Ortler (3905m) über Hintergrat  (gelesen 2256 mal)

0 User und 1 Gast betrachten dieses Thema.

DavidXXXX

  • Gast
Ortler (3905m) über Hintergrat
« am: 28. Aug 2010 - 15:45 Uhr »
Servus,

um noch das schöne Wetter auszunutzen bevor der Regen kommt, sind wir letzten Donnerstag kurzentschlossen nach Südtirol gedüst um den Ortler in Angriff zu nehmen. Der Ortler gehört zwar definitiv nicht zum Forumsgebiet, es lohnt sich aber sicher trotzdem über diesen schönen Berg zu berichten.

Der Ausgangspunkt für die Besteigung des Ortler über den Hintergrat ist die gleichnamige Hütte (2661m). Von Sulden (1866m) ist sie in ca. 2,5 Stunden zu erreichen. Mit Liftbenutzung (welche wir in Anspruch nahmen  ;D) benötigt man nur 1 Stunde. Nach einer, mehr oder weniger, erholsamen Nacht auf der Hintergrathütte wird man am nächsten Morgen um 4 Uhr auf Wunsch geweckt. Es herrschte schon reger Betrieb. Ich wollte eigentlich gleich nach dem Aufstehen um kurz nach 4 Uhr losstarten. Da ich mich aber nicht vor den anderen Seilschaften blamieren wollte wie ich den Weg in der Dunkelheit suche, wartete ich bis jemand anderes losging und heftete mich dann an deren Fersen ;D. Endlich um halb fünf setzte sich eine Zweiergruppe in Bewegung der ich hinterherlaufen konnte. Von der Hütte folgt man einem deutlichen Pfad, der einen auf die nördliche Ufermoräne des Sulden Ferners führt. Auf dieser läuft man bis zu einem Felsvorbau der vom Hintergrat herunterkommt und mit ihm ein steiles Kar einschließt. Durch dieses Kar läuft man in steilen Serpentinen hoch zum Hintergrat, welchen man schließlich durch eine steile Rinne (zwei Stellen II) erreicht. Am Grat angekommen wird es auch langsam etwas heller und man kann endlich die Stirnlampe ausknipsen. Weiter geht es immer leicht links oder direkt auf dem Grat (eine Stelle II) bis man das erste Eisfeld erreicht. Da hier teilweiße kein Schnee mehr lag mussten die Steigeisen drauf. Sobald sich das Eisfeld in den Felsen verliert gelangt man wieder auf den Grat. Nun ein paar Meter aufsteigen und auf einem Band (II) den Signalkopf (3725m) links umgehen. Nun beginnen die eigentlichen Schwierigkeiten. Obwohl der Gipfel schon in greifbarer Nähe scheint, hat man noch einige Hindernisse zu überwinden: Los geht’s mit einem abdrängenden 5m hohen Riss. Laut Führer IV- bzw. III/A0, doch ich empfand es als (viel) schwerer (der Fels ist dort sehr speckig)! Doch Gott sei Dank steckten drei Normalhaken in dem Riss an denen ich mich mit einer Schlinge einhängte und so schrittweiße hochziehen konnte (ohne diese Haken hätt ich umdrehen müssen). Danach bleiben die Schwierigkeiten relativ anhaltend im II. Grad mit einigen IIIer Stellen, die aber kein großes Problem darstellen. Nach dem zweiten Eisfeld (ca. 35°) bei dem man die Steigeisen wegen der Schneeauflage im Rucksack lassen konnte, erwartet einen nochmal eine etwas heikle Kletterstelle (laut Führer -IV) die aber viel angenehmer und ohne "Bandschlingenklimmzüge“  zu klettern ist. Nun hat man es fast schon geschafft. Noch etwas Kraxelei und man ist am Gipfel 8) (die gesamte Routenfindung am Grat ist nicht allzu kompliziert, einfach immer der logischen Linie und folgen). Da ich solo unterwegs war, war am Gipfel erst mal Seilschaftsuche angesagt. Nach kurzer Suche schloss ich mich einer netten 2er Seilschaft an, die aus einem Italiener und einer Schweizerin bestand. Nach anfänglichen Verständigungsproblemen (die hielten mich zunächst für einen Engländer  ;D) machten wir uns für den Abstieg fertig, um schnell vom exponierten Gipfel wegzukommen (der Wind riss einen fast von den Füßen und es war saukalt). Der Abstieg über den Oberen Ortlerferner ist relativ unkompliziert. An der Biwakschachtel angekommen hat man die Wahl zwischen einer ca. 25m hohen Abseilstelle oder einem Abstieg über ein paar Felsstufen. Danach quert man noch ein kurzes Stück Gletscher und man kann die Steigeisen abmontieren. Nun noch über einige sehr speckige Felsstufen (teils versichert; II+) zur Payerhütte . Hier trennte ich mich von meinen beiden Mitstreitern und stieg über breite Wanderwege zur Liftstation ab. Leider hat es dann die letzte halbe Stunde bis zur Liftstation wie aus Eimern gekübelt und ich wurde klatschnass. Das war mir dann aber auch herzlich egal nach so einer genialen Tour :-L)

Fazit:
Die Überschreitung des Ortler ist eine wunderbare und herrliche Tour. Am Hintergrat beschränken sich die Hauptschwierigkeiten auf die letzten 200mH und der Abstieg ist auch nicht allzu gefährlich und schwierig. Dazu die tolle Aussicht. Einfach toll!!

Meine Zeiten:
Hintergrathütte-->Gipfel: 4,5h; Gipfel-->Payerhütte: 3,5h; Payerhütte-->Langensteinbahn: 1h45min.     

PS: Wenn Leute dabei sind die nicht mit auf den Ortler gehen (wie in meinem Fall), können die auch von der Hintergrathütte zur Payerhütte laufen. Ist auch eine schöne Tour.

Viele Grüße, David
  • hilfreich

DavidXXXX

  • Gast
Re: Ortler (3905m) über Hintergrat
« Antwort #1 am: 28. Aug 2010 - 15:50 Uhr »
^
  • hilfreich

Offline Grimpeur

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 638
Re: Ortler (3905m) über Hintergrat
« Antwort #2 am: 30. Aug 2010 - 22:22 Uhr »
schöne Tour und Bilder  ;D ;D
  • hilfreich

Tags:
 





aktuell online
Bilder • 35.172
Themen •   5.312
Beiträge • 48.121


IMPRESSUM
DATENSCHUTZ
FAQ

(V.14.1) © alpic.net und Autoren 2001 - 2018 nach oben