Tirol braucht keine Allgäuer  (gelesen 641 mal)

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Offline kalle

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Re: Tirol braucht keine Allgäuer
« Antwort #1 am: 09. Sep 2018 - 10:57 Uhr »
Es scheint hier so, als ob wieder mal ein Einzelner in der Lage ist, dafür zu sorgen, dass alle in einen Topf geworfen werden.  :(

Es ist zwar schon von Alters her so, dass die Allgäuer und Tiroler sich gegenseitig mit "Kosenamen" versehen: d'Allgaiar spötteln dabei über die Nussár und umgekehrt. Ob man das dann allzu ernst nimmt, ist jedem selbst überlassen - meiner Erfahrung nach stoßen 'die Kontrahenten' unmittelbar nach Aussage dieser Frechheiten augenzwinkernd mit dem Bier an.

Ich würde am Weißenbacher Baggersee aber eher das Problem des 'Dichtestress' sehen, da dieser Naherholungsraum von wirklich vielen für ihre Interessen genutzt wird - aller Nationalitäten. Die Einheimischen und die nördlichen Nachbarn wollen baden und 'ein Bierchen zischen', die türkische Community will grillen, wie wohl auch einige Vertreter aus den Balkanstaaten und ganz viele wollen rund um den Baggersee ihren Waldi ausführen, damit der sein Geschäft verrichtet und dann will ja auch noch der Radweg genutzt werden - auch für allerlei Tätigkeiten, welche herzlich wenig mit dem Radfahren selbst zu tun haben.

Warum nun diese 'Flugzettel'-Aktion explizit auf die Allgäuer-Besucherschaft abzielt, weiß halt der Verfasser allein...

...ist aber wohl kaum der ganzen Einwohnerschaft des Lechtals zur Last zu legen.

Ich für meinen Teil habe ein Problem damit, gleich mit der ganzen Bewohnerschaft einer Region in Clinch zu gehen. 'Deppen' gibt es da wie dort und das muss man dann ganz individuell abwägen. Ich halte es da frei nach dem Philosophen Forrest Gump, der da meint: "Dumm ist nur, wer dummes tut!"

Offline Andi

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Re: Tirol braucht keine Allgäuer
« Antwort #2 am: 09. Sep 2018 - 11:46 Uhr »
Ich habe gestern mit äußerst gemischten Gefühlen auf diesen Zeitungsartikel reagiert.

Einerseits sehe ich mich mit meinen Erfahrungen mit Personen im Lechtal durchaus bestätigt. Wenn ich mit Allgäuer Kollegen in den Klettergarten gehe und andere Tiroler ebenfalls anwesend sind, dann grüßt man sich. Aber man kann ganz genau spüren, dass die Tiroler Locals von unserer Anwesenheit in "ihrem" (geheimen) Klettergarten nicht erfreut sind. Ganz genau wie der Zettelverteiler schreibt: "Sie mögen uns wirklich nicht". In den letzen Jahren habe ich mal diesseits und mal jenseits der Tiroler Grenze gewohnt und von wenigen Ausnahme abgesehen, kann ich (neben anderen Allgäuern) leider bestätigen, was ich da lesen muss. Ich muss leider immer mehr den völkischen Trend beobachten, dass bestimmte Ethnien gerne "unter sich" bleiben wollen. Das spiegelt sich z.B. auch in Wahlergebnissen oder Wertschätzen von regionalen Sprachdialekten wider.

Andererseits hat mich der Zeitungsartikel sehr beruhigt. Er hat mir gezeigt, dass es nicht an meiner Person liegt. Ich war immer freundlich und gut drauf, nie ein böses Wort gesagt, nie Müll am Berg entsorgt (sondern im Gegenteil, fremden Müll eingesammelt und im Tal sauber entsorgt). Dass ich Allgäuer bin, dafür kann ich nichts und ich identifiziere mich gar nicht mit irgendwelchen Nationalitäten. Einziger Kritikpunkt an meiner Person wäre, dass ich nie in ein Wirtshaus gehe und nie etwas konsumiere. Aber muss man immer etwas konsumieren? Leider passt die mitteleuropäische Wirtshauskultur so gar nicht zu meinen Ernährungsgewohnheiten.

Zum Schluss möchte ich noch fragen, von wem wohl die kritisierte "schlechte Laune" ausgeht, wenn jemand durch die Welt ziehen muss und brave, unschuldige Leute mit so einem Schmarren belästigen muss?
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Offline Xander

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Re: Tirol braucht keine Allgäuer
« Antwort #3 am: 09. Sep 2018 - 14:23 Uhr »
Schon fast müßig sich überhaupt mit dem Schmarrn zu beschäftigen.

Mich stört vor allem der Verweis auf die mitgebrachte Brotzeit und dass der Besucher nur als Geldscheisser erwünscht ist. Für die Sichtweise schämt man sich nämlich auf breiter Front nicht mehr

Unter dem Aspekt schenken sich unsere Allgäuer Giersäcke nichts mit dem Zettel verteilenden Einfaltspinsel und müssten gar hervorragend zusammenpassen  ;D
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Offline Graddler

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Re: Tirol braucht keine Allgäuer
« Antwort #4 am: 09. Sep 2018 - 21:42 Uhr »
Das ist wirklich eine blöde, unfreundliche und kropf-unnötige Aktion.

Ein paar Anmerkungen dazu:

1) Mich würde interessieren, ob und ggfs. wie die örtlichen Medien (gemeint: Medien mit Sitz in Österreich, Tirol, Außerfern) darüber berichten. Gibt es dazu Informationen? Vielleicht kann einer der Forums-Locals etwas dazu beisteuern.

2) Ich will den Vorgang keineswegs rechtfertigen oder entschuldigen. Tatsache ist aber, dass die Region Oberes Lechtal/Außerfern eben auch eine der Regionen ist, die sehr stark auch die Schattenseiten des Tourismus zu spüren bekommt. Beispiele:
a) Extrem hohe Verkehrsbelastung durch die Transit-Bundesstraße vom Grenztunnel Richtung Fernpass
b) Auch abseits der vorgenannten Hauptroute gibt es stellenweise eine hohe Verkehrsbelastung z.B. durch die allseits bekannten Motorradfahrer (Hahntennjoch, Gaichtpass, Oberes Lechtal).
c) Starke Prägung durch Tagestourismus mit all seinen Konsequenzen, geringer Anteil an "Bleibe-Tourismus", also Gästen die mehrfach in der Region übernachten. Das hat eine geringe "Wertschöpfung" vor Ort zur Folge.

Vielleicht ist in diesem Zusammenhang bei jemandem das Fass übergelaufen.

3) Im Übrigen teile ich zu 100% die Meinung von Xander, wenn er auf absolut vergleichbare Erscheinungen in anderen Regionen hinweist - leider. Insofern ist der Vorgang in Weißenbach leider nichts Neues.
« Letzte Änderung: 09. Sep 2018 - 21:44 Uhr von Graddler »
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Offline kalle

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Re: Tirol braucht keine Allgäuer
« Antwort #5 am: 10. Sep 2018 - 11:41 Uhr »
1) Mich würde interessieren, ob und ggfs. wie die örtlichen Medien (gemeint: Medien mit Sitz in Österreich, Tirol, Außerfern) darüber berichten. Gibt es dazu Informationen? Vielleicht kann einer der Forums-Locals etwas dazu beisteuern.

Dazu habe ich bis jetzt noch nichts in den örtlichen Medien entdeckt.

2) Ich will den Vorgang keineswegs rechtfertigen oder entschuldigen. Tatsache ist aber, dass die Region Oberes Lechtal/Außerfern eben auch eine der Regionen ist, die sehr stark auch die Schattenseiten des Tourismus zu spüren bekommt. Beispiele:
a) Extrem hohe Verkehrsbelastung durch die Transit-Bundesstraße vom Grenztunnel Richtung Fernpass
b) Auch abseits der vorgenannten Hauptroute gibt es stellenweise eine hohe Verkehrsbelastung z.B. durch die allseits bekannten Motorradfahrer (Hahntennjoch, Gaichtpass, Oberes Lechtal).
c) Starke Prägung durch Tagestourismus mit all seinen Konsequenzen, geringer Anteil an "Bleibe-Tourismus", also Gästen die mehrfach in der Region übernachten. Das hat eine geringe "Wertschöpfung" vor Ort zur Folge.

Vielleicht ist in diesem Zusammenhang bei jemandem das Fass übergelaufen.

Diesen Punkt kann ich leider bestätigen, die Region ist inzwischen verkehrstechnisch überbelastet. Darüber hinaus ist gerade Weißenbach als Kreuzungspunkt der B198 und B199 eine der am stärksten frequentierten Gemeinden, wenn es um den Freizeit- und Urlaubsverkehr geht. Noch dazu sind die geografischen Gegebenheiten den Lärm betreffend äußerst ungünstig, da durch den Gaichtpass in der Höhe und das recht schmale Lechtal der Schall ja nicht aus kommt.
Noch dazu werden die Maßnahmen der Politik, gegen die hohe Verkehrsbelastung vor zu gehen, letztlich als Schikane gegenüber den Einheimischen empfunden (Geschwindigkeitsbeschränkungen die scheinbar meist nur bei Berufspendlern geahndet werden).
Das soll diese Aktion keinesfalls in ein positives Licht rücken, sondern lediglich die Umstände etwas beleuchten.

3) Im Übrigen teile ich zu 100% die Meinung von Xander, wenn er auf absolut vergleichbare Erscheinungen in anderen Regionen hinweist - leider. Insofern ist der Vorgang in Weißenbach leider nichts Neues.

Das kann ich aus eigener Erfahrung leider auch bestätigen, auch im Allgäu ist man als Freizeitsportler aus dem Nachbarland Tirol nicht immer gern gesehen. Vielleicht aus den selben Gründen, wie sie eben auch im Außerfern vorzufinden sind.
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Offline AndreasMM

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Re: Tirol braucht keine Allgäuer
« Antwort #6 am: 11. Sep 2018 - 17:39 Uhr »
Autor Herr Sedlacek:
Klingt lustig, Zitat"
Vor kurzem habe ich einen amüsanten Leserbrief bekommen. Nein, es war eigentlich kein Leserbrief, sondern eine Frage. "Eine Frage generell an alle Österreicher", schreibt der Münchner Benjamin Poost. "Und zwar läuft es mir bei der Beschimpfung ,Piefke‘ immer kalt über den Rücken. Denn es klingt so preußisch. Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, beschimpft zu werden. Tun Sie sich keinen Zwang an! Aber wäre es denn möglich, uns Bayern (ausgenommen Franken) irgendwie anders zu beschimpfen? Vielleicht mit einem weniger zackigen, spitzen Ausdruck? Irgendwas Weicheres, Ruhigeres, Rundes. Etwa Schoaßbiesler oder Wammerlfresser. Diese Begriffe habe ich jetzt nur spontan aus der Luft gegriffen. Als Anregung."

oder für uns Allgäuer z.B. Käspatznfresser.................

Übrigens der Allgäuer bringt vieleicht auch seine "Von Hier- Brotzeit" mit und verlässt Tirol selten ohne Speckknödel im Bauch und kauft manchmal im Kaufhaus Lutz Rum und Wurst ein--
« Letzte Änderung: 11. Sep 2018 - 18:11 Uhr von AndreasMM »
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Offline Graddler

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Offline Kristian

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Re: Tirol braucht keine Allgäuer
« Antwort #8 am: 12. Sep 2018 - 16:19 Uhr »
Ist ja bis zu einem gewissen Grad ganz lustig, wie man sich um unsere Gesundheit sorgt. Was wohl Lidl dazu sagt, dass seine Brotzeit ungesund ist??? Ich hab dort mal nachgefragt. Nehme an, die sind nicht begeistert. Wieso geht jemand wegen so etwas zur Polizei. Ist doch nicht strafbar.
Ob sich der Verfasser auch um die Gesundheit seiner Landsleute sorgt? Vor dem Lidl in Oberstdorf stehen manchmal bis zu einem Drittel österr. Autos. Warum? Weil sie nicht genug Geld haben, die Lebensmittel beim M-Preis in Riezlern zu kaufen  ;D. Ok, sind Walser, keine Tiroler, aber wie hoch ist der tiroler Anteil beim Aldi in Füssen?

Man kann die Zettel auch, wie  unerwünschte Werbung einfach am Scheibenwischer lassen.  Also ignorieren. Wenn man los fährt, fliegt er weg. Aufräumen solls dann der, der sie verteilt hat  ;D

Ganz im Ernst: Wer sich Abgrenzung, geschlossene Grenzen und Kontrollen wünscht, soll mal durch den Balkan reisen. Da wird kontrolliert, Pässe gestempelt und in den Kofferraum geschaut. Da steht man schnell mal ein paar Std. an der Grenze.

Wenn jeder so denken würde, gäbe es über die Staatsgrenzen hinweg keine Freundschaften, Tourenpartnerschaften, Beziehungen, Ehen usw. Also ist die Aktion vielleicht keine Einzelmeinung, aber auch nicht die Meinung aller.

« Letzte Änderung: 13. Sep 2018 - 10:18 Uhr von Kristian »
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Offline kalle

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Re: Tirol braucht keine Allgäuer
« Antwort #9 am: 14. Sep 2018 - 00:29 Uhr »
Grenzfreundschaft mal anders - Tannheimer werden von den Hindelangern aus dem Ort gejagt

Allgemeiner Tiroler Anzeiger; 1. Aug. 1931
Vielleicht war der Blätterverteiler damals bei der Aktion auch schon dabei und hegt immer noch einen Groll auf die Allgäuer?

Jedenfalls scheint es, gab es damals auch schon einen gemeinsamen Nenner, der die Gemüter erhitzte. Nur wollten die damals mehr davon und heute...

 ;D
« Letzte Änderung: 14. Sep 2018 - 00:31 Uhr von kalle »
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