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Monte Baldo: Vier Gipfel von der Punta Telegrafo zur Cima Valdritta  (gelesen 516 mal)

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Offline Kauk

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Nachdem wir im Frühsommer Urlaub am Comer See gemacht haben, ging es jetzt im Spätherbst an den Gardasee. Und so wie ich Anfang Juni einen Traumtag auf dem Monte Legnone am Lago di Como erleben durfte, konnte ich nun an Allerheiligen auch am Gardasee auf den höchsten Gipfel direkt am See steigen. Die Cima Valdritta (2218 m) bildet den höchsten Punkt im Monte Baldo-Kamm, der sich über gut 30 Kilometer am Ostufer des Gardasees erstreckt. Südlichster Hochpunkt ist die Punta Telegrafo (2200 m), dazwischen liegen noch die Punta Pettorina (2192 m) und der unbenannte P.2207, dem ich analog zur Benennung der beiden nördlich anschließenden Gipfel (Cima Valdritta und Cima Val Finestra) nach einem Tal bei Hikr den Namen "Cima Valle Largo" gegeben habe.

Vom kleinen Parkplatz (1552 m) direkt entlang der Bergstraße (Strada Provinciale 3 von Affi und Ferrara di Monte Baldo kommend) folgt man einfach und unproblematisch dem ausgeschilderten Wanderweg in Richtung Rifugio Telegrafo. Dieser quert zunächst lange die mit Latschen bewachsene Südostflanke und gewinnt nur gemächlich an Höhe (T2). Nichtsdestotrotz ist die Trasse breit freigeschnitten und bietet an Lichtungen immer wieder schöne Ausblicke. Nach P.1781 wendet sich der Weg nach Westen und steilt in der Folge deutlich an. Hier wird der Anspruch auch deutlich größer, immer wieder werden felsige Stufen erklommen (T3) Später quert man wieder etwas mehr hinüber zum breiten Militärweg unterhalb der Kammhöhe. Nun nach links und in wenigen Serpentinen unterhalb der Versorgungsseilbahn auf die Kammhöhe und dem Weg folgend zum nahen Gipfelkreuz der Punta Telegrafo (2200 m) mit ihrem schönen Ausblick über den Baldo-Kamm und damit den Weiterweg nach Norden. Aber auch der Gardasee liegt tief unterhalb im Blickfeld, außer das Wetter ist wie bei meinem Besuch stark diesig.

Knapp unterhalb des Gipfels werde ich zum ersten Mal mit den "Auswirkungen" des Naturschutzgebietes Riserva Naturale Integrale Lastoni Selva Pezzi, welches sich auf der Westseite des Baldokamms hinab zum Gardasee erstreckt. Ein Schild weist auf einen gesperrten Weg hin, der nicht mehr gepflegt wird und deshalb gefährlich sei. Den Spuren nach zu urteilen muss dies ursprünglich mal der Gratweg gewesen sein, immer wieder finden sich auf der Grathöhe Schilder, die auf die Sperrung hinweisen. Tatsächlich verläuft die Grenze des Schutzgebiets auf dem Kamm, damit ist die Ostseite im Bereich meiner Tour frei zugänglich. Da die Schilder mir den Gratweg offensichtlich verbieten, verzichte ich auf die reizvolle Gratüberschreitung weitgehend.

Ich steige über den Aufstiegsweg zurück zum Militärweg und folge ihm bis zur Lücke (2085 m) zwischen Telegrafo und Punta Pettorina. Hier trifft man dann erstmals auf eine Informationstafel zum Schutzgebiet (italienisch und englisch). Den folgenden Gratkopf umgehe ich noch auf dem Weg, um dann über eine freie Schneise zur Grathöhe zu steigen (T3, Wildspuren, gerölliger Untergrund). Dort treffe ich auf die alte Wegspur und folge ihr zum Gipfel der Punta Pettorina (2192 m), auf dem sich ein Steinmann befindet. Auf dem Grat gehe ich weiter hinab Richtung Wanderweg , den ich auf Spuren bald auch wieder erreiche.

Der Grat wird nach Norden hin jetzt deutlich wilder. Ich folge dem breiten Militärweg, um in der "legalen" Südflanke nach einer Aufstiegsmöglichkeit zu suchen. Bei P.2104 zweigt der Weg Nr.66 die Flanke abwärts ab, etwas oberhalb vom Wanderweg zeigt sich eine deutliche Trasse und eine alte Markierung. Diesem alten Weg könnte man ab hier folgen um höher in die Südflanke von der "Cima Valle Largo" zu kommen. Ich gehe auf dem neuen Weg noch um eine Ecke und kann von hier die Südflanke überblicken. Sie führt recht gut gestuft, aber deutlich geröllig gegen den Grat, links eines Felskopfs scheint eine Rinne den Zugang zur Grathöhe zu vermitteln. Je höher man in der Flanke steigt, desto besser erkennt man, dass die Flanke durchaus von guten Tierspuren durchzogen ist (angenehmer Abstieg). Zur Rinne hin steilt das Gelände deutlich an, bleibt aber gut gestuft. Die Rinne selbst kann ohne Kletterschwierigkeiten durchstiegen werden (um T4, höchstens mal die Hände fürs Gleichgewicht zum Fels). Sobald sich in Aufstiegsrichtung links die Möglichkeit bietet, quert man am besten auf Spuren hinaus zur Grathöhe und in Kürze zum Gipfel, der etwas "nach hinten" geschoben ist.  Der Gipfel von P.2207 / "Cima Valle Largo" bietet eine schöne Aussicht auf die Cima Valdritta. Abgestiegen bin ich über die Rinne und dann auf der alten Wegtrasse nach Norden bis zum Grat gequert, um von dort weglos über eine erodierte Grasflanke zurück zum Wanderweg zu gelangen.

Nach einem kurzen Zwischenabstieg steigt man hoch zur Forcella Valdritta (2102 m) und gelangt kurz darauf zur am Fels angezeigten Abzweigung zum Gipfel der Cima Valdritta. Das Gelände sieht richtig wild aus, aber ein ausgesprochen breiter, aber geröllreicher Weg führt hinauf. Oben bestätigen dann 3 Tunnel-Stollen die Vermutung, welche ich schon länger hatte: Hier waren die Alpini am Werk gewesen und haben eine ausgesprochen komfortable Infrastruktur geschaffen. Allerdings bleibt der Weg im Schutz der Flanke und führt nicht mehr direkt zum Gipfel. Bevor der Weg dann in die Flanke quert kraxelt man in 2 kurzen Zügen Richtung Gipfelkreuz, oberhalb des Absatzes werden dann auch wieder gute Wegspuren sichtbar, die zum Gipfelkreuz mit Gipfelbuch leiten. Der höchste Punkt der Cima Valdritta (2218 m) liegt noch wenige Schritte weiter den Gipfelgrat entlang. Die Aussicht nach Norden über den weiteren Baldo-Kamm oder tief hinab zum Gardasee sind beeindruckend schön.

Abgestiegen bin ich über die Forcella Valdritta zur Abzweigung von Weg Nr.66, der steil über den Geröllrücken und später durch dichte Latschen hinab zum Weg Nr.652 und schnell zurück zum Parkplatz führt.

Fazit: Während die "Herbstferien" auf der Nordseite der Alpen durchaus kalt und ungemütlich verliefen, konnte ich den Baldo-Kamm bei angenehmen Wandertemperaturen genießen: nach herbstlich kaltem Start musste ich in der Sonne bald zum T-Shirt greifen. Ohne den Wind auf der Kammhöhe wäre es direkt heiß gewesen. Einziger Wehrmutstropfen war der starke Dunst, der den Blick zum See hinab deutlich eingeschränkt hat.
Trotz des Feiertags war es erstaunlich ruhig dort oben, die meiste Zeit des Tages war ich alleine unterwegs und traf auch kaum Menschen, nur an den Gipfeln von Telegrafo und Valdritta sammelten sich jeweils eine handvoll Wanderer.
Startet man auf der Ostseite des Baldokamms, kann man ohne größeren Aufwand einen ausgedehnten Wandertag verbringen...das dürfte sich auch lohnen, wenn die sommerlichen Massenwanderungen stattfinden, denn man kann dann schön auf die unbekannten Gipfel flüchten.

Den Tourenbericht habe bei Hikr publiziert: Monte Baldo: Vier Gipfel von der Punta Telegrafo zur Cima Valdritta.

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