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Salzstraßen im Außerfern und dem Allgäu


Bildquelle: Transparent im Ortskern von Simmerberg

Erschließung und Entwicklung


Ende des 13. Jahrhunderts wird in einem kleinen Tal im Karwendel ein Salzvorkommen erschlossen, bereits im Jahr 1272 wird ein erster Stollen im Halltal urkundlich vermerkt. Schnell entwickelte sich östlich von Innsbruck, am Ausgang des Tales die rasant prosperierende Stadt Hall. Der Salzhandel beschränkte sich zunächst noch auf das innertirolische Gebiet und das heutige Südtirol. Erst mit ausgehendem 14. Jahrhundert begann sich ein reger Absatz in die Gegend des Bodensees und der östlichen Schweiz zu entwickeln.

Am Ende des 13. Jahrhunderts erlebte die antike Via Claudia Augusta - mit aufkommenden Handelsbeziehungen zwischen Oberitalien und dem süddeutschen Raum - eine Renaissance. Für die damals üblichen Handelsgüter schien die Trasse der alten Römerstraße - bis auf einige wenige Anpassungen und Ausbauten - ausreichend. Mit der einsetzenden Blütezeit des Salzhandels und des Rodfuhrwesens im 15. Jahrhundert wurde jedoch bald ein umfassender Ausbau der Handels- und Salzstraßen im heutigen Außerfern notwendig.

1541 gab Ferdinand I. von Habsburg den Befehl zur Neutrassierung der Salzstraßen in seinem Herrschaftsbereich. Gerade die baulichen Maßnahmen an den Übergängen des Fern-, Gaicht- und Jochpass' wurden bis etwa 1550 abgeschlossen.

Für die Bevölkerung entlang dieser Salzroute entwickelte sich dadurch ein lukrativer Nebenerwerb - das sogenannte Rodfuhrwesen. Der Begriff 'rod' wird von Reihe abgeleitet, also die Reihenfolge im Frachtverkehr entlang der Beförderungsstrecke. Denn seit dem Mittelalter war es nur einheimischen Fuhrwerksbesitzern entlang der Strecke erlaubt Frachten zu transportieren, durch die Kenntnis des Streckenverlaufes wurde der Transport insgesamt sicherer. Selbstredend konnte auch der jeweilige Landesherr mit laufenden Einnahmen - beispielsweise durch Zölle - dadurch rechnen, weshalb diesem Wirtschaftszweig stets besondere Beachtung geschenkt wurde.

Berufe rund um das Salz


Die Salzfaktoren waren selbständige Unternehmer, die für die Lagerung des Salzes in den Salzstädeln (Rodstation) und den Weiterverkauf zuständig waren. Im Bereich Zwischentoren zeigte sich beispielsweise die Familie Sterzinger als bedeutende kaiserlich königliche Salzfaktoren. Was die Sterzinger also für Lermoos, waren die Zeiller für Reutte - auch ein Geschlecht welches über Jahrzehnte hinweg das Amt des Salzfaktors bekleidete.

Auch weitere Berufe verdankten ihre Existenz dem Handel mit Salz:
Die Salzstadel-Schnöller halfen beim Ab- und Beladen der Wagen. Die Wäger überprüften die Ordnungsmäßigkeit des Gewichtes der zu lagernden Fässer und in den Nachtstunden sicherten Salzstadel-Wächter das wertvolle Gut Salz.


Darüber hinaus konnten sich im Einflussbereich der Salzstraße zahlreiche Gewerbe besser entwickeln:

  • Huf- und Nagelschmiede
  • Wirte und deren Personal
  • Müller und Bäcker
  • Sägmüller
  • Schuster
  • Tischler, Maurer und Zimmerleute
  • Seiler


  • Kriegszüge brachten spätestens ab 1546 die Pest mit in das Gericht Ehrenberg. Gerade an den Rodstätten und entlang der Salzstraße grassierte die Seuche am heftigsten, machte aber auch vor dem "Hinterland" nicht halt. Eine regelrechte Sterbewelle brandete in den Jahren zwischen 1566 und 1568 durch die Region. Erst 1569 sah man die Gefahr soweit gebannt, dass die Sterbhut an der Klause abgezogen wurde.
    Doch schon 1583 setzte sich das "große Sterben" fort. Das Rodfuhrwesen musste - wie schon während der ersten Pestperiode - die größten Seuchengebiete umfahren um die Pest in ihrer Ausbreitung tunlichst zu hemmen. Trotzdem blieb die Pestgefahr noch über Jahre hinweg durch stetes Wiederaufflackern aufrecht.

    Die Salzstraße in Bildern



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    von Hall bis zum Fernpass


    zwischen Hall und Telfs

    Von Hall und Innsbruck kommend, gelangte die Salzstraße über Kranebitten nach Zirl. Die heutige Bundesstraße ist weitestgehend identisch mit dem mittelalterlichen Verlauf. Am Fuße der Martinswand wird die alte Zollstation am Martinsbühl passiert, welche schon 180 n. Chr. von den Römern als Lager Teriolis errichtet wurde. In Zirl selbst befand sich dann auch der erste Salzstadel als Niederlagsort an der Strecke. Der nächste Salzstadel befand sich dann in Telfs, jenem Ort vor dem ersten größeren Anstieg hinauf zum Mieminger Plateau.



    von Telfs nach Nassereith

    Bis ins späte 18. Jahrhundert verlief die Trasse der Salzstraße noch vorbei an der Wendelinkapelle im Westen von Telfs. Über den Höhenzug gelangten die schweren Fuhrwerke mit Unterstützung von Vorspännern vorbei an Moritzen zu der Bötlerkapelle und in Folge auf die Höhenstufe des Mieminger Plateaus.

    Erst 1782 verlegt man die Straße weiter gegen Norden hinein in das sogenannte Meaderloch (meader = mühsam), welches über eine kurzzeitig steile Rampe befahren wurde, insgesamt aber doch weniger Steigung beinhaltete als die vormalige Strecke.

    In mäßiger Steigung - mit einigen kurzen steileren Anstiegen - durchfuhren die Salzfuhrwerke die Orte Affenhausen, Barwies und Obsteig. Ab hier folgte der Übergang über den Holzleitensattel, hinab ins Tal des Roßbaches und nach Dormitz und Nassereith. In Nassereith traf die Salzstraße auf den einstigen Verlauf der antiken Via Claudia Augusta.

    In Nassereith befand sich auch ein Pallhaus zur Niederlegung der Waren über Nacht, damit sich die Fuhrleute anderntags ausgeruht auf den Weg über den Fernpass machen konnten.



    über den Fernpass

    Wohl eine der größten Herausforderungen entlang der Salzstraße stellte jener Streckenabschnitt über den Fernpass dar. Die Strecke über den Pass scheint gerade im Winter berüchtigt gewesen zu sein. 1526 - als noch die Trasse der ehemaligen Römerstraße in Verwendung stand - kamen beispielsweise im Bereich Fernstein 3 Menschen, sowie 26 Pferde (!) durch Lawinen zu Tode. Um diesen Weg überhaupt bewältigen zu können war es unbedingt notwendig Vorspannpferde einzusetzen.

    Erst nachdem die Strecke 1543 im Bereich der Klause Fernstein neu trassiert wurde, konnte eine Verbesserung erzielt werden. Gefährlich blieb dieser Streckenabschnitt aber dennoch. Der durch die damals neue Technologie des Sprengens teils aus dem Fels herausgearbeitete und mit meterhohen Stützmauern versehene Straßenverlauf gelangte zum Schanzlsee und in einem weiten Bogen durch das Untere Afrigall hinauf zum Scheitelpunkt des Passes auf 1210 Meter ü.N.N.



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    Zwischentoren


    von der Fernpasshöhe nach Lermoos

    Der Begriff 'Zwischentoren' leitet sich eigentlich von dem Bereich zwischen den beiden Klausen am Fernstein, sowie jener bei Ehrenberg ab - somit würde auch vorgenannter Teilabschnitt in diesen Bereich fallen. Jedoch wurde im 19. Jahrhundert die Bezirksgrenze von dem Sperrwerk am Fernstein auf die Passhöhe herauf verlegt. Aus diesem Grund lasse ich den Sektor Zwischentoren ebenfalls an der Anhöhe des Fernpass' beginnen.

    In weiten Teilen ist der Streckenverlauf zwischen der Anhöhe am Fernpass bis hinab zum Weißensee mit der heutigen neuzeitlichen Straße identisch. Die Geleisspuren östlich des Weißensees sind zwar eindeutig mittelalterlich, jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit in die Zeitspanne der Nutzung der alten Römerstraße - welche ja südöstlich des Sees verlief - also vor dem Jahr 1550 einzuordnen. Möglich ist aber auch, dass ab der sogenannten Blindseegrube mittels einer kurzen Anbindung der ehemalige Verlauf der Via Claudia in Verwendung stand.



    Zur Zeit der Salzstraße war Biberwier schon ein florierender Bergbauort. Am Schachtkopf schürften Bergler der bergmännischen Gewerkschaft 'Silberleithe' sowohl oberflächlich als auch unter Tage vorrangig nach Silber und Blei.
    Im Gegensatz zu der Römerstraße, leitete die Salzstraße durch den Bergbauort hindurch - vorbei an der dem hl. Josef geweihten Pfarrkirche - weiter zum sogenannten 'Scharfen Eck'. 1933 wurden dort während Straßenbauarbeiten Geleisrillen freigelegt, welche später auf das beginnende 16.Jahrhundert datiert werden konnten.

    Die mittelalterliche Route von Biberwier nach Lermoos ist in etwa mit jener der heutigen Bundesstraße identisch. In Lermoos selbst gab es dann den ersten Salzstadel innerhalb des Außerferner Gebietes. Noch heute erinnert das Lermooser Wappen mit dem Rad an die verkehrstechnisch bedeutende Rolle des Ortes von der Römerzeit bis in das Mittelalter hinein. Auch in der Pfarrkirche des Dorfes findet sich im Deckenfresko ein Hinweis dazu. Auf dem Friedhof der Pfarrkirche sind zahlreiche Inschriften nachzulesen, welche auf die Salzfaktoren-Familien Sterzinger, Roßbach und Strele hindeuten.



    über Lähn / Bichlbach nach Heiterwang

    Der einstige Verlauf der Salzstraße führte von Lermoos aus über Unter- und Obergarten zum Rautängerle und nach Lähn. Früher als Mittewald bezeichnet, war Lähn einst - noch bevor Lermoos dieses Recht verliehen bekam - als 1. Niederlagsort nach dem Fernpass genannt worden. Die Blütezeit von Mittewald wurde aber jäh durch eine Lawinenkatastrophe beendet, welche am 30. Januar 1456 über das wirtschaftlich aufstrebende Dörfchen hereinbrach.

    Offenbar lag die ursprüngliche Straßentrasse zwischen Lähn/Wengle und Bichlbach vormals weiter nördlich und wurde erst später gegen Süden - etwa der heutigen Bundesstraße entsprechend - verlegt. Im Anschluss durch das Dorf Bichlbach hindurch. Die weitere Strecke verlief wohl in der Nähe der Eisenbahnlinie - also sich eher südlich haltend - auf Heiterwang zu. Heiterwang war bis 1408 der zweite Niederlagsort im Einzugsgebiet des Außerferns. Erst später gelangte das Niederlagsrecht unter den Tiroler Landesfürsten an Reutte.



    über den Katzenberg

    Von Heiterwang aus war der Anstieg hinauf zum Katzenberg zu bewältigen, die Trasse der Salzstraße dürfte sich in etwa mit jener der alten Bundesstraße decken. Dort wo heute ein Bahnübergang über die Straße leitet, führte der mittelalterliche Verlauf hinab in die ebene Fläche vor der Klause Ehrenberg. Mit dem Passieren des Tordurchlasses verließ man auch die als Zwischentoren bezeichnete Region.




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