Hier ein Bericht der Bretterspitze vom 30. Juni 2004, und ich noch als ziemlich unerfahrener Bergtourist unterwegs...
Schon von weitem fallen die Gipfel der Hornbachkette einem jeden, der von Reutte kommend ins Lechtal fährt, ins Auge. Heute will auch ich einmal eine Tour auf einen dieser Felsriesen versuchen und wähle die Tour von Hinterhornbach über das Kaufbeurer Haus auf die Bretterspitze.
Ich mache mich also an einem wunderschönen Morgen vom Talgrund in der Nähe des "Gasthof Adler" auf. Über eine Brücke geht es über den Hornbach und danach weiter an den weidenden Kühen vorbei, nach rechts in den Wald hinauf. Ein Wegweiser zeigt schon die Richtung mit "Kaufbeurer Haus und Enzensperger Weg". Nach wenigen Metern läuft der kleine Steig schon direkt in den Wald hinein, welcher dann eine angenehme Kühle spendet.
Ausblick vom Aufstieg zurück hinunter nach Hinterhornbach
Bald treffe ich auf einen Forstweg, welchem ich für einige Meter folge. Erneut weist ein Wegweiser zum Kaufbeurer Haus. Von nun an
geht es im Zickzack auf einem kleinen Steiglein steil durch den Wald empor. Vor allem im unteren Bereich geht es immer wieder durch kleine Jungwälder. Mit zunehmender Höhe fällt der Verlauf des Steiges immer alpiner aus. Stetig tauchen Wegstücke auf, auf welchen man die Hände zur Unterstützung braucht.
Schon bald macht sich auf der gegenüberliegenden Talseite die imposante Gestalt des Hochvogels "breit". Auffällig ist an diesem Gipfel seine enorme Wuchtigkeit mit welcher er über dem kleinen Örtchen Hinterhornbach thront.
Kaufbeurer Haus
Der Weg zum Kaufbeurer Haus entpuppt sich in der Zwischenzeit als wahres Kleinod. Wie aus einem "Hans Ernst-Roman" entsprungen, zieht sich der Steig an Birken, Kiefern, Latschen und Alpenrosen vorbei in die Höhe. Nach etwa zwei Stunden ist dann erstmals das Kaufbeurer Haus zu erblicken. Weitere 20 Minuten später stehe ich dann vor dem Gebäude, welches nur für DAV-Mitglieder mit dem DAV-Schlüssel zugänglich ist.
Ich mache erst einmal Rast und schaue mir die umliegende Bergwelt und das Hornbachtal genauer an. Unterhalb meines Zieles, der Bretterspitze, liegt noch viel Schnee im sogenannten Urbeleskar. Die gleichnamige Spitze befindet sich links neben der Bretterspitze und fällt vor allem durch ihre schroffen Abstürze, welche unüberwindlich wirken, auf. Tatsächlich ist die Urbeleskarspitze nicht gerade einfach zu bewältigen, wie ich schon aus mehreren Tourenführern herausgelesen habe.
Blick hinüber zur Höfats
Nach meiner Rast geht es nun erst einmal weiter in das Kar hinein. Schon bald treffe ich auf die ersten Schneereste. Am Anfang kann ich die kleineren Schneefelder noch umgehen, jedoch liegt unter den Abstürzen der Bretterspitze noch eine geschlossene Schneedecke vor mir. Ich wage den Aufstieg trotzdem und komme auch gut über die große Schneefläche voran. Nun zieht sich ein weiteres, kleineres Schneefeld unter die Felsen hinauf. Hier sieht die Sache anders aus, da hier das Gelände sehr steil ist und ich im Falle eines Abrutschens unweigerlich über die Felsen der Rampe hinunterstürzen würde.
Mit einem etwas mulmigen Gefühl quere ich den Abhang und erreiche dann endlich den Durchstieg. Über felsiges Gelände geht es hinauf zu der Schwärzer Scharte. Hier führt der Weg nun durch eine einzige Schotterhalde und der Aufstieg gestaltet sich daher recht mühsam. Doch schon bald erreiche ich doch die Scharte und es folgt noch der kurze Aufstieg zum Gipfel. Am Gipfelrücken werden dann noch ein paar mal die Hände für den Aufstieg benötigt. Ansonsten ist der Gipfel ohne weitere Probleme zu erreichen.
Gipfelblick über die Lechtaler hinein zu den Ötztaler Alpen (Bildmitte die Wildspitze)
Eigentlich habe ich vor gehabt über den Enzensperger Weg nach Häselgehr abzusteigen, allerdings blockiert eine riesige Schneewehe den Einstieg zum Steig und so muss ich den selben Weg, den ich heraufgekommen war auch wieder runtergehen. Das trübt mein Gipfelglück nun gewaltig. Ich habe noch keinerlei Erfahrung mit dem Abstieg über so steile Schneefelder und schon gar nicht die richtige Ausrüstung dafür.
Ich bin nun doch etwas nervös und halte mich am Gipfel nur wenige Minuten auf, steige wieder über die Schwärzer Scharte ab und komme wieder zum Durchstieg. Schon die erste Felsnase am Durchstieg wird ein kniffliges Unterfangen und ich brauche sicher 5 Minuten bis ich diese erste Hürde überwunden habe. Das Gestein ist hier sehr brüchig und daher kann ich fast nirgendwo einen vernünftigen Halt finden.
Ausblick zum gegenüberliegenden Hochvogel
Irgendwie schaffe ich es dann doch den Felsen zu umgehen und nun kommt auch schon das obere, steile Schneefeld. Ich versuche zunächst den Tritten vom Aufstieg zu folgen, was allerdings nicht wirklich funktioniert. So stapfe ich eine neue Spur und komme bald zu einer kleinen Rinne, die mich schon zuvor einige Nerven gekostet hatte. Die Rinne ist hart und es ist fast nicht möglich, hier einen vernünftigen Tritt zustande zu bringen. Prompt rutsche ich auch schon ab und ich hänge nur noch auf meine Stöcke gestützt. Mühsam kann ich nach der Schrecksekunde aber doch noch Fuß fassen und mich aus der misslichen Lage befreien.
Mit reichlich Herzklopfen geht es nun weiter. Das sich ständig Schnee in meine Schuhe einfüllt und diese bald patschnass sind, ist momentan zweitrangig. Ich versuche nur so schnell wie möglich aus der steilen Flanke heraus zu kommen. Nach etwa 10 nervenaufreibenden Minuten habe ich es dann geschafft und das untere Schneefeld liegt jetzt noch vor mir. Da dies aber bei weitem nicht so steil ist wie das obere, gehe ich doch schon wesentlich entspannter.
Beim Abstieg
Weitere 20 Minuten später ist auch dieses "Problem" gelöst und ich kann wieder auf vertrautem Fels meinen Weg fortsetzen. Zur Hütte ist es nicht mehr weit und endlich kann ich auch wieder die Aussicht vollends auf mich wirken lassen, ohne von einem unguten Gefühl belastet zu sein. Ich bin heute um eine Erfahrung reicher geworden und werde künftig auf jeden Fall solche Schneefelder meiden.
Wieder am Kaufbeurer Haus angekommen, muss ich erst einmal meine Füße ein wenig trocknen lassen und genieße noch ein kleines Sonnenbad. Danach geht es wieder über den schönen Steig hinunter nach Hinterhornbach.
Höhendifferenz: 1525m
Charakter: Zum größten Teil unschwierig, am Gratstück zwischen Schwärzerscharte und Gipfel sollten ein paar mal die Hände zu Hilfe genommen werden
Gehzeiten: 7 bis 8 Stunden