Rummelplatz Alpen  (gelesen 931 mal)

0 User und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline kalle

  • Administrator
  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 4.789
Rummelplatz Alpen
« am: 12. Apr 2018 - 01:03 Uhr »
  • hilfreich

Offline Lampi

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 1.316
    • Touren by Lamл[tm]
Re: Rummelplatz Alpen
« Antwort #1 am: 12. Apr 2018 - 08:17 Uhr »
Danke!
  • hilfreich

Offline Kristian

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 1.530
Re: Rummelplatz Alpen
« Antwort #2 am: 13. Apr 2018 - 13:48 Uhr »
Der Film passt gut ins Weltbild angeblicher Bergromantiker, die zu Hause in der warmen Stube sitzen wollen und den technischen Fortschritt selbstverständlich annehmen. Beim Kurztrip in die Berge aber jede Fabrik im Tal, jede Seilbahn ablehnen.
Ganz klar, die technische Erschließung des Alpenraums muss klare Grenzen haben. Orte wie Ischgl, Sölden, Tigne usw sind einfach zum kotzen. Es ist gut, dass die Skischaukel am Riedberger Horn nicht kommt. Industrieanlagen im Alpenraum sind auch nicht schön, aber auch nicht hässlicher als im Ruhrgebiet.
Genau diese „Individualisten“ stürmen immer auf die selben Gipfel, ihre Tourenplanung bricht wie ein Kartenhaus zusammen, wenn mal niemand da ist und man mal Spuren muss.
So wie in diesem Link: http://salzburg.orf.at/news/stories/2905941/


Bei mir kommt überraschen schnell die Altersschwachsichtigkeit. Ich spure bei vielen Touren und den Massenbetrieb, angeblich in den ganzen Alpen sehe ich einfach nicht. Ich sehe meist nur soviel, wie auf diesem Bild. ( Ostern, bei geringer Lawinengefahr und bestem Schnee und Wetter) Geht die Realität schon an mir vorbei?
« Letzte Änderung: 13. Apr 2018 - 13:58 Uhr von Kristian »
  • hilfreich

Offline Kristian

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 1.530
Re: Rummelplatz Alpen
« Antwort #3 am: 13. Apr 2018 - 13:54 Uhr »
Übrigens, in rund einem Drittel der Alpentäler sieht es so aus. Hier wohnt niemand mehr. Viele Täler, auch in der reichen Schweiz haben massiv mit Abwanderung zu kämpfen. So auch Simplon, Val Müstair und das Unterengadin. In sicher über der Hälfte der Alpenorte schrumpft die Bevölkerung. Einige wenige wachsen, noch weniger bleiben stabil, was dann der Idealfall wäre.

Wie schaut die Entwicklung  im Lechtal aus?

Der Film zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der Wahrheit; wohl weniger als 10% der Alpenfläche.
« Letzte Änderung: 14. Apr 2018 - 19:25 Uhr von Kristian »
  • hilfreich

Offline Lampi

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 1.316
    • Touren by Lamл[tm]
Re: Rummelplatz Alpen
« Antwort #4 am: 13. Apr 2018 - 17:12 Uhr »
Der Film zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der Wahrheit; wohl weniger als 10% der Alpenfläche.
Wenn dort 100% der Besucher sind, dann erleben 100% der Besucher die Alpen eben als Industriegebiet. Das ist das Gleiche wie mit der "immer überfüllten" S-Bahn.
  • hilfreich

Offline kalle

  • Administrator
  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 4.789
Re: Rummelplatz Alpen
« Antwort #5 am: 13. Apr 2018 - 23:50 Uhr »
Wie schaut die Entwicklung  im Lechtal aus?

Abgesehen von Reutte selbst herrscht im Außerfern und damit auch dem Lechtal ebenfalls in einem gewissen Maße die Landflucht, allerdings ist es dort ein wenig anders gelagert. Grund dafür sind die hohen Immobilienpreise, da inzwischen viele der zu veräußernden Häuser und Wohnungen von zumeist zahlungskräftigen deutschen Staatsbürgern gekauft werden um dort einen Freizeit- oder auch Alterswohnsitz zu erhalten.

Junge Familien können sich diese Preise jedoch nicht mehr leisten. Wer nicht schon einen Baugrund sein Eigen nennen kann oder über landwirtschaftliche Flächen verfügt die in absehbarer Zeit als Bauerwartungsland ausgewiesen werden, hat häufig wenig Chancen einen kostengünstigen Bauplatz erwerben zu können. Die Infrastruktur in den Tälern ist dann auch noch eher mau und allzuviele Arbeitgeber gibt es auch nicht, also ziehen inzwischen schon viele in den "Ballungsraum" Reutte und gehen dort in die Wohnungen der Wohnsilos bzw. Wohnanlagen, welche im Bezirkshauptort inzwischen wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Wer beispielsweise im Tannheimer Tal lebt und sein Geld nicht direkt durch den Tourismus verdient, kriegt dort oben auch die Krise. An schönen Tagen scheint etwa Tannheim selbst ein Rummelplatz zu sein. Nachmittags ungestört einen Kaffee auf der Terrasse zu trinken, ohne von hunderten "schaulustigen" Wanderern und Touristen gemustert zu werden, ist gerade an der Zufahrtsstraße zum Vilsalpsee wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Man fühlt sich da schon eher wie ein Affe im Zoo.

Im Lechtal und seinen Seitentälern hört man an Sommertagen wohl mittlerweile einzig und allein das Dröhnen der Motorräder und wer in die Region Zwischentoren über die Fernpassbundesstraße fahren will braucht viel Geduld.
  • hilfreich

Offline Whans

  • Anwärter
  • Beiträge: 4
Re: Rummelplatz Alpen
« Antwort #6 am: 15. Apr 2018 - 21:53 Uhr »
Übrigens, in rund einem Drittel der Alpentäler sieht es so aus. Hier wohnt niemand mehr. Viele Täler, auch in der reichen Schweiz haben massiv mit Abwanderung zu kämpfen. So auch Simplon, Val Müstair und das Unterengadin. In sicher über der Hälfte der Alpenorte schrumpft die Bevölkerung. Einige wenige wachsen, noch weniger bleiben stabil, was dann der Idealfall wäre.

Der Film zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der Wahrheit; wohl weniger als 10% der Alpenfläche.
Kristian, der Film zeigt sehr wohl die 100%. Der zeigt das Naraissatal in den Cottischen Alpen, in dem niemand mehr lebt, der zeigt auch Sambuco im Sturatal, der zeigt den Schafbauern hoch über dem Aostatal, der kaum Geld zum überleben hat genauso wie die Rummelplätze.
Man kann das wunderbar nachlesen in dem Buch "Die Alpen" von Werner Bätzing, der auch in dem Film zu Wort kommt.

Gruß

Hans
  • hilfreich

Offline Kristian

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 1.530
Re: Rummelplatz Alpen
« Antwort #7 am: 04. Mai 2018 - 12:41 Uhr »
Zitat
Wer beispielsweise im Tannheimer Tal lebt und sein Geld nicht direkt durch den Tourismus verdient, kriegt dort oben auch die Krise. An schönen Tagen scheint etwa Tannheim selbst ein Rummelplatz zu sein. Nachmittags ungestört einen Kaffee auf der Terrasse zu trinken, ohne von hunderten "schaulustigen" Wanderern und Touristen gemustert zu werden, ist gerade an der Zufahrtsstraße zum Vilsalpsee wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Man fühlt sich da schon eher wie ein Affe im Zoo.

Aber aber... Nicht doch... Dreh den Spieß doch einfach um und beobachte die Touris am dem Weg zum Vilsalpsee. Ich finde Tannheimertaltouris mit ihrer Tollpatschigkeit irgendwie süß. (so lange sie nicht Auto fahren). Schau dir mal an, wenn die mit angeschnallten Langlaufskiern über die Hauptstraße watscheln. Wenn ein Auto kommt fangen sie zum rennen und flattern an, fast so wie wenn man einen Judenfurz in einen Hennenstall wirft. Beobachte sie, wenn sie Wintersportausrüstung vom Auto zum Lift transportieren. Versuche es nachzumachen: Auf einer Eisplatte nach hinten zu fallen, dabei vier Gegenstände( 2 Ski, 2 Stöcke) in vier verschiedene Richtungen zu werfen und dabei noch mindestens ein Auto oder eine Person zu treffen. Es wird dir nicht gelingen!. Touris schaffen das spielend.

Wenn du nach der Gaishorn Südabfahrt auf der Loipe mit Tourenski zurück nach Tannheim skatest und einen mit Mantel oder Bognerjacke  beim Langlaufen überholst. Erkläre ihm, dass seine Ski zu leicht zum Langlaufen sind und zudem keine Kanten haben. Manch einer glaubt dir das..

Beobachte wenn welche im Winter noch ein Stück vom Haldensee in Richtung Sulzspitze wandern und plötzlich Skifahrer entgegen kommen. Erst realisieren sie es gar nicht, dann plötzlich.... Huch.. ui. wo kommt der denn her.


Da in Haller ein neues Hotel gebaut wird, gibst sicher bald noch mehr zu beobachten mit dem Potential zur Realsatiere.
 
  • hilfreich

Tags: rummelplatz | alpen | tourismus | kulturflächen | 
 





aktuell online:
Bilder • 34.638
Themen •   5.268
Beiträge • 47.627

weitere
Informationen:


FAQ •••
FORUM •••
DATENSCHUTZ •••
IMPRESSUM •••

(V.12.2) © alpic.net und Autoren 2001 - 2018 nach oben