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das bäuerliche Leben im 18./19. Jahrhundert  (gelesen 1046 mal)

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Offline kalle

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das bäuerliche Leben im 18./19. Jahrhundert
« am: 07. Dez 2016 - 10:47 Uhr »

Alpwirtschaft im Allgäu


Auszug aus dem Buch "Handbuch für Reisende im Algäu, Lechthal und Bregenzerwald" von Joseph Buck (1856)
Außer den Feldern im Thale (Oesche)... / ...bieten die nahen Berge mit ihren Waidschaften und Bergwiesen eine Fülle vorzüglichen Futters. Die Alpen zerfallen (=werden aufgegliedert) in Sennalpen, wo nur milchende Kühe sind, und in Galtalpen, wo junges, unträchtiges Vieh und Pferde weiden. Ende Juni sind gewöhnlich alle Alpen bezogen.

In den Sennbergen (Alpen mit Käserei) befinden sich gewöhnlich 1 bis 2 Hütten, aus Balken zusammengefügt und mit Schindeln gedeckt. Der vordere Raum der Sennhütte enthält die Stube der Sennen mit der "Bugrat", der Schlafstelle der Senner, dann die Käseküche und die Keller; im Anbau sind die Viehställe; der Dachraum wird zur Aufbewahrung von etwas Heu benützt, und dieses luftige Revier dient jeweils auch als Schlafgemach, wenn fremde Bergfahrer auf den Alpen um Nachtherberge zusprechen.

Die Sennalpen sind gewöhnlich nicht so hoch gelegen als die Galtalpen. Alle Alpen haben je nach ihrer Größe mehr oder weniger Weideplätze, wovon jeder seinen eigenen Namen hat (z.B. Vorsäß, untere Weide, Steingere, Gleigund, Teufenhalde etc.) Erst in neuerer Zeit hat man angefangen, die Galtalpen als Sennalpen zu verwenden und hat zu diesem Behufe (=zu diesem Zweck) an mehreren Plätzen sogenannte Hoch(ge)läger errichtet. Ist eine Sennalpe groß, so sind auf den höher gelegenen Weiden Ställe für das Vieh und Hütten für Melker und Hüter erbaut.

Von diesen obern Weiden muß die Milch täglich zweimal zu der Sennhütte hinuntergebracht werden, was jederzeit auf Schlitten geschieht; die leeren Fässer und die Schlitten müssen auf dem Rücken wieder die jähen Halden hinaufgeschleppt werden.

Morgens 6 Uhr und Abends 5 Uhr wird gemolken; täglich einmal und zwar Vormittags wird gekäst. Es werden fette, halbfette und magere Käse gemacht...



Die Galtalpen... / ...je nach der Größe der Heerde sind 1 bis 2 Hirten nothwendig (Zäune gab es zu dieser Zeit noch nicht); die Galthütte, das Sommerpalais des Hirten, ist aus übereinander gelegten Baumstämmen zusammengefügt, mit Schindeln gedeckt und (meist) in zwei Räume aufgetheilt; der eine dient dem Hirten zum Aufenthalt und ist Küche, Keller, Wohnstube und Schlafkammer zugleich; im andern Raum sind ein paar Kühe und Geißen untergebracht, deren Milch nebst etwas Mehl und Schmalz des Hirten einzige Nahrung bildet...



Vortreffliches Futter liefern die Berg- oder Wieshoibat, die Bergwiesen; an vielen Stellen in den Alpen sind nämlich die Grashalden zu steil, "verfällig" und dem Vieh unzugänglich; da klettert der Heuer hinan und mäht das Gras ab, häuft es, nachdem es getrocknet und birgt es in der Heuschinde (=Stadel). Die Gewinnung des Bergheues ist mit vielen Gefahren verbunden; wenn man die oft viele Tausend Fuß hohen Gibel und Grate betrachtet, an denen sich die schmalen Grasflächen fast senkrecht hinanziehen, so staunt man billig, wie es möglich ist, an solchen Stellen zu arbeiten. Im Winter wird das Bergheu "burdenweise" auf Schlitten (welche man "Schalenke" heißt) geladen und in´s Thal gebracht.
Getreide wird nur sehr wenig (an)gebaut und beschränkt sich auf den Anbau von etwas Vesen, Gerste, Hafer, Erbsen, Bohnen und Kartoffeln.

« Letzte Änderung: 07. Dez 2016 - 11:15 Uhr von kalle »

Tags: alltag | bäuerlich | leben | tagesablauf | 
 





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