aktuelle Verhältnisse  (gelesen 728353 mal)

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Offline Kauk

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Re: aktuelle Verhältnisse
« Antwort #960 am: 18. Jan 2012 - 20:28 Uhr »
Das ist weiter unten als bei deinen Bildern oder Wolfi? So ganz sicher bin ich mir net.

Im Prinzip sagt uns das doch, dass bei Gefahr von Bodenlawinen diese Mulde an der Krinnenspitze nicht sicher ist...es gibt ja Bilder im Forum hier, wo da ein Ding ganz durchgerauscht ist. Bleibt von dieser Seite nur der schmale Rücken. Aber die Spuren unter den Gleitschneemäulern sind auch irgendwie unverständlich, wo der LWD seit Wochen vor solchen Stellen warnt...und nachher sind wieder alle betroffen und könnens net verstehen, wenn was passiert... :ohmann: :no( Und eindeutiger gehts doch net...
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Offline Die_Grenzgaenger

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Re: aktuelle Verhältnisse
« Antwort #961 am: 19. Jan 2012 - 06:14 Uhr »
Also am Sonntag Nachmittag war die Lawine noch nicht herunten!

Josch
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Offline Kristian

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Re: aktuelle Verhältnisse
« Antwort #962 am: 19. Jan 2012 - 10:54 Uhr »
1. Bild: Ifen am 11.1.
Am "ersten schönen Tag" (der ist immer besonders gefährlich!!) wurden bei Lawinensprengugen nur Löcher, bis zu vier Meter tief, in die Schneedecke gesprengt. Also allergrößte Zusatzbelastung. Da kann ein Skifahrer kein Schneebrett lostreten.

2. Bild: Seitekopf am 17.1.
Nach kalter Nacht am Vormittag bedeckt  und Sonne ab Mittag. Also Tageserwärmung nicht relevant. Trotzdem intensive Lawinentätigkeit.
Von diesen Ausmaßen war wohl jeder überrascht?

Zitat
gespannte Falle trift nicht ganz zu, weil der Mensch nicht der Auslöser ist, sondern nur zufällig am falschen Ort zur falschen Zeit.
Trotzdem ist die Frage natürlich berechtigt - bleibt uns die Situation noch länger so erhalten.

Vermutlich Ja: Es hat zwei mal bis weit über 2000 m geregnet, Die Schneedecke besteht meist aus feinkörnig abgebautem Schnee (eigentlich supergut), der fließt aber langsam wie ein Gletscher auf dem schmierigen Boden ab, und bricht irgendwann wie ein Eisbruch. Fast unabhängig von Temperatur und Tageszeit. Tagsüber kommt nur noch hinzu, dass Schmelzwasser in die Schneemäuler sickert und am Boden abfließt.
So was löst kein Skifahrer aus. Das kann man nicht mal vorsorglich sprengen. Hinzu kommt die allgemein große Schneemenge.


Es ist erforderlich sich bei der Tourenplanung darauf einzustellen. Das setzt allerdings Ortskenntnis im Sommer voraus. Während kammnahes Steilgelände jeder vor Ort eindeutig als solches erkennen kann, bleibt die "Gefahrenstelle" "glatter Wiesenhang" unter Umständen unterm Schnee verborgen, bis dich die Mäuler öffnen.

Also am besten ein Verzicht auf entsprechnedes Gelände.

Als Ausgleich offeriert dieser Schneewinter ja ganz andere Ziele:

Klimmspitze, ging schon lange nicht mehr, Heubatspitze, Grubachspitze, die ganzen Gramaistouren, Touren direkt von Hinterstein. Alles Touren mit steinigem, latschigen Untergrund, der hohe Schneelage erfordert.

Auf Laufbacher Eck, Bockbach und Krabachtal sollte man heuer vielleicht eher verzichten.


« Letzte Änderung: 19. Jan 2012 - 17:02 Uhr von Kristian »
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Offline Andi

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Re: aktuelle Verhältnisse
« Antwort #963 am: 19. Jan 2012 - 13:31 Uhr »
Sehr eindrucksvolles Bild von der Krinne.

Also am Sonntag Nachmittag war die Lawine noch nicht herunten!

Josch

Gehe ich dann richtig in der Annahme, dass alle diese Spuren eigentlich grob fährlässig sind?
Ich meine nach Sonntag war es wirklich kalt - seit Samstag Dauerfrost und Nachtfrost bis fast -20°C.
Ist es nicht etwas ungewöhnlich, dass sich so eine Gleitschneelawine selbst nach solchen Bedingungen erst noch löst? Isoliert die mächtige Schneedecke so gut, dass auch mehrtägiger, strenger Frost die Gleitschichten am Grund der Schneedecke nicht entschärft?

Mich beschäftigt dieses Bildchen ganz besonders, weil wieder mal ne eher statistische Herangehensweise eher versagt: Stark befahren und Exposition und Gewichtung durch "die Zahl" im LLB...
Besonders wegen ersterem Kriterium. Klar - Gleitschneemäuler sind gut erkennbar und im LLB ist ganz klar darauf hingewiesen.

Als erster wäre ich sicherlich nicht in den Hang gefahren, auch im Hinblick auf Wolfis Bericht von 2007. Aber auch wenn ich die Krinne nicht kennen würde - mir ist das Gefahrenmuster ja deutlich.
Aber ein so stark befahrener Hang hätte mir ein zu trügerisches Bild der Sicherheit gegeben.

Meine Hauptlehre aus diesem Bild - für das ich euch sehr dankbar bin:

Das Gefahrenmuster Gleitschneelawine wird eben durch das "GO" - Kriterium "stark befahrener Hang" eben nicht entschärft.  :o
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Offline Kristian

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Re: aktuelle Verhältnisse
« Antwort #964 am: 19. Jan 2012 - 17:08 Uhr »
Wer hat auf den Bildern von der Krinne eigentlich die Aufstiegsspur gelegt?
« Letzte Änderung: 19. Jan 2012 - 17:16 Uhr von Kristian »
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Offline Peti

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Re: aktuelle Verhältnisse
« Antwort #965 am: 19. Jan 2012 - 23:51 Uhr »
So sah es am Samstag Vormittag aus...
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Offline Kristian

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Re: aktuelle Verhältnisse
« Antwort #966 am: 20. Jan 2012 - 08:25 Uhr »
Die Neuschneeprognose für die nächsten Tage. ;D ;D ;D ;D ;D ;D.

Nach Großschneefällen entspannt sich die Situation in der Regel rasch. Ausnahme das Gleitschneethema.

Ich träume schon mal von Skitouren, die nur alle zig Jahre mal gehen und von einem langen Skifrühling.

[gelöscht durch Administrator]
« Letzte Änderung: 20. Jan 2012 - 08:30 Uhr von Kristian »
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Offline bergler1962

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Re: aktuelle Verhältnisse
« Antwort #967 am: 20. Jan 2012 - 09:48 Uhr »
Auszug aus LB Vorarlberg 20.1.12

Die Gefahr von Gleitschneelawinen unterhalb von 2500m, vor allem an steilen Grashängen der Expositionen Ost über Süd bis West ist weiterhin gegeben. Mit der Erwärmung und dem Regeneinfluss hat sich die Gefahr, vor allem in mittleren und tiefen Lagen gegenüber den Vortagen erhöht.

Wenn nun im März die ersten Firntouren möglich sind, wie schwierig wird die Beurteilung dann? Einiges wird jetzt durch den vielen Schnee überdeckt,
keine guten Aussichten. Oder?
 :prost:
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Offline zapfenwolfi

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Re: aktuelle Verhältnisse - Gleitschneerutsch an der Krinne
« Antwort #968 am: 20. Jan 2012 - 10:42 Uhr »
wir sind da ja eine Woche zuvor auch reingefahren
siehe
http://www.alpic.net/forum/index.php/topic,367.msg27182.html#msg27182

uns war bewusst, dass es oben einen Riss hatte - auch links bis kurz vor den Rücken - den man allerdinsg erst gesehen hatte, als man fast ganz oben war. Ebenso kenne ich die Geschichte vom Winter2007 -2008.
Die Rechnung (für diese spezielle Gleitschneesituation) war folgende:
Gleitschneerutsch wird nicht durch Skifahrer beeinflußt, geht nach Zufallsprinzip.
Man darf eben nur nicht zur selben Zeit dort sein, an dem der Rutsch geht.
An der Stelle geht selten ein Rutsch - ca 1:10 ( aus Erfahrung 2007 - sonst in 20 Jahren nie ein vergleichbar weit rüberbrechendes Teil registriert - heuer aber besonders gleitschneeträchtig also nur 1:10 angesetzt - im nachhinein mit der Erfahrung von 2 Abbrüchen zu wenig).
Die Dinger gehen in absehbarer Zeit Hochwinter = ca 3 Wochen = ca 10000 Minuten)
Jeder von uns ist ca 30 sek in dem Bereich bei der Abfahrt = 1 min
die Teile rutschen heuer bei der Neigung nur langsam, (selbst beobachtet) wenn man nicht im direkten Anbruchbereich  ist, kann man sogar noch wegfahren = 1:2
Ergebnis: 1 min : 10000min x 0,1 (1:10, dass es überhaupt geht) mal 0,5 (1:2 dass man nicht wegfahren kann)  = 1 :200 000.
vertretbares Risiko?
(war zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht so klar durchgerechnet, aber Prinzip und Größenordnung schon klar -)
Alternative wäre, den Rücken auf seiner Südseite fast auf dem Gras runterzukurven - viel vom schneebedeckten Bereich ist da ja nicht stehengeblieben.
Zum Risiko:
der Blitz trifft einen deutlich weniger häufig, aber es gibt Westalpentouren, da geht man stundenlang im potentiellen Lawinenbereich /Sercbruchbereich und die werden auch gemacht.

Der wichtige Faktor bei der oberen Rechnung ist der, dass man sich nur kurz in dem Gefahrenbereich aufhält, müsste man da eine halbe Stunde aufsteigen, wirds langsam russisch Rolette.

Generell hat Kristian recht, heuer gibt es andere Möglichkeiten mit anderem Untergrund, mit entsprechender Tourenwahl  muss man sich eigentlich nicht in diese Versuchungssituation bringen.

Mittelfristig:
Für Grastouren erhebt sich die Frage, wie geht das weiter, wenn erst mal alles herunten ist, liegt die nächste Schicht dann auch wieder auf der Schmiere?

PS: @ Andi: Faustregel verspurtes, häufig befahrenes Gelände gilt nur für trockene Schneebretter, hat mit der Situation hier überhaupt nichts zu tun.
« Letzte Änderung: 20. Jan 2012 - 14:59 Uhr von zapfenwolfi »
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Offline bergler1962

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Re: aktuelle Verhältnisse
« Antwort #969 am: 20. Jan 2012 - 13:27 Uhr »
Bis zu 1,20 Meter Neuschnee... :bravo
http://tirol.orf.at/news/stories/2517778/
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