist auch notwendig, da das lockere geröll es unmöglich macht einen vernünftigen weg in den tobel zu bauen.
die sonne geht bald unter, die stimmung ist herrlich
noch einmal steigt der weg an und man umgeht einen weiteren graben an dessen oberer kante. wenige minuten später befindet man sich dann bei der vorderen wiedhagalpe, die man beim aufstieg zunächst links liegen gelassen hat. der rest des abstieges ist dann vom aufstieg her bekannt.
ohne worte
fazit: eine überaus eindrucksvolle gratwanderung hoch über oberjoch, dem höchstgelegenen ort deutschlands. die tour gestaltet sich durchwegs recht einfach, trotzdem kann trittsicherheit und schwindelfreiheit nicht schaden (vor allem im bereich des gratüberganges vom iseler zum kühgundkopf und am kühgundrücken!). was die tour letztendlich zu einem highlight machte, war der umstand, dass ich sie zu vorgerückter stunde unternommen hatte...
(gesamtdauer ca. 3,5 bis 4 stunden)