Bergsport und Corona?

Almwirtschaft heute: Zwischen Heidi-Idyll und nackter Wirtschaftlichkeit  (gelesen 1000 mal)

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Offline oliver

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Offline kalle

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Danke Oliver, für den Hinweis  :-L)

Leider hat der Autor des Beitrags vollkommen Recht mit seiner Einschätzung.
Es gibt immer weniger Alpen, welche sich einen naturverträglichen Betrieb leisten (können oder wollen?). Die Gewinnmaximierung steht auch in den Regionen bis knapp unterhalb der Baumgrenze an erster Stelle der Agenda. Man muss dabei aber auch die Situation der Betreiber kennen. So sind die zu erfüllenden Auflagen durch die Behörden - zum Teil auch durch die EU initiiert - für einen kleineren bzw. umsatzschwächeren Betrieb nicht mehr zu stämmen.

Sanierungen von Küchen, Sanitäranlagen und auch Stallungen bringen die Eigentümer ins Straucheln. Viele der Bauern, die ihr Vieh den Sommer über auf der Alm haben, sind lediglich Nebenerwerbslandwirte. Meist ist das mit einem kostspieligen Hobby vergleichbar und die betreffenden Leute machen das aus Idealismus und der Überzeugung, dass sie für sich qualitativ hochwertigere Lebensmittel (Wurst, Milch, zum Teil auch Butter und Käse) herstellen können, als sie es im Discounter um die Ecke bekommen würden.

Verdienen tun sie mit ihren kleinen Flächen und geringen Tierbeständen da herzlich wenig. Dabei hört das ganze ja nicht bei der Stalltüre auf. Die Situation wird ja nur aus dem Tal auf die Alm übertragen. Die Almpächter (in der Regel dann auch für das Vieh zuständig) müssen ihren Unterhalt primär mit dem Ausschank und der Ausgabe von Getränken und Speisen bestreiten. Liegt die Alm dann in einem touristisch weniger attraktiven Gebiet (keine Liftanlage in der Nähe, zu viel Konkurrenz im Einzugsgebiet, schwierig erreichbar, usw.) wird sie zwangsläufig dicht machen müssen. Wie im Tal auch, lautet dann die Devise: die Großen werden größer und die Kleinen verschwinden. Übrig bleiben dann die großen Berghotels und Bergstationen in Liftnähe und die kleinen Almen liegen brach und verbuschen zusehends.

Selbstredend fällt auch auf, dass der Anspruch der Hüttenbetreiber an die betrieblichen Notwendigkeiten in eine Schieflage gerät. Da wird dann auch überall angefangen einzusparen, was sich in den meisten Fällen dann natürlich wieder im Umgang mit der Naturlandschaft und dem Vieh widerspiegelt. Die "Geiz-ist-geil-Mentalität" zieht eben große Kreise, die auch vor dem Berg und den Almen nicht halt macht.

Wenn ich nicht willens bin für eine höhere Qualität mehr auszugeben, werde ich auf Dauer halt auch nur billige Ware für billiges Geld zurück erhalten. Die Kostenschraube würgt quasi die Qualität für ausnahmslos alles nach unten. Da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn man sich wie in der "Piefke-Saga" vorkommt. Wo dann der sattgrüne Rasenteppich über die ansonsten vermüllte Berglandschaft gebreitet wird und der Käse nicht mehr aus dem eigenen Betrieb stammt, sondern irgendwo im Käse-Labor herangezüchtet wurde. Die Anfang der 90er Jahre gedrehten Folgen der Saga waren damals als extrem überspitzt angesehen worden.

Heute sind sie wahrscheinlich nicht mehr so weit von der Realität entfernt und können vielleicht in den nächsten Jahren schon als Tatsachenbericht angesehen werden...  :ohmann:

Offline oliver

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Ungeachtet der aufgegriffenen Problematik wird die Alpe "Spicherhalde" oberhalb von Balderschwang auch in diesem Jahr - wie seit alters her - wieder aus dem benachbarten Vorarlberg besiedelt.

Zeitungsartikel

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