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Via Claudia Augusta



Inhalt


• Warum dieser Beitrag?
• Vorgeschichte und Geschichte der Via Claudia
• die Via Claudia in Bildern - von Meran bis zum Außerferner Zwischentoren (Seite 2)
• die Via Claudia in Bildern - vom Reuttener Talkessel bis nach Augsburg (Seite 3)
• verwendete Literatur und Weblinks




Warum dieser Beitrag?


Die Via Claudia wird zwar in einer Vielzahl von touristischen Schriften (Radweg, vermeintliche kulinarische Spezialitäten aus dieser Zeit in ausgesuchten Gasthöfen) erwähnt und hat in vielen modernen Karten Einzug gehalten.

Allerdings wird dabei eher weniger auf die historisch interessanten Details der antiken Via Claudia Augusta eingegangen und auch die Routenführungen in den genannten Karten halten sich meist nicht an die Historie.

Inzwischen (09.01.16) bin ich zwar im Netz auf die wirklich umfassende Abhandlung von Elisabeth Walde und Gerald Grabherr "Via Claudia Augusta und Römerstraßenforschung im östlichen Alpenraum" gestoßen, werde dieses Projekt für mich aber trotzdem fortsetzen.

Eine Spurensuche (in Etappen) möchte ich hier als kleine Foto-Dokumentation wiedergeben.

Entstehung des Fernpasses und erste transalpine Verbindungen im Alpenraum


Vor etwa 4200 Jahren, so nimmt eine Gruppe von Wissenschaftlern an, ereignete sich im Bereich des Loreakopfes und des östlichen Kreuzjoches ein gewaltiger Felssturz, welcher den Boden einer gegen das Gurgltal abfallenden Talsohle aufschüttete.

Wissenschaftliche Erkenntnisse einer anderen Gruppe sollen jedoch bewiesen haben, dass den Fernpass eigentlich ein Riegel aus Gipskarst bildet, welcher im Laufe der Zeit durch Dolinenbildung und Ausschwemmung langsam ab erodiert.

Welche Theorie nun wirklich zutreffend ist, scheint dennoch offen.

Jedenfalls besteht mindestens seit dem 18. Jahrhundert vor Christus ein Saumpfad über die Passhöhe.

Keltische Provokationen in Rom


Im 4. Jahrhundert vor Christus wurde möglicherweise auch die Strecke durch das heutige Außerfern für kriegerische Zwecke genutzt, als die Kelten als ganze Volksgruppen unter ihrem Anführer Brennus im Zuge der gallischen Invasion und der einsetzenden Keltenwanderung in den Jahren 390 bis 386 v. Chr. auch in der Schlacht an der Allia römische Verbände schlugen und in Folge für sieben Monate Rom besetzten, plünderten und teilweise in Schutt und Asche legten.

In Rom wurde dadurch die Macht der bis dahin herrschenden adeligen Patrizier immens geschwächt, als 367 v. Chr. die Plebejer (das Volk) immer mehr an politischer Macht gewinnen und von nun an die Geschicke Roms in die Hand nehmen. Schon 13 Jahre später erwirken sie mit den Samniten ein Bündnis gegen die Gallier (Kelten) und andere feindliche Nachbarn. Allerdings hält diese Allianz nicht lange an, als bereits ab 343 v. Chr. die vormaligen Bündnispartner sich auf Grund eines Territorialstreits auf dem Schlachtfeld gegenüber stehen.

Der Aufstieg Roms


Trotz dieser unruhigen Zeiten schafft es Rom weiter zu expandieren und seinen Machteinfluss immer weiter auszudehnen. Aber auch die Kelten bleiben weiterhin gefährlich. 279 v. Chr. fallen sie in Griechenland ein und zerstören dabei unter anderem das Heiligtum von Delphi, während die römischen Heerscharen sich in den Punischen Kriegen gegen die Karthager behaupten müssen.

225 v. Chr. rufen die Kelten erneut in Oberitalien zum Kampf gegen die Römische Republik auf und werden in einem drei Jahre währenden Krieg letztlich von den Römern geschlagen, woraufhin auch der keltische Expansionswille im oberitalischen Raum erlischt. Für die Römischen Truppen steht aber ab 218 v. Chr. im zweiten Punischen Krieg schon der nächste Gegner bereit: Hannibal zieht über die Alpen und besiegt in zahlreichen Schlachten römische Heeresverbände. Letztlich kann Rom aber doch die Oberhand gewinnen und schlägt die Invasoren im Jahr 201.

Römische Expansion


Die inzwischen weiter erstarkte Republik Rom streckt nun auch die Hand gegen Osten aus und schlägt etwa die Makedonier (197 v. Chr.), die Seleukiden (191 v. Chr.) und andere. Innenpolitisch hingegen birgt die Expansionspolitik und der Unterhalt der Truppen gehörigen Unmut in dem Vielvölkerstaat. Diese Unruhen gipfeln ab 133 v. Chr. in einem römischen Bürgerkrieg. Eine weitere Bedrohung rückt bereits 113 v. Chr. aus dem Norden heran, die germanischen Volksstämme der Kimbern und Teutonen greifen auf ihrem Zug durch Europa keltische Siedlungen an und zerstören diese, sechs Jahre später schlagen sie römische Legionen vernichtend. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen die bis in das Jahr 101 v. Chr. andauern, erst dann kann Rom durch einen entscheidenden Sieg die Germanengefahr im eigenen Land bannen.

In den Jahren 58 bis 50 v. Chr. machte sich ein gewisser Gaius Iulius Caesar daran, im sogenannten "Gallischen Krieg" die in Gallien eingedrungenen Truppen unter Ariovist, einem Heerführer der Sueben, zu stellen. Als "Retter Galliens" bezwang er zwar Ariovist, plünderte dann aber selbst keltische Siedlungen um die eigene Kriegskasse zu füllen. Von Tributzahlungen und der römischen Unterdrückung gebeutelt formierte sich unter Vercingetorix ein Aufstand, den Iulius Cesar aber durch schonungslose militärische Härte niederschlagen konnte. Die gallischen Völker westlich des Alpenbogens unterwarfen sich Caesars Macht.

Der erste römische Kaiser - Augustus


Im Januar 27 v. Chr. verleiht der römische Senat dem Großneffen Gaius Iulius Caesars den Titel Augustus ("der Erhabene"), er geht als Gaius Octavius Augustus und somit erster römischer Kaiser in die Geschichte ein. Nachdem sein berühmter Vorfahre Caesar bereits das Territorium westlich des Rheins erobern konnte, setzte sich Augustus die Einnahme des nördlichen Alpenvorlandes und aller Alpenpässe zum Ziel.



Döttenbichl und Ambronenstein bei Oberammergau


Dolche, Pfeilspitzen, Münzen und Katapultpfeilspitzen der 19. Legion - keltische Gewandfibeln, Schlüssel und landwirtschaftliche Werkzeuge


die Felksklüfte auf dem Döttenbichl verbargen die Opfergaben
Über 700 Metallgegenstände verbargen sich seit 15. v. Chr. auf dem Hügel südlich von Oberammergau. Zahlreiche Felsritzungen im Umfeld des Döttenbichls, am weiter westlich gelegenen Ambronenstein und dem Malenstein reichen bis in das Mittelalter zurück. Einige der Ritzungen könnten sogar in römischer Zeit entstanden sein.

Die archäologische Wissenschaft hat hier insgesamt noch einige "Probleme" zu lösen. Die derzeitigen Erkenntnisse deuten auf einen zunächst keltischen Brandopferplatz hin, welcher schon seit 100 v. Chr. genutzt wurde und mit dem nordöstlich gegenüberliegenden keltischen Siedlungsplatz am heutigen Rainenbichl in Zusammenhang steht.
15 v. Chr. kommt es dann zu einer Schlacht zwischen Römern und Kelten (in manchen Quellen werden auch Räter genannt?).

Im Nahbereich des Brandopferplatzes werden die (häufig auch vorsätzlich unbrauchbar gemachten) Waffen zeremoniell in Felsspalten deponiert (siehe auch Kult- und Opferplätze entlang der Kaiserstraße).


Vorstoß über die Alpen


Als erste Maßnahme dringen um 15 v. Chr. zahlreiche römische Kampfabteilungen, federführend von Mitgliedern des Kaiserhauses (Drusus und Tiberius - die Stiefsöhne des Augustus), gegen die feindlichen Germanen, Kelten und Räter vor. Sie durchstreifen dafür systematisch die Alpentäler und unterwerfen die Bewohner ihrem Machtapparat: die Isarci (rätisch, Eisacktal), die Venosten (keltisch oder rätisch?, Vinschgau), die Breuni (rätisch, Innsbrucker Raum), die Genaunen (rätisch, Unterinntal und Achensee), im Bereich nördlich des Fernpasses bei Füssen, bei Oberammergau, bei Partenkirchen und des Seefelder Beckens die keltischen Vindeliker (Cosuanates, [Vi]Rucinates, Licates und Catenates). Beweise dafür zeigen sich beispielsweise in den Funden am Döttenbichl bei Oberammergau. (siehe Infokasten oberhalb)

zivile Entwicklung und der Straßenbau


Nach der erfolgreichen Zerschlagung der keltischen Kampfverbände gingen die Römer rasch dazu über, die Gefahr vor weiteren Widerstandskämpfen zu eliminieren. Dafür bedienten sie sich einer altbewährten Vorgehensweise, bei welcher die feindlichen jungen Krieger zum größten Teil aus der Heimat fort geführt wurden. Dieser Umstand würde
auch das generelle Fehlen von Spuren eines Fortbestandes der keltischen Kultur im nunmehr römischen Einflussbereich erklären.
Die Besiegten dienten fortan in den Legionen der Römer und wurden in der Kriegskunst ausgebildet. Darüber hinaus wurden sie zur Sicherung des inneren Friedens der eroberten Gebiete als eine Art Faustpfand oder auch Geiseln zurückbehalten.

Um das neu hinzu gewonnene Gebiet sichern zu können und den militärischen Nachschub zu gewährleisten, entstand die Notwendigkeit eine Heerstraße anzulegen. Dazu wurden zunächst Erkundungstrupps und die Vermessungsingenieure (agrimensores) ausgesandt um die bestmögliche Trassierung der neuen Straße festzulegen, mit deren Bau spätestens 46/47 n. Christus begonnen wurde. Mit der militärischen hat sich bald darauf auch eine zivile bzw. wirtschaftliche Nutzung eingestellt. Entlang des Streckenverlaufes wurden Raststätten (mansiones) errichtet, welche für den Pferdewechsel (mutationes) und zur Erholung der Reisenden genutzt werden konnten.

Zudem konnten sich römische Staatsbedienstete an den Einrichtungen des cursus publicus erfreuen, jenem staatlich organisierten System zur Übermittlung von Nachrichten oder Gütern innerhalb des römischen Einzugsgebiets. Im flachen Land betrug der Abstand zwischen den Rast- oder Wechselstationen etwa 40 km. Eben jener Strecke, welche der durchschnittliche Nutzer innerhalb eines Tagesmarsches bewältigen konnte. Im inneralpinen Bereich verkürzte sich diese Wegstrecke entsprechend den zu absolvierenden Steigungen oder technisch schwierigeren Passagen. Für die Strecke Imst - Biberwier, Orte in welchen solche Raststationen bestanden, verkürzt sich beispielsweise die Strecke auf rund 25 km, da hier die Anhöhe des Fernpass dazwischen liegt.


Rekonstruktionszeichnung eines Straßendamm-Querschnitts auf einer Infotafel in der Nähe von Lechbruck


An strategisch wichtigen Orten wurden später auch zumeist kleinere Militärstationen eingerichtet, wie jene am sogenannten Lorenzberg bei Epfach (Abodiacum). Deren Wichtigkeit ergab sich aus dem Zusammentreffen zweier bedeutender Römerstrassen - der Via Claudia Augusta als Nord-Süd-Verbindung und der West-Ost-Route von Brigantium (Bregenz) nach Iuvavum (Salzburg) und einem günstigen Übergang über den Lech. Das Militärlager war im ständigen Wechsel mit ca. 150 Einheiten besetzt, welche sich aus Soldaten der Legionsinfanterie wie auch aus Auxiliarreitern gemischt ergab.

Erste zivile Ansiedlungen durch die Römer finden sich in Cambodunum (Kempten) und Brigantium (Bregenz), welche ursprünglich von den Kelten als Siedlungsraum beansprucht wurden, da es sich hierbei um keltische Ortsnamen handelt. Jedenfalls wurde der vorangegangene Holzbau der römischen Stadtanlage Cambodunums etwa um die Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus durch einen steinernen Stadtbau ersetzt. Dabei waren die baulichen Dimensionen bemerkenswert und die Art der Gebäude untermauert die Annahme, dass es sich hierbei im 1. Jhd. n. Chr. um die Hauptstadt der Provinz Raetia gehandelt hat.

Im ländlichen Raum entlang der Via Claudia wurden zur Erweiterung der Infrastruktur Gutshöfe (villa rusticae) erbaut. Spuren der vorrömisch einheimischen Bevölkerung sind dagegen nur schwer nachweisbar, da deren Behausungen in den allermeisten Fällen aus Holzbauten bestanden, von denen in heutiger Zeit so gut wie keine Spuren mehr auffindbar sind. Trotzdem ist die keltische Bevölkerung mit ihren kulturellen Gebräuchen und ethnischen Merkmalen noch bis in die frühe Kaiserzeit präsent, geht aber dann bald in dem sich neu entwickelnden, multikulturellen Bevölkerungsgemisch auf. Diese Mischung setzt sich aus der lokalen keltischen Bevölkerungsschicht, als auch aus sich hier ansiedelnden Romanen, Italikern, romanisierten Kelten aus Gallien und der heute als Heimstettener Gruppe bezeichneten Immigranten zusammen. Wobei die Wurzeln dieser Heimstettener Gruppe ebenfalls keltischen Ursprungs zu sein scheinen.

Kult- und Opferplätze entlang der Kaiserstraße


Bereits 1977 fanden im Bereich des Forggensees archäologische Grabungen statt, bei welchen Relikte mehrerer Brandopferplätze aus dem Zeitraum von der Spätlatènezeit bis in die frühe römische Kaiserzeit geborgen wurden. Den auffälligsten Fundgegenstand stellt der in seiner Grundfläche 6 x 4 Meter große Opferaltar selbst dar. Auf diesem Altar wurden während seiner Nutzungsdauer offenbar vorwiegend die Schädel und Füße von über 200 jungen Schafen oder Ziegen, sowie 171 Rindern verbrannt. Dabei fand die Schlachtung der Opfertiere im direkten Umfeld der jeweiligen Brandopferplätze statt.

Neben dem zentralen Opferplatz dürften noch weitere, kleinere Opferfeuer abgebrannt worden sein. Dabei wurden weitere Speiseopfer dargebracht, wie etwa Gerstenkörner und Ackerbohnen. Darüber hinaus wurden als weitere Facette des Opferritus Gaben in Form von Schmuck, landwirtschaftlichen Geräten und Waffen niedergelegt - großteils vorsätzlich beschädigt, wie dies bei den meisten im nördlichen Alpenvorland untersuchten Kultplätzen zu beobachten ist. Mit großer Wahrscheinlichkeit erstreckte sich das Spektrum der den Opferplatz nutzenden Volksgruppen von den Kelten, über die Römer bis zu germanischen Individuen sowie der sogenannten Heimstettener Gruppe (siehe auch bei Ehrwald).

In erster Linie sind die vorangegangenen keltischen Kultstätten auf erhabenen Landschaftsformen wie Bergkuppen oder Hügeln zu finden, aber auch an Quellen oder kleinen Bachläufen. Opferaltäre wurden jedoch vorwiegend auf Geländeerhebungen errichtet, vermutlich als Annäherung an die angerufenen Gottheiten. Wie ja auch der Rauch der Brandopfer quasi als göttliche Verbindung in den Himmel emporsteigt.


der Mithras-Kult war auch an der Via Claudia Augusta beliebt
Auch der aus dem Gebiet Persiens stammende, jedoch in seiner populären Form in Rom entstandene Mithras-Kult fand entlang der Via Claudia Augusta seine Anhänger. Der Gott Mithras wird dabei stets als siegreicher Stiertöter dargestellt und die rituellen Kulthandlungen fanden stets in einem höhlenartigen, dunklen Raum statt - Symbol für die Geburt des Mithras, der in einer Höhle zur Welt gekommen sein soll.
An den Kult stark angelehnt war dabei die Astrologie, da die aufgefundenen Kultbilder immer mit zahlreichen Darstellungen von Tierkreiszeichen, Sternbildern und anderen kosmologischen Symbolen geschmückt waren. Man nimmt an, dass gerade diese Komponente die Anziehungskraft des Mithras-Kultes ausmachte - denn die Astrologie war im römischen Herrschaftsgebiet absolut angesagt. Dem Astrologen des 4. Jahrhunderts wurde Glauben geschenkt, an dessen Prophezeiungen nicht gezweifelt.

Die auf allen Kultbildern wiederkehrende Darstellung der Stiertötung gilt dabei als symbolische Überleitung der Wiedergeburt des Lebens. Denn das Blut und der Samen des getöteten Stieres befruchten - dem Glauben des Kultes nach - die Erde, was die aus dem Schwanz des Tieres heranwachsenden Kornähren versinnbildlichen. Eine Analogie in heutiger Zeit wäre wohl das Funkenfeuer mit der Verbrennung der Hexe als symbolisierte Gestalt des Winters - ihr Tod macht den Weg frei für den herannahenden Frühling. So wurde wohl einst auch die Tötung des Stieres in seiner Symbolik verstanden.

Niedergang Roms und die Festigung des Christentums


Ist die Reschenverbindung seit ihrem Ausbau bis um 46 n. Chr. aufgrund ihrer lokalen Alleinstellung die übliche Verbindung zwischen Rom und Raetien, beginnt etwa um 200 n. Chr. mit der Erschließung der Brennerstrecke der Niedergang der älteren Straße durch das Tal der Etsch. Trotz ihres Bedeutungsverlustes in militärischer Hinsicht, blieb sie doch für den Warenverkehr innerhalb der Provinz Rätien und als Anbindung bzw. Bindeglied für die üblichen Fernverkehrsrouten bei Händlern und Fuhrleuten beliebt.

Zum Beginn des 2. Jahrhunderts erstreckt sich das römische Straßennetz auf etwa 70.000 Kilometer und gewährleistet so die Möglichkeit einer schnellen Truppenbewegung und stützt die Infrastruktur innerhalb des Reiches. Die Kehrseite der Medaille ist aber jener Umstand, dass solche hervorragend erschlossenen Verkehrswege auch die Verbreitung von Krankheitserregern begünstigen. So wie etwa im Jahr 166, als die sogenannte Antoninische Pest (wohl eine Pockenepidemie) beinahe in den gesamten Römischen Gebieten wütet und unzählige Opfer fordert.


Aufmarsch einer 'römischen Legion' an der Klause Ehrenberg
Im darauf folgenden Jahr überrennen bereits die Markomannen und andere germanische Stämme die Reichsgrenze. Sie können zwar zurückgedrängt werden, die Unruhen und Kampfhandlungen entlang der Grenze reißen aber bis 180 nicht mehr ab. Diese Vorgänge stellten zwar keine unmittelbare Gefahr für das umliegende Alpenvorland dar, dezimierte aber die hier stationierte Anzahl an römischen Soldaten und Auxiliartruppen. Auch 233 kommt es zu erneuten Einfällen der Germanen, diesmal aber direkt in Raetien. Kaiser Aurelius Severus Alexander bricht daraufhin eilends seinen Persienfeldzug ab und marschiert an die raetische und obergermanische Grenze.

Der Druck an den Außengrenzen nimmt stetig zu und die Limites sind durch innenpolitische Querelen unterbesetzt. Dieses für die römische Seite nachteilige Gemisch wird immer häufiger von den feindlichen Nachbarn genutzt um auf Raubzug in die Grenzprovinzen (Alamannen 259) oder gar bis nach Oberitalien (Alamannen 270) vorzustoßen. Die expansive Entwicklung der Germanenstämme muss zwischen 270 und 275 von Kaiser Aurelian zurückgedrängt werden. Unter Kaiser Probus gelang die Bekämpfung der Vandalen am Lech (278). Mit dem Jahr 303 beginnt auch die brutale Verfolgung der Christen unter Diokletian. Während der nächsten acht Jahre wird diese mehr oder weniger unvermindert fortgeführt, endet aber letztendlich 311 mit der Anerkennung des christlichen Glaubens - da die römischen Machthaber einsehen mussten, dass diese Glaubensgemeinschaft einen enormen Zustrom genoss und sich inzwischen gar schon aus den eigenen Reihen viele zum Christentum bekannten. Unter der Herrschaftszeit Konstantin des Großen stieg die Christuslehre gar in den Rang der primären Staatsreligion auf.

Diese Entwicklung innerhalb des gesamten Imperium Romanum spiegelt sich auch darin wider, das man 318 daran ging den zuvor heidnischen Tempel in Cambodunum als christliche Kapelle zu weihen. Dennoch gelingt es dem neuen Glauben vorerst noch nicht richtig Fuß zu fassen, zu stark toben die immer wieder einfallenden germanischen Gruppen in der Provinz Rätien und verheeren auch oft die Kultplätze und neu in Erscheinung getretenen Kapellen und Kirchen.

352 werden die Alamannen wieder aktiv. Zusammen mit den Franken zerstören sie im Gebiet des heutigen Elsass und der Pfalz etwa 40 römische Städte. Den Anfang vom Ende läutet dann 375/76 der Sturm der Vandalen in Mitteleuropa ein, als beinahe sämtliche betroffene Völkergruppen auf ihrem Weg der Zerstörung in eine Fluchtbewegung geraten und so die Völkerwanderung auslösen. Mit dem Tod Kaiser Theodosius I. zerbricht das Römische Imperium in zwei Teile, in ein oströmisches und weströmisches Reich. 401 erstürmen die Goten unter ihrem Heerführer Alarich Mailand und verwüsten Norditalien. Wieder werden die römischen Truppen eilends von den Grenzen abberufen. Gerade rechtzeitig, denn 405 tun es ihnen die Germanen und Ostgoten gleich. Sie können 406 von den Römern nahe Florenz vernichtend geschlagen werden.

Andere germanische Gruppen nutzen die Gunst der Stunde, passieren die verwaisten Grenzen und fallen so in die von den römischen Truppen verlassenen gallorömischen Gebiete ein. 410 erobert Alarich Rom und plündert die Stadt, im selben Zeitraum verlassen die Römer Britannien. 451 überfällt Attila und seine Hunnen zahlreiche Städte entlang der Donau und in Gallien. Römische Streitkräfte und die Westgoten können sie aufhalten, im darauf folgenden Jahr rückt Attila aber mit einem gewaltigen Heer raubend und brandschatzend in Italien ein. Das geschwächte Rom wird 455 von den Vandalen geplündert und verwüstet. Bis zum Jahr 476 versinkt der klägliche Rest der einstigen römischen Herrschaft im Chaos. Der Germanenkönig Odoaker wird durch die Regierung im oströmischen Konstantinopel zum Statthalter Roms ernannt, womit das Ende des Weströmischen Reiches besiegelt ist.



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